125 Jahre IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 13/1997, Seite 46 ff.


EDV


Für jede Aufgabe das richtige Werkzeug

Immer mehr Ingenieurbüros in der Haustechnik werden mit der Forderung öffentlicher und privater Auftraggeber nach hochwertigen Bauunterlagen, die auch für den weiteren Betrieb von Gebäuden verwendet werden können, konfrontiert. CAD-Systeme sind zwingend erforderlich, um solchen Qualitätsansprüchen zu genügen. Das Ingenieurbüro Schlosser in Kauschwitz hat sich für eine Lösung mit AutoCAD und RoCAD entschieden.

Vor der ersten CAD-Installation Anfang 95 war bei Schlosser eine Bauzeichnerin dafür verantwortlich, Ausführungszeichnungen, Revisionspläne und sonstige Unterlagen am Reißbrett zu erstellen. Für Vervielfältigungen wurde eine Reproanstalt beauftragt, Änderungen wurden von Hand vorgenommen. Alles in allem: Es war schwierig, eine durchgehend hohe Qualität der Pläne zu garantieren. Als immer mehr Auftraggeber den Einsatz von CAD forderten, wurde 1994 mit der Evaluierung von CAD-Systemen begonnen.

Wichtige Auswahlkriterien waren komfortable Bedienung, Kommunikationsfähigkeit und Kosten. Aus wirtschaftlichen Erwägungen kam nur ein PC-System in Frage. Das letztendlich gewählte offene System erlaubt die einfache Kommunikation und den Datenaustausch mit anderen Programmen. Das ist für ein Haustechnikbüro entscheidend, da man z.B. Architekturdaten digital übernehmen oder die Koordination mit Hilfe des Computers durchführen kann. Ein integriertes Zusatzprogramm, RoCAD für die Haustechnik, sorgt für den notwendigen Bedienungskomfort. Dieses Programm stellt beispielsweise Spezialfunktionen für das Zeichnen von Schemata, für das intelligente Einfügen von Symbolen und eine gewerkbezogene Layersteuerung zur Verfügung. Weiterhin bietet die Software mit ihrem 3D-Modul die Möglichkeit, auch komplexe Zentralen, die auf engem Raum untergebracht werden müssen, komfortabel zu konstruieren.

Im Büro Schlosser hat sich der Arbeitsalltag seit der CAD-Einführung verändert. Die Planer arbeiten jetzt direkt an zwei CAD-Arbeitsplätzen, die in das Büronetzwerk eingebunden sind.

Beim Neubau der Straßenmeisterei Aue gehörten 22 einzelne Zeichnungen zu einem Satz. Ohne CAD ließe sich diese Vielzahl von Zeichnungen gar nicht produzieren.

 

 

Übernahme von Grundrissen

Die Projektarbeit beginnt mit der Übernahme der CAD-Daten vom Architekten. Die meisten Architekten liefern die Grundrißdaten heute bereits im DXF-Format auf Diskette an. Dieses "Data-Exchange-Format" ist heute ein Quasi-Standard für den Austausch von Geometriedaten. Die meisten CAD-Systeme können dieses Format schreiben und die Übernahme in AutoCAD funktioniert problemlos. Bei einigen CAD-Systemen kann es vorkommen, daß einzelne Schriftdateien oder Linientypen fehlen. Doch dies läßt sich leicht nachtragen, da DXF-Dateien mit jedem Texteditor zu bearbeiten sind.

Wenn die Architekten ihre Pläne "konventionell" auf Papier anliefern, werden die Grundrisse mit Hilfe von AutoCAD und ACAD-BAU erfaßt. So kann auch in diesen Fällen die komplette Haustechnikplanung mit dem CAD-System vorgenommen werden. Im Büro Schlosser werden aus Qualitätsgründen überhaupt keine Pläne mehr von Hand gezeichnet. Die guten Ergebnisse und die Geschwindigkeit der Planung mit CAD macht den Zeitverlust, der durch das nachträgliche Erfassen der Grundrisse entsteht, in jedem Fall wett.

 

Wenn Lüftungszentralen, wie hier in einer historischen Gaststätte, auf engstem Raum installiert werden müssen, ist die 3D-Fähigkeit ein wichtiges Planungshilfsmittel.

 

Planung von Grundrissen und Schemata

In den meisten Fällen genügt für die Ausführungsplanung eine 2D-Darstellung der Rohrleitungsnetze. Dafür stellt das Programm die "Anbautechnik" zur Verfügung. Bei dieser Arbeitsmethode gibt der Anwender die Abmessungen der Standardformteile, also Kanalstücke, Bögen, Verteiler usw. vor. Das Programm konstruiert das gewählte Teil automatisch und setzt es korrekt an seinen Vorgänger. Das Leitungsnetz entsteht so wie ein Mosaik.

Verbraucher, wie etwa Gitter oder Auslässe, werden über eine zentrale Dialogbox, das "Cockpit" ausgewählt und angeschlossen. Funktionen für die komfortable Beschriftung stehen ebenfalls zur Verfügung.

Dieter Blechschmidt, Planer im Ingenieurbüro Schlosser, schätzt hier besonders die leichten Änderungsmöglichkeiten: "Zum einen können wir eigene Fehler mit dem CAD-System sehr schnell korrigieren, zum anderen haben wir jetzt auch die Möglichkeit, neue, bessere Ideen einzuarbeiten. Vor allen Dingen können wir sehr flexibel auf Kundenwünsche, die sich sehr häufig ändern, reagieren."

Auch die schematischen Darstellungen der Anlagen lassen sich schnell erzeugen. Dazu bietet das Programm zunächst eine umfangreiche Symbolbibliothek, auf die man über Dialogboxen oder das Tablett zugreifen kann. Symbole, wie etwa Ventile, brechen sich automatisch in die gewünschten Leitungen ein. Symbole, die an mehrere Leitungen angeschlossen werden müssen, wie etwa Badewannen, "kennen" ihre Anschlüsse. Sie suchen sich auf Wunsch sämtliche Leitungen und binden sich automatisch korrekt in die Zeichnung ein.

Konstruktionen im 3D-Modus

Während die Grundriß-Darstellung vor allem bei der Gestaltung der Rohrleitungsnetze in den einzelnen Stockwerken eines Gebäudes ausreichend ist, bietet sich die 3D-Konstruktion vor allem bei den Lüftungszentralen an.

So war das Ingenieurbüro Schlosser an der Grundsanierung einer historischen Gaststätte in Plauen beteiligt. Hier mußte eine neue Lüftungszentrale auf engstem Raum im Keller untergebracht werden. Das maßstäbliche Einpassen der Hauptbauteile (Kessel, Lüftungsgeräte usw.) läßt sich mit Hilfe der Software gut bewerkstelligen: einer 3D-Polylinie werden die Eigenschaften und Abmessungen der Anlage über eine Dialogbox zugeordnet. Auf Knopfdruck generiert das Programm dann wahlweise eine 2D-Darstellung oder ein 3D-Modell. Aus letzterem können automatisiert Ansichten, Perspektiven und Schnitte erzeugt werden.

Mit diesen Hilfsmitteln kann man schnell sicherstellen, daß eine konzipierte Anlage mit allen zugehörigen Modulen in dem vorgesehenen Raum Platz hat, daß keine Wände, Stützen und Unterzüge im Weg sind und daß Leitungen einander nicht schneiden. Automatische Kollisionsprüfungen unterstützen den Planer bei seiner Tätigkeit.

Für die 3D-Darstellung werden mehr Informationen benötigt als für einen "einfachen" Grundriß. Daher ist die Arbeit mit der Infolinientechnik entsprechend bedienungsaufwendiger und zeitintensiver. Dieter Blechschmidt vermißt im Schulungsangebot beim Distributor Mensch und Maschine derzeit einen Kurs, um sich ganz speziell mit der 3D-Technik vertraut machen zu können.

Abhängigkeit von der Technik

Wo liegen für Blechschmidt heute die Herausforderungen beim CAD? Ein wesentlicher Punkt ist die Abhängigkeit von der Technik. Im Anfang war die Bedeutung der Datensicherung stark unterschätzt worden. Blechschmidt: "Es hat eine ganze Weile gedauert, bis der PC wirklich richtig eingerichtet war und wir problemlos arbeiten konnten. Auch jetzt gibt es immer wieder mal technische Probleme - die 100% fehlerfreie Software gibt es eben nicht." Heute ist die tägliche Datensicherung zur Routine geworden und Datenverluste sind mehr oder weniger ausgeschlossen.

Außerdem bedeutet das CAD-System auch einen ständigen Innovationszwang: Die Software-Hersteller erweitern und verbessern ihre Programme ständig. Oft steigen damit auch die Hardware-Anforderungen. Wer Up-to-date sein will, muß regelmäßig in Updates investieren.

RoCAD für die Haustechnik unterstützt die Planung der Gewerke Heizung, Lüftung/Klima und Sanitär. Gewerk, Material, Form usw. werden einfach per Mausklick ausgewählt.

Dank CAD: Qualität verbessert, Zeit gespart

Bei der Bearbeitung bestehender Zeichnungen kommen die Vorteile der CAD-Systeme erst richtig zum Tragen. Eine fertige Zeichnung kann mit nur kleinen Änderungen in jedem beliebigen Maßstab geplottet werden. Das heißt in der Praxis: Wenn man bei der Vorplanung im Maßstab 1:100 gründlich zu Werke geht, verringert sich der Aufwand bei der Ausführungsplanung im Maßstab 1:50 ganz erheblich.

Zur Ausgabe der Pläne steht im Ingenieurbüro Schlosser ein Farb-Tintenstrahlplotter zur Verfügung. Damit lassen sich Zeichnungen beliebig oft in Top-Qualität ausgeben. Dieter Blechschmidt nennt ein Beispiel: "Bei der Planung der Technischen Ausrüstung des Sächsischen Fachkrankenhauses Rodewisch wünschte der Auftraggeber sämtliche Zeichnungen in 7facher Ausfertigung. Das bedeutet: 70 bis 80 Zeichnungen. Dieser Aufwand ist ohne CAD praktisch nicht zu realisieren! Und dieses Krankenhaus ist nicht das einzige Projekt, wo solche Anforderungen gestellt werden."

Doch nicht nur bei neuen Projekten und Sanierungen sind die CAD-Planer gefordert: Nach der Fertigstellung eines Bauprojektes müssen jeweils Revisionsunterlagen angefertigt werden. Darin müssen sämtliche Änderungen dokumentiert werden, die abweichend vom ursprünglichen Projekt ausgeführt wurden. Da die Projektpläne im CAD-System vorhanden sind, brauchen nur noch die Ausführungszeichnungen auf den neuesten Stand gebracht zu werden.

Insgesamt hat sich mit der Einführung des CAD-Systems die Produktivität im Büro Schlosser erhöht. Die Installation des zweiten Arbeitsplatzes war eine logische Konsequenz aus den positiven Erfahrungen mit der ersten CAD-Anlage.


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