IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 20/1998, Seite 24 ff.


SANITÄRTECHNIK


Sanierung undichter Gasleitungen

Abdichtungsverfahren für Innenleitungen vermeidet hohe Folgekosten

Die Reparatur undichter Gasleitungen in Wohngebäuden zieht nicht selten erhebliche Folgearbeiten nach sich. Neben dem Schmutz und den Unannehmlichkeiten für die Hausbewohner durch die Arbeiten von Installateur, Maurer, Fliesenleger und/oder Maler entstehen erhebliche Kosten. Der Beitrag beschreibt ein Verfahren der Gas-Rohr-Sanierung, mit dem der autorisierte Fachbetrieb eine dauerhafte Abdichtung der Rohrleitungen - ohne Abbruch und Demontage - erreichen kann.

Das in der Installation verwendete Whitworth-Gewinde soll selbstdichtend sein, d.h. auf Grund seiner Konstruktion - zylindrische Muffe und konisches Außengewinde - wird durch metallische Pressung die Dichtheit der Verbindung hergestellt. Da dies nur mit gutem Schneidwerkzeug und maßgenauen Formstücken erreichbar ist, ist es in der Praxis notwendig, ein Dichtmittel zu verwenden. Als Dichtmittel wird meist Hanf in Verbindung mit einer Dichtpaste eingesetzt, welche u.a. auch die Austrocknung des Hanfes verhindern soll.

Garosan Sanierungseinheit aus dem Hause GaSiTec.

Die Dichtpasten der ersten Generation waren jedoch nicht alterungsbeständig. In Wasserleitungen verhinderte das in den Rohrleitungen fließende Wasser ein Austrocknen des Hanfes, in Gasleitungen blieb der Hanf durch den hohen Feuchteanteil im (früher verwendeten) Stadtgas geschmeidig und somit dicht. Nach der Umstellung von Stadt- auf Erdgas änderte sich diese Situation jedoch schlagartig. Hier führte das im Gegensatz zum Stadtgas trockene Erdgas zur Austrocknung des Hanfes in den Gewinden und damit auch zu einem Anstieg der Leckraten von Gasleitungen. Diesen Vorgang konnte man besonders gut bei der Gasumstellung in den neuen Bundesländern beobachten, da weitgehend Stahlrohr als Material für Gasleitungen verwendet wurde.

Viele Gasleitungen, deren ermittelte Leckrate bei der Gasumstellung noch unter 1 l/Std. betrug, mußten nach einem zweijährigen Erdgasbetrieb als vermindert gebrauchsfähig* eingestuft werden.

Einsatzmöglichkeiten

Nicht selten wird bei einer Undichtigkeit im Leitungssystem die Leitung komplett erneuert. Das ist bei freiliegenden Leitungen unproblematisch, da eine Erneuerung relativ einfach erfolgen kann. Nicht aber bei unter Putz liegenden Leitungen. Hier führen die notwendigen Stemmarbeiten zu erheblichen Folgekosten.

Die unter bestimmten Bedingungen anwendbare Methode der Gas-Rohr-Sanierung ist dann für den Kunden günstiger.

Bei diesem Verfahren wird eine vom DVGW zugelassene Abdichtungsdispersion unter Druck in die Gasleitung eingefüllt. Der Kunststoff dringt in die undichten Gewindeverbindungen ein und dichtet diese dauerelastisch ab. Anschließend wird das restliche Mittel wieder aus der Leitung entfernt. Die Gasversorgung wird in der Regel nur einen Arbeitstag lang unterbrochen. Maurer, Maler, Fliesenleger usw. werden nicht benötigt.

Das Sanierungsverfahren ist nach Arbeitsblatt G 624 bis zu einer Leckrate von 5,0 l/h zulässig. Da durch das Verfahren keine Kunststoffbeschichtung der inneren Rohrwandungen erfolgt, ist ein Abdichten von Korrosionsschäden nicht möglich.

Die Ermittlung der Leckrate einer Gasleitung kann, entsprechend DVGW-Arbeitsblatt G 624, entweder durch Messung des Druckabfalles pro Minute oder durch den Einsatz eines Leckmengenmeßgerätes vorgenommen werden.

Die Anwendung des Verfahrens der Innenabdichtung verlangt aber mehr als nur "Mittel einfüllen - Mittel ablassen". Die Anwender müssen für den Einsatz dieser Sanierungstechnik, gemäß dem neuen Arbeitsblatt G 624, sachkundig und geschult sein.

Zum besseren Verständnis werden die einzelnen Arbeitsschritte dieses Verfahrens nachfolgend beschrieben:

Schema einer Gasinstallation. Für die Rohrreinigung werden vom Geräteanschluß aus, mittels Druckstöße, Ablagerungen und Verschmutzungen über den Schlauch am Gaszähler ins Freie geleitet.

Vorbereitung

Unmittelbar vor Beginn der Abdichtungsarbeiten ist die Leckrate der abzudichtenden Gasleitung zu überprüfen, unabhängig davon ob schon eine Überprüfung stattgefunden hat und wie lange diese her ist. Die festgestellte Leckrate darf den Wert der zulässigen Leckrate für die Ausführung des Verfahrens (max. 5,0 l/h) nicht übersteigen.

Die Gasgeräte werden außer Betrieb genommen und der Gaszähler nach vorheriger Rücksprache mit dem Gasversorgungsunternehmen demontiert. Der gasführende Leitungsteil wird mit metallenen Stopfen oder Kappen dicht verschlossen und an die abzudichtende Verbrauchsleitung ein Kugelhahn als "Füllhahn" montiert. Die Gasgeräteanschluß-Armaturen werden ebenfalls durch Kugelhähne ersetzt.

Wichtig ist, daß an jedem Leitungsauslaß, auch an nicht benutzten Leitungsanschlüssen, ein solcher Kugelhahn eingebaut wird. Geschieht dieses nicht, so würde das dort noch vorhandene Luftpolster ein vollständiges Füllen dieses Leitungsteiles verhindern. Ferner können Dispersionsanteile, die sich teilweise in diese nicht genutzten Leitungsteile gedrückt haben, nicht vollständig entfernt werden. Als Folge davon kann eine Leitung durch zurückbleibendes Mittel verschlossen oder im Querschnitt reduziert werden.

Leitung entgasen

Nach der Vorbereitung der Anschlußstellen in der Wohnung wird ein Schlauch an den Füllhahn am Gaszählerplatz angeschlossen und dessen Ende an gefahrloser Stelle (ausreichender Abstand zum Gebäude, keine Zündquellen in der Nähe) ins Freie geführt. Das Schlauchende muß dabei von einer Person beaufsichtigt werden.

Um das Brenngas aus der Gasleitung zu entfernen, wird über den Kugelhahn (am umgebauten Gasgeräteanschluß) Stickstoff in die Gasleitung gegeben. Die noch in der Leitung befindlichen Restgasmengen fließen nun über den Schlauch ins Freie. Sind an der abzudichtenden Gasleitung mehrere Gasgeräte angeschlossen, so muß Stickstoff von jedem Gasgeräteanschluß aus auf die Leitung aufgegeben werden. Der Vorgang kann beendet werden, wenn kein Brenngasaustritt am Schlauchende mehr feststellbar ist (Gasspürgerät einsetzen).

Die beim Molchvorgang zurückgewonnene Kunststoffdispersion wird aufgefangen und kann wieder verwendet werden.

Absichern des Arbeitsbereiches

Da Gase kompressible Medien sind, stellen Gasdrücke von mehr als 3 bar durch die gespeicherte Druckenergie ein erhebliches Gefahrenpotential dar. Für die erforderliche Reinigung und anschließende Druckprobe der Gasleitung sind aber Gasdrücke von 8 bis 10 bar erforderlich. Würde bei diesen Arbeiten ein Korrosionsschaden aufbrechen, kann nicht ausgeschlossen werden, daß die plötzliche Expansion "explosionsartige" Auswirkungen hat.

Um eine Gefährdung von Personen auszuschließen, sind folgende Unfallverhütungsmaßnahmen unbedingt zu beachten:

1. Der Bereich freiliegender Leitungen (z.B. im Keller) und die Räume der Wohnungen, durch welche die Gasleitung verläuft, sind während der Reinigung der Leitung und während der Druckprobe abzusperren und vor dem Zutritt von Personen zu sichern.

2. Der Mitarbeiter, der die Arbeitsdrücke auf die Leitung aufgibt, muß sich in einem anderen Raum befinden. Die Verbindung zur Gasleitung ist über druckfeste Schläuche herzustellen.

Reinigen der Gasleitung

Nach Einleitung dieser Absicherungsmaßnahmen wird das im freien befindliche Schlauchende von einem Mitarbeiter beaufsichtigt. Vom Geräteanschluß (Entlüftungshahn) aus wird mittels Kompressor Druck auf die Leitung gegeben, der durch das schlagartige Öffnen des Füllhahnes über den Schlauch ins Freie abgelassen wird. Verunreinigungen (Rost oder Schmutz) werden so aus der Leitung gerissen.

Druckprobe

Bei geschlossenen Hähnen wird nun ein Druck von 3 bar auf die Leitung gegeben. Den Druck sollte man etwa fünf Minuten in der Anlage belassen.

Liegt wider Erwarten ein Schaden vor, so würde sich dieser durch rapiden Druckabfall, gegebenenfalls mit Wegplatzen des maroden Leitungsteiles, bemerkbar machen. Der Abdichtungsvorgang wäre dann nicht mehr möglich.

Sind während der Druckprobe keine Mängel offensichtlich geworden, wird der Druck auf den Betriebsdruck der Leitung abgesenkt und nochmals die Leckrate der Leitung ermittelt. Ist diese nicht größer als zu Anfang ermittelt wurde, kann ein Korrosionsschaden ausgeschlossen werden. Die vorgenannten Sicherheitsmaßnahmen können wieder aufgehoben werden.

Abdichtungsdispersion einpressen

Das Einfüllen der Abdichtungsdispersion in die abzudichtende Leitung erfolgt unter Druck mittels spezieller Füllstation. Die Entlüftung der Leitung erfolgt von der Steigleitung aus in Reihenfolge vom nächstgelegenen zum entferntesten Entlüftungshahn. Der Verpressdruck ist von dem geodätischen Höhenunterschied der Leitung abhängig und muß so gewählt werden, daß an der höchsten Stelle der Leitung noch ein Druck von 3 bar anliegt.

Nach einer zweistündigen Standzeit wird der Füllhahn geöffnet und das Dichtmittel in einem Auffangbehälter abgelassen. Da, bedingt durch die Leitungsführung, z.B. waagerechte Leitungen, Leitungsteile mit Kontergefälle, Unterziehungen usw. nicht immer eine restlose Entleerung der Rohrleitungen zu erreichen ist, wird nun von jedem Entlüftungshahn aus das Dichtungsmittel durch leichte Preßluftstöße zum Auslaß am Füllhahn in den Auffangbehälter getrieben.

Zusätzlich muß jede Leitung auch durch molchen gereinigt werden. Ein Molch ist ein zylinderförmiges Schaumstoffstück, das mit Preßluft durch die Leitung gedrückt wird und somit Rückstände vor sich her und aus der Leitung schiebt.

Zur Vorbereitung des Molchens wird der Füllhahn demontiert und an dieser Stelle eine Auffangvorrichtung angebracht. Diese fängt den Molch ab, läßt aber das Dichtmittel in den Auffangbehälter fließen.

Der Vorgang wird solange ausgeführt, bis der Molch keine nennenswerten Mengen Dichtmittel mehr fördert.

Dichtheitsprüfung

Nach Beendigung des Molchens können die Geräteanschlußarmaturen in der Wohnung montiert werden. Die Leitung wird mittels Hauptprüfung kontrolliert und nach erfolgreicher Druckprüfung durch Vakuum-Verfahren getrocknet.

Anschließend ist die Gasleitung dicht und kann wieder in Betrieb genommen werden.


* Verminderte Gebrauchsfähigkeit im Sinne der TRGI 86/96 liegt vor, wenn die Gasleckmenge bei Betriebsdruck zwischen 1 und 5 Litern pro Stunde beträgt.


B i l d e r :   GaSiTec, Witten-Bommern


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