125 Jahre IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 14/1997, Seite 24 ff.


VERBÄNDE AKTUELL 


Thüringen


Landesverbandstag Thüringen

Teil 2

Fachtagung Klempnertechnik

Mit dem Vortragsmotto: "Die Freiheit des Handwerks liegt in der Gesetzeslücke" traf Harald Koch, Technischer Geschäftsführer im Fachverband SHK Hamburg, mitten ins Problem-Zentrum der häufig zu Recht angezweifelten Waffengleichheit im VOB-Bauvertragsrecht.

Folglich fanden seine einleitenden Feststellungen, daß der Grundstein für die hinlänglich bekannten Probleme am Bau häufig bereits durch fehlerhafte Leistungsbeschreibungen gelegt wird und daß das Regelungs-Fundament durch unterschiedliche Interpretationen seitens des Handwerks noch zusätzlich geschwächt wird, bei den Zuhörern einhellige Zustimmung. Unter den vorstehenden Aspekten bedrohen Mängel in Ausschreibungen und daraus resultierende Ausführungsfehler, besonders in Zeiten auftragsbedingter Dumping-Preise, die Handwerksunternehmen in ihrer Existenz.

Harald Koch, Techn. Geschäftsführer im FVSHK Hamburg ...

Von daher trug das Vortragsthema "Sichere Anwendung der Klempner-Fachregeln und der ATV 18339 - Klempnerarbeiten" den Ernst der Lage gebührend Rechnung. Zur theoretischen Grundeinstimmung ging der rechtserfahrene Referent zunächst auf die VOB, Teil A, DIN 1960 "Allgemeine Vergabebestimmungen" ein. Seine besondere Aufmerksamkeit galt hierbei dem 9 "Beschreibung der Leistung" und dem 26 "Aufhebung der Ausschreibung". Anschließend folgte unter klempnertechnischen Aspekten die Vertiefung in die VOB, Teil C "Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen" (ATV). Sie ist schließlich als anerkannte Regel der Technik auch ohne besondere Vereinbarungen Vertragsbestandteil.

Wie die rege Diskussion erneut gezeigt hat, liefert das Thema der zu vergütenden oder nicht zu vergütenden Nebenleistung immer wieder neuen Zündstoff. Daher nochmals folgender Klempner-Hinweis zur kostenträchtigen Gerüststellung. Die ATV DIN 18299, Abschnitt 4.1 verweist auf die VOB Teil C "Klempnerarbeiten - DIN 18339", wo es unter Abschnitt 4.1.1 wörtlich heißt: Auf- und Abbau sowie Vorhaltung der Gerüste, deren Arbeitsbühnen nicht höher als 2 m über Gelände oder Fußboden liegen, sind Nebenleistungen ohne Vergütungsanspruch.

Diese Arbeiten brauchen daher auch keiner besonderen Erwähnung im Leistungsverzeichnis.

Der Hinweis des Referenten zu Punkt 2.1.1 der DIN 18299 sorgte bei den Zuhörern für sichtliches Erstaunen. Danach gehört nämlich zur ausgeschriebenen Leistung automatisch auch die Lieferung der Stoffe bzw. Bauteile incl. Abladen und Lagerung auf der Baustelle. Für die Praxis heißt das: Werden z.B. in einer LV-Position Bauanker o.ä. Bauteile beschrieben, gehört neben der Montage grundsätzlich auch ihre Lieferung, auch wenn dieses nicht besonders im Text erwähnt wird. Also Vorsicht, denn es hat, wie der Vortragende bestätigte, diesbezüglich schon böse Überraschungen gegeben.

Ein weiterer Knackpunkt für vorprogrammierten Ärger enthält der Absatz 2 in der DIN 18299 "Stoffe, Bauteile", in dem es unter Punkt 2.1.3 wörtlich heißt: Stoffe und Bauteile müssen für den jeweiligen Verwendungszweck geeignet und aufeinander abgestimmt sein.

Für das Klempnerhandwerk bedeuten diese Forderungen die Berücksichtigung sämtlicher ihn betreffende bauliche Randbedingungen, z.B. Dachneigung, Dachaufbau, Materialverträglichkeit in Verbindung angrenzender Baustoffe usw.

Beim Thema "Klempnerarbeiten - DIN 18339" glänzte der Hamburger Metall-Fachmann erneut durch praxisorientierte Kompetenz. Zur Vermeldung von "Dachschäden" - wer bekommt schon gerne Mängelrügen auf`s Dach? empfahl er eindringlich bei mangelhaften Planungs- bzw. Ausführungsunterlagen von der Möglichkeit des Einspruchs, in schriftlicher Form versteht sich, gemäß VOB, Teil B 4 Nr. 3 Gebrauch zu machen.

Diese Schadensvorsorge bzw. -minimierung gilt im Besonderen auch bei offensichtlichen Rechtsverstößen, z.B. gegen die Wärmeschutzverordnung, beim Brandschutz, beim Unfallverhütungsschutz usw.

... und Dipl.-Ing. Fritz Röbbert (KME) referierten bei den Klempnern.

Was für den Sanitärfachmann die Korrosion in Trinkwassersystemen ist, ist laut Koch fürs Klempner-Handwerk die korrosionsträchtige Verbindung des Bitumen und Metall-Duos. Denn das nicht UV-beständige Bitumen zersetzt sich in Verbindung mit Feuchtigkeit zu Schwefel (Schwefelsäure) und dieses bituminös geschwängerte Wasser bedeutet für ungeschützte Metalle den sicheren Tod. Hiergegen bietet auch keine simple Bekiesung oder Besplittung ausreichenden Schutz, sondern eher ein 5 cm-Kiesdach, Naßdächer o.ä.

Gegen Ende des hochinteressanten Vortrages gab der SHK-Verbands-Experte nochmals als krönenden Abschluß heiße Insidertips, anhand von Praxisbeispielen zeigte er auf, wie der Handwerker durch geschickte Aufmaßgestaltung zu seinem "Recht", sprich wohlverdienten Lohn kommt.

Metall-Kaltdach - alternativ Warmdach

Fachreferent Dipl.-Ing. Fritz Röbbert von der KM Europa Metal AG, Osnabrück, schaffte das Kunststück durch überzeugende Kompetenz seinen Zuhörern bauphysikalische Bedenken gegenüber unbelüfteten Metalldächern zu nehmen.

Wie der Metall-Bedachungs-Experte gleich zu Beginn seines äußerst informativen Referats glaubhaft versichert, schwindet die Dominanz zweischaliger, hinterlüfteter Metalldach-Konstruktionen (Kaltdächer) zusehends, um jedoch postwendend zu relativieren, daß dem Kaltdach hierdurch nicht etwa die Luft ausgeht, sondern, daß diese Trendwende vielmehr der Beginn einer friedlichen Koexistenz zwischen beiden Systemen bedeutet. Denn bekanntlich ist nichts so beständig wie der Wandel!

Die Gründe für die Entwicklung sieht der Bedachungs-Profi in den:

- steigenden Anforderungen an den Wohnkomfort,
- höheren Anforderungen an die Wärmedämmung, Stichwort: Wärmeschutzverordnung
- Änderungen in der Gebäudenutzung, z.B. Dachbereich,
- gestiegenen Anforderungsprofilen aufgrund moderner Dacharchitektur,
- bauphysikalischen Grenzen bei Großprojekten wie z.B. im Hallenbau.

Sichtlich überrascht waren die interessierten Zuhörer von dem Hinweis, daß die DIN 4108 "Wärmeschutz im Hochbau" das einschalige Dach nur mit einem Kurzabsatz würdigt, der sich im wesentlichen mit den Kriterien der Dampfsperre befaßt.

In der Fachgruppe KL.

Auf das belüftete Dach geht die Norm erstaunlicherweise sehr ausführlich auf immerhin 1,5 Seiten ein. Die Frage, ob die nach wie vor bestehenden Vorurteile gegen unbelüftete Metalldächer auf das gesunde Mißtrauen gegenüber allem Einfachen beruht oder wie zu vermuten, auf Wissensdefiziten basiert, wurde im Laufe des Vortrags eindeutig in Richtung herrschender Unkenntnis seitens des Handwerks beantwortet.

Diese Tatsache erstaunt um so mehr, da nicht nur der ZVSHK bereits Anfang der 90er Jahre entsprechende "Richtlinien für die Ausführung von einschaligen nicht hinterlüfteten Metalldächern in Klempnertechnik" erarbeitet hat. Auch die technische Weiterentwicklung und die inzwischen wissenschaftlich untermauerten Erkenntnisse dokumentieren zweifelsfrei, daß die bisherigen Bedenken gegen Metall-Warmdächer nach dem heutigen Stand unbegründet sind.

Um den Kaltdach-Freaks die Angst vor angeblichen Warmdach-Folgeschäden aufgrund von Taupunktunterschreitungen zu nehmen, behandelte Röbbert zunächst ausführlich den Wärmeschutz gemäß DIN 4108 "Wärmeschutz im Hochbau", das Energieeinspargesetz sowie die Novellierung der Wärmeschutzverordnung. Anschließend gings direkt ins feuchtfröhliche Taupunkt-Ambiente mit den Wärmedurchgangs-Kriterien, den Parametern der Luftfeuchte und des Wasserdampf-Sättigungsdrucks in Verbindung mit dem jeweils herrschenden Temperaturniveau.

Fazit für hinterlüftete Metalldach-Konstruktionen:

a) der Wärmedämmwert der Bauteilschichten muß von innen nach außen zunehmen, so daß sich der Lambda-Wert faktisch von innen nach außen verkleinert,
b) die Metalldachhaut ist durch eine hinterlüftete Konstruktion (Luftschicht) von der darunter befindlichen Dämmkonstruktion zu trennen.
c) mittels einer durchgehenden empirischen Luftschicht von ca. 6 - 7 cm Höhe wird in der Dachkonstruktion befindliche Diffusionsfeuchte durch Außenluft schadlos abgeführt.

Welche Probleme sich hinter der so einfach erscheinenden Theorie tatsächlich verbergen, um in der Praxis eine wirksame Hinterlüftung bei Metalldächern zu erreichen, zeigte Metallfachmann Röbbert an Hand von diversen Dias mit eindrucksvollen Schadensfällen.

Die Funktion des thermischen Luftstroms basiert bekanntlich auf der Lufttemperatur-Differenz zwischen innen und außen. Folglich geht bei Dachneigungen von <10 die aerodynamische Thermik bereits gegen null. Ob dann noch der notwendige Luftaustausch mit Hilfe des erhofften statischen Druckunterschiedes tatsächlich erreicht wird, bleibt, wie unzählige Kondens-Schadensfälle bei nicht richtig belüfteten Metalldächern immer wieder auf`s neue zweifelsfrei dokumentieren, in der Regel rein spekulatives Wunschdenken.

Die geschilderte Problematik gibt es bei fachgerecht ausgeführten nicht hinterlüfteten Metalldächern, selbst bei extremen Dachgeometrien, so wie sie in der modernen Architektur heute üblich, nicht. Bauliche Voraussetzungen sind allerdings:

- Der Einbau einer fachgerechten Dampfsperre an der inneren Dämmkonstruktion, um das Eindiffundieren von gasförmigem Wasser in die Dachkonstruktion zu verhindern,

- die richtige Wahl des Deckungswerkstoffes, denn dieser muß nämlich evtl. Korrosionsgefahren durch Restbaufeuchte und Sekundärtauwasser problemlos widerstehen.

Mit Bezug auf den Bauphysiker Prof. Hauser von der Fachhochschule Kassel zeigte Röbbert auf, daß es bei evtl. Dampfsperren-Beschädigungen bei nicht hinterlüfteten Dächern keine nennenswerten Probleme gibt. Aufgrund der Stauwirkung im komprimierten Dämmstoff kommt es, im Gegensatz zu hinterlüfteten Dächern, zu keinem negativen Diffusionsfeuchteeintrag. Übrigens gibt es bereits handelsübliche geschlossenzellige Hartschaumplatten mit integrierter Lattung und Trennlage zur Herstellung weitgehend risikoloser Warmdach-Dämmung.

Zufall oder Absicht? Diese Skatsprüche im Schloßhof (im Schloß der Skatstadt Altenburg befindet sich ein sehenswertes Skatmuseum) lassen sich auch auf die SHK-Branche übertragen.

Auch das häufig zu hörende Argument, daß Falzdeckungen nicht diffusionsdicht sind und somit eingedrungene Feuchte bzw. Sekundär-Kondensat infolge von Warm- und Kalt-Temperaturwechsel auf Metall-Innenseiten Korrosionen bewirken können, wurde ebenfalls vom Referenten entkräftet. Untersuchungen am Münchner Forschungsinstitut haben nämlich ergeben, daß Falzdächer "atmen". Hierdurch kann evtl. Feuchtigkeit wieder korrosionsfrei entweichen. Der gemessene Feuchtigkeitsaustrag betrug je Lastwechsel ca. 8 g/m.

Fachtagung KL

Vier interessante Fachvorträge hatten immerhin ein gutes Drittel der Thüringer Kachelofen- und Luftheizungsbauer nach Altenburg bewegt; man ist offenbar gewillt, sich fortzubilden, um den steigenden Anforderungen des Marktes gewachsen zu sein.

Dr. Jürgen Vorwerk, im Haus des niederbayerischen Holzbrand-Pioniers Brunner für Entwicklung und Forschung zuständig, ging auf die Entwicklungsgeschichte gesteuerten und geregelten Holzbrandes in Kachelofen-Heizeinsätzen ein und erläuterte auch künftige Chancen und realistische Visionen für das KL-Handwerk. In Verbindung mit der Solartechnik und Wärmespeichern sei der holzbefeuerte Kachelofen eine umweltkonforme und CO2-neutrale Alternative zur Vollheizung gut wärmegedämmter Einfamilienhäuser.

Klaus Druschke, freier Mitarbeiter der Olsberg Hermann Everken GmbH, hatte das delikate Thema "keramische Züge bei Heizkaminen" aufgegeben bekommen. Zusammen mit "Co-Referent" Vohs gelang es ihm, die Entwicklung zum häufiger als nur "gelegentlich zu betreibenden" Kamin mit selbstschließender Feuerraumtür und Nachheizfläche darzustellen. Die feuerungstechnisch optimierten Kamineinsätze kämen mit deutlich höherem Wirkungsgrad an den Kachelofen heran, erlaubten aber in aller Regel keinen Dauerbrand.

Manfred Vohs erläuterte vor allem die neuen Fachregeln des Kachelofen- und Luftheizungsbauerhandwerks. Als deren Mitautor kennt er sich darin vorzüglich aus. Es ging u.a. um die Wärmedämmung von zu schützenden Bauteilen.

Fränkisch-bajuwarisch und mit einer gehörigen Portion Schwarzen Humors trug der Fürther KL-Meister und vereidigte Sachverständige Herbert Bauer Schadensfälle aus der Praxis vor. Seine Quintessenz: Geld sparen wird der Kunde nicht dadurch, daß er Feuerstätten vom fachunkundigen Schwarzarbeiter, vom Nachbarn in sein Gebäude einbauen läßt oder sie in Eigenleistung einbaut. Das kann Gesundheit und Eigentum gefährden. Unterm Strich spart, wer zum qualifizierten Fachbetrieb für Kachelöfen und Kamine geht.

Der nächste Verbandstag des FVSHK Thüringen wird erst in drei Jahren in Erfurt stattfinden, denn er soll mit dem anstehenden Jubiläum der dortigen SHK-Innung zusammen begangen werden. Bleibt zu hoffen, daß dann ein würdiger Rahmen wieder eine würdigere Teilnehmerzahl findet.


Am Rande des 3. Landesverbandstages in Altenburg nahm LIM Roese zu drängenden Problemen der SHK-Branche im Freistaat Thüringen gegenüber der IKZ-HAUSTECHNIK-Redaktion Stellung.

IKZ-HAUSTECHNIK: Welche Probleme beschäftigen Ihre Mitgliedsbetriebe derzeit am meisten?

Roese: Wie ich aus eigener Praxis weiß, ist das Hauptproblem wohl derzeit bei allen Betrieben das Liquiditätsproblem. Der Betrieb ist zur sofortigen Zahlung an die Sozialversicherungsträger, Finanzamt usw. verpflichtet, unabhängig davon, wann und ob er überhaupt sein Geld bekommt. Ca. ein Drittel all unserer Betriebe hat Zahlungsrückstände bei den Krankenkassen und ein sehr großer Teil betrachtet seine Vorlieferanten als wichtigsten Kreditgeber. Warum gibt es nicht auch für Handwerksleistungen eine gesetzliche Zahlungsverpflichtung bei Auftragserteilung, bei Materiallieferung usw? Warum muß die Mehrwertsteuer nicht erst entrichtet werden, wenn sie im Unternehmen vereinnahmt ist? Warum werden immer mehr Leistungen nur noch an Generalunternehmer bzw. über Generalunternehmer vergeben? Diese haben oft das Geld vom Auftraggeber kassiert und wenn es an die Begleichung der Nachauftragnehmer-Rechnungen geht, ist kein Geld und oft der ganze GU nicht mehr da. Diese Palette ließe sich noch beliebig fortsetzen. Hinzu kommen dann noch die Unsicherheiten mit der Diskussion um die Steuerreform, die Einführung der Gewerbekapitalsteuer und die ständige Erhöhung der lohngebundenen Zusatzkosten durch Anhebung der Beitragssätze - Mitbewerber aus dem Ausland, der EU, haben hier nur Bruchteile der Belastungen mit einzukalkulieren.

IKZ-HAUSTECHNIK: Im thüringischen Handwerk gingen in den vergangenen zwölf Monaten viele Arbeitsplätze verloren. Ist Besserung in Sicht?

Roese: Das Handwerk ist in Thüringen nach wie vor der größte Arbeitgeber. Waren die ersten Jahre doch von einem überdurchschnittlichen Boom geprägt, so tritt auch hier nun eine gewisse Normalisierung ein. Hinzu kommen noch die drastischen Sparmaßnahmen vor allem im öffentlichen Bereich, aber auch bei den Privatkunden, die zur Zeit eine sehr abwartende Haltung einnehmen. Der Auftraggeber Industrie spielt kaum eine Rolle. In dieser Situation ist es nur verständlich, wenn Unternehmer dafür Sorge tragen, ihr Unternehmen zu erhalten und nur soviel Arbeitnehmer beschäftigen wie sie auch bezahlen können. Hier kommen die neuen gesetzlichen Regelungen zum Arbeitsförderungsgesetz den Bedingungen sehr entgegen, in dem auch durch befristete Arbeitsverträge saisonbedingte Spitzen abgefangen werden können, ohne immer die Kündigungsprobleme auf dem Tisch zu haben. An dieser Situation wird sich auch in absehbarer Zeit wohl nichts ändern.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wie steht es derzeit mit der Auftragslage der Mitgliedsbetriebe?

Roese: Hier wirkt die vorgenannte Situation auch weiter auf die Auftragslage. Saisonbedingt ist zwar z.Z. eine leichte Stabilisierung zu verzeichnen, die sich jedoch in Grenzen und bedauerlicherweise auf einem sehr niedrigen Preisniveau hält. Die derzeitige Vergabepraxis, die sich nur am billigsten Preis orientiert, provoziert einen absolut ruinösen Wettbewerb. Leider erleben dann auch diese Billiganbieter oftmals nicht mehr das Bauende. Vergabekriterien wie Kompetenz durch Referenzen, Zuverlässigkeit usw. werden überhaupt nicht gewertet. Die Kammern sollten sich damit befassen, wie sie ihre geringen Mittel so einsetzen, daß die Aufträge auch an das örtliche Handwerk vergeben werden können und nicht, der Bequemlichkeit halber, über irgendeinen GU, der sonst wo seinen Sitz hat. Das örtliche Handwerk ist es nämlich, das auch bei der Kommune seine Steuern zahlt.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wird Ausbildung unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zum Problem?

Roese: Das SHK-Handwerk in Thüringen setzt auch weiterhin auf den ersten Bildungsweg, die Lehrausbildung im Handwerksbetrieb. Wir müssen dafür Sorge tragen, daß die jungen Menschen nicht auf der Straße liegen und zum anderen geht es um unsere Fachkräfte von morgen. Wenn Sie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ansprechen, dann sehe ich darin auch die ungleichen Bedingungen bei der Förderung in der überbetrieblichen Ausbildung und der Ausbildung im Handwerk. Wenn das Handwerk genauso viel Förderung erhalten würde, wäre die Bereitschaft zur Ausbildung bestimmt um einiges größer. Mit Genugtuung haben wir die neuen Regelungen zur Berufsschulzeit vernommen. Steht dadurch der Lehrling doch wieder mehr Zeit dem Betrieb zur Verfügung. Es muß aber noch mehr entschlackt werden. Was haben Religion, Sport usw. noch in der Berufsausbildung zu tun. Diesen Dingen kann jeder nach seinen Bedürfnissen in der Freizeit nachgehen. Mit der Zusammenlegung der beiden Berufe G/W und ZHL müssen auch neue Ausbildungsverordnungen geschrieben werden. Da muß die Organisation aufpassen, daß dort von vornherein alles Zusätzliche entfällt.

IKZ-HAUSTECHNIK: Welche Erfahrungen machen die Mitgliedsbetriebe bezüglich der Zahlungsmoral?

Roese: Ich glaube, von "Moral" kann man schon gar nicht mehr sprechen. Man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, daß viele Auftraggeber es bewußt darauf anlegen, Handwerksleistungen gar nicht bzw. nur zum Teil zu begleichen. Das beginnt bei der Feilscherei im Angebot und endet bei herangezogenen Mängelanzeigen, um die Restzahlung herauszuziehen. Leider läßt sich auch die öffentliche Hand sehr oft über Gebühr Zeit, um die Rechnungen zu begleichen. Leider sind unsere Mitgliedsbetriebe in der Gestaltung ihrer Verträge sehr nachlässig und legen oft selbst den Grundstein für schleppende Zahlungen. Wir als Fachverband haben diese Problematik "Betriebswirtschaft - die zweite Hälfte des Unternehmens" in unsere Berufs- und Schulungstätigkeit ganz vorangestellt. Nur wird dies von den Mitgliedsbetrieben verkannt und nicht in dem Maße angenommen. Viele Handwerker setzen noch auf Treue und Glauben und sind dann sehr überrascht, wenn sie über den Tisch gezogen werden. Wir stellen immer wieder fest: Es gibt gute, hervorragende Handwerker, aber ganz wenige Unternehmer.

IKZ-HAUSTECHNIK: Was wünschen Sie sich als Landesinnungsmeister für die nächsten ein- bzw. zwei Jahre für Veränderungen?

Roese: Daß die Politik das Handwerk als größten Arbeitgeber und Steuerzahler auch so behandelt und fördert. Daß die rechtlichen Rahmenbedingungen hinsichtlich Gewährleistung und Zahlungsbedingungen modifiziert werden. Daß sich das Handwerk wieder selbst seiner Kraft und Stärke bewußt wird und durch Einigkeit diese Stärken auch ausspielt, statt sich gegenseitig in den Ruin zu treiben. Daß die Handwerker sich wieder der Bedeutung einer starken, einigen Berufsorganisation bewußt werden und auch selbst dazu beitragen, daß diese die Interessen des Handwerks in der engen Partnerschaft mit dem Fachgroßhandel, der Industrie und den anderen Partnern des Handwerks noch besser vertreten kann. Die Geschichte hat es bewiesen: "Nur Einigkeit macht stark".


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