IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 8/1998, Seite 94 ff.


KLEMPNERTECHNIK


Metallische Bekleidungen

Schornsteinköpfe und Dachausbauten in Klempnertechnik

Dorothee Witteler M. Friedolin Behning*

Schornsteinköpfe und Dachausbauten werden häufig handwerklich in Klempnertechnik mit Metall bekleidet. Auch wenn das eigentliche Dach nicht in Metall ausgeführt ist, entscheiden sich viele Bauherren für diese wirtschaftliche und effiziente Art, exponierte Bauteile vor den Unbilden des Wetters zu schützen. Unsere Autoren stellen am Beispiel des Werkstoffes Titanzink Standardlösungen und Besonderheiten dieser Klempnerarbeiten vor.

Metallische Außenbekleidungen als Wetterschutz

Freistehende Bauteile im Dachbereich müssen vor schädigenden Witterungseinflüssen geschützt werden. Dazu zählen auch Schornsteinköpfe und Dachaufbauten, die Dachflächen durchdringen oder an sie anschließen. Sie sind, wie das Dach selbst, Niederschlagsnässe, Windangriff und wechselnden Temperatureinflüssen ausgesetzt. Nach Erfahrungen aus der Praxis werden derart beanspruchte Bauteile durch metallische Außenbekleidungen in Klempnertechnik wirkungsvoll geschützt. Fachgerechte Ausführung vorausgesetzt, tragen diese Bekleidungen auch zum guten Aussehen von Schornsteinköpfen und Dachausbauten bei.

Schornsteinkopf-Bekleidungen in Metall bieten langfristigen Schutz gegen schädigende Witterungseinflüsse. Ob beim Metalldach, wie in diesem Bild, oder beim herkömmlichen Ziegeldach, ihre fachgerechte Ausführung ist ein Fall für den Klempner.

Für Neubauten und Altbauerneuerung

Handwerklich ausgeführte Schornsteinkopfbekleidungen sind sowohl für Neubauten als auch im Bereich der Altbauerneuerung geeignet. Dabei spielt es keine allzugroße Rolle, ob nach alter "Väter Sitte" gemauerte oder Leichtbetonschornsteine in einschaliger Bauweise zu bekleiden sind, zum Beispiel bei Sanierungen, oder ob über Dach liegende, moderne mehrschalige Schornsteinsysteme mit metallischen Bekleidungen geschützt werden sollen.

Zahlreiche Ausführungsarten und -formen von Außenbekleidungen für Schornsteinköpfe und Dachausbauten finden sich zunehmend auch bei Wohnhäusern; häufig ausgeführt in Winkelstehfalztechnik.

Normen und Regelwerke

Entsprechend unserer Thematik stellt dieser Beitrag schwerpunktmäßig die klempnertechnische Ausführung von Schornsteinkopfbekleidungen und Dachausbauten in den Mittelpunkt. Auf die verschiedenen Brennstoffe, Verbrennungstechniken und Schornsteinbauarten wird hier nicht näher eingegangen. Ergänzende Angaben sowie weitere technische Einzelheiten und Ausführungsrichtlinien finden wir in der einschlägigen Fachliteratur. Einige Normen und Regelwerke dazu sind nachfolgend zusammengestellt.

Umfang der Klempnerarbeiten

Gegenstand der in Klempnertechnik auszuführenden Arbeiten ist das Herstellen regensicherer metallischer Außenbekleidungen für Schornsteinköpfe in ein- und mehrschaliger Ausführung sowie das Bekleiden und Decken von Dachausbauten, zum Beispiel für Maschinenräume, Dach-Heizzentralen und ähnliches. Prinzipiell gehören dazu auch über Dach geführte Abluftkanäle, sofern ihre Ummantelung konstruktiv wie ein Schornsteinkopf ausgeführt wird. Grundsätzlich kann es sich dabei um neue, bestehende oder bereits sanierte Anlagen handeln. Vor Beginn der Bekleidungsarbeiten müssen die Baukörper auf eventuelle Mängel oder Schäden kontrolliert werden. Ergeben sich für die Ausführung erschwerende Umstände oder werden zeitaufwendige Vorarbeiten notwendig, sind die erforderlichen Maßnahmen mit der Bauleitung bzw. dem Auftraggeber abzuklären. Nicht zu den Klempnerarbeiten gehört die Funktionsprüfung der Schornsteinanlage sowie der rechnerische Nachweis hinsichtlich Regelquerschnitt, Wärmedurchlaßwiderstand und Dämmschichtdicke. Hierzu notwendige Angaben sind durch die Bauleitung, den Schornstein (System) -Hersteller oder ggf. durch den Bezirksschornsteinfegermeister zu machen.

Formgefühl und klassische Doppelstehfalztechnik kennzeichnen diese Arbeit: Wie "gewachsen" erhebt sich der Schornsteinkopf mit den gerundet, übergehenden Scharen aus der geneigten Metalldachfläche und bildet ein eigenständiges formales und konstruktives Element.

Unterkonstruktion

Metallische Bekleidungen von Schornsteinköpfen erfordern dauerhafte und korrosionsbeständige Unterkonstruktionen und Halterungen. Vorteilhaft sind hinterlüftete Ausführungen. Für die Wärmedämmung werden meist nichtbrennbare Faserdämmstoffe nach DIN 18164 (Baustoffklasse A1) eingesetzt. In Ausnahmefällen können auch nicht hinterlüftete Bekleidungen ausgeführt werden. Dies gilt zum Beispiel bei Schornsteinsystemen mit wasser-, gas- und diffusionsdichten Innenrohren.

Bei hinterlüfteten Ausführungen wird unterschieden zwischen Zuluftöffnungen oberhalb der Dachdeckung und solcher direkt aus dem belüfteten Dachraum heraus. Diese Unterscheidung beeinflußt die Materialauswahl für die Unterkonstruktion. Erhält die Bekleidung ihre Zuluft oberhalb der Dachdeckung, sind auch brennbare Unterkonstruktionen zulässig, zum Beispiel aus Holz. Allerdings sind dabei einige Auflagen zu berücksichtigen [1], [2]. Erfolgt die Zuluftführung unmittelbar aus dem belüfteten Dachraum, sind nur nicht brennbare Unterkonstruktionen, zum Beispiel in Metall, zulässig.

Es muß nicht immer Falztechnik sein! Auch mit Spitz- und Quadratrauten werden Bauteile im Dachbereich wetterfest bekleidet.

Hölzerne Unterkonstruktionen werden aus imprägnierten Kanthölzern, Dachlatten, Bohlen und Vollholzschalungen hergestellt. Zur Verankerung sind Schraubbefestigungen mit Dübeln (mit bauaufsichtlicher Zulassung) üblich.

Metallene Unterkonstruktionen bestehen aus Winkelprofilen, Konsolsystemen oder Trapezprofilen. Ihre Befestigung erfolgt mittels zugelassener Schrauben und Dübel sowie durch Nietverbindungen. Wenn beim Befestigen der Unterkonstruktion am Schornstein unzulässige Beanspruchungen oder Schäden auftreten können, werden "indirekte" Verankerungen wie Klemmbügel, Winkelprofile zum Einhängen und justierbare Gewindestangen verwendet. Verschiedene derartige Systeme, die ihre Bewährung am Bau schon bestanden haben, sind auf dem Markt [2], [3].

Die Form folgt der Funktion: Schornsteinkopf, bekleidet mit vorgefertigten Scharen in Winkelstehfalztechnik, an einem Mehrfamilienhaus.

Viele Möglichkeiten: Außenbekleidungen in Metall

Für die in diesem Beitrag behandelten Klempnerarbeiten an Schornsteinköpfen ergeben sich mit metallischen Werkstoffen verschiedene Ausführungsmöglichkeiten. So werden im einzelnen die Außenbekleidungen aus gekantetem Blech oder Band, aus profiliertem Tafelmaterial, aus maßgenau vorprofilierten Metallzuschnitten in Winkelstehfalztechnik oder aus kleinformatigen, schuppenförmigen Deckelementen (zum Beispiel Rauten) hergestellt. Auch Steckfalzpaneele und Sonderprofile werden für derartige Bekleidungen eingesetzt. Dachausbauten werden dagegen objektbezogen - ähnlich wie Gauben - meistens in Winkel- oder Doppelstehfalztechnik bekleidet, wobei die Fachregeln für die Ausführung von Metallbedachungen zu berücksichtigen sind.

Handwerklich besonders anspruchsvoll und von hohem ästhetischen Reiz sind Schornsteinkopfbekleidungen, wenn sie mit gekonntem formalem Schwung in eine Metalldachfläche integriert werden. Dies geschieht, je nach Situation, Dachneigung und Lage in der Dachfläche, auf unterschiedliche Weise. Als "Hohe Schule" der Metallverarbeitung kann die Bekleidung beispielsweise in Falztechnik mit passend gerundeten Scharen harmonisch aus der Dachfläche hochgeführt werden. Dies führt trauf- und firstseitig zu durchlaufenden Scharen, während die Seitenwangen, ebenfalls gerundet, am unteren Ende in den nächstliegenden Längsfalz eingearbeitet werden. Auf diese Weise kann auch die erforderliche Hinterlüftung direkt aus dem Dachzwischenraum übernommen werden. Aber auch die häufiger ausgeführte Lösung mit separatem Anschluß und unten frei endender, auf Abstand angebrachter vertikaler Bekleidung ist eine von vielen Möglichkeiten.

Symmetrische Linienführung und konisch ausgestellte Randbereiche sind die Merkmale dieser Zwillingsschornsteine, bekleidet in sehr filigran wirkender Doppelstehfalztechnik.

In zunehmendem Maße werden, ähnlich wie bei Dachgauben, Schornsteinköpfe auch bei Ziegel-, Dachstein- und Biberdeckungen in Metall bekleidet. Favorisiert dafür wird die Doppel- und Winkelstehfalztechnik, die sehr unterschiedliche Bekleidungsvarianten zuläßt. Bei den hier vorgestellten Ausführungen in Titanzink gilt für Schornsteinköpfe von Feuerstätten, daß unabhängig von den verwendeten Brennstoffen, die obere horizontale Abdeckung entweder in nichtrostendem Stahl, oder massiv in Beton ausgeführt wird. Um zu vermeiden, daß die vertikalen Bekleidungsflächen von eventuell ausgetragenem, aggressivem Kondensat beaufschlagt werden, sind die horizontalen Abdeckungen mit entsprechendem Überstand auszuführen.

Zusammenfassung

Metallische Außenbekleidungen von Schornsteinköpfen und Dachausbauten bewähren sich als dauerhafte Schutzmaßnahmen. Dem ausführenden Klempner bieten sich hier viele verschiedene Möglichkeiten, Metall sinnvoll einzusetzen. Schäden durch witterungsbedingte Einflüsse wie Niederschlagsnässe, Frost und Windangriff, werden verhindert. Darüber hinaus bieten fachgerecht ausgeführte Bekleidungen in Klempnertechnik zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten im Dachbereich. Die Bildbeispiele zeigen, daß auch in diesem Arbeitsbereich die Bauklempnerei mit überzeugenden Lösungen aufwartet, um den Werterhalt von Bauwerken langfristig sicherzustellen.


L i t e r a t u r :
[1] Rheinzink - Anwendung in der Architektur
[2] ZVSHK-Merkblatt "Schornsteinkopf-Bekleidungen in Klempner-Technik" (September 1994)
[3] Fachregeln des Klempnerhandwerks ZVSHK St. Augustin (Sept. 1994)


B i l d e r : Rheinzink GmbH, Datteln


* Die Autoren sind Mitarbeiter der Rheinzink GmbH, Datteln


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