IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 6/1997, Seite 236 ff.


REPORT


Vereinigte Arabische Emirate

Dubai:

Hongkong am Golf

Noch vor rund 40 Jahren trafen Reisende im heutigen Staatsgebiet der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) selten Menschen. Städte gab es kaum und Öl war noch nicht gefunden. Dubai war damals nicht viel mehr als ein kleines Dorf, dessen Bewohner überwiegend von Fischfang und Perlenhandel lebten. Ganz anders heute: Aus dem ehemaligen Fischerdorf wurde das wichtigste Geschäftszentrum der Golfregion, internationaler Schmelztiegel, Anziehungspunkt für weltweit tätige Unternehmen. Am 22. Februar eröffnete die Kludi-Gruppe eine "selbständige Vertriebstochter" in der Golfmetropole.

Schon der Flug von Frankfurt nach Dubai läßt märchenhafte Gefühle aufkommen. Ab München sorgt beste Sicht für guten Rundumblick. Transsilvanien mit seinen beeindruckenden weißgepuderten Höhenzügen fliegt ebenso vorbei wie der Bosporus. Dann wird es Nacht: Drei Stunden Zeitunterschied machen sich bemerkbar. Zwischenlandung in Kuwait, aus- und einsteigende Passagiere, auftanken und weiter. An Schlaf ist nicht zu denken, zuhause ist es erst 20.00 Uhr. Immer wieder der Blick durchs Fenster in die tiefschwarze Nacht irgendwo über Saudi-Arabien. Plötzlich ein einzelnes Licht, ein zweites, schließlich sind rundum diese Fackeln zu erkennen: Öl- und Gasförderstellen beleuchten das Land. Kurze Zeit später erscheint am Horizont eine beeindruckende, taghell erleuchtete Skyline: Dubai.

Für Geschäfts- und Urlaubsreisende gleichermaßen interessant: Dubai, die Handelsmetropole am Golf, verfügt neben einer ausgezeichneten Infrastruktur und moderner Architektur ...

Handelsmetropole

Mit ca. 600000 Einwohnern und 3900 Quadratkilometern ist Dubai das zweitgrößte Emirat der UAE. Von arabischer Märchenwelt kaum eine Spur. Glaspaläste der Banken, Hotels und Bürohäuser müssen keinen Vergleich scheuen. Rund 80 Prozent Ausländer, überwiegend indischer oder pakistanischer Abstammung, prägen das Bild. Der Creek, ein schmaler Meeresarm, erstreckt sich kilometerweit durch die Stadt. Hier herrschen die Dhaus, traditionelle Frachtensegler (heute motorisiert), die mit internationaler Ware beladen den Weg in die Nachbarländer und bis nach Indien antreten. Von Gewürzsäcken bis zu modernsten Telekommunikationsgeräten türmt sich alles auf dem Kai, und wartet darauf verladen zu werden.

Seit 1966, damals wurde das Öl in Dubai gefunden, entwickelt sich das Land mit rasanter Geschwindigkeit. 1969 exportierte das kleine Emirat erstmals Öl. Der eigentliche Ölboom begann Anfang der 70er Jahre.

... natürlich auch über eine große Anzahl bedeutender Moscheen (im Bild die Jumeirah Moschee) ...

Der bisher erwirtschaftete Reichtum zeigt sich in außergewöhnlicher Architektur ebenso, wie in der excellenten Infrastruktur. In den vergangenen 25 Jahren wurden allein in die Entwicklung von Straßen und Häfen über 25 Mrd. $ investiert. Man denkt nicht daran, sich auf dem bisher erreichten Niveau auszuruhen, denn schon bald könnte das "schwarze Gold" zur Landesgeschichte gehören. Die gegenwärtigen Schätzungen gehen davon aus, daß die Ölvorkommen des Nachbaremirats Abu Dhabi noch weit über 100 Jahre reichen, die von Dubai aber nur noch rund zehn Jahre.

Mit liberaler Wirtschaftspolitik versucht das Scheichtum für die Zukunft vorzusorgen. Man sieht sich nicht nur als Handelsplatz der Golfregion sondern sucht die Zukunft als weltweites Geschäftszentrum und im Tourismus. Dabei spielt die günstige topografische Lage eine besondere Rolle in den Überlegungen. Alle unsere Gesprächspartner sind von dieser Strategie überzeugt: Sultan Bin Sulayem (Chairman & Managing Director der Jebel Ali Free Zone), Abdul Rahman G. Al Mutaiwee (Director General des Dubai Chamber of Commerce & Industrie) und Patrick Macdonald (Deputy Chief Executive des Dubai Commerce and Tourism Promotion Board).

... sowie ausgezeichnete Golf- und Yachtanlagen.

Für ausländische Investoren bieten die Rahmenbedingungen des Emirats unterschiedlichste Möglichkeiten. So können in Dubai, gemeinsam mit einem lokalen Partner, Handels- und Produktionsunternehmen gegründet werden. Allerdings erhält der "Sponsor" grundsätzlich mindestens 51% der Unternehmensanteile. Daneben sind Firmenkonstellationen möglich, die "Vermittlungsgeschäfte" (beschränkte Personalstärke) ermöglichen. Diese Variante, bei der Warenverkäufe über eine in Dubai ansässige Handelsorganisation durchgeführt werden, richtete Kludi Ende Februar ein.

Jebel Ali Free Zone

Besondere Bedeutung für das Emirat hat die Freihandelszone Jebel Ali mit dem größten künstlich angelegten Hafen der Welt. Der 1985 gegründete Knotenpunkt für den Handelsverkehr erstreckt sich über 100 Quadratkilometer, verfügt über 15 km Kaianlagen, Büros, Lagerstätten aller Art sowie ein hochmodernes Containerterminal. In weniger als vier Stunden können die Container bei Bedarf vom Schiff ins Flugzeug verfrachtet werden.

Die bedeutende Position als Handelsmetropole am Golf und die Zukunftspläne Dubais erläuterte Sultan Ahmed Bin Sulayem (im Hintergrund eine Luftaufnahme der über 100 km großen Freihandelszone Jebel Ali).

Innerhalb der Freihandelszone ist 100% ausländisches Eigentum gestattet. Steuerfreiheit wird für 15 Jahre garantiert (mit Option auf weitere 15 Jahre). Sultan Ahmed Bin Sulayem zum gegenwärtigen Entwicklungsstand der Freihandelszone: "Mehr als 3000 Mitarbeiter sind derzeit direkt bei der staatlichen Free Zone Autority beschäftigt. Insgesamt arbeiten über 30000 Menschen in der Freihandelszone. Über 1000 angesiedelte Unternehmen belegen z.Zt. ca. 40% des zur Verfügung stehenden Raumes. Ständig werden neue Bürogebäude, Lagerstätten und Straßen gebaut, um die stetig steigende Nachfrage befriedigen zu können. Dubai ist der ideale Stützpunkt für globale Geschäfte."

Tourismus

In erster Linie wird Dubai von Geschäftsreisenden besucht. Neben dem Ausbau der Handelsmetropole setzt man zunehmend auf Tourismus. Kilometerlange Sandstrände und die ausgezeichnete Infrastruktur bieten gute Möglichkeiten besonders für Badeurlaub. Bereits heute verfügt das Emirat über rund 170 Hotels aller Kategorien, etliche davon in der "upper class". Die Zuwachsraten im Tourismus schätzt man als äußerst positiv ein. Aus Deutschland kamen 1996 bereits 51000 Urlauber in das Scheichtum.



Anziehungspunkte nicht nur für Touristen: Goldmarkt und arabischer Markt (Souk), auf dem vom Gewürz bis zur High-Tech-Ware alles gehandelt wird.

Eine ganze Reihe neuer Hotelanlagen befindet sich derzeit in der Bau- oder Planungsphase. Das imposanteste befindet sich zur Zeit im Bau und soll das höchste Hotel der Welt werden. Der "Turmbau" zu Dubai entsteht auf einer künstlichen Insel und soll über 370 m hoch werden. In unmittelbarer Nachbarschaft, allerdings an Land gelegen, entsteht das neue Chicago Beach Hotel. Das bis zu 26 Stockwerke hohe Gebäude erhält 600 Zimmer. Insgesamt entsteht eine noble Resortanlage mit allem erdenklichen Komfort. Bestens geeignet auch höchsten Ansprüchen gerecht zu werden.

 

Drehscheibe für den Mittleren und Fernen Osten

Kludi eröffnete "Tochter" in Dubai

Mit der Eröffnung einer selbständigen Vertriebsgesellschaft vor 120 Gästen aus Wirtschaft, Industrie, Politik und Handel in Dubai setzt die deutsche Kludi-Gruppe ihre Internationalisierung fort. Seit 1991, als Franz Scheffer aus den Händen seines Vaters Paul in dritter Generation die Führung der 1926 gegründeten Kludi Armaturen übernahm, ist aus dem mittelständischen Firmenverbund die international operierende Kludi-Gruppe geworden, deren 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jahr 1996 für 360 Mio. DM Armaturen für Küchen und Bäder herstellten und weltweit verkauften.

"Dubai ist ein Standort für die Zukunft", erklärte anläßlich der Eröffnung Wolfgang Semnet, Mitglied der Geschäftsleitung der Kludi-Gruppe, und wies auf die strategisch wichtige Rolle hin, die Kludi-Dubai zukünftig als Drehscheibe für die überaus erfolgreichen Middle und Far East-Aktivitäten des drittgrößten deutschen Armaturenherstellers spielen. Nach Angaben Semnets ist das Unternehmen der zweitgrößte Armaturenanbieter der Region Middle East. Er erwartet durch den veränderten Auftritt eine deutliche Steigerung des Exportanteils von derzeit 32%.



Als Eröffnungsgeschenk überreichte Suleiman Farah eine besonders schöne, über 100 Jahre alte Silberarbeit an Wolfgang Semnet.

Bereits seit 1965 unterhält Kludi intensive Geschäftsbeziehungen zum Mittleren Osten. "Die Gründung dieser selbständigen Tochter, ist ein logischer Schritt", sagte Andreas Breidenbach, Overseas Manager der Kludi-Gruppe und Geschäftsführer von Kludi-Dubai. Waren es zunächst Agenten, die Kludi-Armaturen vertrieben, übernahmen schließlich Handelsvertretungen die Produkte "Made in Germany". Die logische Konsequenz dieser Entwicklung sei nun, so Breidenbach weiter, ein selbständiges Kludi-Unternehmen. Denn: "Es ist ein Fakt, daß der Markt Middle East boomt. Und Dubai ist das Wirtschaftszentrum dieser Region. Deshalb sind wir dort." "Denk global - handel lokal", sei eine der Kludi-Unternehmensphilosophien, die man hier in die Tat umsetze.

Für Suleiman Farah, den 45jährigen Geschäftsleiter von Kludi-Dubai, ist es wichtig, durch den Standortvorteil "Tag für Tag noch näher am Marktgeschehen zu sein". lm übrigen, so Suleiman Farah weiter, akzeptiere der Markt Kludi wegen des hohen Qualitätslevels, wegen der verschiedenen wassersparenden Elemente in den Kludi-Armaturen und wegen des Designs, das gerade in Middle East den Geschmack der Menschen treffe. Für das große Wachstum des Armaturenmarktes in der Golfregion sei Kludi mit über 20 Produktserien der ideale Partner.

Anlaß zur Freude für die Kludi-Manager Wolfgang Semnet (rechts), Andreas Breidenbach (2.v.l.), und Suleiman Farah (links) war nicht nur die Eröffnung der Tochtergesellschaft sondern auch die ständige Kludi-Ausstellung im Geschäft des Handelspartners Jiryis Z Shammas (2.v.r).

Zahlen und Fakten

Der derzeitige Umsatz von Kludi-Middle East beläuft sich nach Angaben Semnets auf 10 Mio. DM. Angestrebt sei eine Verdopplung des Umsatzes bis zum Jahr 2000. Möglich sei eine Ausweitung nicht nur wegen des veränderten Auftritts sondern auch wegen der übrigen Rahmenbedingungen. So liege zur Zeit der Anteil der Zweigriffarmaturen bei etwa 65%. Allerdings mit abnehmender Tendenz und einem deutlichen Trend zu Einhebelarmaturen. Eine Produktionsstätte am Golf, z.B. in der Freihandelszone Jebel Ali ist nach den Angaben des Kludi-Managers in naher Zukunft nicht vorgesehen. Dafür üben sich die Sauerländer weiter im globalen denken: In den nächsten Monaten soll eine weitere Tochtergesellschaft in Litauen folgen.


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