125 Jahre IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 16/1997, Seite 44 ff.


KLEMPNERTECHNIK


Formvollendetes Metalldach

Dorothee Witteler-M. und Friedolin Behning*

Die im Kölner Süden ansässige Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, kurz BGW, erweiterte ihr bestehendes Bürogebäude durch einen funktionellen, technisch elegant gestalteten Neubautrakt. Das Gebäude fällt dem Kenner durch sein formvollendetes Metalldach im Klick-Leistensystem und seine interessanten Details auf.

Gestaltetes Metalldach

Um der standortbedingten Situation gerecht zu werden und den erhöhten Raumbedarf zu decken, wurde auch das Dach des Neubaues mit einigen ungewöhnlichen Ideen verwirklicht. Bauherrschaft und Architekten waren sich einig, den Erweiterungsbau hinsichtlich seines Erscheinungsbildes nicht der Architektur des schon vorhandenen Gebäudes anzugleichen. Vielmehr strebten sie ein eigenständiges Aussehen an, welches mit der hellgrauen Natursteinfassade, einem sparsameren Fensteranteil und - nicht zuletzt - mit dem ideenreich und sorgfältig gestalteten Metalldach in vorbewittertem Titanzink erreicht wurde.

Gebäudeansicht von der Bonner Straße; der Erweiterungsbau mit eigenständigem architektonischen Erscheinungsbild.
(Foto: TPP)

Die Dachgeometrie wird von der Grundform des Bauwerks, einem Rechteck, bestimmt. Dabei folgt der Firstverlauf parallel der Trauflinie entsprechend den drei Gebäudeaußenkanten, woraus im Prinzip Satteldachformen entstehen, die ein zentrales Lichtdach (über dem Treppenhaustrakt) umschließen. Als Besonderheit planten die Architekten einen zuerst vertikalen Dachteil, der auf der Höhe der Trauflinie beginnt, etwa 1 m senkrecht verläuft um dann mittels eines runden Überganges an die eigentliche Dachschräge anzuschließen.

Durch diesen formalen Kunstgriff erreichten die Planer eine "optische" Verringerung der Gebäudehöhe. Analog zur Gebäudeausrichtung wurde diese Lösung an allen drei Außenkanten des Erweiterungsbaues gewählt. Den Dach-Abschluß in Richtung Nachbarbebauung bildet ein "Innengiebel", dessen vertikale Bekleidung - wie die von außen sichtbaren Dachflächen - im Klick-Leistensystem ausgeführt ist.

Straßenansicht der Leistendeckung mit den 8 integrierten Dachflächenfenstern der Vorderfront.
(Foto: Rheinzink)

Dachentwässerung maßgeschneidert

Die verdecktliegende Kastendachrinne liegt ca. einen Meter unterhalb des "Knickpunktes" des Steildaches. Daher wurden Bedenken geäußert, daß möglicherweise bei starken Regenfällen das abzuführende Niederschlagswasser über die Dachrinne hinausschießen könne, was weder zulässig noch erwünscht ist.

Die Lösung dieses Problems wurde gemeinsam mit dem ausführenden Handwerker und der Planung erarbeitet. Sie bestand letztlich darin, die Übergangszone zwischen senkrechtem und geneigtem Dachteil in einer definierten Rundung auszubilden. Auf diese Weise wird verhindert, daß der durch Adhäsion auf der Metalloberfläche "haftende" Wasserfilm des abfließenden Regenwassers der Richtungsänderung der Dachfläche nicht folgt, abreißt und dann unkontrolliert über die Traufe hinwegschießt.

Ausschnitt Gebäudeecke an der Bonner Straße. Der runde Übergang der Traufscharen und die Gratausbildung sind erkennbar.
(Foto: Rheinzink)

Auch unter gestalterischen Gesichtspunkten einigte man sich auf eine Rundung des Übergangsbereiches mit einem Radius von 15 cm. Dieses Maß war der bestmögliche Kompromiß zwischen ausführungstechnischer Machbarkeit und konstruktiven Forderungen.

Runde Übergänge

Für das sorgfältige Ausführen der mit der passenden Rundung versehenen Traufscharen war einiger Aufwand erforderlich. Dabei machten sich die ausführenden Handwerker die Vorteile einer minutiösen, werkstattmäßigen Vorfertigung zunutze. Mittels eines Modelles in Originalgröße wurde jede Traufschar dieser Rundung angepaßt und mit allen notwendigen Kantungen versehen. Bei der Fertigung war zu berücksichtigen, daß die Scharlänge, vom Rinneneinhang beginnend, die senkrechte Dachfläche überdeckend bis etwa 30 cm auf die geneigte Dachfläche hinaufreichte. Auf diese Weise wurde sowohl die korrekte Rundung als auch das gute Handling beim Einbau erreicht.

Das Dachdetail vermittelt einen Eindruck der Handwerksarbeit mit Übergängen, Anschlüssen und den Leistenabschlüssen im Gratbereich. Die Lüftungshauben oberhalb der Dachfenster bieten eine Unterstützung der Belüftung. Den gleichen Effekt erreicht man besser durch entsprechende Gestaltung der hölzernen Unterkonstruktion (z.B. Querlüftung), ohne die Dachfläche zu durchbrechen.
(Foto: Rheinzink)

Im Zuge der Vorfertigung konnten die links- und rechtsseitigen Aufkantungen abwechselnd im Bereich der Rundung gestreckt werden. Dazu war es nötig, kontinuierlich die Rundung der Schar dem 1:1-Muster anzugleichen. Schließlich mußten noch die trauf- und firstseitigen Falzkantungen angekantet werden. Für die Herstellung der Leistenkappen galt es, die gleiche Sorgfalt aufzuwenden. Das Ergebnis dieser Mühe ist eine einwandfreie Arbeit, mit der die Ansprüche des Architekten und Bauherrn erfüllt und die Funktion des Leistendaches und seiner Entwässerung sichergestellt wurden.

Auch aus der Sicht der gegenüberliegenden Häuser zeigt sich der Neubau als gestalterische und technische Einheit, wobei das Metalldach besondere Akzente setzt.
(Foto: TPP)

Klassischer Dachaufbau, zwei Verlegetechniken

Als Unterkonstruktion des Metalldaches wurde ein zimmermannsmäßiger Aufbau mit Holzsparren, Wärmedämmung und regelkonformer Vollholzschalung, 24 mm dick, ausgeführt. Zwischen Metalldachhaut und Holzschalung ist Glasvliesbitumendachbahn als Trennlage angeordnet; die gesamte Dachkonstruktion ist durchlüftet.

Für die von außen sichtbaren Dachbereiche wählten die Architekten die Leistendeckung - ursprünglich die belgische Deckart. Damit trugen sie dem Wunsch nach einer kräftigen Strukturierung der Dachflächen Rechnung. Bei Beratungsgesprächen im Vorfeld der Baumaßnahmen wurde durch die Anwendungstechnik von Rheinzink vorgeschlagen, anstelle der belgischen Leiste eine modifizierte, schlagregensichere Variante - das "Klick-Leistensystem" - auszuführen. Aufgrund seiner prinzipbedingten Vorteile wurde dieser Vorschlag von den Planern akzeptiert und kam zur Ausführung. Nur im Bereich der Rundung war er technisch nicht möglich. Hier wurden die Leistenkappen manuell exakt eingepaßt. Die nach innen liegenden Dachflächen wurden in herkömmlicher Doppelstehfalztechnik gedeckt.

Dynamische Licht/Schatten-Wirkung der Leistendeckung strukturiert die Dachfläche. Links unten ist der Anschluß an die erhöhte Brandwand erkennbar.
(Foto: Rheinzink)

Besonderheiten des Klick-Leistensystems

Dieses weiterentwickelte Leistensystem vereint Merkmale der belgischen und der deutschen Leistentechnik und ist durch zusätzliche Wasserfalze an den Aufkantungen schlagregensicher. Es ermöglicht eine rasche, kostengünstige Verlegung, nutzt die Vorteile weitgehender Vorfertigung und verfügt, dank "unsichtbarer" Befestigung der Leistenkappe, über ein optisch elegantes Erscheinungsbild.

In der Literatur [1] werden weitere Merkmale, zum Beispiel gutes Dehnungsverhalten mit der Möglichkeit großer Scharlängen, Auswechselbarkeit von Teilflächen, diffusionsoffene Verbindungen und vielfältige architektonische Gestaltungsmöglichkeiten, aufgeführt.

Das Zusammenspiel der Werkstoffe in Form und Farbe (Granit und Rheinzink "vorbewittert") überzeugt ebenso wie die präzise Ausführung.
(Foto: Rheinzink)

Anspruchsvolle Detaillösungen

Das vorgestellte Metalldach erforderte viele anspruchsvolle Detaillösungen. Da sind die zahlreichen Dachflächenfenster, die in die Leistendeckung zu integrieren waren. Die verdeckt liegenden Dachrinnen und die runden Übergänge wurden schon beschrieben. Eine weitere Forderung war, vertikale Achsen der Fassadengliederung möglichst exakt in die Aufteilung der Leistendeckung zu übernehmen.

So wie die gesamten äußeren Dachflächen wurde auch der "Innengiebel" und seine Untersicht stilvoll im Klick-Leistensystem gestaltet.
(Foto: TPP)

Aus fachlicher Sicht reizvoll, aber auch mit hohem Anspruch an das handwerkliche Können, war die klempnertechnisch zu lösende Aufgabe, einen im Grundriß trapezförmig gehaltenen Fassadeneinschnitt seitlich und in der Untersicht vollflächig in die Leistenbekleidung der abschließenden Giebelfläche einzubeziehen. Alle diese zum Teil sehr kniffligen Punkte sind aus den Detailfotos ersichtlich. In ihrer Summe ergeben sie letztlich ein vorbildlich ausgeführtes Metalldach in handwerklicher Arbeit "wie aus einem Guß."

Zusammenfassung

Mit dem Erweiterungsbau für die GBW im Kölner Stadtteil Bayenthal wurde ein schönes Beispiel für die Vielfältigkeit und die gestalterische Aussage zeitgemäßer Metallbedachungen in Klempnertechnik realisiert. Architektonische Ideen in Verbindung mit einem umweltfreundlichen Metall und handwerklichem Know-how brachten durch gute Zusammenarbeit zwischen Planern, Ausführenden und dem Werkstoffhersteller ein überzeugendes Resultat.

Bautafel

Bauherr: Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Köln (BGW)
Architekten: Schmiedeknecht - Krampe - Reiter, Bochum
Ausführender Fachbetrieb: Firma Vierling, Köln


* Die Autoren sind Mitarbeiter der Rheinzink GmbH, Datteln


L i t e r a t u r :

"Rheinzink - Anwendung in der Architektur" 8/93