IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 7/1998, Seite 51 f.


HEIZUNGSTECHNIK


Leichte Sanierung von Rohrleitungen

Austausch kompletter Wärmeversorgungsleitungen in kurzer Zeit

Insbesondere in den neuen Bundesländern steht zur Zeit in großem Umfang die Sanierung erdverlegter Wärmeversorgungsleitungen für Wohngebäude an. Diese Arbeiten werden oft dadurch erschwert, daß Rohrleitungen für Strom, Gas, Wasser und Wärme teilweise ohne bauliche Abgrenzung zueinander im Erdreich verlegt wurden. Ein einfacher Austausch der Rohrsysteme wird so verhindert und zieht häufig aufwendige Installations- und Grabenarbeiten nach sich. Um die Kosten dafür so gering wie möglich zu halten, sind verstärkt unkomplizierte und leicht zu verlegende Systemlösungen gefordert.

Mit vergleichbaren Anforderungen wurden auch Planer und Installateure in Zwickau konfrontiert. Sie hatten die Aufgabe, das komplette Heizungs- und Rohrleitungssystem des Stadttheaters zu erneuern. Neben dem Austausch des Systems kam zusätzlich die Anbindung des Hauptgebäudes an einige Nebenbauten hinzu. Der schwierigste Teil dieser Arbeiten bestand in der An- und Einbindung der Rohrleitungen an die unterschiedlichsten Gebäudesubstanzen.

Hinzu kam, daß der Theaterbetrieb während der Bauarbeiten nicht unterbrochen oder beeinträchtigt werden durfte. Außerdem mußten alle Räume des Gebäudekomplexes ständig erreichbar bleiben. Hier waren Lösungen gefordert, die nur eines geringen Aufwands bedurften und sich schnell installieren ließen.

Die Stärken flexibler Rohrleitungen

Nach ausgiebigen Beratungsgesprächen und Angebotsvergleichen entschieden sich Planer und Installateure für den Einbau von "Ecoflex Thermo". Hierbei handelt es sich um ein flexibles, vorisoliertes Rohrleitungsprogramm für die Nah- und Fernversorgung von Einzelgebäuden mit Heizwasser sowie für die Heizwasserverteilung in Nah- und Fernwärmenetzen. In Zwickau kamen die Systeme "Thermo Single" und "Thermo Twin" zum Einsatz. Letzteres ist ein Doppelrohr, das Vor- und Rücklauf in einer Isolierung vereint.

Das Rohrleitungssystem ermöglicht eine einfache und schnelle Sanierung von Wärmeversorgungsleitungen auch unter schwierigen Bedingungen. Durch die Elastizität und mechanische Belastbarkeit des Rohrmaterials ist es möglich, die Leitungen selbst auf engem Raum den baulichen Gegebenheiten anzupassen. Die Planungsarbeiten werden dadurch vereinfacht, und die Trassenplanung läßt sich flexibel gestalten.

Bei den Sanierungsarbeiten in Zwickau spielte unter anderem die Frage, wie die Leitungssysteme ausgetauscht werden sollten, eine zentrale Rolle, da komplette Trassenlängen nicht ohne weiteres von oben in den Graben verlegt werden konnten. Im Laufe der Jahre waren im Innenhof des Theaters scheinbar wahllos Wasser-, Abwasser, Telefon- und Stromleitungen gezogen worden, die den Zugang zum Graben versperrten. Die Verarbeiter waren daher gezwungen, Rohrleitungen von 70 bis 90 m Gesamtlänge unter den anderen Kabeln hindurch in den Graben zu ziehen. Dies wurde durch die einfache Handhabung von Ecoflex wesentlich erleichtert, da sich die Rohrleitung direkt von der Rolle durch den Graben ziehen und anschließend ohne zusätzliches Spezialwerkzeug montieren ließ.

Direkt in den Boden verlegt

Eine weitere Schwierigkeit besteht häufig darin, mit eingeschränkten Platzverhältnissen zurechtzukommen, wenn keine großen Schacht- oder Aushubarbeiten möglich sind. Das Ecoflex-Thermo-Rohr läßt sich ohne zusätzliche Kanäle direkt in das Erdreich verlegen. Es reicht aus, den Graben so tief auszuheben, daß die jeweils vorgeschriebene Überdeckung gewährleistet ist. Daraus ergeben sich 30 bis 50% kleinere Grabenquerschnitte und ein entsprechend geringeres Tiefbauvolumen.

Mit derart beengten Raumverhältnissen hatten es auch die Installateure in Zwickau zu tun. Entgegen den ursprünglichen Planungen mußten rund 1/4 der Aushubarbeiten per Hand erledigt werden - ein Umstand, der einen erheblichen Mehraufwand und damit Zeitverzögerungen zu bedeuten schien. Durch die Verlegung der Leitungssysteme ohne zusätzliches Schutzrohr verkürzte sich jedoch die Montagezeit erheblich. Innerhalb von vier Stunden wurden drei Trassenabschnitte mit einer Länge von 82, 86 und 68 m verlegt.

Die Einbringung der flexiblen Rohrleitung ins Erdreich.

Fixlängen erleichtern die Montage

Die Anlieferung der jeweils erforderlichen Rohr-Fixlängen trug wesentlich zur Zeiteinsparung bei. Durch die exakten Leitungslängen entfiel nicht nur das Ablängen der Rohre vor Ort, sondern machte auch zusätzliche Kupplungsarbeiten in den Gräben überflüssig. Ein Aspekt, der sich insbesondere bei der Haus-zu-Haus-Anbindung positiv auswirkt.

Merkmale des Thermo-Rohres

Das für den Transport von Nah- und Fernwärme konzipierte Thermo-Rohr besteht aus mehreren, nicht miteinander verbundenen Schichten: Das mediumführende Innenrohr besteht aus vernetztem Polyethylen (PEX) und zeichnet sich durch hohe Widerstandsfähigkeit gegen Frost, Hitze (Durchlauftemperaturen bis 95C), Chemikalien und Druckbelastungen (bis 6 bar) aus. Es ist korrosions- und verrottungsfrei, sauerstoffdiffusionsdicht nach DIN 4726 und entspricht dem Brandverhalten der Klasse B2 nach DIN 4102 Teil 1.

Umgeben wird das Medium-Innenrohr von einer Isolierung aus mehreren Schichten vernetztem, nicht miteinander verklebtem PEX-Weichschaumstoff, der die hohe Selbstkompensation des Produkts garantiert. Aufgrund dieser Eigenschaften ist das Rohr in sich flexibel und fängt unter anderem thermische Längenänderungen des PEX-Mediumrohres auf. Es paßt sich wechselnden Einwirkungen an, ohne daß Risse in der Isolierung entstehen.

Von außen ist das System durch ein gewelltes Mantelrohr aus HDPE geschützt. Es verfügt über hohe Druckfestigkeit und dient als Schutz vor Außeneinwirkungen. Mantel und Isolierung sind resistent gegen Algen, Schimmel, Insekten und Wasser.


B i l d e r : Uponor Anger, Marl


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