125 Jahre IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 21/1997, Seite 38 f.


HEIZUNGSTECHNIK


Lamberti-Kirche Ochtrup

Praktizierte Klimaverbesserung

durch den Einbau eines Klimabodens

Erst 1975 erhielt die fast 125 Jahre alte katholische Lamberti-Kirche in Ochtrup eine neue Heizung - eine Warmluftheizung. Die Staubaufwirbelungen waren aber derart gravierend, daß man im Zuge einer anstehenden Innenrenovierung ein neues Heizsystem einbauen ließ. Die Entscheidung fiel auf den Einbau eines Klimabodens. Ein Heizsystem, das - vor dem ökologischen Hintergrund - in erster Linie auf Energie- und Kosteneinsparungen ausgerichtet ist.

Eine kleine Holzkapelle aus der Zeit Karls des Großen war die erste Lamberti-Kirche im münsterländischen Ochtrup. Um 1200 entstand an ihrer Stelle eine größere Kirche im romanischen Stil, die sich Ende des 18. Jahrhunderts als zu klein für die wachsende Gemeinde erwies. Aber erst 1842 begann man mit der Sammlung von Spenden für einen Neubau, und nach 20 Jahren waren 25.000 Taler angespart - ein hoher Betrag für die damals relativ arme Pfarrei.

Am 27. April 1866 wurde der Grundstein für die neue katholische Lamberti-Kirche gelegt, und vier Jahre und einen Monat später war das Gebäude fertig. Nach der Inneneinrichtung - mit Hochaltar, Kanzel und Beichtstühlen - konnte dann am 27. August 1873 die feierliche Einweihung unter Anwesenheit des damaligen Weihbischofs Josef Bossmann stattfinden. Hinsichtlich der Technik war die Ochtruper Gemeinde schon damals ein Vorreiter: Bereits 1895 wurde die Kirche mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet, und seit 1910 gab es eine zentrale Beheizung.

Unter den Sitzreihen, im Altar- und Seitenaltarbereich wurden insgesamt 650 m Polydynamic Klimaboden verlegt. Der alte Fliesenboden in den Gängen blieb erhalten.

Altes Heizungssystem - ein Staubaufwirbeler

Eine neue Heizungsanlage - eine Warmluftheizung - wurde 1975 eingebaut. Allerdings hatte sie, wie sich im Laufe der Jahre herausstellte, einen gravierenden Nachteil: Sie wirbelte zuviel Staub auf. An Wänden und Decken bildeten sich häßliche dunkle Ablagerungen, und auch die Orgel aus dem Jahre 1930 wurde in Mitleidenschaft gezogen. Daher sollte im Zuge der Innenrenovierung ein komplett neues Heizsystem installiert werden, das nicht mit dem Mangel der Staubaufwirbelung behaftet ist und sich besonders für die Beheizung hoher Räume eignet. Die Entscheidung fiel für eine Fußbodenheizung - den Polydynamic Klimaboden.

Vorgabe war, daß der alte Fliesenboden in den Gängen erhalten blieb. Daher wurde die Fußbodenheizung im Kirchenschiff unter den Sitzreihen, im Altar- und Seitenaltarbereich verlegt und nicht in den Gängen. Die alte Unterkonstruktion bestand aus einem Holzboden auf Natursteinquadern; zu seinem Schutz wurden zunächst zwei Lagen Bodenfolie verlegt. Es folgten das Ausrollen und Aufstellen der Spezial-Randdämmstreifen; dies bereitete auch im Bereich der Säulen keinerlei Schwierigkeiten. Ebenso unproblematisch verlief die fugendichte Verlegung der Systemplatten und der PE-Xc-Rohre.

Auch im Säulenbereich gab es bei der Verlegung keinerlei Probleme.

650 m Fußbodenheizung mit 55 mm Einbauhöhe

Insgesamt erhielten in der Lamberti-Kirche 650 m Boden eine Fußbodenheizung des ortsansässigen Systemanbieters Polytherm. Darauf kam ein Zementestrich mit Spezial-Zusatzmittel; die gesamte Einbauhöhe betrug 55 mm. Den Oberboden bildet im Bereich von Altar und Seitenaltar Marmor, unter den Sitzreihen ein dem Stabparkett ähnliches Riegelparkett.

Das Coesfelder Architekturbüro Steinberg & Koeppen errechnete den Wärmebedarf pro Quadratmeter beheizter Bodenfläche mit 110 W, die Oberflächentemperatur mit etwa 25C und die Vorlauftemperatur mit 53C. Diesen Berechnungen entsprechend wurden 6500 m Rohr der Dimension 10,5 x 1,25 mm verlegt, und zwar im Abstand von 12 cm: So konnte die Vorlauftemperatur gering gehalten werden.

Die Systemplatten werden druckknopfartig miteinander verbunden.

Verteiler "unsichtbar" in alten Lüftungskanälen

Eingesetzt wurden zur Deckung des Wärmebedarfes sieben Verteiler mit insgesamt 72 Heizkreisen. Dabei beeinträchtigen die Verteiler die Optik der Kirche in keiner Weise: Sie befinden sich - ebenso wie der Hauptvor- und -rücklauf - in den Lüftungskanälen des alten Heizungssystems. Diese Lösung hatte zudem den Vorteil, daß keine Stemmarbeiten erforderlich wurden.

Insgesamt hat die Kirche einen umbauten Raum von fast 11.000 m. Gerade für solch hohe Gebäude eignet sich eine Fußbodenheizung besonders, da die gewünschte Temperatur dort entsteht, wo man sie haben möchte - und das ohne lästige Staubaufwirbelungen. So hofft die Pfarrei auch, daß die nach der Heizungsrenovierung anstehenden Malerarbeiten - insgesamt sind etwa 5500 m Fläche zu bearbeiten - auf Jahre hinaus die letzten sein werden. Das Geld dafür will man künftig sparen, wie sich auch die niedrigeren Energiekosten durch den Polydynamic Klimaboden auf der Haben-Seite niederschlagen: Schon in rund fünf Jahren wird sich, nach Angaben des Herstellers, das neue Heizungssystem amortisiert haben.


B i l d e r : Polytherm GmbH, Ochtrup


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