IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 2/1999, Seite 40 ff.


REPORT


Qualität aus Bulgarien

Ideal Standard Bulgaria und Vidima Standard der offiziellen Bestimmung übergeben. Produktion von Keramik und Armaturen auf höchstem Qualitätsniveau. Ideal Standard auf dem Weg zu einem gesamteuropäischen Unternehmen.

Mit der offiziellen Eröffnung unseres Werkes Ideal Standard Bulgarien, einer der modernsten Fertigungen für Sanitärkeramik und unseres Werkes Vidima Standard, einer Armaturenproduktion, setzen wir einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zum Umbau von Ideal Standard zu einem gesamteuropäisch denkenden Unternehmen - so erklärt Wolfgang Voss, Präsident Ideal Standard Europe, Brüssel. Es existieren natürlich schon lange Standorte in Italien, Deutschland, Griechenland, Türkei, Tschechien, Frankreich sowie Großbritannien und Vertriebsgesellschaften in Österreich und den Benelux-Ländern. Die Werke existierten bislang nebeneinander her und produzierten nationale Produktlinien. Aufgrund des steigenden Wettbewerbs kommen wir zukünftig zu einer Endnationalisierung unserer Produktion, so Voss. Die Internationalisierung und der Wettbewerbsdruck zwingen uns zur Produktion größerer Stückzahlen, konzentriert an einem Standort. Kapazitäten jenseits 500.000 Teilen, ab hier beginnt es rationell zu werden, erklärt der Manager auf unserem Flug nach Bulgarien. Zur Realisierung sind wir dazu übergegangen, übergeordnete, einheitliche Qualitätsstandards, wie Farbe, Formen und Abmessungen etc. zu definieren. Dies wird notwendig, damit die in Bulgarien produzierte weiße Keramik von WCs mit dem Weiß von Waschtischen aus der Produktion eines anderen Standortes haargenau übereinstimmt.

Präsident und CEO von American Standard, Herrn Emmanuel Kampouris anläßlich der Eröffnung.

Die deutsche Ideal Standard ist von der Umstrukturierung insoweit betroffen, daß die hochwertigen Produkte aus dem Werk Neuss nach Orcenico verlagert werden und die preiswerten Produkte, als im unteren Segment, für Deutschland zukünftig in Tschechien und Bulgarien hergestellt werden. Diese Entscheidung wurde notwendig, um die restlichen Arbeitsplätze am Stammsitz in Deutschland auch in Zukunft zu erhalten.

Bulgarien fertigt bei einer Kapazität von 2,5 Mio. Teilen derzeit 1,7 Mio. Keramikteile. Die planmäßige Ausweitung der Kapazität auf Vollauslastung soll im nächsten Jahr erreicht werden.

Präsentierten stolz das Erreichte; Wolfgang Voss, Präsident Ideal Standard Europe, Brüssel, Wolfram Wenzel, Richard Brunner, beide Geschäftsführung Ideal Standard Deutschland sowie Vassil Kanev, Geschäftsführer Vidima Standard, Bulgarien (v.l.n.r).

Der Standort Bulgarien

Bulgarien mit 8,2 Mio. Einwohnern bei einer Fläche von 110.900 qkm bietet mit einem monatlichen Durchschnittslohn von rund 150 bis 200 DM ideale Produktionsvoraussetzungen. Die politischen und etnischen sowie religiösen Rahmenbedingungen sind in Bulgarien stabil, erklärt Wolfram Wenzel, Chef der Ideal Standard, Bonn. Nur unter diesen Bedingungen waren wir bereit, etwa 70 Mio. DM in die komplett neu auf der grünen Wiese errichtete Keramikproduktion in ein Areal von 100.000 qm und etwa 15 Mio. DM in ein traditionelles Armaturenwerk zu investieren. Das Investitionsvorhaben der Konzernmutter American Standard Companies wurde vom bulgarischen Staat und den lokalen Verwaltungen mit Kußhand aufgenommen, erklärt Wenzel weiter. Sogar eine Gaspipeline zur Energieversorgung wurde 50 km zu unseren Werksstandorten in Sevlievo in Rekordzeit gelegt. Auch die gesamte Bauzeit unseres komplett neuen Keramikwerkes mit ca. 12 Monaten bricht alle Rekorde. In dieser Zeit hätten wir in Deutschland gerade einmal die Baugenehmigung erhalten, so Wenzel.

Ideal Standard gilt in Bulgarien als der Investor Nr. 1 und genießt damit eine akzeptierte Vorbildfunktion. Die örtlichen Behörden unterstützen die Logistik und ermöglichen eine Zollabwicklung schon im Werk.

Natürlich muß zu Beginn erheblicher Aufwand und Energie in die Qualifizierung der Mitarbeiter gesetzt werden. Mentalitätsunterschiede und die Einstellung zur Arbeit bei den 1100 Mitarbeitern im Keramikwerk und den derzeit 1600 Mitarbeitern im Armaturenwerk müssen trainiert werden. In dem Keramikwerk wurde aus einer in der Nähe existierenden alten Ziegelei die Ausbildungsschule übernommen. Ein spezielles Lohnsystem ist leistungs- und betriebszugehörigkeitsdauerabhängig kombiniert. Wer die ersten Anforderungsprüfungen in den ersten drei Monaten erfolgreich übersteht, hat die Chance, einen für bulgarische Verhältnisse eher seltenen Zweijahresvertrag mit einem im Vergleich zum Landesdurchschnitt guten Lohn zu bekommen.

Die Keramikteilproduktion im Werk Ideal Standard, Bulgarien läßt sich auf vier Millionen Teile jährlich hochfahren.

Die Keramik- und Armaturenproduktion

Produziert wird in dem modernen Keramikwerk derzeit an sieben Öfen, fünf Tunnelöfen und zwei Wiederbrandöfen deutschen Fabrikates. Überflüssig zu erwähnen, daß diese SAP R/3 computergesteuert sind. Der gesamte Arbeitsablauf und Materialfluß geschieht im Werk nach den neuesten Erkenntnissen der Demand flow technology (moderne Fließtechnologie).

Gearbeitet wird in der Keramikproduktion in drei Schichten an sieben Tagen in der Woche, erklärt stolz der junge, aus Deutschland eingesetzte Werksleiter, Frank Kruysen.

Die 70 Mio. DM-Investition der Konzernmutter American Standard Companies soll sich nach unseren Erwartungen nach ca. zwei Jahren amortisieren, erklärt der junge Werksleiter weiter. Derzeit in Vorbereitung ist die Zertifizierung nach ISO 9001. Es existieren bereits penibel genau ausgearbeitete Dokumentationen des gesamten Betriebsablaufs. Dokumentiert nicht nur für die Geschäftsführung sondern auch niedergelegt in Handbüchern, die zur Einsichtnahme für die verantwortlichen Mitarbeiter im Werk ausliegen. Hierdurch gelingt es, den Produktionsfehlern - im Prozeß der Keramikproduktion ein systemimmanentes Problem - auf die Spur zu kommen. Stolz verweist man auf die stark gesunkene Ausschußquote, die bei Inbetriebnahme des Werkes noch bei ca. 56% lag und derzeit auf 10% gesunken ist und in Zukunft auf den überdurchschnittlich guten Wert einer Keramikproduktion von unter 5% gedrückt werden soll.

Werksleiter Frank Kruysen erklärt den Besuchern das Mitarbeiter-Trainingsprogramm.

Vidima Standard ist die Investition von American Standard Companies, ein seit 1934 existierendes Werk für Blech- und Fittingteile. Dieses Werk ist wie das Keramikwerk ausgelegt für die Versorgung der ost- und westeuropäischen Märkte und fertigt Produkte in Übereinstimmung mit den Qualitätsrichtlinien des Armaturenwerkes in Wittlich im unteren Preissegment. Unser Unternehmen wurde durch den Investor American Standard Companies, so erklärt Ing. Vassil Kanev, Werksleiter aus alten Zeiten und bulgarischer Vorzeigeunternehmer, auf den modernsten Stand der Produktionstechnologie gebracht. Wir arbeiten heute, so erklärt er stolz, mit DFT-, SAP- und CAD/ CAM-Systemtechnik nach ISO 9001. Beim Rundgang überzeugt das Werk an Sauberkeit und Ordnung. Neueste Erkenntnisse der Ablauforganisation als auch des Arbeitsschutzes und der Logistik haben hier Einzug gehalten. Auch die für die Armaturenfertigung unverzichtbare Galvanik arbeitet in einem geschlossenen Wasserkreislauf nach modernen Erkenntnissen des Umweltschutzes. Werksdirektor Kanev, von Anfang an dabei, und von Direktor Wenzel als Glücksgriff für das Werk gelobt, erklärt der deutschen Besuchergruppe den logistischen Abtransport der Fertigware. Derzeit fahren ständig 7,5 t-Lkws, denn die besitzen eine Rund-um-die-Uhr-Fahrgenehmigung, die Ware nach Deutschland zu einer Zentralstelle, von wo aus sie mit UPS zum Empfänger verteilt wird. Demnächst, so erklärt Kanev weiter, wird auf den Transport per Flugzeug umgestellt. Ein nahe gelegener Flughafen ermöglicht den Transport per Flug nach Hahn in Deutschland. Hiermit wird eine Lieferfähigkeit von 48 Stunden ab Produktion Bulgarien zum Bestimmungsort in Deutschland gewährleistet werden können.

Übergabefeierlichkeiten der Werke unter Präsenz hochrangiger Delegationen.

Offizielle Eröffnungsfeierlichkeiten

Die beiden Investitionen des Konzerns American Standard Companies wurden am 23. Oktober 1998 offiziell ihrer Bestimmung übergeben. American Standard Companies ist ein global operierender Konzern mit einem breiten Poduktspektrum. Hierzu gehören die Trane und American Standard Air Conditioning Ausrüstung; die American Standard, die Ideal Standard, Standard und Porcher Sanitärteile und Fittings; die Fertigung und der Handel mit Automobilbremsen und Kontrollsystemen unter dem Namen WABCO sowie die LARA und Copalis medizinische und diagnostische Produkte. American Standard Companies operiert in 108 Produktionsstätten in 35 Ländern. Das Unternehmen beschäftigt ca. 51.000 Mitarbeiter weltweit, davon werden zur Zeit und zukünftig 4200 Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt bleiben.

Zu den Übergabefeierlichkeiten waren der Präsident der American Standard Companies Emmanuel Kampouris und der Vizepräsident Wilfried Delker angereist. Mit im Gefolge der ehemalige US-Außenminister Eagelburger, heute zuständig im Komitee zur Entwicklung der Beziehungen zwischen den USA und Bulgarien.

Aus der Europazentrale Brüssel repräsentierte Wolfgang Voss, aus Deutschland Geschäftsführer Wolfram Wenzel sowie Geschäftsführer Richard Brunner. Alles in allem eine eindrucksvolle und überzeugende Dokumentation darüber, daß in Bulgarien weltmarktfähige Topqualität produziert werden kann.