IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 20/1998, Seite 58 f.


REPORT


Das Warenverteilzentrum ist der letzte und wichtigste Baustein eines neuen Logistikkonzeptes der Viessmann-Gruppe. (Bild: Viessmann)

 

Viessmann

Neues Warenverteilzentrum eingeweiht

Nach nur 18 Monaten Bauzeit wurde am 8. September dieses Jahres das neue Warenverteilzentrum in der Allendorfer Zentrale der Viessmann Gruppe offiziell in Betrieb genommen. Den Startknopf für das EDV-gesteuerte Zentrum drückte Kanzleramtsminister Friedrich Bohl gemeinsam mit Maximilian Viessmann - jüngster Sproß der Familie.

Zahlreiche Kunden sowie Gäste aus Politik und Wirtschaft konnten sich während der Einweihung von den Vorteilen des neuen Warenverteilzentrums, das mit Investitionskosten in Höhe von 85 Mio. DM realisiert wurde, überzeugen.

Dr. Viessmann sieht in der Effizienzsteigerung des gesamten Vertriebssystems entscheidende Impulse für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Zukunftsorientierter Schritt

Diese mit 85 Mio. DM höchste Einzelinvestition am Stammsitz der Gruppe ist der letzte und wichtigste Baustein der neuen Viessmann-Vertriebslogistik. Entscheidend zu diesem Schritt beigetragen hat die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens. "Es ist ein großer Schritt in die Zukunft, doch wegen der wirtschaftlich schwierigen Zeiten war es aber auch keine leichte Entscheidung, denn die dramatische Entwicklung der Bauwirtschaft belastet auch die Heiztechnikbranche," betonte Dr. Martin Viessmann, geschäftsführender Gesellschafter der Viessmann Gruppe, in seiner Begrüßung.

Als Zentrallager nimmt das Warenverteilzentrum alle Fertigwaren aus eigener Produktion sowie Handelswaren externer Lieferanten auf. Über Schiene und Straße werden die Regionalläger aufgefüllt, die die Kunden und deren Baustellen mit auftragsbezogenen kommissionierten Lieferungen bedienen. Warenverteilzentrum und Regionalläger sichern den Lieferservice für 35 Verkaufsniederlassungen, die alle mit einem Abhollager ausgestattet sind.

Neuester Stand der Technik

Das nach dem neuesten Stand der Technik errichtete Warenverteilzentrum bildet das Kernstück der Vertriebslogistik und Zentrallager der Viessmann Gruppe für die in- und ausländischen Märkte. Damit sei der Lieferservice für die Kunden in aller Welt bis weit ins nächste Jahrhundert gesichert. "Kundenanforderungen nicht nur schnell, kompetent und umfassend zu erfüllen, sondern ihnen möglichst immer einen Schritt voraus zu sein - das ist das oberste Prinzip unseres Unternehmens", betonte Dr. Viessmann.

Den Startknopf drückten gemeinsam Kanzleramtsminister Bohl und Maximilian Viessmann, jüngster Sproß der Familie. Dr. Martin Viessmann mit Gattin und einige Vertreter aus Politik und Wirtschaft sahen gespannt zu.

Mit der Ausweitung des Produktprogramms, der Internationalisierung des Vertriebes, der Erschließung neuer Märkte sowie der gewachsenen Bedeutung kundenorientierter Dienstleistung rund um die Produkte, seien die Anforderungen an die Logistik gewachsen. Bereits Anfang der 90er Jahre habe man im Unternehmen damit begonnen, ein anforderungsgerechtes Logistikkonzept zu entwickeln und schrittweise umzusetzen: "Die Auslieferung in der Fläche wurde von ehemals 42 Werkslägern auf 15 Regionalläger an logistisch günstigen Standorten konzentriert. Diese Konzentration in der Fläche rationalisiert die Lagerhaltung und Kommissionierung, schafft günstige Auslieferungsentfernungen und verbessert so den Lieferservice für die Kunden. Entsprechend der jeweils getroffenen Vereinbarungen treffen unsere Lieferungen bundesweit bereits am Folgetag der Bestellung ab 7.00 Uhr an ihrem Bestimmungsort ein. Ersatzteile werden ab Warenverteilzentrum durch einen zentralen Paketversand im 24-Stunden-Service geliefert", berichtete Dr. Viessmann.

Kunde wünscht Zuverlässigkeit

Produkte aus allen Viessmann-Werken sowie Handelswaren werden ab Warenverteilzentrum mit LKW und Bahn transportiert. Bei diesen Transporten steht das Kriterium "Zuverlässigkeit" ganz oben bei den Kundenanforderungen. Um diese Anforderungen in Zukunft noch besser erfüllen zu können, verwirklichte Viessmann eine neue Vertriebslogistik.

"Mit der Inbetriebnahme des neuen Warenverteilzentrums nach dem Prinzip ,Ware zum Mann trägt nicht mehr der Mensch die einzelnen Produkte eines Auftrags zusammen, sondern die Waren kommen zum Mitarbeiter. Kommissionieren wird sozusagen zur Bildschirmarbeit. Wichtigstes Arbeitsmittel ist der PC. Vacuumsauger und Schwerlastmanipulator bewegen die Lasten; ein Hubtisch zur Einstellung der optimalen Arbeitshöhe ist in die Fördertechnik integriert.

Das automatische Hochregallager mit variabler Stellplatznutzung umfaßt bis zu 60.000 Palettenstellplätze in 19 Gassen. Ein automatisches, mit Teleskopgabeln ausgerüstetes Regalbediengerät pro Gasse lagert ein und aus. (Bild: Viessmann)

Der für die Versanddisposition zuständige Mitarbeiter ruft die in der EDV erfaßten Aufträge für die Verladung ab. Position für Position ortet der Rechner die einzelnen zum Auftrag gehörenden Produkte. Im riesigen Palettenlager des Zentrums bewegen sich Paletten, Gitterboxen und Kleinteilebehälter in 19 Transportkanälen über die Fördereinrichtungen zum Kommissionierplatz. Der ist direkt angeschlossen an die Verladeebene für Bahn und LKW. 100 Sattelzüge oder Waggons können täglich be- oder entladen werden.

Die Voraussetzung dafür sind voll integrierte, EDV-geführte Abläufe. Dazu wurde ein bundesweites Datennetzwerk mit hochmoderner Hardware eingerichtet. Intelligente Schnittstellen zwischen den verschiedenen Softwarelösungen erzeugen Warenbewegungen im Warenverteilzentrum allein aufgrund der Erfassung der Kundenaufträge in den Verkaufsniederlassungen. Weiteres menschliches Zutun ist nicht nötig. EDV-gesteuert erreichen die Produkte über Fördereinrichtungen ihren Lagerplatz im Verteilzentrum. Die Lagerung ist "chaotisch", das heißt, geschieht ohne vorher definierte Platzzuweisung. Das ermöglicht den hohen Füllgrad des Lagers. Die EDV "merkt" sich diesen Platz und registriert Menge und Verfügbarkeit.

Bei der Zusammenstellung der verschiedenen Positionen eines Auftrages verlassen die sortenreinen Paletten ihren Lagerplatz und werden zum Kommissionierplatz befördert. Nach Entnahme der bestellten Anzahl der Produkte geht die Palette über die Fördereinrichtung zurück ins Lager. Dabei werden häufig verlangte Produkte vom Rechner vorne im Lager positioniert, damit die Wege kürzer sind als bei seltener verlangten Produkten. Bildhaft kann man sich das Warenverteilzentrum als riesige Sortiermaschine vorstellen."


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