125 Jahre IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 14/1997, Seite 30 ff.


VERBÄNDE AKTUELL 


Brandenburg


2. Verbandstag

Im Maritim-Hotel der Lausitzmetropole Cottbus trafen sich am 7. Juni d.J. die Mitglieder des Fachverbandes Sanitär Heizung Klempner Klima Land Brandenburg zu ihrem zweiten Verbandstag. Die von der gastgebenden Innung Cottbus perfekt organisierte Veranstaltung bot Teilnehmern und Gästen ein ausgezeichnetes Programm in angenehmer Atmosphäre. Tags zuvor fand bereits die Delegiertenversammlung statt.

Delegiertenversammlung

35 Delegierte konnten Landesinnungsmeister Wilfried Frohberg und Geschäftsführer Dipl.-Kfm. Detlef Pfeil zur Delegiertenversammlung begrüßen. Ihr besonderer Dank galt Obermeister Jürgen Setzkorn sowie dem Vorstand der Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Cottbus für die tatkräftige Unterstützung bei der Organisation und Durchführung des diesjährigen Treffens.

Zum wiederholten Male führten die Brandenburger in beeindruckender Weise, trotz bedrückender wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, ihre Delegiertentagung durch. Weder das Protokoll der letzten Sitzung noch die Kassenprüfung oder der Haushalt gaben Anlaß zu Kritik. Einstimmig entlasteten die Delegierten den Vorstand und die Geschäftsführung und bestätigten damit die hervorragende Arbeit der Verantwortlichen. Diese Einigkeit zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung, auch wenn GF Pfeil in seinem Bericht reichlich negative Begleitumstände für das SHK-Fachhandwerk zu beklagen hatte.

Starke Umsatzrückgänge

So quälen die SHK-Betriebe in Brandenburg neben den allerorts präsenten Problemen der Handwerker vor allem kräftige Umsatzrückgänge sowie aus Billiglohnländern "importierte" Arbeitnehmer. Das wiegt um so schwerer, als GF Pfeil das wirtschaftliche Tief für das Land Brandenburg noch erwartet.

Vorstand mit Geschäftsführer: Bernd Müller, Peter Dietrich, GF Detlef Pfeil, Holger Ehling, Hans Kahle, LIM Wilfried Frohberg, Jürgen Setzkorn, Rolf Bär und Hans-Joachim Klose (v.l.n.r). Es fehlen: Wolfgang Brock und Wolfgang Morgner.

Schon derzeit liegen die Überkapazitäten in den brandenburgischen SHK-Betrieben nicht selten bei 30 bis 50%! Dringend forderte er daher akzeptable wirtschaftliche Rahmenbedingungen für den Mittelstand, damit eine bessere Produktivität und Wertschöpfung erzielt werden kann.

Als Gründe für die schlechte Gesamtlage nannte GF Pfeil u.a.:

- Enger werdende Marktnischen,
- steigende Kosten,
- Baumarktaktivitäten,
- Unzulänglichkeiten im "eigenen Unternehmen".

Speziell das letztgenannte Argument, dem die Delegierten nicht widersprachen, zeugt von Mut zur Selbstkritik.

Natürlich konnte GF Pfeil seine Einschätzung von betriebsinternen Gründen für die schlechte wirtschaftliche Situation mancher Betriebe auch begründen. Die Beratung durch den Fachverband hätten 1996 ca. 250 Betriebe (weiter steigende Tendenz) aktiv genutzt. Dabei habe sich gezeigt, daß ca. 60% der Probleme "hausgemacht" seien. Darüber hinaus mangele es bei Betriebsinhabern und Mitarbeitern an der Bereitschaft zur Weiterbildung und aktiven Verbandsmitarbeit. Die ständige Erweiterung des Fachwissens in betriebswirtschaftlichen, rechtlichen, steuerlichen und technischen Fragen sei jedoch "lebensnotwendig".

Der Fachverband, so GF Pfeil, werde diesem Grundsatz gerecht. Noch im laufenden Jahr werde das Beratungsangebot um rechtliche, steuerliche und EDV-Themen erweitert. Allerdings könne der Fachverband diese zusätzlichen Leistungen nicht mehr kostenlos anbieten. Man habe diese Tätigkeiten an eine Servicegesellschaft übertragen.

Bitterkeit schwang in der Stimme des Geschäftsführers bei seinen Aussagen zum Entsendegesetz: "Die Glaubwürdigkeit der SHK-Verbände wird aufs Spiel gesetzt, wenn der SHK-Landesverband Rheinland-Rheinhessen seine Zustimmung weiterhin versagt".

In die Zukunft blickte GF Pfeil eher optimistisch: "Umweltfreundliche Technik, Solarenergie- und Regenwassernutzung, kontrollierte Wohnungslüftung und ähnliche Aufgabengebiete weisen den Weg in eine bessere Zukunft. Um diese zu erreichen, ist ,Neues Handwerk erforderlich, das alte Werte nicht vergißt!"

Berichte aus den Fachgruppen

Kurz und knapp - aber umfassend - berichteten die Landesfachgruppenleiter Rolf Bär (Sanitär), Hans Kahle (Klempner), Hans-Joachim Klose (KL) und Erik Debertshäuser stellvertretend für Wolfgang Brock (Heizung) über die Arbeit der Landesfachgruppen. Auch in diesen Berichten wurde die Enttäuschung über die mangelnde Mitarbeit deutlich.

Überwiegend standen technische Fragen auf den Programmen der Landesfachgruppensitzungen. Allerdings gab es bei den Klempnern - mit der Diskussion um die Zusammenlegung des Klempner- mit dem Dachdeckerhandwerk - auch sehr ernste Themen. Landesfachgruppenleiter Hans Kahle forderte unmißverständlich: "Der Beruf muß in seiner derzeitigen Konstellation erhalten bleiben!" GF Pfeil zu diesem Thema: "Wir denken nicht daran, uns jahrelanges Engagement abwürgen zu lassen."

Der stv. LIM Jürgen Setzkorn wurde für sein jahrelanges ehrenamtliches Engagement mit der Ehrennadel des Fachverbandes ausgezeichnet.

Auch Fachgruppenleiter Klose beschäftigt derzeit ein ernstzunehmendes Problem, denn durch die geplante Aufnahme der Backofenbauer in den Berufsstand soll - zum vierten Mal in wenigen Jahren - die Berufsbezeichnung der Kachelofen- und Luftheizungsbauer verändert werden. Nicht nur für Klose ein unhaltbarer Zustand.

Natürlich gabs auch erfreuliches in Cottbus. So wurde Jürgen Setzkorn, stv. Landesinnungsmeister und Obermeister der Innung Cottbus, für sein jahrelanges ehrenamtliches Engagement mit der Ehrennadel des Landesverbandes ausgezeichnet. Rolf Bär, Obermeister der Innung Südost und Landesfachgruppenleiter Sanitärtechnik, erhielt eine Ehrenurkunde. Er hatte seine Meisterprüfung vor 35 Jahren bestanden.

Bevor es zum gemütlichen Teil überging, kam noch einmal das leidige Thema "Aktive Verbandsmitarbeit" auf die Tagesordnung. GF Pfeil zeigte sich, wie schon wenige Tage zuvor sein Thüringer Kollege GF Bohnstädt, ziemlich enttäuscht von den Anmeldungen zum nachfolgenden Verbandstag. GF Pfeil: "Man muß sich ernsthaft überlegen, ob man einen dritten Verbandstag überhaupt noch veranstaltet." LIM Frohberg brachte in Pausengesprächen während der Delegiertentagung und dem Verbandstag dazu folgende Überlegung ins Spiel: "Man sollte mit den Kollegen in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und bei der Innung Berlin ernsthaft über einen gemeinsamen Verbandstag sprechen. Der könnte reihum stattfinden und im Umfeld ließen sich Delegiertentage der einzelnen Organisationen durchführen."

Ein beachtlicher Ansatz, der z.B. von Dr. Burkhard Dreher, Minister für Mittelstand und Technologie des Landes Brandenburg, begeistert aufgenommen wurde.

Der Ausklang der Delegiertentagung war gleichzeitig Einstimmung auf den Verbandstag. In locker/fröhlicher Atmosphäre auf dem Flugplatz Drewitz konnte, wer wollte, sich nicht nur an dem hervorragenden Spanferkel und den Getränken laben, sondern auch hoch hinaus. Mehrere ein- und zweimotorige Sportflugzeuge standen zu diesem Zweck bereit. Selbst Flüge mit Ultraleichtflugzeugen oder einem Kunstfluggerät waren möglich. Ein wahrlich nicht alltägliches Verbands-Programm, das begeistert genutzt wurde.

Verbandstag

Tags darauf folgte der diesjährige Höhepunkt für die SHK-Handwerker im Land Brandenburg. 120 Tagungsteilnehmer und Gäste konnte der stv. Landesinnungsmeister Jürgen Setzkorn zum Verbandstag begrüßen.

Die Anwesenheit hochkarätiger Gäste wie: Dr. Burkhard Dreher, Landesminister für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie, Matthias Platzeck, Landesminister für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung, Waldemar Kleinschmidt, Oberbürgermeister der Stadt Cottbus und Werner Schröter, Kammerpräsident der Handwerkskammer zu Cottbus, zeigten deutlich, welchen Stellenwert der Wirtschaftsfaktor Nummer Eins im Land Brandenburg aufzuweisen hat.

Setzkorn ging mit seinen Begrüßungsworten natürlich auch auf die schlechten wirtschaftlichen Begleiterscheinungen ein und appellierte eindringlich an die Politiker, günstigere Bedingungen für den Mittelstand zu schaffen. Wie tags zuvor GF Pfeil, so hält auch der stv. Landesinnungsmeister nichts von Wehgeschrei. "Wir dürfen nicht nur jammern, sondern müssen mit neuen Ideen die Zukunft gestalten", animierte Setzkorn die anwesenden Handwerksunternehmer.

Über ruinösen Wettbewerb und schlechte Zahlungsmoral, Bedingungen die immer mehr Unternehmen in die Pleite treiben, berichtete Werner Schröter, Präsident der Handwerkskammer zu Cottbus. "Bedenklich," so Schröter, "stimmen vor allem die Ergebnisse der letzten Umfrage. Über 40% unserer Handwerksbetriebe schätzen die Geschäftslage als "schlecht" ein. Das ist der bisher höchste Stand."

Bei der Problembewältigung können die Brandenburger mit Rückendeckung durch die Politiker rechnen. So forderte auch Waldemar Kleinschmidt, Oberbürgermeister der Stadt Cottbus, bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen für den Mittelstand. In Cottbus jedenfalls bekenne man sich zu den Unternehmen aus der Region und pflege bei der Auftragvergabe "kleine Lose" zugunsten einheimischer Betriebe.

Viel Applaus erhielten auch die Minister Platzeck und Dr. Dreher, die dem brandenburgischen SHK-Handwerk nicht nur volle Unterstützung zusicherten, sondern auch eine wichtige Rolle für die Zukunft bescheinigten.

Fachvorträge

Mit Humor und Witz stieg ZVSHK-Geschäftsführer Josef Kulla in sein Thema Fortentwicklung der SHK-Berufe - aus handwerkspolitischer Sicht ein. "Das Handwerk bietet die meisten Arbeitsplätze, die meisten Ausbildungsplätze, zahlt vermutlich auch die meisten Steuern und arbeitet so viel, daß man keine Zeit hat in Bonn zu protestieren. Als Politiker würde ich mir ein Volk von Handwerkern wünschen", so Kulla.

Natürlich gabs auch handfestes. So erläuterte Kulla noch einmal Gründe und Folgen der geplanten Zusammenlegung der Gewerke Gas- und Wasserinstallation und Zentralheizungs- und Lüftungsbau.

Sieht das Handwerk in der Zukunft in einer wichtigen Rolle: Matthias Platzeck, Minister für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg.

Neues wußte der Referent von der angestrebten Zusammenlegung des Klempner- mit dem Dachdeckerhandwerk zu berichten: "Das Klempnerhandwerk bleibt in der Anlage A der Handwerksordnung als selbständiges Handwerk erhalten", so Kulla. Allerdings strebe das Dachdeckerhandwerk derzeit eine einseitige Verwandschaftserklärung (zugunsten der Dachdecker) mit dem Klempnerhandwerk an. Das würde bedeuten: Dachdeckerbetriebe dürfen uneingeschränkt Arbeiten des Klempnerhandwerks ausüben, aber nicht umgekehrt! Der ZVSHK werde alle verfügbaren Möglichkeiten nutzen dies zu verhindern.

Zukunftschancen des SHK-Handwerks, Strategien für die Zukunft stellte Dipl.-Ing. Uwe Otto, freier Mitarbeiter im FV SHK Land Brandenburg, anschließend vor. Auch er sieht besonders gute Möglichkeiten in den Bereichen umweltschonende Techniken, kontrollierte Wohnungslüftung u.ä. Darüber hinaus sei die Wärmelieferung ein interessantes, aber schwieriges, Aufgabengebiet. Schwierig u.a. deshalb, weil für Wärmelieferungskonzepte ein großer betriebswirtschaftlicher, rechtlicher und organisatorischer Aufwand betrieben werden müsse. Hier gelte uneingeschränkt "Miteinander" und nicht "Gegeneinander".

Um Zukunftschancen nutzen zu können, sei Weiterbildung von fundamentaler Bedeutung, so Otto. Der Fachverband werde daher im Herbst, gemeinsam mit der Fördergesellschaft, einen "Tag der Fort- und Weiterbildung" durchführen.

ZVSHK-Geschäftsführer Josef Kulla: "Als Politiker würde ich mir ein Volk von Handwerkern wünschen."

Mit dem Vortrag Niedrigenergiehaus - für Kachelofen- und Heizungsbauer stand auch ein aktuelles technisches Thema auf der Tagesordnung. Dipl.-Ing. Gerd Böhm (Buderus) veranschaulichte die durch veränderte Vorschriften und Gesetze verursachten Konsequenzen. Vor allem die Wärmeschutzverordnung sorge für einen immer geringer werdenden Gebäudewärmebedarf. Diese Tatsache fordere Entwickler und Fachhandwerker in steigendem Maße.

Böhm, der das technische Zusammenspiel verschiedener Anforderungen (z.B. Heiz- und Brauchwassererwärmer, Brennwerttechnik) versiert erläuterte, äußerte sich auch zum "Nullenergiehaus". Diese Variante, für SHK-Unternehmen wegen der erforderlichen technischen Einbauten hochinteressant, erfordere allerdings zu hohe Investitionen.

Der Vortrag Scientology - eine Gefahr für den Mittelstand wurde von vielen Tagungsteilnehmern mit Spannung erwartet. Ursula Caberta, Leiterin der Arbeitsgruppe "Scientology" beim Hamburger Senat, erläuterte die Entstehungsgeschichte und Vorgehensweise der Organisation. Darüber hinaus kam auch hochaktuelles zur Sprache, war doch tags zuvor die Entscheidung gefallen, Scientology bundesweit vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Leider vermißten die aufmerksamen Zuhörer den Brückenschlag zum Mittelstand bzw. Handwerksunternehmen.

Dr. Burkhard Dreher, Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie des Landes Brandenburg im Pausengespräch mit LIM Wilfried Frohberg und Hans Müller, Geschäftsführer FVSHK Mecklenburg-Vorpommern.

Bevor es zum Galaabend ging, bot Prof. Dr. Erich Küthe, Universität Köln, den Tagungsteilnehmern mit seinem Vortrag Bad und Design - Marktentwicklungen anschließend ein besonderes Bonbon. Aktive Designgestaltung ist für den wirtschaftlichen Erfolg des Handwerkunternehmers wichtig. Kompaktes Wissen rund um das Baddesign empfahl der wortgewandte Professor daher den Tagungsteilnehmern.

Mit dem abschließenden Galaabend krönten die Veranstalter den Verbandstag. Was bleibt ist ein kleiner Wermutstropfen, denn die perfekte Organisation, Durchführung und Themenauswahl hätte, auch im Hinblick auf die während beider Tage durchgeführte Hersteller-Ausstellung, eine weitaus größere Teilnehmerzahl verdient gehabt. „


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