IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 21/1998, Seite 94 f.


REPORT


Bauobjekt "Hamburger Straße"

125 Wohneinheiten mit ComfortAir-Frischluftheizkörper ausgerüstet

Der bauliche Wärmeschutz von Gebäuden ist in den letzten 20 Jahren spürbar verbessert worden. Doch selbst was heute als Dämmstandard angesehen wird, gilt morgen als alter Zopf. Denn die vom Gesetzgeber geplante Energiesparverordnung 2000 reduziert den Energieverbrauch auf Basis der Wärmeschutzverordnung 95 nochmals um rund 30%.

Bild 1: Filterwechsel beim ComfortAir- Frischluftheizkörper.

Das Besondere des Objekts

In Kaltenkirchen, etwa 25 km nördlich von Hamburg, wurde vor wenigen Monaten das Bauobjekt "Hamburger Straße" fertiggestellt, das sich von anderen stark unterscheidet. Dort entstanden auf 9100 m2 43 Sozial-, 67 altengerechte und 15 Eigentumswohnungen mit Polizeistation und Diakonie; durch die wärmedämmende und nahezu luftdichte Bauweise wird der heutige Niedrigenergiehausstandard um 20% unterboten: Pro Quadratmeter Wohnfläche errechnet sich ein Wärmebedarf von lediglich 30 Watt.

Heizen und Lüften in einem

Doch wie läßt sich unter diesen Randbedingungen der notwendige Luftaustausch (0,5facher Luftwechsel pro Stunde) sicherstellen? Der Planer der haustechnischen Anlage, das Ing.-Büro Hein & Heitmann (Kaltenkirchen), schlug deshalb den Frischluftheizkörper "ComfortAir" des Herstellers PURMO vor. Er schien den Anforderungen zu genügen, so daß sich der Bauverein Kaltenkirchen als Bauherr für diesen Typ entschied.

Bild 2: Der ComfortAir- Frischluftheizkörper im Betriebszustand . . .

 

. . . nach vorn geschwenkt . . .

 

. . . ohne Filter . . .

 

. . . mit zwei Filterboxen.

Der ComfortAir-Frischluftheizkörper sieht aus wie ein gewöhnlicher Heizkörper, hat jedoch auf der Rückseite eine Ansaugöffnung für Frischluft. Sie wird über eine in der Außenwand sitzende Rohrhülse - in der Regel ein 100er HT-Rohr - geführt und durch einen Filter geleitet. Hat die Außenluft den Filter passiert, strömt sie innerhalb des Heizkörpers zunächst nach unten und streicht anschließend an den warmwasserführenden Kammern nach oben, um erwärmt durch Lüftungsschlitze in den Raum auszutreten. Dies funktioniert jedoch nur dann, wenn in der Wohnung oder dem Zimmer ein Unterdruck herrscht. In der Hamburger Straße 58-64 sitzt deshalb in den innenliegenden Bädern ein Abluftventilator, der Tag und Nacht pro Stunde 30 Kubikmeter Luft ins Freie über das Dach fördert, was für eine Grundlüftung ausreicht. Umschaltbar ist er auf 60 m3/h; dann ist ein Mindestluftwechsel von 0,5 h-1 gewährleistet. Bei der Auswahl des Ventilators stellten sich Schwierigkeiten ein. Es galt, einen Typ zu finden, der bei 30/60 m3/h Volumenstrom die nötige Druckdifferenz (150 Pa) aufbringt und gleichzeitig Geräuschwerte von unter 40 dB(A) einhält. Nach langem Suchen wurde man fündig, und inzwischen bieten viele Hersteller sehr leise arbeitende Ventilatoren mit geringem Volumenstrom bei hoher Druckdifferenz an. Sämtliche Türblätter der Innentüren einer Wohnung sind um einige Zentimeter gekürzt, um die Luftströmung zu gewährleisten.

Zum Filterwechsel werden zunächst Scharniere seitlich der hinten liegenden Filterbox entriegelt, anschließend die Oberseite des Heizkörpers um 20 cm zum Raum hin geschwenkt. Über den abgeschwenkten Heizkörper hinweg kann man den Filter vorziehen und nach oben herausnehmen. Der Einbau des neuen Filters erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.

Auf der Oberseite der Filterbox befinden sich einstellbare Luftschlitze. Der Planer hat für die einzelnen Wohnungen und deren Räume die Luftmengen berechnet und dem Heizungsbauunternehmen Möller (Kaltenkirchen) die sich daraus ergebende Stellbreite der Luftschlitze durchgegeben. Einmal fest eingestellt, läßt sich die Schlitzbreite nur mit Werkzeug verändern, so daß sichergestellt ist, daß der Nutzer keine Veränderungen vornimmt und daß nur so viel Frischluft nachströmt, wie erforderlich ist.

Bild 3: Von außen unauffällig: Die Zuluftöffnung für den ComfortAir- Frischluftheizkörper.

Besonderheiten

Planer Hein & Heitmann und Architekt Boeckels & Wiegels (Kaltenkirchen) standen vor der Entscheidung, ob die Fenster auch zu kippen sind oder ob sie sich nur ganz öffnen lassen. Sie entschieden sich, dem Nutzer die Freiheit zu lassen, die Fenster nach Belieben öffnen zu können. Schließlich, so die Begründung, wollte man den Bewohnern die Möglichkeit geben, ihre individuellen Lüftungsgewohnheiten beizubehalten.

Problematisch kann es dann werden, wenn in der Küche gekocht wird. Theoretisch strömt der Kochschwaden über das daneben gelegene Wohnzimmer zum Bad. Deshalb wurde in der Küche ein zweiter, von der anderen Anlage getrennter Abluftventilator installiert, der, bei Bedarf vom Nutzer eingeschaltet, Kochgerüche über eine eigene Leitung nach draußen fördert. Seine Volumenleistung wurde mit 60 m3/h berechnet. Die in Küchen übliche Dunstabzugshaube fährt in Umluftbetrieb.

Für die PURMO AG handelt es sich bei dem Kaltenkirchener Objekt um das erste in Deutschland, in dem so viele ComfortAir-Frischluftheizkörper installiert wurden: von den insgesamt 750 montierten Heizkörpern sind rund 300 ComfortAir-Heizkörper (100 von ihnen haben zwei Filterboxen und zwei Ansaugstutzen, 200 sind mit einer Box und einem Stutzen ausgerüstet). In innenliegenden Bädern und untergeordneten Räumen des Komplexes kamen Standard-Plattenheizkörper, also ohne Frischluftanschluß, zum Einsatz. Zum Vergleich ein Blick nach Norden: In Skandinavien werden seit mehreren Jahren ComfortAir-Heizkörper eingebaut - insgesamt über 40.000 mal.

Bild 4: Die Beteiligten: Christian Ludewig (PURMO, Regionalleiter Nord) Christian Meyer-Delius (Planer der haustechnischen Anlage), Bernd Möller (Inhaber des Heizungsbauunter- nehmens), Gustav Neupert (Bauverein Kaltenkirchen), Johannes Granzow (Großhandel Gerken & Süss), Gerd Boeckel (Architekt).

Viele Menschen klagen heutzutage über Straßenlärm, Fluglärm und andere für sie kaum mehr zu ertragende Schallquellen. Schallschutzfenster bieten hier eine Lösung. Führt es dann nicht zu Problemen, wenn die Außenwand mit einer Rohrhülse für die Zufuhr von Frischluft durchbrochen und eine Schallbrücke geschaffen wird? Die Konstruktion des ComfortAir-Frischluftheizkörpers dämmt jedoch den Schallpegel so weit, daß die Nutzer bei üblichem Außenschall nicht beeinträchtigt werden.

Fazit

Niedrigenergiehäuser, wie sie vereinzelt schon heute und morgen regelmäßig gebaut werden, müssen weiterhin beheizt und belüftet werden. Aufgrund der Bauphysik verändert sich die haustechnische Anlage: Sie muß sich den neuen Gegebenheiten anpassen. Eine von vielen Möglichkeiten, die Wohnung, das Gebäude, zu beheizen und zu belüften, ist die hier vorgestellte Lösung: eine zentrale Abluftanlage mit dem ComfortAir-Frischluftheizkörper.


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