IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 6/1999, Seite 156 ff.


SANITÄR-/HEIZUNGSTECHNIK


Solaranlagen zur Brauchwassererwärmung

Praxiserfahrungen mit Großanlagen

Dr. Ulrich Schirmer, Dr. Jens Göring* Teil 1

Im folgenden Artikel geben die Autoren ihre Erfahrungen wieder, die sie im Laufe der Bearbeitung von Projekten innerhalb des Förder- und Forschungsprogrammes Solarthermie 2000 in den letzten Jahren gesammelt haben. Die hier aufgeführten Informationen sollen dazu dienen, Solartechnikaktivitäten bzw. -projekte an anderer Stelle vor möglichen Fehlern zu bewahren. Die Informationsquellen waren dabei zahlreiche Besichtigungen von Objekten unterschiedlicher Nutzerstruktur, Diskussionen mit Bauherren, Architekten und Planern im Vorfeld und während der Phase der Beantragung von Fördermitteln sowie die Betreuung mehrerer solarthermischer Großprojekte während der Planungs- und Installationsphase.

1. Einleitung

Sowohl bei kleinen als auch bei großen Solaranlagen stellen diejenigen zur Brauchwassererwärmung zahlenmäßig die bedeutendste Anwendung dar. Die Entwicklung in den letzten 15 bis 20 Jahren hat bei diesen Solaranlagen vielfältige Konstruktionsvarianten und Anlagentypen hervorgebracht. Im Vordergrund stand und steht immer wieder das Bemühen, bei möglichst günstigen Anlagenkosten den solaren Energieertrag zu erhöhen, was inzwischen zu einem erfreulich hohen Standard bei der Anlagentechnik geführt hat. Trotz dieser positiven Entwicklung gibt es bei der Planung und bei der Errichtung von großen Solaranlagen immer noch erhebliche Defizite.

Große Solaranlagen mit Kollektorflächen über 100 m2 sind nicht einfach große Kleinanlagen. Sie setzen eine gezielte Planung voraus und erfordern eine spezielle Anlagentechnik. Darüber hinaus bieten sich bei Großanlagen mehr Möglichkeiten, Kosten zu reduzieren.

Typische Anwendungsfälle für große Solaranlagen mit Kollektorflächen über 100 m2 sind z.B. mehrgeschossige Wohnbauten, Wohnsiedlungen ab 20 bis 30 Wohneinheiten mit zentraler Wärmeversorgung, Hotels, Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser, Studentenwohnheime und andere. In Hallenbädern und in Industriebetrieben müssen die Einsatzmöglichkeiten kritisch analysiert werden, da dort durch die Möglichkeiten der rationellen Energieanwendung wie z.B. Abwärmenutzung, Wärmerückgewinnung, Kombination aus Wärme und Kälte oftmals kostengünstigere Alternativen zu finden sind.

Bei der Inangriffnahme eines entsprechenden Vorhabens sollten alle Beteiligten wie z.B. Architekt, Planer, Bauherr, Denkmalschützer oder Nutzer rechtzeitig in den Vorbereitungsprozeß mit einbezogen werden.

Am Neubau sowieso, aber auch bei Rekonstruktionsmaßnahmen kann bei Voraussicht bereits vieles optimiert werden: Stockwerksdurchbrüche und Installationsschächte für die Rohrleitungen vom Keller zum Dach, sinnvolle Aufteilung des Haustechnikraumes für eine mögliche Solartechnik-Nachrüstung, Schaffung entsprechender Türöffnungen für den Speichertransport, bzw. frühzeitige Einbringung der Speicher in das Gebäude, Einflußnahme auf die Neigung des Daches u.a. Die nicht rechtzeitige Beachtung derartiger Maßnahmen bringt zu späteren Zeitpunkten deutlichen Mehraufwand mit Mehrkosten und kann im Extremfall sogar das Vorhaben in Frage stellen.

Neben der baulichen Hülle kann auch die konventionelle Haustechnik solartechnikfreundlich oder -feindlich angelegt sein.

Beispiel: Zwei Jahre nach dem Neubau eines Objektes kommt die Überlegung auf, Solarenergie thermisch zu nutzen. Die konventionelle Warmwasserbereitung basiert auf Ölheizkessel und mehreren Standspeichern. Leider ist keiner dieser Speicher vorbereitet für eine bivalente Beheizung. Die Nachrüstung der Anlage mit Solartechnik wird dadurch aufwendig, daß entweder diese Speicher gegen bivalente auszuwechseln sind oder zusätzliche Speicher anzuschaffen wären. Zusätzlich dazu ist die Raumausnutzung im Haustechnikraum so unglücklich, daß für Solarpufferspeicher nicht die volle Raumhöhe genutzt werden kann, weil ausgerechnet im Bereich freier Fußbodenfläche Rohrleitungen von der Decke abgehängt sind. Der Einbau von schlanken Speichern, die wegen ihres besseren thermischen Schichtungsverhaltens wünschenswert sind, wird somit unmöglich.

Ein paar Gedanken in Richtung möglicher Anlagenerweiterung während der Planungsphase hätten in diesem Falle dafür sorgen können, eine eventuelle spätere Nachrüstung mit Solartechnik deutlich unkomplizierter und preisgünstiger zu gestalten. Derartiges sollte in der heutigen Zeit nicht zu viel verlangt sein.

2. Planung und Auslegung

Die Idealkonstellation ist:

1) Ein Planungsbüro legt dem Bauherrn bzw. Nutzer der Immobilie die Idee nahe, Solartechnik in die konventionelle Technik zu integrieren.

2) Solaranlagenplanung und Planung der konventionellen Technik liegen in der Hand eines Planungsbüros.

3) Das Planungsbüro ist vor Ort oder in der Region vertreten.

Zu1) Damit ist sichergestellt, daß der Planer Interesse an der Solartechnik hat, was üblicherweise bedeutet, daß entsprechendes Know-how vorhanden ist. Im gegenteiligen Fall, d.h. ein interessierter Bauherr beauftragt einen Planer ohne sicherzustellen, daß dieser an der Materie interessiert ist, kann das Projekt leiden. Derart beauftragte Planer neigen dazu, sich mit dem erstbesten Anbieter von Solartechnik zu verbinden, wenn ihm dieser nur die "leidige" Planungsarbeit abnimmt. Dies kann funktionieren, muß aber nicht immer zur optimalen Anlage für das jeweilige Objekt führen.

Zu 2) Konventionelle Technik und Solartechnik müssen zusammen passen. Die beiden wesentlichen Schnittstellen sind die Übergabe der solaren Wärme in die Warmwasserbereitung und eine mögliche Versorgung der Zirkulation mit solarer Wärme. Fehlabstimmungen gerade im letzten Punkt können schlimmstenfalls dazu führen, daß über die Zirkulation konventionell erzeugte Wärme in das kältere Solarsystem eingetragen wird. Fehlende Abstimmung kann auch fehlende Information zum jeweils anderen System bedeuten. Fehlt die Anlagendokumentation zum vorhandenen konventionellen System, so erschwert dies die Ergänzung mit Solartechnik erheblich. Im Falle der Fehlfunktion der Gesamtanlage (z.B. unzureichende Warmwasserbereitstellung) wird der "schwarze Peter" üblicherweise der Solartechnik zugeschoben. In einem von den Autoren begleiteten Vorhaben, bei dem eine getrennte Planung und Ausführung von konventioneller und Solartechnik vorgenommen wurde, war z.B. die konventionelle Nachheizung der Warmwasserbereitung unzureichend dimensioniert. Die Fehlersuche konzentrierte sich jedoch fast ausschließlich auf die Solaranlage.

Zu 3) Mit zunehmendem Erfahrungsgewinn bei der Großanlagentechnik wächst die Wahrscheinlichkeit, daß regional vertretene Planungsbüros und Installationsfirmen über das entsprechende Solartechnik-Know-how verfügen. Betreute Projekte, bei denen einer der o.g. Beteiligten in größerer Entfernung ansässig war, krankten zum Teil daran, daß dringend vor Ort zu klärende Probleme in der Installations- und Erprobungsphase eben nicht schnell geklärt werden konnten. Jeder Ausfall einer Solaranlage wiegt ideell doppelt so schwer wie der Ausfall konventioneller Technik, da man der neuen Technik oft skeptisch gegenübersteht.

Bild 1: Vergleich der Meßwerte zum Warmwasserverbrauch mit Literaturangaben.

Für die Auslegung von großen Solaranlagen zur Brauchwassererwärmung sind die wichtigsten Kenngrößen, der tatsächliche Warmwasserbedarf und das tägliche Verbrauchsprofil, oftmals unbekannt. Das Heranziehen von allgemein gültigen Verbrauchskennwerten aus bekannten Tabellenwerken wie z.B. Feurich "Sanitärtechnik", Recknagel/Sprenger/Schramek "Heizung + Klimatechnik", VDI 2067 Blatt 4 u.a. hat sich oft als nicht brauchbar erwiesen (siehe Bild 1) und führte in der Vergangenheit häufig zur Überdimensionierung der Solaranlagen.

Aus den Warmwasser-Verbrauchsmessungen, welche die Autoren in 18 Objekten mit unterschiedlicher Nutzung in den letzten vier Jahren durchgeführt haben, sind folgende Richtwerte entstanden (siehe Kasten).

Ist der Warmwasserverbrauch eines bestehenden Objektes durch eine Messung oder bei Neubauten durch einen Vergleich mit ähnlich genutzten Objekten ermittelt worden, sollte zur Auslegung der Solaranlage und zur Optimierung unbedingt eine Computersimulation auf der Basis standortbezogener Wetterdaten durchgeführt werden. Als Software eignen sich u.a. T-SOL , F-chart, ISFH, Polysun und TRNSYS.

3. Installation und Anlagenbetrieb

Es folgen einige Aspekte, die für eine sichere Betriebsweise von großen Solaranlagen wichtig sind.

a) Kollektorfelder mit Flächen >100 m2 sind möglichst mit einem geringen Durchfluß von 10 bis 15 l/(m2 h), bezogen auf die gesamte Feldfläche, zu betreiben. Das führt trotz wünschenswert hoher Vorlauftemperatur am Solarkreiswärmeübertrager zu einer mäßigen Absorbermitteltemperatur wegen der hohen Temperaturspreizung des Wärmeträgers. Darüber hinaus kann durch eine gezielte temperaturorientierte Einschichtung in den Pufferspeicher der Systemwirkungsgrad der Anlage deutlich verbessert werden. Die Anwendung dieses Low-flow-Prinzips führt zu geringen Rohrleitungsdimensionen, zu Einsparungen beim Wärmeträgerfluid und bei der elektrischen Energie der Umwälzpumpen. Bei dieser temperaturorientierten Schichtung im Puffer ist unbedingt sicherzustellen, daß bei starker Sonneneinstrahlung nicht zu schnell die Abschalttemperatur (vergl. Bilder 10 und 12, Fühler STW, siehe Teil 2) im oberen Speicherbereich erreicht wird, obwohl der Speicher ansonsten noch nicht komplett aufgeheizt ist. Dies wird am besten erreicht, wenn der Volumenstrom für die Beladung des Speichers so ausgelegt ist, daß auch bei Kollektorrücklauftemperaturen größer 100C die Speicherbeladung mit maximal 95C erfolgt.

b) Die Kollektoren sind immer mit einem hohen Durchfluß zu betreiben. Dazu werden so viele Kollektoren in Reihe geschaltet, wie es bezüglich des Druckverlustes vertretbar ist. Mit der Einsparung an Rohrleitungen werden gleichzeitig die Wärmeverluste minimiert. Darüber hinaus wird durch die turbulente Strömung in den Kanälen des Kollektors der Wärmeübergang verbessert.

Bild 2: Hydraulik im Kollektorfeld einer Low-flow-Anlage.

c) Die Kollektoren müssen für die in den Punkten (a) und (b) beschriebene Hydraulik ausgelegt sein, d.h. im Kollektor sollten die Kanäle parallel verschaltet und die Kollektoren in Reihe geschaltet werden und nicht umgekehrt (siehe Bild 2).

d) Bei Stagnation können in den Kollektoren Temperaturen über 120C erreicht werden. Damit unterliegen Solaranlagen der Dampfkesselverordnung. Bei einem Volumen kleiner 50 Liter im Solarkreis erfolgt die Einstufung als Dampferzeuger der Gruppe 3. Ist das Volumen im Solarkreis größer als 50 Liter, fallen die Solaranlagen in die Gruppe 4, was eine Abnahmeprüfung der Solaranlage durch einen Sachverständigen und einen erhöhten Wartungsaufwand für den Betreiber nach sich zieht.

Um die Einstufung als Dampferzeuger in die Gruppe 4 zu umgehen, werden große Kollektorfelder häufig in kleinere Teilfelder mit weniger als 50 Liter Volumen unterteilt und mit den entsprechenden Absperr- und Sicherheitsarmaturen versehen. Bei der Auswahl der Armaturen ist auf ausreichende Temperaturbeständigkeit zu achten.

Im Grunde genommen ist bei eigensicheren Solaranlagen (siehe Abschnitt i) die Bezugnahme auf die Dampfkesselverordnung unlogisch, da dort die Dampfbildung trotz bleibender Wärmezufuhr von allein zum Stillstand kommt. Es bleibt abzuwarten, ob diese Regelung, wie allgemein erwartet, in nächster Zeit entschärft wird.

e) Hinsichtlich der Regelungsstrategie kann nur nochmals auf die bereits gegebene Empfehlung "so einfach wie möglich - nur so kompliziert wie unbedingt nötig" hingewiesen werden. Die Berücksichtigung dieses Grundsatzes führt in der Praxis zu einfachen und überschaubaren Regelkonzepten.

Das Einschalten der Pumpe im Solarkreis kann erfolgen:

- über einen Strahlungssensor, dessen Schaltschwelle bei 150 W/m2 liegt oder

- über eine Temperaturdifferenz, die zwischen einer fiktiven Kollektortemperatur und der Temperatur im unteren Teil des Pufferspeichers bestimmt wird. Die Werte für den Temperaturunterschied (Dt) liegen zwischen 5 und 10 Kelvin (K). Bei vielen großen Kollektorfeldern ist es schwierig, eine repräsentative Einbauposition für den Kollektortemperaturfühler zu definieren. Meist wird er auf ein Absorberblech aufgenietet oder mittels Tauchhülse im Wärmeträgersammelkanal plaziert.

Das Abschalten der Pumpe im Solarkreis erfolgt entweder, wenn der Grenzwert der Strahlung unterschritten wird, unter Zulassung einer gewissen Nachlaufzeit, oder wenn die Solarkreis-Zulauftemperatur am Pufferbeladespeicher nur noch 3-5 K über der tiefsten Speichertemperatur liegt.

Oft wird die Möglichkeit genutzt, die Solaranlage mit auf eine vorhandene DDC-Regelung** aufzuschalten. Dem ist prinzipiell nichts entgegenzuhalten. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß hier die Kommunikation zwischen dem Programmierer der Regelung und dem Solarplaner bzw. -installateur besonders gefragt ist. Übliche Regelungsfälle und -strategien aus der konventionellen Haustechnik sind in den DDC-Regelungen implementiert und den Programmierern geläufig. Da die Regelungsstrategien in Solaranlagen z.T. von diesen Standardlösungen abweichen, neigt mancher Programmierer dazu, freiweg zu entscheiden, welche der Standardvarianten schon ersatzweise genügen. Wenn dabei dann nicht 100%ig die Vorgaben des Anlagenplaners (wie z.B. exakte Temperaturdifferenzen, Zeitregimes, Schaltfolgen) umgesetzt werden, ist eine Fehlfunktion im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert. Ärgerlich wird die Angelegenheit dadurch, daß die interne Programmierung der DDC-Technik nur dem Lieferanten zugänglich ist, so daß sich die Fehlersuche bei Anlagenfehlfunktion problematisch gestaltet. Es muß aber nicht nur die Fehlersuche sein. Nach der Inbetriebnahme von Großanlagen wird sich in den meisten Fällen eine Optimierung als sinnvoll erweisen. Gerade bei den im Förder- und Forschungsprogramm Solarthermie 2000 betreuten Anlagen kann es sich regelrecht als Nachteil erweisen, wenn die Regelungsphilosophie nachträglich nicht ohne die Zuhilfenahme der DDC-Programmierer veränderbar ist.

f) Weiterhin hat die Erfahrung gezeigt, daß sich der Einbau einer geregelten Pumpe im Entladekreis der Pufferspeicher günstig auf die Ertragssituation auswirkt. Der Einsatz geregelter Pumpen sollte daher zukünftig Stand der Technik sein. Bei den solaren Vorwärmanlagen wird üblicherweise das zu erwärmende Kaltwasser über den Entladekreiswärmeübertrager des Solarspeichers geführt. Bei Warmwasserentnahme spricht die Entladekreispumpe an. Da der Wärmeübertrager nur für die Nennlast ausgelegt werden kann, wird es viele Belastungsvarianten geben, bei denen keine optimale Rückkühlung des Pufferentladekreislaufs zustande kommt. Mit einer temperaturabhängig geregelten Pumpe im Entladekreis lassen sich wechselnde Volumenströme bestmöglich abkühlen. Damit steht dem Kollektorfeld eine wirkungsgraderhöhende niedrige Zulauftemperatur zur Verfügung (siehe auch Anlagenschemata Bilder 10 und 12).

g) Der DVGW fordert in seinem Arbeitsblatt W 551, daß in einem neu zu errichtenden System zur Brauchwassererwärmung alle trinkwasserführenden Speicher täglich einmal auf 60C aufzuheizen sind, damit eventuell vorhandene Legionellen abgetötet werden. Diese Regelung gilt, wenn das Speichervolumen mehr als 400 Liter beträgt oder der Inhalt der Rohrleitung vom Trinkwassererwärmer bis zur Zapfstelle größer 3 Liter ist.

- Wohngebäude

- kontinuierlicher Verbrauch über das Jahr
- tägliche Spitzenlast ca. von 15.00 Uhr bis 20.00 Uhr
- Verbrauch pro Person zwischen 15 l/d und 30 l/d*

- Wohnheime

- diskontinuierlicher Verbrauch über das Jahr
- Belegung bei Studentenwohnheimen während des Semesters 80-90%, während der Ferien 30-40%
- Verbrauch pro Person zwischen 25 l/d und 40 l/d*

- Alten u. Pflegeheime

- kontinuierlicher Verbrauch über das Jahr
- abhängig vom Ausstattungsgrad
- Verbrauch pro Person zwischen 28 l/d und 60 l/d*

- Krankenhäuser

- kontinuierlicher Verbrauch über das Jahr
- stark abhängig vom Ausstattungsgrad
- Verbrauch pro Bett zwischen 30 l/d und 50l/d*

 

* bei tw= 60C

Da dieses Aufheizen den Ertrag der Solaranlage stark beeinflußt, wird empfohlen, die Solarspeicher nicht mit Trinkwasser zu betreiben, sondern vielmehr einfache, wenn möglich sogar drucklose Pufferspeicher aus Stahl oder anderem preiswerten Material für Heizungswasser zu verwenden. Die Wärmeaufnahme vom Solarkreis in den Pufferspeicher und die Wärmeabgabe vom Pufferspeicher an das Brauchwassersystem werden bei großen Solaranlagen in der Regel durch externe Wärmeübertrager vorgenommen. Nebenbei ist es auch kostengünstiger, die Wärme in einfachen Pufferspeichern "zwischenzulagern" und nicht das gesamte Speichervolumen in teuren Brauchwasserspeichern unterzubringen. Ab einem Volumen von etwa 2 m3 ist es sinnvoll, die Solarwärme in separate Pufferspeicher zu schaffen. Die volumenbezogenen Kosten für Brauchwasserspeicher liegen in etwa bei dem zwei- bis vierfachen gegenüber Pufferspeichern.

h) Im Unterschied zu Kleinanlagen, die mittlerweile auch als Paket erworben und notfalls vom Laien installiert werden können, ist jede Großanlage ein eigenständig zu planendes Vorhaben. Selbst an anderen Großanlagen realisierte Prinzipien sind immer wieder kritisch zu hinterfragen, wenn sie in geänderter Peripherie eingesetzt werden sollen.

Beispiel: Offensichtlich existieren schon einige mittlere und große Solaranlagen, bei denen die Reihenschaltung von Schichtenspeichern als Puffer funktioniert. Dort ist dann nicht nur eine Differenzierung der Wassertemperatur über die Speicherhöhe vorgesehen, sondern auch eine Abstufung der Einzelspeicher nach Temperaturniveaus. Bei einer der im Rahmen Solarthermie 2000 betreuten Anlagen versagte diese Konfiguration weitestgehend. Die Auswertung der Meßreihen für die Speichertemperaturen zeigte, daß das erhoffte Weiterschieben der Volumenströme von einem Puffer in den nächsten häufig unterblieb. Das Fehlen einer geregelten Puffer-Entladepumpe und das häufige Auftreten kleinster Entnahmemengen auf der Brauchwasserseite führten dazu, daß das Kollektorfeld in solchen ungünstigen Betriebszuständen nur auf ein Drittel des Speichervolumens (einer von drei Puffern) arbeitete. Damit erreichte die Solaranlage unnatürlich oft den Stagnationszustand, da das so dezimierte Speichervolumen schnell die Abschalttemperatur annahm. In diesem Fall schaffte die parallele Verschaltung der Pufferspeicher Abhilfe.

i) Das Stillstandsverhalten (Stagnation) einer Solaranlage unterscheidet sich von dem einer konventionellen Heizungsanlage besonders dadurch, daß bei Nichtabnahme der Wärme z.B. durch Ausfall der Pumpe oder der Regelung bzw. bei erreichen der Maximaltemperatur im Speicher Dampfbildung speziell im Kollektor auftreten kann.

Prinzipiell wird verlangt, daß Solaranlagen eigensicher aufgebaut sind. Das bedeutet, daß die Anlagenschaltung und die Sicherheitstechnik so ausgeführt werden, daß anhaltende Wärmeaufnahme ohne Wärmeverbrauch nicht zu einem Störfall führen, dessen Behebung über den üblichen Bedienungsaufwand hinausgeht. Dazu sind in der DIN 4757 der Einsatz eines bauteilgeprüften Sicherheitsventils mit Ausblasleitung und Auffangbehälter, ein Membran-Ausdehnungsgefäß (MAG), ein Vorlaufthermometer und ein Manometer vorgeschrieben.

Bild 3: Einzelheit: Eingedichteter Fuß einer Unterkonstruktion (Foto Thomas Freitag).

Diese Forderungen der DIN 4757 werden bei großen Solaranlagen durch unterschiedliche Strategien umgesetzt.

Eine Strategie liegt darin, daß das MAG ausreichend groß dimensioniert ist und im Falle des Anlagenstillstandes das vollständige Ausdehnungsvolumen aufnehmen kann. Ein Abblasen über das Sicherheitsventil soll dadurch vermieden werden.

Im anderen Fall erfolgt bei Stagnation ein Abblasen über das Sicherheitsventil in einen ausreichend dimensionierten Vorratsbehälter. Nach Abkühlung im Absorber kondensiert der Dampf, der Druck sinkt und über eine Druckhaltepumpe kombiniert mit dem MAG wird automatisch aus dem Vorratsbehälter nachgespeist. Dabei dürfen keine automatischen Entlüfter in der Anlage eingebaut sein, da sonst Luft eindringen kann und die selbsttätige Wiederinbetriebnahme nicht funktioniert.

j) Nach den Landesbauordnungen der einzelnen Länder sind thermische Solaranlagen generell nicht genehmigungspflichtig. Neben den statischen Voraussetzungen, die sowohl im Fall einer Dachintegration der Kollektoren als auch bei einer Flachdachaufständerung der Kollektoren in jedem Fall gegeben sein müssen, sind wie bereits erwähnt, die Aspekte des Denkmalschutzes zu berücksichtigen.

Bild 4: Vorgefertigtes Element der Unterkonstruktion (Foto Thomas Freitag).

Großanlagen speziell in den neuen Bundesländern müssen sehr oft auf Flachdächern errichtet werden, weil der Gebäudebestand dies bedingt. Auf dem Wege zu kostengünstiger Solartechnik ist die Problematik der Flachdachaufständerung eine große Herausforderung. Hier ist eine gute Abstimmung zwischen Solarplaner, Architekt, Bauingenieur und Statiker gefragt. Statistiken belegen, daß die Kostenspanne für Unterkonstruktionen zur Flachdachaufständerung einen sehr weiten Bereich umfaßt (200 bis 1000 DM/m2 Kollektorfläche). Diese große Kostenstreuung ist nicht allein durch unterschiedliche Dachkonstruktionen bedingt, sondern auch durch unterschiedliche Lösungsansätze. Für eine erfolgreiche Durchsetzung weiterer Großanlagen im Flachdachbereich ist die Entwicklung anpassungsfähiger und systemübergreifender Prinzipien beim Kollektorfeldunterbau notwendig. Dies gewährleistet kostengünstige Detaillösungen wie z.B. sicher abgedichtete Lasteinbringungspunkte ohne Wärmebrücken (Bild 3). Es müssen zudem Tragwerkskonstruktionen gefunden werden, die nicht nur die statischen Anforderungen erfüllen, sondern auch hinsichtlich Material- und Montageaufwand die Minimallösung darstellen (Bild 4). Hier sollte sich für die Zukunft ein Kosteneinsparpotential ergeben.   Fortsetzung folgt.


* Dr. Ulrich Schirmer, Dr. Jens Göring: Technische Universität, Chemnitz, Professur Technische Thermodynamik, Steinbeis-Transferzentrum Energie- und Umwelttechnik Chemmnitz.


** DDC = Direct Digital Control.


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