IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 6/1999, Seite 28 ff.


HAUS DER TECHNIK


Trinkwasserinstallation

Wasser ist nicht gleich Wasser

Die tägliche Auseinandersetzung des Hausmannes/der Hausfrau mit dem Waschpulverbeipackzettel, der Informationen über die Dosiermengen bei hartem und weichem Wasser gibt, ist keine Mär.

So unantastbar ist unser Wasser nicht. Und eines steht fest: Ohne läuft einfach nichts. Kompetenz schafft Vertrauen, das gilt auch für den Bereich der Wasserinstallation. Oder ist es Ihnen vielleicht nicht schon passiert, daß der Bauherr, stolzer Vater eines Säuglings, sie vorsichtig nach dem Material der Rohre, Fittings und dem bedenkenlosen Einsatz der Materialien befragt hat. Noch nicht? Vielleicht haben Sie Glück gehabt, sind an vertrauende Bauherren geraten oder sie haben einfach von Anfang an die richtige Information über die derzeit aktuellen Produkte und den Stand der Technik gegeben.

Dabei werden Sie selbst allerdings auch festgestellt haben, wie komplex das Thema Wasser ist. Auch heute noch gilt: Wasser ist ein besonderer Stoff, die Grundlage allen Lebens auf dieser Erde. Das Wasser befindet sich in einem steten Kreislauf zwischen Meer, Himmel und Erde. So unterschiedlich die Herkunft des Wassers ist, so unterschiedlich ist auch seine Zusammensetzung.

DVGW zugelassene Membranfiltration "Geno®max".

Unser Trinkwasser ist gut. Wasserversorgungsunternehmen fördern es aus Tiefbrunnen, als Quellwasser oder Uferfiltrat und bereiten es zu Trinkwasser auf. Auch die Zusammensetzung des aufbereiteten Trinkwassers ist vielfältig wie sein Ursprung. Um den gestiegenen Erfordernissen, der modernen Haushaltgeräte, aber auch der Armaturen, Wasserspararmaturen, Brauseköpfen und Luftsprudler beim Trinkwassergebrauch stärker gerecht zu werden, kann im Haus durch eine gezielte Trinkwasserbehandlung eine zusätzliche Aufbereitung des Wassers erfolgen.

So schützt Trinkwasserbehandlung

Trinkwasserinstallationen beinhalten häufig metallische Stoffe, die durch Wechselwirkung je nach Konzentration der unterschiedlichen Wasserinhalts- und Installationswerkstoffe durch Korrosion entstehen können. Dadurch kann das Trinkwasser einen erhöhten Gehalt an Schwermetallen aufweisen. Darüber hinaus können sich im Trinkwasser Partikel befinden, die zu Störungen führen. Immerhin ist der Weg, auf dem durch Inkrustierungen oder Abtrag von Rohrwandungen diese Partikel abplatzen können, zwischen Wasserwerk und Verbraucher, oft mehr als 10 km lang. Gegen das Einspülen von Fremdstoffen in die Hausinstallation, Einschlämmen in die Hausinstallation, kann ein Filter eingesetzt werden, der allerdings vor der erstmaligen Befüllung der Trinkwasserinstallation eingebaut sein muß.

In verschiedenen Normen wird der Einsatz von Filtern zwingend gefordert. Die DIN 1988, die Norm für "Technische Regeln für Trinkwasserinstallationen" formuliert dazu in Teil 2:

"Gelegentlich werden mit dem Trinkwasser kleine Feststoffpartikel, wie zum Beispiel Rostteilchen und Sandkörner, in die Hausinstallation eingespült. Derartige Partikel können fremdstoffinduzierte Korrosionsschäden in Form von Mulden- und Lochfraß in den Rohrleitungen bewirken, im Laufe der Zeit Brause- bzw. Luftsprudler verstopfen oder die Funktion von Armaturen stören. Filter verhindern, wenn sie geeignete Durchlaßweiten nach DIN 19632 aufweisen, solche Erscheinungen weitgehend. Bei metallenen Leitungen ist unmittelbar nach der Wasserzähleranlage ein Filter nach DIN 19632 in die Trinkwasseranlage einzubauen. Bei Kunststoffleitungen sollte ein Filter eingebaut werden."

Filter gibt es in unterschiedlichen Komfort- und Leistungsstufen. Vom einfachen Wechselfilter bis zum automatischen Rückspülfilter ist der Aufwand der Wartung unterschiedlich hoch. Beim Wechselfilter muß der Filtereinsatz mindestens halbjährlich ausgetauscht werden. Wechselfilter bestehen häufig aus einem Rotgußkopfteil mit Verschraubungen und einem aus Kunststoffen hergestellten Klarsichtzylinder. Sie sind preiswert und langlebig. Allerdings muß vor und hinter dem Wechselfilter ein Absperrventil installiert werden, so daß während des Filtereinsatz-Wechsels kein Wasser entweichen kann und eine systemgerechte Wartung erfolgen kann. Bei automatischen Rückspülfiltern spült sich dieser in regelmäßigen Abständen automatisch zurück.

Darüber hinaus kann mittels halbautomatischer oder manueller Rückspülfilter der Filtereinsatz mittels einer Umkehr des Wasserstroms von der Reinwasserseite zur Rohwasserseite erfolgen. Eine hohe Fließgeschwindigkeit ist erforderlich. Der Rückspülfilter läßt sich mit einer bemerkenswert geringen Rückspülwassermenge reinigen. Man rechnet weniger als 10 l Wasser für die Rückspülung eines Filters eines Ein- oder Zweifamilienhauses. Die Druckdifferenz ist ein Gradmesser für die Verschmutzung des Filters. Der Differenzdruck sollte nicht mehr als 0,2 bar betragen. Ansonsten muß der Spülvorgang nochmals wiederholt werden. Eine Rückspülung kostet, je nach regionalbedingtem Wasserpreis, ca. 5 Pfennig und muß nach DIN 1988 spätestens alle zwei Monate durchgeführt werden. Eine Leistung, die zwar vom Endverbraucher und Hausbesitzer selbst durchgeführt werden kann, dennoch sind entsprechende Hinweise zur Filterreinigung oder im Bedarfsfall nötige Hilfestellung seitens des Fachmannes auf jeden Fall empfehlenswert. Denn Trinkwasser ist ein Lebensmittel und sollte entsprechend sach- und fachkundig behandelt werden.

Filter mit integriertem Druckminderer bieten sich dort an, wo der Leitungsdruck zu hoch ist.

Während Armaturen und übliche Hausinstallationen für einen Nominaldruck von 10 bar ausgelegt sind, muß der Filter mit integriertem Druckminderer für einen Nominaldruck von 16 bar ausgelegt sein.

Korrosion und Korrosionsschutz

Durch Korrosionsschutz sollen Trinkwasserinstallationen und Armaturen geschützt werden. Gleichzeitig soll insbesondere die menschliche Gesundheit vor Beeinträchtigungen bewahrt werden. In Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien wird daher dem Korrosionsschutz ein besonderer Stellenwert eingeräumt.

Die DIN 1988, "Technische Regeln zur Trinkwasserinstallation" und die DIN 50930 "Korrosion metallischer Werkstoffe im Inneren von Rohrleitungen, Behältern und Apparaten bei Korrosionsbelastung durch Wasser" geben Hinweise zur praktischen Durchführung des Korrosionsschutzes. In der Trinkwasserverordnung, Paragraph 2, werden darüber hinaus die Grenzwerte für metallische Verunreinigungen, z.B. durch Eisen, Kupfer, Zink, die auch durch Korrosionsprozesse entstehen können, definiert.

In Rohrleitungen aus metallischen Werkstoffen kann es durch Wasserinhaltsstoffe zu Korrosionen kommen. Typisch ist weiches Wasser (Härtebereich 1) mit niedrigem pH Wert und hohem Gehalt an freier Kohlensäure. Aber auch bei hartem Wasser mit hohen Nitrat- oder Sulfatgehalten bei gleichzeitig niedriger Karbonathärte können Korrosionen entstehen. Sind diese Bedingungen bekannt, können seitens der Planer und Fachhandwerker entsprechende Korrosionsschutzmaßnahmen ergriffen werden. Der erste Korrosionsschutz, insbesondere bei neuen Objekten oder Renovierungen, ist die entsprechende Materialwahl.

Bei älteren Objekten kann eine Wasseranalyse durchgeführt werden, um möglicherweise über die Zugabe von ausgewählten Dosiermitteln, die Korrosion zu stoppen oder deutlich reduziert werden. Je nach Werkstoff - verzinkter Stahl oder Kupferrohr - werden verschiedene Materialkombinationen eingesetzt. Mineralstoffdosierungen können korrosionsbedingte Erhöhungen der Schwermetalle im Trinkwasser verhindern. So haben sich bei verzinkten Stahlrohren verschiedene Mineralstoffkombinationen bewährt. Monophosphate werden häufig in Kombination mit Polyphosphaten eingesetzt, da sie binnen sehr kurzer Zeit besonders harte, festhaftende Deckschichten ausbilden. Bei mittelhartem und hartem Wasser verstärkt Polyphosphat die Synergieeffekte. Gleichzeitig wird die Korrosionsschutzwirkung in großen und verzweigten Leitungsnetzen verlängert. Auch Silikate werden, entweder allein oder in Kombination mit Phosphaten, zum Korrosionsschutz eingesetzt. In Reaktion mit der Wasserhärte, aber auch durch das Silikat an sich, entsteht hierbei eine feste Schutzschicht. Des weiteren können die alkalischen Silikate durch Teilneutralisation freie aggressive Kohlensäure binden und treten damit der Korrosion entgegen. Dosierungswirkstoffe, insbesondere Phosphate, werden oft kritisch betrachtet. Allerdings wird dabei übersehen, daß menschliches Leben untrennbar mit Phosphaten verbunden ist, und die Phosphate aus der Korrosionsschutzdosierung lediglich einen verschwindend geringen Anteil an der Gesamtphosphataufnahme des Menschen ausmachen. Während ein Erwachsener allein durch Nahrungsaufnahme täglich etwa 6000 mg Phosphat zu sich nimmt, beträgt die mit behandeltem Trinkwasser aufgenommene Phosphatmenge dagegen nur ca. 10 mg pro Tag.

"Aqua-total" soll Kalkschutz ohne Salz und Chemie garantieren

Bei Korrosion von Kupferrohren durch niedrige pH-Werte kann eine Anhebung des pH-Wertes durch geeignete Mineralstoffkombinationen eine Korrosionsschutzwirkung auslösen. Dabei werden verschiedene alkalisierende Mineralstoffe, z.B. Silikate, verwendet. Hartes Wasser muß vor derartigen Korrosionsschutzmaßnahmen teilenthärtet werden, da eine pH-Wert-Erhöhung sonst die Wirkung der Härtebilder verhindern würde. Saures oder sulfathaltiges Wasser mit einem pH-Wert unter 7,8 kann insbesondere für Korrosionsabtragungen in Kupferrohren und dem Lochkorrosionstyp 2 sorgen.

Der Einsatz von DIN-DVGW-geprüften Dosiergeräten wird durch die Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV) gefordert. DIN-DVGW geprüfte Dosiergeräte werden nach DIN 19635 geprüft. Damit erfüllen diese Geräte die hohen Anforderungen an Technik, Hygiene und Sicherheit.

Kalkschutzanlagen

In vielen Regionen Deutschlands führt hartes Wasser zu Problemen. Neben Verkalkung der Haushaltsgeräte, Wärmetauscher und Rohrleitungen, trägt zu hartes Wasser einen wesentlichen Anteil an der Umweltbelastung bei, indem der Verbrauch von Wasch- und Reinigungsmitteln steigt sowie eine erhöhte Entkalkung der Haushaltsgeräte mit Säuren erfolgt. Nicht selten wird der Endverbraucher durch Kalkflecken auf Armaturen und Sanitärkeramik auf kalkhaltiges Wasser hingewiesen. Auch schwankende Warmwassertemperaturen können ein Hinweis auf Kalkprobleme sein. Mit verschiedenen Enthärtungsverfahren lassen sich derartige Probleme regulieren. Enthärtungsanlagen übernehmen eine effiziente, technisch sichere und hygienische Wasseraufbereitung. Die DIN 1988 "Technische Regeln für die Trinkwasserinstallation" und die Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV) fordern den Einsatz von DIN-DVGW geprüften Enthärtungsanlagen.

Mit seiner Broschüre "So schützt Trinkwasserbehandlung - Verfahren und ihre Wirkung" hat der BSSW eine informative Broschüre entwickelt, die für Installateure und Endverbraucher gleichermaßen interessante und objektive Informationen über die Möglichkeiten der effizienten Wasseraufbereitung gibt.

Seitens der Industrie ist durch DIN-DVGW geprüfte Enthärtungsanlagen z.B. von BTW, Judo oder Grünbeck eine optimale Wasseraufbereitung kein Problem mehr. Geräte zur Trinkwasserbehandlung müssen durch einen eingetragenen Installationsfachbetrieb eingebaut werden. Nach Angaben der Hersteller sind für einen langen und sicheren Betrieb der Anlagen auf jeden Fall regelmäßige Wartungen erforderlich. Gesprächs- und Beratungspunkt hinsichtlich des Kaufs von Wasserenthärtungsanlagen ist stets die Trinkwasserbeschaffenheit "vor Ort". Aber auch Informationen über die Qualitäten und Leistungen unterschiedlicher Geräte bis zur notwendigen DVGW-Prüfung und mit dem Gerät verbundenen Garantieleistungen auf Wirkung und Funktion sind wichtige Kriterien des Anlagenkaufs.

Umfassend haben wir uns diesem Thema bereits in der Ausgabe 22 des vergangenen Jahres (2. November 1998) gewidmet. Soweit sei abschließend resümiert: Die Sicherheiten und Qualitätsmerkmale, auf die der Installateur bereits im Vorfeld bei den Anbietern verschiedener Enthärtungsanlagen für seine eigene Leistungsfähigkeit und kompetenter Fachbetrieb besteht, gibt er auch an seinen Kunden weiter. Installationsunternehmen können mit einem zusätzlichen Angebot eines Wartungsvertrages dem Endverbraucher darüber hinaus Unterstützung geben, seine Anlage stets auf dem erforderlichen Qualitäts- und Sicherheitsstandard zu halten.


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