IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 23/1998, Seite 41 ff.


REPORT


Land Brandenburg

Existenzkampf

Hat das Handwerk noch goldenen Boden? Dieser Fragestellung ging die IKZ-HAUSTECHNIK-Redaktion im Bundesland Brandenburg nach. Elf Betriebsinhaber besuchte IKZ-HAUSTECHNIK-Redakteur Günther Klauke Anfang September an Spree und Havel, um sich umfassend über die gegenwärtige Situation informieren zu lassen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Rund 2,5 Mio. Einwohner leben in Brandenburg, dem mit ca. 30.000 km2 flächenmäßig fünftgrößten Bundesland. Etwa 2000 SHK-Fachbetriebe, davon ca. 1200 Innungsbetriebe, stehen den Menschen in Sachen Sanitär, Heizung, Klima, Klempnerei mit Rat und Tat zur Seite.

Schon diese wenigen Zahlen verdeutlichen ein generelles Problem der Betriebe, denn ein SHK-Fachbetrieb pro 1250 Einwohner kann keine Basis für eine gesunde Unternehmensentwicklung sein. Zumal dann nicht, wenn eben dieses Bundesland in den ersten sechs Monaten 1998 eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 20,4% aufzuweisen hatte (1997: 18,9%).

Weitere Erkenntnisse stützen diese Annahme, denn das SHK-Handwerk beschäftigt weniger Mitarbeiter und erwirtschaftet geringere Umsätze als im Vergleichszeitraum 1997. Bei den Insolvenzen schlug das Land Brandenburg sämtliche Negativ-Rekorde: 1425 Gesamtvollstreckungsverfahren mit Forderungen in Höhe von 1,8 Mrd. DM wurden 1997 bei Gerichten anhängig.

Erwarten weiterhin nichts Gutes für die SHK-Betriebe im Land Brandenburg: GF Detlef Pfeil und LIM Wilfried Frohberg.

Besserung erwartet Detlef Pfeil, Geschäftsführer des Fachverbandes SHK Brandenburg, in naher Zukunft ebensowenig wie Landesinnungsmeister Wilfried Frohberg. Im Gegenteil! Erwartet wird eher eine noch schlechtere Situation.

Bei dieser negativen Einschätzung spielen neben den bekannten Einflüssen wie

auch die Aktivitäten größerer Versorgungsunternehmen und scheinprivatisierter kommunaler Gesellschaften (siehe farbigen Kasten) sowie die Tarifpolitik eine wesentliche Rolle.

So sind die Verbandsoberen insbesondere über die Tarifsituation im Land Brandenburg unglücklich. Nicht genug damit, daß das drastische Einkommensgefälle in der Region Berlin/Brandenburg mit ihren zwei großen Tarifgebieten, ihren zahlreichen "Armenhäusern" und wenigen "blühenden Landschaften" viele Unternehmen zwingt, auch fern vom Betriebssitz mit allen erdenklichen Mitteln um Aufträge mitzubieten, was bei den ortsansässigen Unternehmen zu angespannten Situationen führt, schlugen kürzlich auch noch die Tarifverhandlungen fehl. Und zwar deshalb, weil der überwiegende Teil der Innungen mit dem Vorschlag eines Lohnzuschlages um 1,5% nicht einverstanden waren.

Für Frohberg und Pfeil eine unverständliche Entscheidung, deckt die anvisierte Lohnsteigerung nicht einmal die Inflationsrate. Zudem eine brisante Situation vor allem für die vielen kleineren Betriebe: einigen sich die Tarifparteien nicht, können die größeren Betriebe mit Haustarifen neue Fakten schaffen und die Preise endgültig in Grund und Boden jagen. Für viele Kleinbetriebe, die diese Möglichkeit nicht haben und damit den alten Tarif weiterleben müßten, wäre das das sichere Aus. Die sowieso schon heftig in Bewegung geratene Preisspirale würde damit voraussichtlich einen neuen Schub erfahren. Zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn:

Jedes Jahr geringere Erträge

verbuchte z. B. seit 1992 Dierk Lause, Geschäftsführer der Haustechnik GmbH in Brandenburg/Havel. Vor allem Dumpingpreise einzelner Mitbewerber, die Lause u.a. auf Kalkulationsfehler und fehlende Erfahrung zurückführt, bereiten dem Chef eines nach ISO 9000 zertifizierten 45-Mann-Unternehmens Kopfschmerzen.

Trotz ausgesprochen fleißiger Mitarbeiter und hoher Produktivität ist für den gebürtigen Hamburger die Schmerzgrenze erreicht. "Tiefere Preise", so Lause, "gehen beim besten Willen nicht mehr. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Während wir 1992 einen Meter Kupferrohr (15 mm) mit 24,- DM kalkulierten, sind jetzt bestenfalls 16,- DM zu erzielen."

"Die Schmerzgrenze ist erreicht", erklärt Dierk Lause in Brandenburg.

Ursachen für diese Entwicklung sieht der agile Unternehmer u.a. in ABM-Aktivitäten. Es seien Fälle bekannt, in denen Betriebe ihre Mitarbeiter vom Sanitärinstallateur zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauer umschulen ließen. Die Praxis findet nicht selten auf sogenannten "Übungsbaustellen" statt, die allerdings als normales Objekt ausgeschrieben waren. "An sich", so Lause, "sind Umschulungsmaßnahmen nicht negativ zu bewerten. Aber ABM darf nicht zu kalkulatorischen Vorteilen gegenüber den Mitbewerbern führen."

Bei der Problembewältigung setzt Lause vor allem auf qualitativ hochwertige Arbeitsleistungen, Wartungsverträge und 24h-Kundendienst an 365 Tagen im Jahr. Doch gerade in diesem Bereich liegen durch die kommunale "Brandenburger Dienstleistung", die vom Schneefegen bis zur SHK-Reparatur sämtliche Aufgaben erledigt, weitere Fallstricke. Denen möchte Lause durch einen engeren Schulterschluß zwischen Fachhandwerk, Fachgroßhandel und Industrie entgehen.

Marktnischen gefunden

Probleme ganz anderer Art berühren Reinhard Andert in seiner täglichen Arbeit. Mit seinem kleinen Familienunternehmen (3 Mitarbeiter) fällt es dem Oranienburger nicht leicht, als "Generalunternehmer" tätig zu werden. Dabei äußern die Kunden eben diesen Wunsch immer häufiger. Andert führt dies auf sein überwiegendes Aufgabengebiet im Ein- und Zweifamilienhaus sowie im Renovierungsbereich zurück. Dabei setzt er auf Qualität, Qualität, Qualität und arbeitet seit langem eng mit gleichgesinnten Unternehmern anderer Gewerke zusammen.

Durch und durch eine Handwerkerfamilie: Reinhard Andert mit Ehefrau Ingeborg und Sohn Ralph setzen auf "Dienstleistung aus einer Hand".

Bisher mit großem Erfolg, doch immer häufiger verlangen die Kunden "das Haus aus einer Hand". Gern möchte Andert diesem Wunsch nachkommen, aber es fällt ihm schwer, in dem ein oder anderen Bereich Unternehmen mit ähnlich qualitativer Ausrichtung zu finden. "Wir arbeiten daran" bescheinigt der Oranienburger, der auf die volle Unterstützung durch Ehefrau Ingeborg und Sohn Ralph setzen kann.

Um die betrieblichen Anforderungen zu realisieren und eine gute Arbeit zu leisten, hat Andert die Mitarbeiterzahl auf drei reduziert und setzt auf Leiharbeiter. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat man die richtigen Partner gefunden, läßt nur bestimmte Arbeiten von diesen ausführen, und optimierte die Baustellenüberwachung. "Kein Problem" schmunzelt Andert, der meist auf naheliegenden Arbeitsstellen tätig ist, rund um den Oranienburger Kirchturm. Anspruchsvolle Tätigkeiten werden ausschließlich von eigenen Kräften erledigt.

Zur Effizienzsteigerung seines Unternehmens schaute er nach der Wende nach einem zusätzlichen Standbein, was seiner Branche naheliegt, Verkauf und Einbau von Küchen.

Zur Zeit steht ein großer Umbau an; man ist dabei, für gehobene Ansprüche ein neues Bad-, Heizungs- und Küchenstudio sowie neue Büroräume zu schaffen. Dieses Vorhaben soll spätestens zum 80jährigen Firmenjubiläum 1999 fertiggestellt sein.

Schwieriges Umfeld

Mit einem anderen Arbeitsgebiet und damit auch mit anderen Problemen, setzt sich die Regine Niether GmbH in Neuenhagen tagtäglich auseinander. Wohnungsbaugesellschaften und Industrieunternehmen zählen zu den häufigsten Kunden des acht Mitarbeiter starken Unternehmens im östlichen "Speckgürtel" Berlins. Ein Begriff, den Regine und Andreas Niether gar nicht gerne hören. Speziell in ihrer Region kann, so die studierten SHK-Fachleute, von "Speckgürtel" absolut nicht die Rede sein. Der ehemals als mustergültiger Wohnkomplex aufgebaute Stadtteil Marzahn ist nicht weit, Wohneigentum ist dort kaum vorhanden. Und anders als in Dresden oder Leipzig tut sich bei der Sanierung herrschaftlicher Villen kaum etwas. "Man möchte in den meisten Fällen schon sehr gerne modernisieren", so Andreas Niether, "was häufig fehlt, ist das nötige Kapital."

Der Wille zur Renovierung ist bei privaten Investoren da, was fehlt ist das Kapital, glaubt Andreas Niether und engagiert sich vor allem im industriellen Bereich und bei Bauträgergesellschaften.

Doch im Standort und in der angespannten finanziellen Lage zahlreicher Hauseigentümer sieht er nicht die Hauptprobleme. Vielmehr gebe es zu viele SHK-Unternehmen, die durch Überschuldung zu "Verzweiflungskalkulationen" getrieben würden. "Gesundschrumpfen" hält der Brandenburger daher für ein wirkungsvolles Mittel, um langfristig wieder "gesunde" Rahmenbedingungen für das SHK-Handwerk zu ermöglichen.

Schluß sein müsse darüber hinaus mit den, nach Meinung der Neuenhagener, z.T. willkürlich herbeigeführten Zahlungsausfällen. Die Nietherís wissen wovon sie reden, trieb doch die Zahlungsunfähigkeit einer Wohnungsbaugesellschaft das Unternehmen nach 140 Jahren 1996 in den Konkurs. "Mit harter Arbeit und Qualität haben wir uns wieder hochgepäppelt", so Regine Niether, "und sehen optimistisch in die Zukunft." In absehbarer Zeit werde die Randlage Berlins bevorzugte Wohngebiete hervorbringen, wovon auch die SHK-Fachhandwerksunternehmen profitieren sollten.

Mitbewerber aus strukturschwachen Regionen, die z.T. ihre Mitarbeiter unter Tarif entlohnen, machen Obermeister Michaelis und seinen Vorstandskollegen bei der Innung Potsdam schwer zu schaffen.

Zu viele Betriebe

macht auch Martin Patschke, Obermeister der Innung Ober- und Niederbarnim, im benachbarten Vogelsdorf mitverantwortlich für die schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Ebenfalls mit acht Mitarbeitern tätig, beschreibt Patschke ähnliche Schwierigkeiten.

Der überaus rührige Fünfziger gibt sich kämpferisch. Von leeren Versprechungen genervt initiierte Patschke zur Jahresmitte eine großangelegte Diskussionsrunde in Strausberg. Unter dem Motto "Handwerk und Mittelstand machen mobil, die Politik stellt sich den Forderungen" diskutierten Politiker mit über 400 Unternehmern seinerzeit die wirtschaftlichen Probleme.

Patschke, der von sich selbst sagt, daß er mit seiner Kritik manchmal über das Ziel hinausschießt, wird nicht müde, Politiker an ihre Versprechen zu erinnern. Zusammengefaßt fordert der Obermeister:

Ärgerlich ist Patschke auch über das häufig praktizierte Vergabewesen. "Wir dürfen Steuern zahlen und sollen immer neue Rekorde bei den Ausbildungsverträgen realisieren, aber wenn Aufträge vergeben werden, sieht man großzügig über die ansässigen Handwerksunternehmen hinweg", klagt der Vogelsdorfer. Ausschreibungen öffentlicher Aufträge sollten daher (nicht nur) nach seiner Meinung in kleineren Losen erfolgen und Bietergemeinschaften unterstützen.

Martin Patschke kämpft mit allen Mitteln für ordentliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Für Anregungen aller Art empfänglich sucht Patschke (Tel. u. Fax: 033439-6173) bundesweit den Kontakt zu Berufskollegen. Dabei geht es ihm aber keinesfalls nur umís "Nehmen", er ist auch bereit zu "Geben". Erst kürzlich stellte die Innung Ober- und Niederbarnim dies unter Beweis, als sie mit insgesamt 80 Teilnehmern und 52 Fahrzeugen an einer Protestkundgebung in Berlin teilnahm, bei der es um die zuvor geschilderten Probleme der Handwerker ging.

Öffentliche Auftraggeber

sorgen aber keinesfalls allein durch die Vergabepraxis, die nach den Buchstaben des Gesetzes legitim ist, für Ungemach. So schildert der Innungsvorstand Potsdam erhebliche Probleme mit städtischen Dienstleistungsunternehmen.

Auch wenn diese Vorgehensweise mittlerweile kein Einzelfall mehr ist, so gilt es dennoch, oder besser gerade darum, gegen die Tätigkeiten dieser "Dienstleistungsunternehmen der öffentlichen Hand" aktiv zu werden.

Da ein Unheil bekanntlich selten allein kommt, wirkt sich für die Potsdamer SHK-Unternehmer auch noch das Lohngefälle in Brandenburg fatal aus. "Der Tariflohn ist in Potsdam und Umgebung über 20% höher als in ländlichen Regionen Brandenburgs. Mit der Folge, daß zahlreiche Unternehmen aus weit entfernten Gebieten (bis zu 200 km!) täglich die Anreise nach Potsdam in Kauf nehmen, um dort Aufträge durchzuführen", klagt Michaelis das Leid der örtlichen Handwerker.

Man könnte annehmen, schlimmer kann es nicht kommen, doch Michaelis und seine Kollegen überraschen mit der Aussage: "Noch mehr Gedanken machen wir uns über diejenigen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter unter Tarif entlohnen. Wird in den genannten Punkten nicht bald eine akzeptable Lösung gefunden, so bleibt den Potsdamer SHK-Fachunternehmen nur noch, ihre Betriebsgröße zu reduzieren. Ob das allerdings ausreichen wird, um die existierenden Betriebe in Potsdam zu erhalten, steht in den Sternen."

Wie Martin Patschke in Vogelsdorf, würden auch die Vorstandsmitglieder der SHK-Innung in Potsdam gerne eine bessere Lobby für das Handwerk sehen, die aktiv an der Beseitigung dieser Mißstände arbeitet. Allerdings ist man diesbezüglich durchaus zu Selbstkritik fähig. Unter starker Lobby sei nicht nur die Verbandsarbeit zu verstehen, erklären die Potsdamer, es gebe durchweg viel zu wenige Handwerker in der Politik, und dies habe mit Verbandsarbeit herzlich wenig zu tun.

Wie beinahe alle Gesprächspartner leiden auch die Postdamer SHK-Handwerker unter der geringen Neigung privater Investoren, Renovierungsmaßnahmen in Angiff zu nehmen. Dabei sei der Wunsch nach Modernisierung überall zu verspüren. Die durch verschiedene Faktoren (z.B. EURO, Arbeitsplatzsicherheit) entstandene Ungewißheit veranlasse die Kunden zu dieser Handlungsweise. Gepaart mit den leeren Stadtsäckeln, und den dadurch fehlenden öffentlichen Aufträgen, macht man sich daher in Potsdamer SHK-Kreisen auf das Schlimmste gefaßt. Nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal fällt während dieser Reise durch das wunderschöne Brandenburg der Begriff des "Gesundschrumpfens".

Unter Tarif,

das sind auch Reizworte für Wolfgang Morgner in Schönwalde. Als "Lohnraub" bezeichnet der Inhaber eines Unternehmens mit 20 Mitarbeitern die Vorgehensweise einiger Betriebsinhaber, die er nicht als Kollegen bezeichnen möchte. "Unbestritten ist der Wettbewerbsdruck z.Zt. sehr hoch", so Morgner, "doch haben wir hier im Spreewald Vorteile durch die ländliche Region.

Morgner, der wie Reinhard Andert in Oranienburg sein Glück in hoher Qualität sucht, setzt vor allem auf gut ausgebildete Mitarbeiter. "Fast alle unsere Angestellten sind "Eigengewächse", die z.T. schon in der zweiten Generation in unserem Unternehmen tätig sind. Das macht es leicht, die Firmenphilosophie auch bei den Mitarbeitern fest zu verankern", so der Spreewälder.

Wolfgang Morgner kann, wie viele seiner Kollegen, nicht fassen, daß beinahe zehn Jahre nach dem Fall der Mauer Eigentumsverhältnisse vielfach immer noch nicht geklärt sind.

Morgner, der auf eine gesunde Mischung zwischen öffentlichen und privaten Auftraggebern setzt, bezeichnet zwar die gegenwärtige Auftragslage noch als akzeptabel, erwartet aber für die Zukunft ein immer schwieriger werdendes Umfeld. Schon die viel zu lange laue Phase im letzten Winter habe gezeigt, wohin der Trend geht. Schon damals sei es sehr schwer gefallen, gute Mitarbeiter zu halten.

Dennoch steckt Morgner den Kopf nicht in den Sand, sondern versucht durch gezielte Maßnahmen, z.B. verstärkte Akquisition bei Kundendienst und Wartung die Auftragslage zu verbessern. Tatkräftige Unterstützung leistet Morgners Sohn Knut, der neben der fachlichen Berufsqualifikation auch auf eine betriebskaufmännische Ausbildung zukünftig setzt.

Im allgemeinen zeigt sich das Morgner-Gespann für die Zukunft gut gerüstet. Mit Dienstleistern öffentlicher Arbeitgeber gibt es bisher kaum Probleme und die manchmal schlechte Zahlungsmoral führt der Schönwalder Seniorchef weniger auf die Privatkunden als vielmehr auf "schlechte Partner" speziell bei Bauträgern zurück. "Durch die konsequente Nutzung der VOB-Möglichkeiten lassen sich die meisten Klippen erfolgreich umschiffen", beschreibt Morgner die Lage.

Kritischer und mit dem Begriff "Blödsinn" bewertet er allerdings Fördermaßnahmen für Existenzgründer und sonstige Subventionen aller Art. Gepaart mit dem Ausschreibungsverhalten mancher Gemeinden und den bereits zuvor geschilderten Aktivitäten mancher Stadtwerke führt dies schnell zu

Funkstille

bei öffentlichen Aufträgen. Ein Stadium, das Wolfgang Nikolaus in Spremberg bereits für erreicht hält. Allerdings auch deshalb, weil ein regelrechtes Preistreiben durch große Unternehmen angezettelt wurde, die aus ehemaligen Kombinaten hervorgegangen seien. Unregelmäßigkeiten z.B. zwischen Politik, Wohnungsbaugesellschaften und Unternehmen schrecken Nikolaus nicht. Als ständiger Unruheherd stört der 60jährige diese Kreise und macht auch nicht davor halt, unkorrekte Vorgehensweisen öffentlich zu machen.

Wolfgang Nikolaus bemängelt vor allem die heute vielfach mangelhafte Ausbildung.

Mit seinem 17 Mitarbeiter starken Unternehmen wähnt sich Nikolaus dennoch gut im Rennen. Wie Wolfgang Morgner und Reinhard Andert setzt er voll auf die Unterstützung durch seinen Sohn Stefan. Und das ist bei weitem nicht die einzige Übereinstimmung in der Firmenphilosophie. Auch für Nikolaus ist Qualität der Schlüssel zum Erfolg (von harter Arbeit ganz zu schweigen).

Reizthemen, wen wundertís, sieht er vor allem in den Bereichen Umschulung, ABM und Subventionen. Auch über die Ausbildung macht sich Nikolaus seine Gedanken. Nach seiner Überzeugung wird dabei zu wenig Wert auf Qualität gelegt. "40% Durchfallquote bei den Gesellenprüfungen ist einfach zu viel. Die Ursachen dafür liegen vor allem in "modernen Installationsmethoden". Wir entfernen uns immer weiter vom Handwerk und immer mehr hin zum "Schrauber". Für ordentliche Ausbildung bleibt da in vielen Betrieben wenig Zeit", bemängelt der gestandene Handwerksmeister und stellt fest: "Die Industrialisierung des Bauwesens hat das Handwerk nachhaltig geschädigt und mit ihm die Qualität unserer Bauwerke."

Fazit

"...Ich bin durch die Mark gezogen und habe sie reicher gefunden, als ich zu hoffen wagte," schrieb einst Theodor Fontane über Brandenburg. Was die Menschen und das Land angeht, gilt des bedeutenden Dichters Resümee uneingeschränkt wohl heute noch. Doch das SHK-Handwerk in einem der schönsten Landstriche Deutschlands droht unter die Räder zu kommen. Zwar sind die geschilderten Probleme durchaus vergleichbar z.B. mit denen in Nordrhein-Westfalen, jedoch an Schärfe kaum mehr zu überbieten. Soll Fontanes Beschreibung auch zukünftig noch gelten, so sind u.a. die Politiker gefragt, um fünf vor zwölf das Ruder herumzureißen.


Marktpartnerschaft - ist sie in Gefahr?

Kommunale Versorgungsunternehmen (KVU) entwickeln sich - trotz rechtlicher Ungereimtheiten - immer mehr zu wirtschaftlich orientierten Unternehmen mit umfassendem Dienstleistungsangebot. Hier erwächst eine starke Konkurrenz z.B. zum SHK-Handwerk. Detlef Pfeil referierte zu diesem Thema während des letzten Erdgas-Erfahrungsaustausch des Fachverbandes SHK Brandenburg in Bad Salzungen. Hier seine Einschätzung:

IKZ-HAUSTECHNIK: Sie beschäftigen sich intensiv mit den Aktivitäten kommunaler Einrichtungen im Dienstleistungsbereich. Erwächst in diesem Umfeld ein ernstzunehmender Mitbewerber für das SHK-Handwerk?

Pfeil: Nicht nur für das SHK-Handwerk. Von Gastwirtschaften über Reisebüros, Reisebuswartungen, Abschleppdienste, Krankentransportunternehmen bis hin zu Klärwerken, Blockheizkraftwerken, Nahwärmeversorgung, Entsorgungs- und Wartungskonzepten sowie Energieberatung und -planung sind mittlerweile scheinprivate kommunale Unternehmen bundesweit entstanden.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wo sehen Sie das Hauptproblem?

Pfeil: Vor allem in der Tatsache, daß die kommunalen Mitbewerber häufig unter ungleichen, teilweise sogar mit unlauteren Mitteln aktiv werden. So sind die kommunalen Betriebe steuerlich begünstigt, weil sie keine Umsatz-, Gewerbe- oder Körperschaftssteuer zu entrichten haben, Steuermittel einsetzen können, Sach- und Personalkosten nur zum Teil und kalkulatorische Kosten in der Regel gar nicht in die Kalkulation einbeziehen müssen. Scheinprivate kommunale Unternehmen agieren daher als "Unternehmer ohne Risiko".

IKZ-HAUSTECHNIK: Zunehmend werden von KVUís Nahwärmekonzepte entwickelt. Wie bewerten Sie diese Aktivitäten?

Pfeil: Es ist davon auszugehen, daß jedes größere kommunale Versorgungsunternehmen in der Bundesrepublik bereits ein solches Nahwärmeangebot einschließlich aller Planungs- und Wartungsaufgaben anbietet oder dies in absehbarer Zeit anstrebt. Bedenklich stimmt dabei vor allem die Tatsache, daß diese Aktivitäten auch überregional ausgebaut werden und es sich keinesfalls "nur" um Nahwärmekonzepte handelt.

IKZ-HAUSTECHNIK: Also vorbei die Zeit des fruchtbaren Miteinanders zwischen KVU und SHK-Handwerk?

Pfeil: Die überregionale Ausdehnung scheinprivater kommunaler Firmen ist ein eindeutiger Verstoß gegen geltendes Recht. Insofern ist die Marktpartnerschaft in großer Gefahr. Aber es heißt auch: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Ich sehe optimistisch in die Zukunft, wenn es uns gemeinsam gelingt, z.B. im Wärmelieferungsmarkt zu kooperieren.


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