IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 8/1997, Seite 99 ff.


REPORT


Alternative - Klemmen

Handwerklich arbeiten mit Klemmringverschraubungen

Eine Alternative zu herkömmlichen Verbindungstechniken der Rohrinstallation bietet die Klemmringverschraubung. Ein mittlerweile in vielen Ländern Europas eingesetztes System, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Redaktion der IKZ-HAUSTECHNIK überzeugte sich von der vielseitigen Einsatzfähigkeit der Verbindung.

Eine "edle" Verbindung. Klemmringverschraubungen des holländischen Herstellers VSH.

Gewindeschneider, Schweißflaschen, Weichlötgerät oder Preßzange? Fehlanzeige, auf der Baustelle im hessischen Roßdorf, wo sich die Bauherren Dudek und Achenbach das gesamte Trink- und Brauchwassersystem inklusive der Zisternenwasserleitung in Edelstahlrohr verlegen ließen. Die Verbindung der Rohre erfolgte ausschließlich mit Klemmringverschraubungen.

Sein Hobby ist "Internet surfen", aber am Bau läßt der Geselle sich nicht abdriften, sondern hat alles fest im Griff.

Auf dem Montagetisch ist lediglich das Grundwerkzeug des Installateurs zu entdecken, denn um eine dichte Verbindung herzustellen benötigt der Monteur zwei Schraubenschlüssel die vorgefertigten Rohrstücke und eben diese Klemmringverschraubung. Hier ist reine handwerkliche Leistung gefordert. Eine Technik ähnlich einer Ermeto-Verschraubung, entscheidender Unterschied ist jedoch, das mit dem Metalldichtring nicht in das Rohrmaterial eingeschnitten wird, sondern verklemmt wird. Die Rohroberfläche wird an der Klemmstelle nicht beschädigt, sondern, wenn überhaupt, leicht gestaucht.

Mit einem "scharfen" Rohrschneider: Ablängen des Edelstahlrohres. Die schnelle Montage gelingt mit einem Ratschenschlüssel.

Aus optischen Gründen ist die Messing-Klemmringverschraubung, bei Edelstahl-Trinkwassersystemen vernickelt. Die handwerkliche Leistung des Monteurs besteht in der korrekten Längeneinpassung der Rohrstücke sowie dem handfest andrehen der Überwurfmutter. Anschließend erfolgt die eigentliche "Verklemmung" durch eine Umdrehung - bis 35 mm - der Überwurfmuttern mit dem Schraubenschlüssel. An allen Verbindungsteilen angeformte griffige uns stabile Schlüsselvorlagen ermöglichen ein exaktes Gegenhalten beim Festdrehen der Überwurfmuttern.

Der Chef beim Vorrichten: Zollstock, Rohrschneider, Entgrater und Schraubenschlüssel sind die notwendigen Werkzeuge.

Einfacher gehts kaum und der zeitliche Aufwand, ist der einer Preßverbindung am nächsten. Deutliche Vorteile dieser Verschraubung, die es von 8 - 54 mm gibt, liegen in den geringen Rüstzeiten, der Energienetz unabhängigen Montage und der Lösbarkeit der Verbindung, z.B. bei Leitungskorrekturen oder späteren Erweiterungen. Druckprüfungen an Teilinstallationen sind mit Hilfe einer Verschlußkappe möglich, es entstehen keine Materialverluste oder unbrauchbare Formteile. Die in den Frostmonaten denkbare Problematik beim Auftauen, besteht auch nicht, da die gesamte Verbindung aus Metall gefertigt ist.

Übergangsstelle vom Hauseingangsverteiler -Kupfer weichgelötet- zum Edelstahl-Trinkwassersystem der Fa. Hage Fittings, Rodgau.

Die Fließrichtung ist beim Einsatz von Edelstahlrohr und Klemmringverschraubungen ohne Bedeutung. Ein großer Vorteil besteht außerdem darin, daß bei Renovierung, Reparatur oder Erweiterung diese Fittings mit allen anderen Rohrarten verbunden werden können. Hage/VSH Klemmringverschraubungen sind in Verbindung mit Cu- und Präzisionsstahlrohren von 12 - 28 mm für Gasleitungen, auch bei Unterputzmontage, zugelassen.

Ein rundum schlüssiges und praxisbezogenes Konzept, wie uns auch der Planungsingenieur Manfred Dudek, Egelsbach und der Handwerksunternehmer Ernst Jung, Roßdorf, bestätigten. Diese Verbindung lasse eine vielseitige Rohrwahl zu.

Vorwandinstallation - kein Thema, hier treffen sich Planung, industrielle Produkte und handwerkliche Leistung.


Kurzinterview mit Planer und Handwerker

IKZ-HAUSTECHNIK: Aus welchem Grund haben Sie das Edelstahlrohr für die Trink- und Brauchwasserleitung gewählt?

Ing. Dudek: Letztendlich war es die Korrosionssicherheit die bei diesem Doppelhausprojekt durch das Edelstahlrohr erreicht wird.

IKZ-HAUSTECHNIK: Haben Sie denn im Bereich dieser Gemeinde solche Probleme mit dem Wasser?

Ing. Dudek: Noch nicht so erheblich wie in anderen Regionen des Bundesgebietes. Bei der Planung ging es hauptsächlich um Sicherheit für die Zukunft, dies ist schließlich ein Neubau und keine Teilsanierung. Sicherheit heißt: Auch denkbare Veränderungen der Wasserqualität zu berücksichtigen, z.B. Mischwasser aus unterschiedlichen Gewinnungsgebieten.

Ausführung der Speicheranschlußgruppe.

Jung: Unproblematisch ist das hiesige Wasser mit einer Härte von 23°d nicht. Es ist abzusehen das die Korrosionsproblematik zunehmen wird.

IKZ-HAUSTECHNIK: Kommen wir zu der Verbindungstechnik. Warum gerade die Klemmringverschraubung?

Ing. Dudek: Ein sehr kompatibles System, das über Kupfer- und Edelstahlrohre auch andere Rohre im metrischen System zwischen 15 mm und 54 mm zuläßt. Da metallische Dichtringe verwendet werden, gibt es nicht das Problem der Alterung. Vorteile dieser Verbindung sind auch bei Wärmeeinwirkung oder im Brandfall zu sehen.

In der "Heizzentrale" konkurrieren die Systeme Kupfer und Edelstahl.

Jung: Aus handwerklicher Sicht gibt es gleich mehrere Vorteile. Mit Messing wurde ein bewährtes Material verwendet, dann die geringen Rüstzeiten auf der Baustelle, die Möglichkeit der Nachjustierung, das gilt insbesondere bei Verteilern oder parallel geführten Leitungen und natürlich die einfache Montage der Verbindung selbst, das gilt sogar an schlecht zugänglichen Stellen. Außerdem hat der Handwerker die Möglichkeit der Eigenkontrolle und kann ggf. die Verschraubung nachziehen, man ist also nicht technikabhängig.

"Eine zukunftssichere Verbindung:"

IKZ-HAUSTECHNIK: Wenn ich die Materialien betrachte, habe ich den Eindruck, daß hier eher ein teures System eingebaut wurde?

Jung: Das stimmt nur zum Teil. Die Preise der Edelstahlrohre sind höher als bei anderen Rohrmaterialien, sie haben sich aber schon erheblich angenähert. Die Klemmringverschraubung ist allerdings absolut konkurrenzfähig, denn man muß die Gesamtkosten kalkulieren. Werkzeug, Rüst- und Montagezeiten. Ich kalkuliere dieses System ähnlich wie die Preßfittingverbindung.

Ing. Dudek: Nach meiner Meinung ist der Preis nur eine Seite der Medaille, man muß auch an die Zukunft denken, denn das System sollte ein "Häuserleben" lang halten. Hinzu kommt, das wir mit dem Lebensmittel Trinkwasser so achtsam wie möglich umgehen sollten.


V e r t r i e b :   Hage Fittings GmbH & Co. KG, Rodgau, Deutschland und Österreich.


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