IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 7/1998, Seite 96


REPORT


Erfolg durch Qualität

Keramag trotzt Baukrise

Ihren Wachstumskurs bei Umsatz, Ertrag und Dividende hat die Keramag AG (Ratingen) auch 1997, trotz widriger konjunktureller Rahmenbedingungen, fortsetzen können.

Während die Branche im vergangenen Jahr im Durchschnitt einen Rückgang von 8% (Inland) zu verzeichnen hatte, konnte die Keramag ihren Umsatz um 4% auf 294 Mio. DM ausbauen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg um 3% auf 45,3 Mio. DM, was einer Rendite nach Steuern von 8,4% entspricht.

Diese Zahlen stellte Wolfgang H. Molitor, seit 1983 Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, am 13. Februar 1998 auf der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf vor. Er bewertete den - im Vergleich zur Branche - "überdurchschnittlichen Jahresabschluß" als Bestätigung der langfristig angelegten Strategie, die vor allem auf Produktinnovationen, Markenqualität sowie die ständige Kostenoptimierung sämtlicher Betriebsabläufe setze.

Trotz der weiteren Verschlechterung der Baukonjunktur waren die beiden Werke Wesel (Niederrhein) und Haldensleben (bei Magdeburg) über das ganze Jahr hinweg voll ausgelastet. Aufgrund hoher Produktivität und Flexibilität konnte das Fertigungsvolumen in Deutschland um 11% gesteigert werden.

Wolfgang H. Molitor, seit 14 Jahren Vorstandsvorsitzender der Keramag AG, Ratingen.

Der Vorstandsvorsitzende führte das erneut branchenuntypische Wachstum insbesondere auf die hervorragende Akzeptanz der hochwertigen Badserien zurück, bei denen eine zweistellige Zuwachsrate verbucht werden konnte. Dazu hätten insbesondere die neuen Produktlinien "Cavelle", "Virto" und "Felino" maßgeblich beigetragen.

Das Kerngeschäft Sanitärkeramik ist 1997 um 3% gewachsen. Um durchschnittlich 9% konnten sich die übrigen Produktbereiche verbessern. Ganz oben auf der Zuwachsskala lag das Segment "Baden und Duschen" mit einem Plus von 23%. Der Export nahm um 26% auf 39. Mio. DM zu. Einen großen Teil des Außenhandelswachstums steuerten die in den letzten Jahren neugegründeten Vertriebsgesellschaften in den Niederlanden, Belgien, Österreich, Slowenien, Tschechien und Ungarn sowie die Schweiz bei.

Molitor gab bei der Bilanzpressekonferenz bekannt, daß die Keramag Ende 1997 ihre Beteiligungen an den italienischen Sanitärherstellern Pozzi Ginori und Domino veräußert habe.

Das Investitionsvolumen stieg 1997 um 13% auf 5,2 Mio. DM und wurde voll aus den Abschreibungen finanziert. Die Anzahl der Mitarbeiter sank im selben Zeitraum - ohne Beteiligungsgesellschaften - um 3% auf 564 Personen.

Bei einem DVFA-Ergebnis von 49,- DM pro Aktie schlägt der Vorstand der am 19. Mai 98 stattfindenden Hauptversammlung eine Dividendenerhöhung um 7,- DM auf 45,- DM vor. Der Kurs der Keramag Aktie liegt derzeit bei 750,- DM, was einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 und einer Markt-Kapitalisierung von 360 Mio. DM entspricht.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Hersteller angesichts leicht verbesserter Rahmenbedingungen eine weiterhin positive Entwicklung. Molitor verwies in dem Zusammenhang auf neue Nachfrageimpulse aus dem steigenden Einfamilienhausbau, dem erheblichen Modernisierungsstau und den günstigen Hypothekenzinsen. Ziel sei, die Umsatzgrenze von 300 Mio. DM zu überschreiten.

Die Keramag AG gehört zu 93% der finnischen Sanitec Ltd Oy (Helsinki), dem größten europäischen Anbieter von Sanitärkeramik. Die Gruppe, die in 24 Werken Sanitärkeramik, Acrylbadewannen, Duschsysteme und Mineralwerkstoffe ("Varicor") produziert, hat 1997 einen Umsatz von umgerechnet 1 Mrd. DM und ein Betriebsergebnis von rund 138 Mio. DM erzielt.

Trotz der erfreulichen Zahlen die Keramag vorweisen kann, beklagte Molitor die zunehmende Konzentration im Handel. Trotz gleichbleibendem Mengenvolumen greife der Kunde zusehends zu einfacheren Produkten. Dies vornehmlich im Neubau, der etwa 18% des betrachteten Marktes ausmacht. Besser laufe hingegen das Renovierungsgeschäft. Dieser Teil mache 58% des Keramag-Marktes aus. In diesem Bereich ließen sich nach wie vor hochwertigere Produkte besser verkaufen. Dies gelte auch für den Eigenheimbau, den Molitor auf ca. 145.000 Einheiten in 1998 prognostizierte. Immerhin ein zehnprozentiger Zuwachs gegenüber 1997.


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