IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 21/1998, Seite 43 ff.


KLEMPNERTECHNIK


Akzente in Klempnertechnik sind auch Architekturakzente

Metallbekleidungen für Dachrand und Attika

Dorothee Witteler-M. und Friedolin Behning*

Der obere, horizontale Abschluß eines Bauwerks wird als Attikabereich bezeichnet, wenn er konstruktiv und architektonisch besonders hervorgehoben ist. Was in der Baukunst der Antike schon gestaltprägendes Element war, hat auch im zeitgenössischen Bauen einen hohen Stellenwert: die architektonisch akzentuierte Attika. Ob in Form zierlicher, funktioneller Randblenden im Übergangsbereich von der Fassade zum Dach oder als dreidimensionale, auskragende, gerundete oder abgeschrägte Ausführung, Attiken werden auf vielfältige Weise mit Metall in Klempnertechnik bekleidet.

Bild 1: Architektonisches Formgefühl und handwerkliches Können kennzeichnen diese elegant geschwungene Dachrandeinfassung an einem Hotelgebäude, ausgeführt in Winkelstehfalztechnik.

Blickfang, in Metall gestaltet

Ist es Ihnen auch schon so ergangen? Beim Stadtbummel im Geschäftsviertel, bei der Fahrt zum Kunden im Vorort oder auf der Suche nach einer Adresse in einem neuen Gewerbepark: Immer häufiger stößt man auf perfekt ausgeführte Attikabekleidungen oder man sieht ideenreich realisierte Dachrandgestaltungen. Hier waren Klempner am Werk, mit Metall - meist in der weitverbreiteten Winkelstehfalztechnik - die an dem jeweiligen Gebäude einen besonderen architektonischen Akzent gesetzt haben. Während die konstruktive Ausbildung eine große Anzahl von Möglichkeiten bietet, ist der visuelle Eindruck derart bekleideter Fläche manchmal recht ähnlich. Das Erscheinungsbild wird bestimmt vom regelmäßigen Raster der Winkelstehfalze. Ihre exakten Profile schaffen - besonders bei seitlich einfallendem Sonnenlicht - eine ausdrucksvolle und lebendige Oberfläche. Eine Steigerung dieser Wirkung wird erreicht, wenn statt der Winkelstehfalztechnik die wesentlich kräftiger wirkende Leistentechnik ausgeführt wird.

Bei schmalen Dachrändern und schlanken Blenden bietet die Klempnertechnik weitere verschiedene Ausführungsmöglichkeiten, zum Beispiel in Form eines "optisch durchlaufenden", indirekt aufgeschobenen Randprofils auf stabiler Unterkonstruktion. Für breitere zu bekleidende Flächen sind auch unprofilierte Blenden und gelegentlich Kassetten praxisüblich. Darüber hinaus werden seit geraumer Zeit verschiedene Profil- und Paneelsysteme auch im Attikabereich mit Erfolg eingesetzt.

Bild 2: Diese zweiteilige, im oberen Bereich abgeschrägte Attikabekleidung an einem stark gegliederten Schulgebäude wurde ebenfalls in Winkelstehfalztechnik erstellt. Sie bildet ein Gegengewicht zum Ziegelmauerwerk der Außenwände.

Vom Ausstellungspavillon bis zum Hotelneubau

Metallische Bekleidungen und Abdeckungen im Attikabereich haben sich aus verschiedenen Gründen durchgesetzt. Mitentscheidend dafür sind die fast unbegrenzten Ausführungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Entsprechend der Planung des Architekten stellt der Klempner in der Werkstatt oder auf der Baustelle die Einzelteile der Bekleidungs- und Abdeckelemente her und baut sie auf der meist vom Zimmermann vorbereiteten Unterkonstruktion ein.

Dabei sind neben immer wiederkehrenden Standardausführungen auch individuell objektbezogene Sonderlösungen gefragt. Als Grundform kennt man die einfache, vertikale Bekleidung des Dachrandbereiches, wie sie - zum Beispiel als verbreiterte Rinnenblende oder als Ortgangbekleidung - häufig an Gebäuden verschiedener Art vorzufinden ist. Eine erweiterte Ausführung dieser Form, mit zusätzlicher oberer Abdeckung und mit Bekleidung der Untersicht, ist ebenfalls gebräuchlich. Beliebt sind ferner Gestaltungen von Vordächern und Kragplatten, besonders bei Büro- und Geschäftshäusern, Flachdach-, Pavillon- und auch Wohnbauten.

Bild 3: Detail einer großflächigen Attikabekleidung an einem Kommunalgebäude, ausgeführt mit vertikal angeordneten Steckfalzpaneelen aus 1,2 mm dickem, "vorbewittertem" Rheinzink.

Ihre erweiterten Formen verfügen nicht selten auch über nach oben oder unten, meist unter 45 abgeschrägte Übergänge, die klempnertechnisch in die metallischen Bekleidungen einbezogen werden. Dazu kommen gelegentlich auch gerundete, geschwungene und gewölbte Formen. Ihre möglichst exakte, fehlerfreie Vorbereitung und Ausführung wird heute durch den Einsatz geeigneter Werkzeuge und Maschinen erleichtert. Bei hohem Anspruch an das Arbeitsergebnis und fehlerfreier Detailausbildung ist der Fachmann gefordert! Bei aller Verschiedenheit der Bau- und Ausführungsformen hat der beauftragte Klempnermeister es selbst in der Hand, durch sorgfältige Vorbereitung und fachmännische Durchführung der Arbeiten eine exakte, den Fachregeln entsprechende Leistung zu erbringen. Dabei sollte ihm bewußt sein, daß im Sichtbereich ausgeführte Arbeiten seinen Ruf als Fachmann - abhängig vom Arbeitsergebnis - entweder bestätigen und festigen, oder im ungünstigen Falle, also bei vorhandenen Mängeln, auch stark beeinträchtigen können.

Moderne Klempnertechnik und fachliches Know-how

Ein den Fachregeln entsprechendes Arbeitsergebnis erfordert von allen Beteiligten Engagement. Vom Architekten sind dazu bereits in der Planungsphase die Weichen zu stellen, damit die späteren Arbeitsschritte bauphysikalisch und klempnertechnisch korrekt durchgeführt werden können.

Bild 4: Dachrand eines Wohnhauses als integrierter Ortgang, in Winkelstehfalztechnik bekleidet, mit schlanken, vertikal gesetzten Schrägstücken; geometrisch streng.

Dazu zählt beispielsweise eine geeignete Unterkonstruktion, deren Beschaffenheit das Aufbringen der Metallbekleidung und -abdeckung sicher ermöglicht. Meist ist der herkömmliche Aufbau mit einer auf Abstand montierten Vollholzschalung bzw. einer Unterkonstruktion aus Baufurniersperrholz empfehlenswert. Besonders dann, wenn es sich um größerformatige Attika- und Dachrandbekleidungen handelt. Bei kleinerformatigen, schlanken Blenden und Abdeckungen genügen - je nach Situation - Montagebohlen oder -Hölzer und andere Untergründe.

Werden erhöhte Anforderungen an Feuersicherheit und Brandschutz gestellt, sind nicht brennbare Unterkonstruktionen, zum Beispiel aus Metall, erforderlich. Dies kann bei Vordachkonstruktionen, überdeckten Passagen und Eingangsbereichen der Fall sein, die als oberen Abschluß oft attikaähnliche Aufbauten erhalten. Weitere Kriterien im Hinblick auf die klempnertechnische Ausführung sind bestimmte Forderungen, die Funktionssicherheit, Standsicherheit und Aussehen betreffen.

Bild 5: Formenreichtum und handwerkliche Vielfalt kennzeichnen diese Klempnerarbeit: rund eingefaßte Gauben- und Balkonränder bei einem großstädtischen Wohnhaus.

Alle Verbindungen und Anschlüsse müssen nach den Fachregeln für die jeweils verwendeten Metalle ausgeführt werden, und Befestigungen und Dimensionierung müssen den statischen Erfordernissen genügen. Beanspruchungen durch Windangriff, Bauwerksbewegungen und insbesondere durch bei Temperaturwechsel auftretende Längenänderungen müssen aufgenommen und ausgeglichen werden. Deformierungen und Undichtigkeiten dürfen dadurch nicht entstehen.

Das Aussehen der fertiggestellten Klempnerarbeit wird auch davon beeinflußt, ob das verwendete Material richtig transportiert, gelagert und angebracht worden ist. Ebenfalls von Bedeutung ist der Schutz der bereits ausgeführten Flächen gegen Verschmutzung durch andere Arbeiten oder vor Beschädigung, zum Beispiel durch Gerüstbauarbeiten, Materialbewegungen per Kran und ähnliches. Vorsorge ist hier die beste Möglichkeit, Ärger zu vermeiden. Deshalb muß bereits in der Leistungsbeschreibung darauf hingewiesen werden.

Sorgfalt der Ausführung und Detailgenauigkeit

Wie schon zum Ausdruck gebracht, werden Attika- und Dachrandausführungen in Metall in großer Vielfalt hergestellt. Sie haben eine schützende, verbindende und gestalterische Funktion. Im einzelnen wird unterschieden zwischen ebenen, glatten, meist schmäleren Randblenden, solchen aus schlanken Einzelscharen mit Doppelstehfalz- oder Winkelstehfalzverbindungen und Ausführungen in Leistentechnik. Darüber hinaus sind auch Kombinationen verschiedener Verbindungstechniken beliebt.

Bild 6: Außergewöhnlich in Entwurf und Ausführung sind diese dynamisch abgeschrägten, auskragenden Attiken an einem Wohnhaus, gestaltet mit Rheinzink-Verbundplatten.

Das Aussehen glatter Randblenden kennt man von konfektionierten Strangpreßprofilen, wie sie weit verbreitet sind. Ihr Pendant, nach Aufmaß aus Metall gekantet, bietet eine ähnliche Optik und ist für nahezu alle Einbausituationen geeignet. Trotz seiner Einfachheit, sind verschiedene elementare Punkte bei der Vorbereitung und Ausführung zu beachten. Diese betreffen zum Beispiel "indirekte" Befestigung, Vorstoßprofile und Unterbleche, Stoß-, Eck- und Anschlußsituation und mehr. Die gefalzten Ausführungen, fast ausschließlich in Winkelstehfalztechnik, sind am weitesten verbreitet und ausgezeichnet in der Werkstatt vorzubereiten. Bei größeren Bauten mit vielen "Gleichteilen" ist auch eine komplette Vorfertigung der Scharen (sogenannte Service-Profile, maßgenau in einer Werksniederlassung gefertigt) wirtschaftlich sinnvoll.

Aufgrund des sich regelmäßig wiederholenden Rasters der einzelnen Falzverbindungen ergibt sich eine schön gegliederte Fläche. Beim klassischen Doppelstehfalz erscheint die "Stegwirkung" in ihrer schmalsten Form. Deutlich akzentuierter wirkt dagegen der breitere Winkelstehfalz durch sein exaktes L-Profil. Weist die Attika Versprünge, Abschrägungen oder Richtungsänderungen auf, folgt das Winkelstehfalzprofil, optisch durchlaufend, elegant dem Verlauf der Unterkonstruktion. Sorgfältige Detailarbeit, auch an den Übergängen und Anschlüssen, ist hier unabdingbar.

Wenn eine stärker betonte Gliederung der Attika oder des Dachrandes verlangt wird, heißt die Lösung Leistentechnik. Eine ähnliche Wirkung, ohne zwischenliegende Holzleiste, wird mit T-förmigen "Doppelwinkelfalz"-Verbindungen erreicht. Als regensichere und wirtschaftliche Ausführung im Bereich der Leistentechnik bewährt sich das Rheinzink-Klicksystem. Es verbindet die Vorteile der Werkstattfertigung und des Maschineneinsatzes mit Funktionssicherheit und gutem Aussehen.

Bild 7: Attika-Gestaltung an einem modernen Sakralgebäude. Hier im Detail: kurze Scharen, zweifach abgeschrägt, mit zahlreichen Versprüngen und oberer Abdeckung.

Die Alternative: Steckfalz-Paneele

In jüngerer Zeit werden für größerflächige Attika-Bekleidungen auch neuentwickelte Steckfalz-Paneele aus "vorbewittertem" Rheinzink eingesetzt. Das sind glatte, 1 mm dicke, nut-und-federähnlich profilierte Paneel-Elemente, die je nach Erfordernis in unterschiedlichen Breiten mittels präziser Rollformtechnik produziert werden. Sie bieten eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten, weil sie senkrecht, diagonal und horizontal eingebaut werden können, und weil durch unterschiedliche Fugenausbildung sehr abwechslungsreiche Flächen geschaffen werden. Der Einbau erfolgt - nach sorgfältiger Detailplanung - auf einer mehrfach verstellbaren, hinterlüfteten Tragekonstruktion aus Metall. Um temperaturbedingte Längenänderungen der Paneele zu ermöglichen, werden die Bekleidungen in Einzelfelder von 4 m Standardlänge aufgeteilt.

Bild 8: Viertelkreisförmig geschwungen und mit entsprechendem Überstand krönt diese umlaufende Attika in Leistentechnik ein ebenfalls metallbekleidetes Verwaltungsgebäude.

Resümee

Wie unsere Bildbeispiele zeigen, erlaubt die zeitgemäße Klempnertechnik Attikabekleidungen und Dachrandgestaltungen in vielen Ausführungsvarianten. Die Skala der Möglichkeiten reicht dabei von der einfachen Randblende bis zu aufwendiger ausgeführten Attika-Bekleidungen und Abdeckungen in Metall. Eine Auswahl unterschiedlicher Bauformen wurde hier dargestellt. In der Praxis des Baualltags wird der aufmerksame Beobachter weitere Varianten entdecken. Abschließend ist festzuhalten, daß auch durch dieses Anwendungsgebiet die Metallverarbeitung in der Bauklempnerei, und damit unser Handwerk, interessante neue Impulse erhält.  


* Die Autoren sind Mitarbeiter der Rheinzink GmbH, Datteln


F o t o s : Rheinzink GmbH, Datteln


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