IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 6/1998, Seite 35 ff.


SANITÄRTECHNIK


Freizeitschwimmbad mit Südsee-Ambiente voll im Trend (Ostsee-Therme Scharbeutz).

Mit Sicherheit baden gehen!

Die neue Schwimmbad-Norm im Fadenkreuz der Praxis

Christoph Saunus Teil 2

In der neuen Norm hat es teilweise erhebliche Veränderungen hinsichtlich der Umwälzvolumenströme für bestimmte Beckenarten gegeben. Obwohl man den Berechnungsaufbau zur Ermittlung der Umwälz-Volumenströme bei den Standardbecken in den Formel-Bezeichnungen geändert hat, ergeben sich letztendlich im Endergebnis - und darauf kommt es schließlich an - keine wesentlichen Abweichungen gegenüber der früheren Berechnungsmethode.

Umwälzende Volumenströme

Allerdings wurde bei der Volumenstrom-Ermittlung innerhalb der Beckennutzungen weiter differenziert, d.h. es gibt erheblich mehr Berechnungsformeln speziell für sämtliche Beckenarten (siehe Tabelle 3). Gravierend ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß der bewährte b-Wert als sogenannter personenbezogener Gleichwertigkeitsnachweis in der neuen Norm keine Berücksichtigung mehr gefunden hat. Das bedeutet für die Produkt- bzw. Filterhersteller, daß ihre bisher gültigen b-Wert-Zertifizierungen für Neuanlagen ab sofort ungültig sind. Im übertragenen Sinn gilt als Ersatz für den besagten b-Wert nunmehr der verfahrensspezifische Belastbarkeitsfaktor k.

Freizeitgerechtes Attraktions-Schwimmbecken mit Südsee-Charme.

Der Faktor k wird künftig auf der Grundlage der jeweiligen Verfahrenskombination in gesonderten Normteilen fest- bzw. fortgeschrieben, sinngemäß nach den eingangs erwähnten zwei Verfahren.

So beträgt der Belastbarkeitsfaktor k bei der Verfahrenskombination: Adsorption + Flockung + Filterung + Chlorung gemäß Normteil 2, auf den später noch ausführlich eingegangen wird, k = 0,5 in 1/m3. Das entspricht dem bisherigen Reinwasser-Volumenstrom von 2 m3 je Person.

Bei der Verfahrenskombination: Flockung + Vorfiltration + Ozonung + Sorptionsfiltration + Chlorung gemäß DIN Teil 3 ist der Wert k = 0,6 in 1/m3. Dieses entspricht ebenfalls, wie gehabt, einem Reinwasser-Volumenstrom von 1,67 m3 je Person.

Wasserpilz-Attraktion.

Übertragen auf die Volumenstrom-Ermittlung für ein 200 m2 großes Schwimmer- und Springerbecken ergibt das in Verbindung mit einer Verfahrenskombination gemäß Normteil 2 mit k = 0,5 entsprechend der nachstehenden Norm-Formel folgenden Umwälzvolumenstrom:

Es bedeuten:

= Volumenstrom in m3/h

A = Beckenwasserfläche in m2

k = Belastbarkeitsfaktor 1/m3

Formeln für die Volumenstromermittlung weiterer Beckentypen erhält die bereits erwähnte Tabelle 3.

Völlig neu ist auch die verbindliche Forderung hinsichtlich der kostspieligen Verfahrenskombination mit Ozon für Therapiebecken.

Wasserkanone im Einsatz.

Attraktive Wasserkreisläufe

Kostenaufwendig sind auch die künftig zusätzlich zu berücksichtigenden Umwälzvolumenströme für Wasserrutschenbecken und Wasser- bzw. Wasser-Luft-Attraktionen.

Bei Wasserrutschen addieren sich zum errechneten Umwälzvolumenstrom für Nichtschwimmerbecken je Rutsche 35 m3/h bei einem Gesamt-Umwälzvolumenstrom von mindestens 60 m3/h. Anlagentechnisch sind die Mindest-Abmessungen für Wasserrutschenbecken mit 4 m x 6 m bei > 1 m Beckenwassertiefe festgeschrieben. Enden Wasserrutschen in flachen Auslaufbecken ohne Anschluß an andere Becken, darf nur Reinwasser verwendet werden.

Becken mit zusätzlichen Wasserkreisläufen

  • Es darf bei Wasserattraktionen nur Becken- oder Reinwasser verwendet werden (Schwallwasser-Entnahme nicht mehr erlaubt).
  • Luft- und wasserführende Leitungen, die mit Rein- oder Beckenwasser in Kontakt stehen, müssen mit denselbigen spülbar sein.
  • Die Platzbreite im Attraktionsbereich soll ca. 80 cm betragen.
  • Bei Wasserattraktionen, außer Strömungskanälen, ist das Beckenwasser-Umwälzvolumen um 3/k x m3/h (3/0,5 = 6 m3/h) je gleichzeitig nutzbarem Platz zu erhöhen.
  • Der Belastungsfaktor k (k = Quotient aus Nennbelastung und Volumenstrom) darf den Wert 0,6 x 1/m3 nicht übersteigen.
  • Betriebsforderungen:
  • Eine Stunde vor Badebetrieb sind die Attraktionskreisläufe 15 Minuten in Betrieb zu nehmen.
  • Während des Badebetriebs müssen die Attraktionen mindestens 10 Minuten je Stunde in Betrieb sein.

DIN 19643, Teil 1

Der höheren Beckenwasserbelastung durch Wasserattraktionen hat man ebenfalls neu Rechnung getragen. Bei Attraktions-Wasserkreisläufen, außer bei Strömungskanälen,sind je gleichzeitig mit Wasser und/oder Luft beschickter Nutzungsplatz (80 cm Breite) zusätzlich 6 m3/h Umwälzleistung nach folgender Formel in Ansatz zu bringen. Demnach ergibt sich bei k = 0,5 (1/m3) für jede gleichzeitig genutzte Attraktion folgendes zusätzliches Filter-Umwälzvolumen:

Es bedeuten:

PI = gleichzeitig mit Luft und Wasser beschickte Plätze, (Platzbreite im Nutzungsbereich = 0,80 m)

k = Belastungsfaktor

Bei der Verfahrenskombination: Absorption + Flockung + Filterung + Chlorung beträgt k = 0,5 in 1/m3.

Bei der Verfahrenskombination: Flockung + Vorfiltration + Ozonung + Sorptionsfilterung + Chlorung beträgt k = 0,6 in 1/m3.

So summieren sich z.B. bei einer Massage-Sitzbank mit 6 Plätzen die Einzelwerte sehr schnell auf ein zusätzliches Beckenwasser-Umwälzvolumen von 30 m3/h. Für die Praxis bedeutet diese Normforderung, daß man bei nicht hochfrequentierten Attraktionsbecken, z.B. in Hotels o.ä., zur sinnvollen Kostenminimierung in Zukunft versuchen wird, rechnerisch nur maximal eine Attraktionseinheit in Ansatz zu bringen. Andernfalls wäre es durchaus denkbar, daß die attraktionsbedingte Umwälzmenge erheblich über der der reinen Beckenumwälzung liegt. Eine Tatsache, die bereits im Vorwege bei praxiserfahrenen Fachleuten zu Kritik geführt hat. Denn bei freizeitorientierten Spaßbädern sind mit Sicherheit andere (höhere) Beckenwasser-Aufbereitungskriterien zu berücksichtigen als bei Hotel- oder ähnlichen frequentierten Becken.

Für die Planung und den Betrieb von Becken mit zusätzlichen Wasserkreisläufen enthält die Bäder-Norm folgende Zusatzforderungen:

Majestätische Whirlpool-Empore mit attraktivem Ambiente.

Vom Quirlpool zum Whirlpool

Bei der Whirlpool-Arie, Norm-Neudeutsch Warmsprudelbecken, wird aus dem einstigen Keim-Fitneßcenter durch die nachstehenden Hygiene-Schutzvorschriften ein funktionssicherer Pool-Wohlfühl-Badespaß. So unterscheidet die DIN 19643 zwischen den Nutzungsklassifizierungen

a) Warmsprudelbecken mit begrenzter Nutzung

b) Warmsprudelbecken mit kombinierter Nutzung

Für die Ermittlung des Filter-Volumenstroms in m3/h gilt die Formel der Tabelle 2:

Es bedeuten:

= Filter-Volumenstrom (m3/h)

h = Zeitfaktor (1 Stunde)

V = Beckenvolumen (m3)

Whirlpool-Ebene in einem Schwimmbad mit Brückenzugang.

Warmsprudelbecken mit begrenzter Nutzung

Beim Warmsprudelbecken mit begrenzter Nutzung haben die Benutzer keinen Zugang zu anderen Schwimm- oder Badebeckenanlagen oder ihre Nennleistung beträgt < 50 Personen/h. Das Mindest-Beckenvolumen beträgt 1,6 m3 und die max. Wassertiefe 1 m. Da das Beckenvolumen je eindeutig erkennbaren Sitzplatz > 0,4 m3 betragen muß, besteht zwischen der Anzahl der Sitzplätze und dem Beckenvolumen folgende Abhängigkeit:

4 Sitzplätze x 0,4 m3 = 1,6 m3 Beckenvolumen, 5 Sitzplätze = 2 m3, 6 Sitzplätze = 2,4 m3 usw.

Daraus resultiert wiederum ein Filtervolumenstrom von 2 m3 je Person. Aufgrund der Formel für die Nennbelastung

geht zweifelsfrei hervor, daß die Norm mit einer dreifachen stündlichen Personen-Nutzung rechnet. Bei einem Warmsprudelbecken mit 4 Sitzplätzen x 0,4 m3 ergibt sich ein Beckenvolumen von 1,6 m3 mit folgendem Filter-Umwälzvolumen:

Zur Kontrolle der stündlichen Personennutzung:

Attraktives Schnecken-Kalttauchbecken (mit Kaltgußbereich im Hintergrund) in der Sporthotel-Residenz Alpenrose am Achensee.

Warmsprudelbecken mit kombinierter Nutzung

Warmsprudelbecken mit kombinierter Nutzung befinden sich in Schwimmbeckenanlagen ohne Nutzungseinschränkung. Das Mindestbeckenvolumen beträgt ebenfalls 1,6 m3 und die Wassertiefe < 1 m, wobei jedoch insgesamt ein Beckenvolumen von mindestens 4 m3 zur Verfügung stehen muß. Bei einer Nennbelastung > 50 Personen wird für jeweils weitere 60 Personen/h 1,2 m3 Warmsprudelbecken-Volumen verlangt. Der Umwälz-Volumenstrom errechnet sich bei separater Filteranlage (Insellösung) wie folgt:

kombinierte Nutzung = Beckenvolumen x 20 (m3/h)

Bei einem Beckenvolumen von 2 m3 mit eigener Aufbereitung ergibt sich in kombinierter Nutzung nach der nachfolgenden Formel (Tabelle 2) ein Filter-Umwälzvolumen von:

Bei identischem Beckenvolumen mit angeschlossener Aufbereitung reduziert sich das Filter-Umwälzvolumen nach der Formel (Tabelle 2) auf:

Es bedeuten:

= Umwälzvolumen (m3/h)

h = Zeitfaktor (1 Stunde)

V = Beckenvolumen (m3)

Warmsprudelbecken (Whirlpools)

Weitere Betriebsanforderungen:

  • Warmsprudelbecken mit eigener Beckenwasseraufbereitung sind täglich zu entleeren, dafür kann auf den sonst geforderten täglichen Füllwasserzusatz von 30 l/Person verzichtet werden.
  • Nach Ende der Betriebszeit sind die Filter zu spülen und ggf. gem. DIN 19643 gleichzeitig zu chloren. Es muß genügend Spülwasser vorhanden sein (mind. 6 m3 je m2 Filterfläche), um die Filterrückspülung fachgerecht, d.h. ohne Unterbrechung, durchführen zu können. Das Wasserspeicher-Nutzvolumen muß gem. Bädernorm mind. das Zweifache des Beckenvolumens betragen.
  • Warmsprudelbecken einschl. Überlaufrinne sind mind. einmal wöchentlich kompl. mit dem integrierten Luftkanalsystem usw. gründlich zu reinigen, zu desinfizieren und zu spülen.
  • Wasserspeicher sind vierteljährlich ebenfalls zu entleeren, zu reinigen, zu desinfizieren und zu spülen.
  • Bei abgeschalteten Sprudeleinrichtungen muß automatisch 1/10 des Filter-Volumenstroms über die Becken-Einströmöffnungen fließen.
  • Der Beckenumgang darf nicht in die Überlaufrinne vom Warmsprudelbecken entwässern.
  • Für längere Betriebsstillegung und Wiederinbetriebnahme gilt, alle Anlagenkomponenten zu entleeren, Befüllung des Sandfilters mit Chlorlösung (30 - 50 mg/l Chlor). Vor Inbetriebnahme die Anlage 1 - 2 Tage mit erhöhter Chlorkonzentration von 1 - 2 mg/l betreiben.

DIN 19643, Teil 1

 

Warmsprudelbecken dürfen auch an vorhandene Schwimm- und Badebecken-Wasseraufbereitungen mit angeschlossen werden, sofern deren Beckeninhalt > 150 m3 beträgt. Der Gesamt-Filter-Volumenstrom muß dann jedoch mit dem Zahlenwert aus Warmsprudelbeckenvolumen x 10 (m3/h) erhöht werden. Bei einem Beckenvolumen von 1,6 m3 respektive 4 Sitzplätzen (je 0,4 m3) ergibt sich ein Umwälzvolumen von:

4 Personen x 3-fache stündliche Nutzung x 2 m3 Umwälzvolumen je Person = 24 m3 Filterumwälzvolumen pro Stunde

Die Beckenwasser-Anforderung an Warmsprudelbecken lautet wie folgt:

Gebote der Beckenhydraulik.

Vertikaldurchströmung
100% über der Überlaufrinne
Wassertiefe < 1,35m = 6m2 Beckenfläche je Einlauf,
Wassertiefe > 1,35m = 8 m2 Beckenfläche je Einlauf.
Einströmflächen sollen sich auf der Wasserfläche berühren.
Nicht erfaßte Wasserfläche > 1,35m max. 4 m2
nicht erfaßte Wasserfläche < 1,35m max. 3 m2
Vertikaldurchströmung
100% über der Überlaufrinne
Wassertiefe < 1,35 m = 6m2 Beckenfläche je Einlauf,
Wassertiefe > 1,35 m = 8m2 Beckenfläche je Einlauf.
Einströmflächen sollen sich auf der Wasserfläche berühren.
Nicht erfaßte Wasserfläche > 1,35m max. 4 m2
nicht erfaßte Wasserfläche < 1,35m max. 3 m2
Vertikaldurchströmung
100% über der Überlaufrinne
Wassertiefe < 1,35 m = 6m2 Beckenfläche je Einlauf,
Wassertiefe > 1,35 m = 8m2 Beckenfläche je Einlauf.
Einströmflächen sollen sich auf der Wasserfläche berühren.
Nicht erfaßte Wasserfläche > 1,35m max. 4 m2
nicht erfaßte Wasserfläche < 1,35m max. 3 m2
Vertikale Beckendurchströmung
100% über der Überlaufrinne
Nach Normentwurf DIN 19643
Abstandsbreite zu jeder Rinnenseite 1,60m
Vertikale Beckendurchströmung
Einlaufabstände max. 1/3 Beckenbreite
Einlaufhöhe: Mitte Beckenwand
Springerbereich: 2 etagig ca. 50 cm ü. Boden
Einlauf-Mindestdruck in bar = 0,02 x Beckenbreite (m)
Einlaufe versetzt angeordnet

Heiße Tips für coole Pools

Damit Kalt-Tauchbecken nicht mehr zum Hygiene-Härtetest werden, nennt die neue DIN 19643 im Teil 1 entsprechende Planungskriterien. So müssen Tauchbecken eine Wassertiefe zwischen 1 - 1,35 m und eine Wasserfläche bis 10 m2 bei einer Beckenwassertemperatur von ca. 15C aufweisen. Kaltwasser-Tauchbecken, deren Volumen 2 m3 nicht übersteigt, dürfen unter folgenden Bedingungen betrieben werden:

- Ständiger Füllwasserdurchfluß während der Betriebszeit.

- Nachfüllwasser darf 60 l je Benutzer nicht unterschreiten.

- Konzentration an freiem Chlor im Beckenwasser zwischen 0,3 - 0,6 mg/l.

- Verdrängtes Wasser ist über eine mind. einseitige Überlaufrinne abzuleiten und durch Füllwasser zu ersetzen.

- Zulauf des Füllwassers am Beckenboden unter Beachtung der DIN 1988 Teil 4 (Rohrtrennereinbau ist nicht erlaubt).

Anmerkung: Das Nachfüllwasser kann auch personenbezogen über eine automatische Steuerung erfolgen. Kalt-Tauchbecken mit einem Volumen > 2 m3 müssen entsprechend der DIN an eine Beckenwasseraufbereitung angeschlossen werden. Für die Ermittlung der Filterleistung gilt:

Filtervolumenstrom = Beckeninhalt (m3/h).

Es ist die Beckenwasser-Erwärmung durch Badende, durch die Umgebung und den Energieeintrag der Filterpumpe zu berücksichtigen. Der Einbau eines Kühlaggregats zur konstanten Beckenwasser-Temperaturregelung ist in der Regel sinnvoller als eine Kühlung mittels Trinkwasser.

Die Messung und Regelung der chemischen Wasseraufbereitung sowie die physikalische Beckenwasseraufbereitung erfolgt wie bei Schwimmbädern, wobei eine technische Vereinfachung in Abstimmung mit dem zuständigen Amtsarzt bzw. Hygieneamt durchaus möglich erscheint.

Grundsätzlich gehört zu einer Saunaanlage auch ein Kaltgußbereich, z.B. mit Kneipp-Gießschlauch, Kaltwasser-Schwallbrause und Reinigungsdusche. Der Deutsche Saunabund e.V. hat entsprechende Empfehlungen erarbeitet.

Verbote der Beckenhydraulik.

Längs-Beckendurchströmung nicht mehr erlaubt.
Kontraktions-Beckendurchströmung nicht mehr erlaubt.
Kontraktions-Beckendurchströmung nicht mehr erlaubt.
System Strahlenturbulenz nicht mehr erlaubt.

Beckenhydraulik neu definiert

Entgegen der alten Bädernorm verhindert die Neuausgabe begrüßenswerterweise, daß gechlorte Wässer künftig nicht mehr als unkontrollierte Salve durch Schwimm- und Badebecken wirbeln, sondern nur noch als zielsicherer Turbo für entsprechenden Wirbel im Beckenwasser sorgen. Denn außer bei Becken mit Hubboden, erfolgt jetzt generell eine Beckenwasserumwälzung von 100% (bisher mind. 50%) kontinuierlich über die umlaufende Überlaufrinne. Außerdem sind nach der neuen Norm keine hydraulischen Becken-Längsdurchströmungen mehr erlaubt.

Auch die Beckenwasser-Einströmung ist in der neuen Bäder-DIN jetzt einheitlich definiert. So sind bei horizontaler Beckendurchströmung die Einläufe jeweils versetzt an den Becken-Längsseiten in halber Beckenhöhe anzuordnen, wobei die Abstände untereinander max. ein Drittel der Beckenbreite betragen dürfen. Bei Springerbecken werden aufgrund der größeren Beckentiefe ab 3,40 m zwei Einlaufebenen gefordert, bei der sich die unteren Einlaufdüsen ca. 50 cm über dem Beckenboden befinden sollen. Die Mindest-Druckforderung an den Einströmöffnungen erscheint allerdings im Gegensatz zu den vorstehenden Einlaufanordnungen reichlich theoretisiert. Die Formel lautet:

p = 0,02 x b (bar)

mit

p = Einström-Mindestdruck in bar

b = Beckenbreite in m

Es verwundert immer wieder in beeindruckender Weise, wer alles in der Zahlenwelt hinterm Komma umherirrt, um der Praxis kopflastige Hygiene-Mathematik ultimativ aufs Auge zu drücken. Selbst wenn man das Nullkommanulleins der hydraulischen Berechnung beherrscht, ist das dynamische Druckproblem noch längst nicht gelöst. Denn die Hersteller kennen die für derartige Hydraulik-Einzelwiderstands-Berechnungen notwendigen Zeta-Druckverlust-Beiwerte (x) teilweise selbst für ihre eigenen Produkte nicht einmal, geschweige denn sie könnte sie verbindlich nennen. Hier ist zweifelsohne die Schwimmbad-Industrie gefordert, denn in anderen gebäudetechnischen Gewerken sind die erwähnten hydraulischen Werte längst Stand der Technik.

Tabelle 3: Ermittlung der Volumenströme und Reinigungsintervalle

Beckenart

Wassertiefe (m)

Volumenstrom
Q (m3/h)

Reinigung

Schwimmer- und Springerbecken

> 1,35
> 3,40

0,222 x A/K

Boden min. 2 x wöchentlich Beckenwände min. 2 x in 2 Wochen Beckenentleerung und Reinigung min. 1 x im Jahr

Nichtschwimmer- und Variobecken

0,6 - 1,35
0,3 - 1,80

0,37 x A/K

Planschbecken

0,3 - 0,6
< 0,3

2 x V
0,3 x A/K

Wasserrutschen- Becken

> 1,00 min.
4 m x 6 m

0,37 x A/K
+ 35 m3/h je Rutsche,
min. 60 m3/h

Kleinbecken
bis 96 m2

< 1,35

0,25 x V

Bewegungsbecken

< 1,35

0,5 x A/K

wie vor, jedoch bei Wasserflächen
< 20 m2 Beckenentleerung alle 2 Monate

Therapiebecken

< 1,35

1 x V

Warmbecken
< 20 m2

< 1,35

2 x V

Warmbecken
> 20 m2

< 1,35

0,5 x A/K
min. 40 m3/h

Durchschreitebecken

0,1 - 0,15

1 x V

Beckenentl. täglich

Warmsprudelbecken
begrenzte Nutzung
kombinierte Nutzung
mit angeschlossen

< 1,0

15 x V
20 x V
10 x V

min. wöchentlich

Hierin bedeuten: Q = Volumenstrom in m3/h, N = Nennbelastung in 1/h,
A = Beckenwasserfläche in m2, a = personenbezogene Wasserfläche in m2,
k = Belastbarkeitsfaktor in 1/m3, n = Personenfrequenz in 1/h, für Schwimmer- und Springerbecken mit einer Wassertiefe > 1,35 m ist a = 4,5 in m2, für Nichtschwimmer- und Variobecken ist a = 2,7 in m2, für Kleinbecken ist a = 12,0 in m2, für Bewegungs- und Therapiebecken ist a = 4,0 m2. Der Belastbarkeitsfaktor k beträgt bei der Verfahrenskombination: Adsorption + Flockung + Filtration + Chlorung k = 0,5 in 1/m3 und bei der Verfahrenskombination: Flockung + Vorfiltration + Ozonung + Sorptionsfiltration + Chlorung k = 0,6 in 1/m3.

Im Gegensatz zu den horizontalen Beckendurchströmungs-Forderungen wird es bei der vertikalen Beckeneinströmung dankenswerterweise wieder praktisch konkret. Bei einer Wassertiefe > 1,35 m ist für jeweils 8 m2 Becken-Grundrißfläche (Seitenlänge ca. 2,8 m) oder einer Kreisfläche mit ca. 3,20 m Durchmesser je ein Einlauf im Beckenboden vorzusehen. Bei Wassertiefen < 1,35 m wird für jeweils 6 m2 ein Einlauf verlangt. Bandförmige Einströmungen müssen eine Breite zu jeder Seite bis 1,6 m abdecken.

Als begrüßenswerte Konzession an die Baupraxis sind nicht erfaßte, zusammenhängende Flächen bei einer Wassertiefe < 1,35 m bis zu 3 m2 erlaubt und bei größeren Tiefen max. 4 m2.

Um eine möglichst gleichmäßige Volumenstrom-Beaufschlagung der Reinwaser-Einströmöffnungen im Becken zu erreichen, gibt es verschiedene Installationsvarianten. So bevorzugt man bei der horizontalen Beckeneinströmung, in Verbindung mit nicht unterkellerten Schwimmbecken, das hydraulische Prinzip der gleichen Rohrlängen (Hirschgeweih). Das Rohrsystem sollte hierbei sinnvollerweise geschützt in der wasserundurchlässigen Becken-Betonsole mit eingeschüttet werden, um spätere irreversible Rohrschäden zu vermeiden.

Sind Schwimmbecken zugänglich, bietet sich der Einbau von sogenannten Absperr- und Regulierarmaturen separat vor den Beckeneinläufen an. Bis DN 50 haben sich preiswerte PVC-Kugelhähne (mit Klebverbindungen) bewährt und darüber hinaus Klappen zum Flansch-Zwischenbau. Des weiteren besteht die Möglichkeit, besonders bei später unzugänglicher Verrohrung, die Anschlußrohre der Beckeneinströmungen separat kammartig, ohne zusätzliche Drosseleinrichtungen, an ein überdimensioniertes Verteilerrohr anzuschließen. Aufgrund der großzügigen Leitungsdimensionierung mit relativ geringen Strömungsgeschwindigkeiten um 0,5 m/s entspricht das besagte Verteilerrohr einem hydraulisch günstigen Speichergefäß mit gleichberechtigten Ausläufen. Von daher sind in der Regel keine zusätzlichen Drosselarmaturen erforderlich.

Tabelle 4: Erforderlicher Volumenstrom und Personenbelastung *)

Becken-maße
(m)

Becken-
ober-
fläche
(m2)

Schwimmer-
Springer-
becken

Nicht-
schwimmer-
Vario-
becken

Schwimmer-
Springer-
becken

Nicht-
schwimmer-
Vario-
becken

Schwimmer-
Springer-
becken

Nicht-
schwimmer-
Vario-
becken

8 x 4

32

15

24

12

20

7

11

10 x 5

50

22

38

19

31

11

18

12 x 6

72

32

54

27

45

16

26

16 x 8

128

57

95

48

80

28

47

20 x 10

200

89

148

74

123

44

74

16,7 x 8

133

59

99

49

82

30

49

25 x 8

200

89

148

74

123

44

74

25 x 10

250

111

185

93

154

56

93

25 x 12,5

312,5

139

232

116

193

69

116

25 x 16,7

417

185

309

154

257

93

154

50 x 16,7

833,5

370

617

309

515

185

309

50 x 20

1000

444

741

370

617

222

370

 

 

Stündliches Umwälzvolumen (m3) - Verfahrenskombination: Adsorption + Flockung + Chlorung, k = 0,5 l/m3

Stündliches Umwälzvolumen (m3) - Verfahrenskombination: Flockung + Vorfilterung + Ozonung + Sorptionsfiltration + Chlorung, k = 0,6 l/m3

Mittlere stündliche Personenbelastung

*) vom Schwimmer- und Springerbecken sowie Nichtschwimmerbecken und Variobecken

Hydraulisch Farbe bekennen

Ein bewährtes Verfahren, um die Beckenwasser-Hydraulik optisch zu überprüfen, ist die Färbemethode mit Hilfe des Farbstoffs Eriochromschwarz T der Firma E. Merk AG., Darmstadt. Das Erfolgsgeheimnis des Farbtestes beruht nicht zuletzt auf der richtigen "Rezeptur". Sie liegt bei ca. 30 - 50 Gramm pro 100 m3 Beckenwasser-Volumen. Eine 1,0%ige Farbstoff-Suspension bzw. -lösung (100 g Farbstoff auf ca. 100 l) in die im Betrieb befindliche Reinwasserleitung dosiert, ergibt aufgrund einer gleichmäßigen kräftig violett-blauen Beckenwasser-Verfärbung, optimalen Aufschluß über die vorhandene Beckenhydraulik.

Hydraulischer Farbtest in einem Schwimmbecken mit dem Farbstoff ErichromSchwarzT.

Die Entfaltung der visuellen Farbenpracht setzt jedoch voraus, daß das Beckenwasser keine Chloranteile enthält, da diese sofort den Farbstoff aufzehren würde. Diese Reaktion hat allerdings den Vorteil, daß man direkt im Anschluß an den sogenannten Positiv-Farbtest einen zweiten Negativ-Test durchführen kann. Durch die Chlorung des Beckenwassers erfolgt nämlich sofort die erwähnte Farbzehrung, die so erneut visuellen Aufschluß über die vorhandene Beckendurchströmung gibt. (Fortsetzung folgt)


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