IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 24/1998, Seite 64 f.


REPORT


Keramag

185 Jahre Keramik in Haldensleben

Auf eine lange Tradition bei der Produktion keramischer Erzeugnisse blickt man in Haldensleben (Sachsen-Anhalt) zurück. Sanitärkeramik fertigt man seit 25 Jahren. Seit 1990 gehört dieser Produktionsteil der ehemaligen VEB Keramische Werke Haldensleben zur Keramag AG und firmiert seither als Keramag Keramische Werke Haldensleben GmbH (KKH).

Rückblick

Mit einer von dem Magdeburger Kaufmann Nathusius im Jahre 1813 gegründeten Steingutmanufaktur beginnt die Tradition der Haldenslebener Keramikproduktion. Nathusius beschäftigte 200 Mitarbeiter und produzierte vor allem Haushaltsgeschirr, Zierkeramikgegenstände und Pfeifenköpfe - zunächst aus Steingut, später auch aus Porzellan.

Handarbeit ist bei der Produktion sanitärkeramischer Einrichtungsgegenstände nach wie vor gefragt. Doch als "Knochenmühle" kann man die Fertigung in Haldensleben nicht mehr bezeichnen. Roboter unterstützen die Mitarbeiter in der Glasiererei und auch die Arbeit in der Gießerei ist durch neue Anlagen leichter und effektiver geworden.

Die Auflösung der Manufaktur Nathusius im Jahre 1851 führte zur Neugründung zahlreicher Werkstätten und Manufakturen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich einige Unternehmen zu international bedeutenden Betrieben. So z.B. Schmelzer und Gericke, die bereits 1897 knapp 800 Mitarbeiter beschäftigten und mit 33 Brennöfen und 259 Drehscheiben fertigen ließen.

1948 entstand aus den drei bedeutendsten Haldenslebener Keramikproduzenten der VEB Keramische Werke Haldensleben. Über 800 Beschäftigte waren anfangs in der wegen der harten körperlichen Tätigkeiten als "Knochenmühle" verschrienen Produktion tätig. Im Zeitraum von 1974 bis 1977 wurde das Sanitärporzellanwerk nach ungarischem Vorbild errichtet.

Mit der "Wende" kam das "Aus"" für den VEB mit seinen insgesamt ca. 1150 Mitarbeitern, aus der 1990/91 fünf einzelne Unternehmen entstanden.

Hauptprodukt der Haldenslebener Fertigung: Renova Nr. 1.

Bei der Privatisierung des Sanitärporzellanwerkes erarbeiteten die neuen Partner einen Betriebsführungsvertrag - eine vertragliche Konstruktion, wie sie nach 1945 bei der Übernahme der Montanindustrie im Ruhrgebiet bei ungeklärten Eigentumsverhältnissen angewendet wurde.

Der Vertragsabschluß erfolgte in zwei Schritten:

1. Im Oktober 1990 wurde ein Joint-Venture zwischen der Keramag AG (51% Anteile) und den Keramischen Werken Haldensleben GmbH (49%) vereinbart.

2. Im Dezember 1991 übernahm die Keramag sämtliche Anteile.

Steht u.a. auf der Liste der Investitionswünsche: Erweiterung der Tunnelofenkapazität.

Nahtloser Übergang

Schon zu DDR-Zeiten arbeitete die Unternehmensleitung intensiv an besseren Arbeitsbedingungen. Doch für das Sanitärporzellanwerk begann mit der Übernahme durch die Keramag AG eine neue Zeitrechnung. Nicht allerdings in personellen Fragen. Denn neben dem ehemaligen Direktor Dipl.-Ing. Alexander Plewa, der fortan als Geschäftsführer agierte, blieben die meisten Mitarbeiter der sanitärkeramischen Fertigung dem Unternehmen treu.

Seit 1990 wurden insgesamt ca. 38 Mio. DM in den Standort Haldensleben investiert. Stand in der ersten Etappe die Sanierung und Erneuerung des Produktionsverfahrens in allen Bereichen (Masse- und Glasuraufbereitung, Gießereien, Spritzglasierung usw.) auf dem Programm, so beschäftigte man sich in einem zweiten Schritt mit Erweiterungs- bzw. Rationalisierungsmaßnahmen. Gießerei, Rückbrandprozeß, Spritzglasierung, Logistik und Lager erfuhren in dieser Zeit wesentliche Änderungen. Für die Zukunft stehen der weitere Ausbau des Lagers, die Erneuerung der Tunnelofenkapazität und der verstärkte Einsatz von Robotern beim Auftragen der Spritzglasur im Pflichtenheft.

Wechselt zum Jahresende in den wohlverdienten Ruhestand: Geschäftsführer Dipl.-Ing. Alexander Plewa, dem es als ehemaligem Direktor der Haldenslebener Badkeramik-Fabrik gelang, den nahtlosen Übergang in die Marktwirtschaft zu realisieren.

Heutiger Status

Mit nahezu 1 Mio. produzierten sanitärkeramischen Großteilen pro Jahr gehört die KKH heute zu den größeren Fabriken der Sanitec-Gruppe in Europa. Die ca. 280 Mitarbeiter fertigen über 300 verschiedene Artikel im Monat (1991 lag die Artikelgröße bei 30 bis 40 St./Monat). Überwiegend verlassen Produkte der Serien Renova Nr. 1, Elbe und Aller-Urinale die Fertigungsanlagen in Haldensleben.

Stolz ist Geschäftsführer Plewa vor allem über Kennziffern wie Produktivität und Rückbrandquote, bei denen die Anhaltiner in der Unternehmens-Gruppe den vorderen Platz einnehmen.