IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 9/1998, Seite 74 ff.


REPORT


Kupferrohr-Lochkorrosion

Mit Wasseraufbereitung erfolgreich bekämpft

Dipl.-Ing. Armin Frieske*

In vielen Gebieten in Deutschland haben Hauseigentümer immer häufiger mit dem Problem der Lochkorrosion zu kämpfen. Unabhängig von der Größe der jeweiligen Immobilie tritt dieses Phänomen immer dort auf, wo mehrere ungünstige Faktoren in der Trinkwasserinstallation aufeinandertreffen, wie im folgenden Erfahrungsbericht aus dem Hause des Gerling-Konzerns dargestellt wird.

In vielen Fällen führt die Lochkorrosion zu aufwendigen Sanierungsmaßnahmen, die nicht nur hohe finanzielle Aufwendungen erfordern. Darüber hinaus bescheren sie dem Wohnungseigentümer bzw. -nutzer in der Regel eine "Baustelle" im trauten Heim, da neben dem eigentlichen Rohrbruch aufwendige Nebenarbeiten wie Stemm-, Fliesen- sowie Malerarbeiten u.ä. anfallen. Am Beispiel eines kombinierten Wohn- und Bürogebäudes in Köln werden die Erfahrungen mit den Folgen der Kupfer-Lochkorrosion und deren Beseitigung dargestellt, um eine alternative Möglichkeit zur Behebung der Probleme aufzuzeigen.

Schadensursache

In dem 1988 errichteten Wohn- und Bürogebäude stellten sich die ersten Fälle von Lochkorrosion bereits nach fünf Jahren ein und sorgten dabei für erhebliche Schäden. Zuletzt kamen fast jede Woche Rohrbrüche im Rohrsystem vor, die zu unterschiedlich aufwendigen Nachfolgeschäden führten. Die korrodierten Rohrstücke (Bild 1) wurden daraufhin einer Materialprüfung unterzogen, um die genaue Ursache der Schäden zu ermitteln und um geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Bild 1: Lochkorrosion im Außenbogen eines 90°-Fittings.

Die Lochkorrosion der eingesetzten Kupferrohre trat immer im Kaltwasserbereich auf. Aufgrund der damals üblichen Verbindungstechnik mittels Hartlöten (auch bei kleineren Dimensionen unter 28/1,5 mm) sowie unsachgemäß ausgeführter Rohrverbindungen (Bild 2) und einer ungünstigen Trinkwasserbeschaffenheit, hatte sich an den Rohrwandungen keine Schutzschicht gebildet. Dies führte, besonders an den Lötstellen, zur Korrosion. Grund für die ungünstige Wasserbeschaffenheit waren zu hohe Sulfat- und Nitratanteile bei gleichzeitig zu niedrigem Hydrogencarbonat- und Chloridgehalt.

Wasseraufbereitung führte zum Erfolg

Nachdem die Ursachen der Schäden festgestellt waren, entschied sich der Hauseigentümer als Sanierungsmaßnahme zum Einsatz einer Wasseraufbereitungsanlage (Bild 3). Durch diese Anlage werden korrosionsfördernde Sulfat- und Nitrat-Ionen im Wasser durch ein spezielles Harz nach dem Anionenaustauscherprinzip gegen Chlorid-Ionen ausgetauscht. Sobald die Aufnahmekapazität des Harzes erreicht ist, wird das Harz mittels Kochsalz (NaCl) regeneriert. Um nach der Verminderung der Sulfat- und Nitrat-Ionen einen für Kupferrohrleitungen optimalen pH-Wert zu erreichen, werden dem Wasser anschließend entsprechende Mineralstoffe zudosiert; sie sorgen gleichzeitig für eine stabilisierte Konzentration der Hydrogencarbonat-Ionen im Wasser.

Bild 2: Unsachgemäße Verarbeitung des Kupferrohres. Hier fehlte wohl die passende Red-Muffe?

Sollte neben dem Problem der Korrosion auch eine zu hohe Wasserhärte festzustellen sein, läßt sich durch eine entsprechende Zusammensetzung des Harzes zugleich die Wasserhärte reduzieren. Bei der Auslegung der Anlage wurden die vorliegende Wasserqualität, die Wasserhärte (24°d) und der durchschnittliche Wasserverbrauch zu Grunde gelegt. Mit der Reduzierung des Sulfat- und Nitratgehaltes wurde gleichzeitig auch die Wasserhärte auf 8°d vermindert und durch eine Nachdosierung der Hydrogencarbonat-Haushalt zur pH-Anhebung auf 7,4 bis 7,6 ausgeglichen.

Geringe Betriebskosten

Nach der Inbetriebnahme der Anlage wurden die Verbräuche von Wasser, Salz und Dosiermittel über einen längeren Zeitraum festgehalten, um die Nebenkosten der Anlage beurteilen zu können. Täglich werden im Durchschnitt 10 m3 Wasser verbraucht. Zur Aufbereitung eines Kubikmeters Wasser benötigt die Anlage ca. 600 g Salz und 40 g Dosiermittel, was einem spezifischen Wert von etwa 0,70 DM/m3 Wasser entspricht. Ergänzend hierzu müssen neben dem Wasserverbrauch zur Regeneration auch die Wartungskosten zum Ansatz gebracht werden; diese hängen jedoch sehr spezifisch von der Größe und der Qualität der Anlage ab und sind von Projekt zu Projekt separat zu betrachten.

Bild 3: Aufbereitungsanlage Fabrikat BWT, Baureihe "Selectomat".

Fazit

Seit Inbetriebnahme der Anlage vor nunmehr fast zwei Jahren ist nur noch ein einziger Rohrbruch aufgetreten. Der Hersteller der Anlage weist vorsorglich darauf hin, daß nach Inbetriebnahme einer Aufbereitungsanlage durchaus noch eine gewisse Zeit mit Rohrbrüchen zu rechnen ist - es nimmt einen gewissen Zeitraum in Anspruch, bevor die chemischen Reaktionen im Rohrsystem voll zum Tragen kommen. Für das beschriebene Wohn- und Bürohaus hat sich die Investition unter Berücksichtigung aller Folgekosten (Verbrauchs- und Wartungskosten) gelohnt, da die Reparaturkosten der letzten Monate um ein Vielfaches höher lagen. Es sollte jedoch jeder Einsatzfall einer solchen Anlage vorher sorgfältig geplant und ausgelegt werden, da ein sinnvoller und wirtschaftlicher Einsatz von vielen objektspezifischen Faktoren abhängt.


B i l d e r : Gerling Konzern, Köln


*) Dipl.-Ing. Armin Frieske, Bereichsleiter Haustechnik, Gerling Konzern, Köln.


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