125 Jahre IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 17/1997, Seite 86 ff.



Brennwerttechnik weiter im Aufwind

Dipl.-Ing. (FH) Hans-Ulrich Glauser

Waren Brennwertgeräte vor zehn Jahren noch Exoten, die überwiegend von neugierigen Technikfreaks gekauft wurden, so haben sich diese Geräte mittlerweile fest am Markt etabliert. Auf der diesjährigen ISH in Frankfurt standen die umweltschonenden Wärmeerzeuger bei fast allen Herstellern im Mittelpunkt.

Obwohl viele Förderprogramme seitens der öffentlichen Hand und Energieversorgungsunternehmen zwischenzeitlich eingestellt wurden, ist mit einem weiter steigenden Marktanteil der Brennwertgeräte zu rechnen. Lag dieser 1995 noch bei gut 17%, 1996 schon bei 25%, so wird er nach allgemeinen Branchenprognosen bis zum Ende des Jahrtausends auf fast 40% ansteigen (Bild 1).

Bild 1: Absatzentwicklung von wandhängenden konventionellen Geräten und von Geräten mit Brennwerttechnik.

Angesichts solcher Nachfrageerwartungen wollen auch die Hersteller nicht zurückstehen. So ist die Zahl der Anbieter von nur zwei bei der Markteinführung vor fast zwölf Jahren auf heute über 40 angestiegen. Ein Anlaß, die Brennwerttechnik am Beispiel der Cerapur-Geräte (Bild 2) von Junkers etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Im kleinen Leistungsbereich, in dem die Brennwerttechnik ohnehin am stärksten vertreten ist, sind rund 85% der verkauften Geräte wandhängend. Das liegt daran, daß sie ihren bodenstehenden Konkurrenten in puncto Qualität und Funktionalität nicht nachstehen, dafür aber wesentlich platzsparender und flexibler einzusetzen sind. Außerdem ist die Ausstattung einschließlich Ausdehnungsgefäß komplett. Bei einem Volumen von weniger als 0,2 Kubikmetern benötigen moderne Geräte eine Wandfläche von gerade mal 0,4 m. Damit können die Geräte nicht nur im Keller oder unter dem Dach, sondern auch über der Spüle oder der Badewanne installiert werden.

Wandel im Innern

Während sich am Prinzip der Brennwertgeräte nichts geändert hat, wurde die Technik im Brennerbereich und bei der Warmwasserbereitung stetig weiterentwickelt. Die früher gängigen gebläseunterstützten atmosphärischen Brenner sind modernen Vormischbrennern mit Gebläse gewichen. Schadstoffemissionen wurden dadurch minimiert, die Energieausnutzung verbessert. Damit erreichen die Brennwertgeräte zwischenzeitlich einen Normnutzungsgrad von bis zu 108%.

Im Gegensatz zu konventionellen Geräten bildet sich in den Brennwertthermen Kondenswasser, das über eine Ablaufleitung ins Abwassernetz abgeführt wird. Das Kondenswasser liegt mit einem ph-Wert von 3,8 bis 4,5 im leicht sauren Bereich. Eine Untersuchung des DVGW bestätigte, daß das Kondenswasser ohne Gefahr für nachfolgende Abwasserleitungen und Kläranlagen in die Kanalisation abgeführt werden kann, zumal der ph-Wert des Kanalwassers deutlich im basischen Bereich liegt. Gleichwohl besteht immer noch politischer Handlungsbedarf für eine bundesweit einheitliche Harmonisierung der Einleitungsbedingungen bei Anlagen mit größerer Kesselleistung. Eine flächendeckende Genehmigung durch den Gesetzgeber zur Einleitung nicht neutralisierten Kondenswassers, auch aus Großanlagen mit einer Leistung von bis zu 200 kW, könnte den umweltschonenden Geräten weitere Impulse geben.

Bild 2: Die Gas-Brennwert-Kesseltherme Cerapur.

Hydraulik und Regelung

Bei der hydraulischen Einbindung der Geräte in das Heiznetz muß darauf geachtet werden, daß die Rücklauftemperatur möglichst niedrig ist, um den Brennwerteffekt optimal zu nutzen. Deshalb ist es auch sinnvoll, die Differenz zwischen Gerätevor- und -rücklauf genügend groß zu wählen, wo immer die Heizflächen dies erlauben (Bild 3). Insofern sind Installationen ohne Vierwegemischer, Pufferspeicher oder ähnlichem zu bevorzugen. Niedrige Abgastemperaturen - als zweite wesentliche Größe - sind konstruktionsbedingt und dem Einfluß des Gerätebetreibers entzogen. Hier ist der Hersteller gefordert. Die Forderung nach möglichst niedrigen Rücklauftemperaturen wird durch die Wahl der richtigen Regelung unterstützt: witterungsgeführte Vorlauftemperaturregler bieten diese Möglichkeit. Sie gestatten den Einfluß auf die Vorlauf- (und bedingt) auf die Rücklauftemperatur. Im Gegensatz dazu steht der Raumtemperaturregler, der ohne Beachtung von Vor- und Rücklauftemperatur alleine den Sollwert der Raumtemperatur einhalten muß.

Quantensprung in Service und Komfort

Im Gegensatz zu den Veränderungen im Innenleben der Geräte sind die Fortschritte im Komfort und in der Bedienung für die Gerätenutzer offensichtlich. Vor allem die Warmwasserversorgung der Kombigeräte wurde deutlich verbessert. Durch eine manuell oder über Zeitschaltuhr geregelte Warmhaltung des Kleinspeichers steht auf Wunsch immer sofort warmes Wasser zur Verfügung. Bei größerem Warmwasserbedarf empfiehlt sich die Installation eines Heizgerätes und einem indirekt beheizten Warmwasserspeicher.

Installateuren und Heizungsfachleuten erleichtert die neue Heatronic-Steuerung in den Cerapur-Geräten die Wartungs- und Servicearbeiten. Über ein Multifunktionsdisplay zeigt sie alle wichtigen Soll- und Istwerte an. Betriebsstörungen werden automatisch lokalisiert und angezeigt. Für Routinemessungen müssen die Geräte nicht mehr geöffnet werden - alle relevanten Meßdaten erscheinen auf Wunsch im Display. Außerdem wurde auch die Bedienung der Geräte für die Verbraucher vereinfacht.

Mit Premiumleistungen im Wettbewerb

Der Anschaffungspreis allein sagt wenig über die Wettbewerbsvorteile eines Gerätes aus. Vielen Kunden ist beim Kauf eines billigen Gerätes nicht bewußt, daß etwaiger Wartungsaufwand und Ersatzteilkosten in die Kostenbetrachtung einbezogen werden sollten. Dies gilt auch für das Thema Lebensdauer. Erst bei Berücksichtigung all dieser Faktoren ergibt sich ein objektives Bild über das Preis-/Leistungsverhältnis.

Bild 3: Integration eines Brennwertgeräts mit Warmwasserbereitung in ein Fußbodenheiznetz.

Immer wichtiger für die Wettbewerbsfähigkeit werden auch die Zusatzleistungen des Herstellers vor, während und nach dem Verkauf der Geräte. Über den Technischen Außendienst des Geräteanbieters können den Installateuren und Heizungsbauern bereits in der Projektplanungsphase Empfehlungen und Planungshilfen gegeben werden. Spezielle Fragen zu Systemkonfiguration und Installation beantworten auch die Ingenieure und Kundendiensttechniker in Wernau und in den Verkaufsbüros telefonisch. Ein eher an den Endkunden orientierter Service ist die zentrale Kundendienstannahme. Eventuell auftretende Betriebsstörungen können rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche bei der zentralen Annahmestelle gemeldet werden. Von dort aus erfolgt dann die Einsatzsteuerung, um schnell die nötige Hilfe zu leisten.

Mehrkosten in der Anschaffung

In der Anschaffung sind Brennwertgeräte, bedingt durch eine aufwendigere Konstruktion, ca. 20% teurer als vergleichbare konventionelle Geräte. Brennwertgeräte benötigen leistungsfähigere Wärmetauscher als konventionelle Heizthermen und müssen wegen des sauren Kondensats besser gegen Korrosion geschützt werden. Bei der Installation selbst fallen keine Mehrkosten an. Brennwertgeräte werden genauso an das Heiznetz angeschlossen wie die konventionellen. Auch in der Abgasführung verursachen die Brennwertgeräte gegenüber Niedertemperaturgeräten höchstens geringe Mehrkosten. Im Neubau und bei Modernisierungen, wo Schornstein und Heizungskeller fehlen, ist der Einbau der Geräte zum Beispiel unter dem Dach besonders kostengünstig, da dann auf einen konventionellen Kamin (Kosten: rund 350 bis 400 DM/m) verzichtet werden kann. Wenn allerdings ein bestehender Wärmeerzeuger im Keller ersetzt werden soll, lohnt sich die Installation an anderer Stelle in der Regel nicht. Die Kosten für die erforderliche Kaminsanierung (ca. 150 bis 200 DM/m) können dann gleich in eine Abgasleitung (im vorhandenen Schornstein installiert) für ein Brennwertgerät investiert werden.

Ob und wie schnell sich die Mehrinvestition bezahlt macht, hängt entscheidend vom Energieverbrauch der Gebäude ab. In älteren Häusern mit vergleichsweise mäßigem Wärmeschutz machen sich die Mehrkosten oft schon nach zwei Jahren bezahlt, in Neubauten kann es auch länger dauern. Ganz unabhängig von den unmittelbaren Kosten für den Gerätebetreiber - unbestreitbar sind in allen Fällen die allgemeinen Vorteile durch geringere Schadstoffemissionen und maximale Energieausnutzung.


B i l d e r : Bosch Thermotechnik (Junkers), Wernau


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