IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 2/1998, Seite 19 ff.


VERBÄNDE AKTUELL 


Hessen


1. Ölfachtagung Hessen

Große Resonanz bei Heizungsbauern und Mineralölhandel

Am 20. und 21. November 1997 fand in Gießen die 1. Ölfachtagung des Fachverbandes Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Hessen statt. Veranstalter waren gemeinsam mit dem Verband, das Institut für Wirtschaftliche Ölheizung e.V., der Wirtschaftsverband Mitte für Brennstoffe und Mineralöle Hessen/Thüringen e.V. und der Südwestverband Brennstoff- und Mineralölhandel e.V. Im Mittelpunkt standen Fragen der fachgerechten Heizöllagerung, der aktuelle Stand der Ölheiztechnik und kundenorientierte Marktpartnerschaft.

"Zum ersten Mal treffen sich im gesamt hessischen Rahmen und in dieser Größenordnung Heizungsbauer und Mineralölhändler unter einem Dach," sagte Landesinnungsmeister Werner Scharf zur Eröffnung der Veranstaltung und begrüßte die über 90 Teilnehmer.

Dr. Schmidt, IWO, erläuterte die Sichtweise der Ölwirtschaft und möchte das derzeitige Marktvolumen für Heizöl erhalten. Dazu bedürfe es der Marktpartnerschaft von Industrie, Handel und Handwerk.

Heizöl sei mit einem Anteil von etwa 40% an der Beheizung aller westdeutschen Wohnungen etwa gleichauf mit dem Erdgas und sei somit notwendige Energiequelle für das Heizen in Deutschland.

Scharf führte weiter aus: "Heizölverbraucheranlagen sind für Brennstoffhandel und Handwerk auf lange Zeit ein interessantes und lohnenswertes Geschäft. Nach einer Statistik des Schornsteinfegerhandwerks sind 51% der 5,7 Mio. in Deutschland betriebenen Ölheizungen, auf Hessen bezogen sind das 526.000 Ölheizungen, technisch, wirtschaftlich und umweltschonend nicht mehr auf einem Stand, den man heute von modernen Heizungssystemen erwartet."

Hier gelte es gemeinsam den Markt zu bearbeiten und im Sinne der Schadstoffreduzierung und des Umweltgedankens zu handeln. Von der Tagung verspreche er sich einen offenen Austausch der Argumente um in der Sache weiter zu kommen und den Dialog zu beginnen.

Hochrangige Besetzung des Podiums: LIM Werner Scharf, Dr. Lenk, WBM, Dr. Schmidt, IWO, Dr. Daum, FV SHK und Dr. Grabenhenrich (nicht im Bild), Buderus.

LIM Scharf sah Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei folgenden Kooperationsinhalten:

- Marktbearbeitung/Kundenansprache

- Kundenpotentialanalyse

- Gemeinschaftswerbung

- Wärmelieferung

- Zusammenarbeit im Servicebereich

- Austausch von Informationen der beiden Verbände

- Zusammenarbeit bei aktuellen Fragen

Kooperation vor Ort

Dr. Jürgen Schmidt, Institut für wirtschaftliche Ölheizung e.V., Hamburg, fand bei den vorgenannten Darlegungen eine Reihe von Anknüpfungspunkten, die er in seinem Statement "Marktpartnerschaft zwischen Heizungsbau und Mineralölhandel (Kooperation vor Ort)" zusammenfaßte. Seine Ausführungen begann er mit den Entwicklungstendenzen im Wärmemarkt. Fakt sei, daß es weniger Energieverbrauch zur Beheizung der Häuser gebe und Fakt sei auch, daß es zur Zeit kein Wachstum im Energiemarkt gebe. Hier könne es nur eine Expansion zu Lasten anderer geben und das sind: Erdgas, Heizöl, Kohle, Strom, Solar und Fernwärme. "Heizöl wird seinen Marktanteil verteidigen," war die Botschaft des IWO-Repräsentanten.

"Kienzle und Hauser," in Person von Helmut Diehl (links) und Peter Gömmer, führten ein Streitgespräch zum Thema "Die Ölheizung - ein sicheres System". Kontroverse Standpunkte wurden nicht ausgelassen. Gömmer erläuterte die DIN und die Verordnungen anschaulich mit Beispielen aus der Praxis.

Status quo

Bei den Kenndaten des Ölheizungsbestands nannte Schmidt einen Gesamtbestand von rund 6,0 Mio. Anlagen, von denen bis zum Jahr 2005 mindestens 3,0 Mio. zu ersetzen seien. Für durchschnittlich 375.000 Ölheizungen treffe der Verbraucher jährlich eine Sanierungsentscheidung, im wesentlichen mit zwei Alternativen.

Erstens: Modernisierung mit Öl, Markt und Absatz für bis zu 15 Jahre,

Zweitens: Umstellung auf Gas, totaler Marktverlust.

Derzeitige Wanderungsverluste bei der Modernisierung lägen bei etwa 50%. Der Marktanteil Öl im Neubau sei etwa 30% und der von Gasanlagen liege bei über 60%. Diese Verhältnisse gelte es zu verändern und daher seien die Marktziele der Mineralölwirtschaft:

- Bestandserhaltung, Wanderungsverluste gleich 0,

- Erhöhung des Ölanteils im Neubaubereich.

Die Kenndaten für den Markt in Hessen:

- Ölheizungen rund 526.000,

- Altanlagen 47%,

- Neuere Anlagen 53%.

Im Sinne des Klimaschutzzieles der Mineralölwirtschaft und der angestrebten Reduzierung der CO2-Emissionen um 25% bis 2005, bedeute dies eine Senkung des spezifischen Heizölverbrauches von 23 auf 17 Liter pro Quadratmeter und Jahr (auf Basis des Jahres 1990).

Um diese vorgenannten Ziele zu erreichen, bedürfe es einer neuen Strategie für das System Öl. Dr. Schmidt nannte hier:

- Imageverbesserung bei Verbrauchern und Meinungsbildnern,

- Positionierung als modernes, sauberes Heizsystem durch zielgruppengerechte Kommunikation,

- Sicherung des Imageprofils durch geeignete Heizgeräte,

- Zielorientiertes gemeinschaftliches Wollen und Handeln, Marktsicherung geht vor internem Wettbewerb.

"Die Mineralölseite hat umgedacht, sie will eine wichtige Rolle spielen und nicht nur mitmachen. Hierzu sind Geräteindustrie, Heizungsbauer und Schornsteinfeger wichtige Partner," sagte Schmidt. An die Adresse des Mineralölhandels sagte er: "Kundennähe muß bewußt eingesetzt werden und die Realisierung der Ziele erfordert enge Kooperation mit den Marktpartnern."

"Der Kunde ist der Souverän. Er fragt Wärme nach!"

LIM Werner Scharf (vorne rechts) hatte mit seinem Aufruf zu Gemeinsamkeit und Dialog die Tür für eine sachliche Diskussion unter den Marktpartnern aufgestoßen.

Fazit

"Wettbewerb um die Gunst des Verbrauchers im Wärmemarkt ist in der Zukunft mehr denn je ein Leistungs- und Kommunikationswettbewerb," resümierte Dr. Schmidt. Ohne eine Marktkommunikation drohe ein Meinungsabseits, wobei Kundenorientierung, Anpassungsfähigkeit und Anpassungsbereitschaft sowie Kreativität über den künftigen Erfolg in diesem schrumpfenden Markt entschieden. Mineralölhandel und SHK-Handwerk sind nach Meinung des Referenten "geborene" Kooperationspartner, da typisch mittelständisch und mit einer ausgeprägten Kundenbindung, dies seien gute Voraussetzungen, im Wärmemarkt der Zukunft flexibel zu agieren.

Stellungnahmen auch aus dem Kreis der Teilnehmer zu den Diskussionspunkten "Ölqualität und Service".

Stand der Technik

Diese Thematik erläuterte Dr. Ing. H. B. Grabenhenrich, Fa. Buderus, unter dem Tagungspunkt "Entwicklung und Erfordernisse im System Ölheizung". Grabenhenrich referierte detailliert über die technischen Möglichkeiten der Ölheizungstechnik bis hin zu Ultraschallzerstäubung, modulierender Ölbrennertechnik und Oberflächenbrenner (Forschungsprojekt der RWTH Aachen). Er gliederte seinen Vortrag in die Unterabschnitte:

- Struktur der haustechnischen Wärmeerzeugung bis 1 MW

- Wärmetechnische Absicherung der Energieeffizienz

- Schadstoffentstehung bei der thermischen Konvertierung von Brennstoffen

- Gesetzliche, normative und freiwillige Emissionsgrenzwerte für Ölfeuerungsanlagen

- Entwicklungslinien bei Ölgebläsebrennern

- Beispiele moderner Ölbrennertechnik

- Sonderverfahren und Entwicklungstendenzen

Noch Forschungsprojekt der RWTH Aachen.

Marketing

"Wir warten auf die Belebung der Konjunktur. Ab jetzt muß jeder Betrieb seine Konjunktur machen," eröffnete Bernd Frank, Fa. Viessmann. Sein Vortrag hatte das Thema, "Wie verkaufe ich eine Heizungsmodernisierung". Daß Marketingfragen in einer konjunkturellen Abschwächung wie wir sie derzeit erleben eine wichtige Bedeutung haben, machte Frank an der Positionierung von Solar und Photovoltaik deutlich. "Nur 30% sind in SHK-Hand, hier gilt es Markt zu machen." Er zeigte weitere Marktnischen auf, so die kontrollierte Wohnraumlüftung, "heute kümmern, morgen kompetent sein." Und nicht zuletzt der Bereich Wartungsverträge, in dem das Potential des Marktes nach einer Erhebung des ZVSHK nur zu 17% genutzt werde.

Frank vertrat die Ansicht, daß "Siedler" erst kommen, wenn die Arbeit der "Pioniere" getan ist und der Boden bereitet, sicher ist. In Zukunft werde aber der "Pionier" absahnen. "Gehen Sie in Klausur und träumen Sie über die Entwicklung Ihres Betriebes," damit Sie nicht die Anregung "Ihre Säge ist stumpf! Sie sollten sie schärfen," beantworten mit dem Satz: "Dazu habe ich keine Zeit, ich muß sägen!"

Diesen "Markt" gilt es anzuzapfen.

Standpunkte

In einem kurzweilig geführten Streitgespräch diskutierten Helmut Diehl, Sachverständiger der Überwachungsgemeinschaft SHK und Peter Gömmer, Technischer Geschäftsführer des FV SHK Hessen über die erheblichen Probleme, die durch mangelhaft montierte Anlagen oder durch fahrlässige Befüllung von Öltankanlagen entstehen können.

Vorrangig zu nennen sind hier:

- Gewässergefährdung

- Gebäudeschäden

- Umweltverunreinigung

Ursache sind oft die Nichteinhaltung einschlägiger Bestimmungen und DIN-Normen, unzulässiger Einbau nicht zugelassener Produkte oder auch fehlende Wartung der Gesamtanlage. Zusammenfassend kamen die "Streithähne" doch überein: "Ölheizung ist ein sicheres und komfortables Heizsystem im Sektor Wohnraumbeheizung."

Splitter

Information durch IWO

Durch die novellierte Kleinfeuerungs-Anlagenverordnung (1. BImSchV), die ab dem 1. Januar 1998 verschärfte Emissionsgrenzwerte für Öl- und Gasheizungen vorschreibt, werden in den nächsten Jahren Altanlagen durch moderne Heizungstechnik ersetzt werden müssen. Das SHK-Handwerk kann daher mit einem erheblichen Auftragspotential rechnen. Nach den kontinuierlichen Auftragsrückgängen der letzten Jahre sind die überwiegend kleinen und mittelständischen Handwerksbetriebe auf dieses Austauschgeschäft dringend angewiesen. Nicht minder wichtig ist die Modernisierung des Ölheizungsbestandes für den hessischen Mineralölhandel, berücksichtigt man den schweren Stand der Ölheizung in dem nur mäßig wachsenden Neubaubereich.

Ein Rund-um-Service für Ölheizungsbetreiber auf Basis regelmäßiger Kommunikation und klarer Aufgabenverteilung ist das Nahziel der Marktpartnerschaft. Im Mittelpunkt steht dabei die Verbesserung des Informationsaustausches und der Abstimmung der Frage der Pflege und Wartung der von Ölheizungen einschließlich Öltankanlagen, der Modernisierungsberatung sowie der Brennstoffversorgung. Auch bei Anlagenstörungen muß die Zusammenarbeit von Handel und Handwerk eine schnelle Hilfe und optimalen Service sicherstellen.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist die deutliche Verbesserung der Heizölqualität durch die neue DIN 51603-1 (siehe IKZ-HAUSTECHNIK 21/97) die im Frühjahr 1998 rechtlich verbindlich werden soll. Hauptpunkt ist die bessere Lagerfähigkeit, vor allem bei Frosttemperaturen. Heizöl EL wird künftig ganzjährig Winterqualität besitzen.

Wie auf der Pressekonferenz der Ölfachtagung zu erfahren war, wird mit einer flächendeckenden Verfügbarkeit im Bundesgebiet im Winter 1998/99 gerechnet.

Zur Zeit werden gemeinsame Wärmelieferungsangebote entwickelt, bei denen der Kunde nur noch die gelieferte Wärmemenge bezahlt. Planung, Finanzierung und Betrieb der Heizungsanlage werden dann von den Wärmedienstleistern, Heizungsbauer und Brennstoffhändler, mit übernommen. Das Leitmotiv aller gemeinsamen Aktivitäten ist, für den Kunden eine möglichst komfortable, umweltgerechte und zugleich wirtschaftliche Wärmeversorgung auf Heizölbasis bereitzustellen.