IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 4/1997, Seite 68 f.


REPORT


Schall- und Brandschutz vom Feinsten

Full House bei der Firma Hermann Stitz & CO. in Hamburg

Mehr als 120 Architekten, Fachplaner und Ausführende aus dem Hamburger Umland waren der Einladung zum Schall- und Brandschutz-Symposium des renommierten SHK-Großhandelsunternehmens Hermann Stitz & Co. gefolgt.

"Neuer Stitz-Rekord" konstatierten die noch sichtlich vom Erfolg geschockten Seminarleiter Michael Stein und Reinhard Kotsch in ihrem überfüllten VIP-Logistikcenter. Lag es an der Aktualität des Themas oder/und an der praxiserfahrenen Kompetenz des branchenbekannten Referenten, daß die empirische Trefferquote hinsichtlich der geschätzten zur tatsächlichen Teilnehmerzahl diesmal voll daneben lag?

Interessierte Zuhörer lauschten manchmal angestrengt und häufig erheitert den Ausführungen des Referenten.

 

Wir baten daher das erfahrene Marketing-Duo, ihr Erfolgsgeheimnis etwas zu lüften und nutzten gleichzeitig die Gelegenheit, um nach den Gründen für das außergewöhnliche Engagement der mit ihren Planerseminaren bundesweit so erfolgreich agierenden GC-Fachgroßhandelsgruppe zu fragen. Die plausible Antwort des strahlenden Nordlicht-Zweiklangs: Bekanntlich wird die Halbwertzeit des Wissens immer kürzer und so bleibt es auch nicht aus, daß wir einerseits in Informationen ertrinken und andererseits nach Wissen hungern. Angesichts unserer schnellebigen Zeit ist es daher selbstverständlich, daß wir den Freunden des Hauses mit aktuellem Fachwissen hilfreich zur Seite stehen. Da jedoch die Seminarteilnehmer nicht nur sehr hohe Anforderungen an die Kompetenz der Referenten stellen, sondern auch sehr kritisch auf das Niveau der produktneutralen Vorträge achten, sind wir allerdings organisatorisch entsprechend gefordert. So einfach ist das oder auch nicht mit dem Vermitteln von muskelkaterfreiem Gehirntraining, meinte das PR-Team augenzwinkernd im drögen Norddeutsch.

Christoph Saunus präsentierte sich nicht nur als ernstzunehmender Fachmann ... 

Daß der Firma Stitz dieser exorbitante Partnerschafts-Service erneut nachhaltig gelungen ist, bestätigte neben der überwältigenden Resonanz sowohl die Begeisterung als auch die lebendige Diskussion des Fachpublikums während des vierstündigen Symposiums. Was wundert. Sanitärdynamiker Christoph Saunus sorgte mit seiner "unerhört wichtigen und zugleich brandheißen" Schall- und Brandschutz-Rhetorik, garniert mit augenöffnenden Härtefällen aus der eigenen Praxis, dafür, daß keiner der Anwesenden, wie aus Werbetourns bekannt, produktgequält im eigenen Angstschweiß baden mußte. Clevere Techniker beeindruckt nämlich nicht etwa das dubiose Geschäft mit der Angst, sondern überzeugende Fakten. Diese gabs mit und ohne Brand- und Schallschutz-Hülle in dankenswerter Fülle.

Angesichts leerer Bautaschen lautete das Gebot der Stunde bzw. die Vortrags-Maxime - soviel Schall- und Brandschutz wie nötig und sowenig wie möglich. Für die Praxis vor Ort bedeutet diese Optimierungs-Strategie nicht nur auswärts denken lassen, sondern selbst kräftig Gas geben, um das umhergeisternde Schall- und Brandschutz-Schreckgespenst endgültig in den wohlverdienten Vorruhestand zu schicken. Damit keiner beim trockenen Thema eine Staublunge bekam, untermalte Hobbykünstler Saunus seinen plakativen Vortrag humorvoll mit selbst colorierten Schmunzel-Karrikaturen, die in gewohnter Weise mitten ins sanitäre Lustzentrum trafen.

Zunächst setzte sich der wortgewandte Resonanzverstärker kritisch mit dem übergründlichen Baurecht und den Auswirkungen der unsäglichen Vorschriften-Hydra auseinander, um anschließend anhand praktischer Beispiele aufzuzeigen, daß technisch machbares nicht, wie uns die Industrie teilweise (un)eigennützig suggeriert, zwangsläufig auch sinnvoll sein muß. Denn den Kriminaltango tanzen schließlich Planer und Ausführende im riskanten Duett auf der Rasierklinge während sich die häuslichen Eruptionsexperten vom selbst kreierten Vollkasko-Schallschutz ökonomisch stimmulieren lassen. Folglich empfahl der Schallschutz-Experte den "Hellhörigen" zur eigenen Schadensbegrenzung, anstelle der riskanten Schallschutz-Designer-Droge VDI 4100 (25 dB(A)), die bauaufsichtlich eingeführte DIN 4109 (35 dB(A)) als festen Vertragsbestandteil. Schließlich ist die praxisbewährte Schallschutz-Norm trotz nicht endender Attacken aus dem Lager der "Schwerhörigen" allgemein anerkannter Stand der Technik.

Durch den unvermindert anhaltenden Siegeszug der kostengünstigen Leichtbauweise werden zwar die überall im Gebäude lauernden Körperschall-Tretminen als sogenannte Steinzeit-Altlast weitgehend entschärft, dafür nervt Handwerker postum der Befestigungsstreß. Daher wurde auch diese brisante Thematik nach der Devise - vor der Wand richtig erkannt - mit praktischen Denkanstößen konstruktiv vertieft. Welche Hausfrau möchte schon, provokant gefragt, daß sich ihr Wand-WC während der Nutzung auf wundersame Weise selbst zum Stand-WC klont?

Nach anstrengendem Schallschutz-Dauer-Power-Menue gabs als entspannenden Augenschmaus eine erholsame Dia-Show vom Feinsten mit Baupfusch vom Schlimmsten. Beim Abspulen der visuellen Härtefälle wurde so mancher der anonymen "Schallsünder" von der eigenen Vergangenheit wieder eingeholt, was jedoch der allgemeinen Heiterkeit weiter keinen Abbruch tat.

... sondern auch als exzellenter Karikaturist.

Der zweite Teil lautete bravourös vorgetragen: "Wer nicht innerlich brennt, kann keine Feuer entfachen". Und so ließ Brandmeister Saunus, ganz im Sinne der vollmotivierten Zuhörer, auch nichts anbrennen, indem er wortgewaltig die Lunte für sein nachfolgendes Feuerwerk zündete. Die in unserer High-Tech-Welt allgemein verbreitete Meinung: "Die unvermindert anhaltende Vorschriften-Sintflut regelt automatisch auch die Länge des allerletzten Sargnagels" entpuppte sich während der Brandschutzerläuterungen zur DIN 4102 immer mehr zum äußerst gefährlichen "Brandsatz".

Einerseits wird der Brandschutz durch die unübersichtlichen, komplizierten und teilweise unvollständigen Regelwerke für Planer zwangsläufig zum bürokratischen Fegefeuer. Andererseits verkommt die vorbeugende Brandsicherheit aufgrund der unterschiedlichen, bisweilen willkürlichen Handhabungen der Bauordnungen durch die Provinzregenten in den einzelnen Bundesländern, nicht selten selbst zum (Zünd)Stoff aus dem Inferno-Alpträume sind. Dieser Widerspruch trat dann auch promt erwartungsgemäß aufgrund länderübergreifender Meinungsunterschiede zwischen Hamburgern und ihren Schleswig-Holsteinischen Kollegen recht deutlich zutage.

Die mehrdeutige Sinn-Frage - wie können wir uns vor dem Brandschutz schützen, um nicht den Normgerechten Tod zu sterben? - wurde im Laufe des Referats vom feurigen Wehrführer nicht etwa in Form aktiver Sterbehilfe mal eben kurz "abgefackelt", sondern ohne wenn und aber allgemein verständlich und praxisnah gemeinsam "abgearbeitet".

Vortragsfazit: Endlich mal ein empfehlenswertes Planerseminar als Balsam für geschundene Technikerseelen ohne die typischen Schall- und Rauchbotschaften, von denen Vortragsgeschädigte zu Recht behaupten, sie würden Dumme dümmer machen statt Schlaue schlauer. Die Erfolgs-Zauberformel des Referenten lautet von ihm griffig auf den Punkt geoutet: Bei mir steht nicht irgendein Produkt im Mittelpunkt, sondern die handfeste Info ist Mittel. Punkt.

So viel sei bereits im voraus verraten, das nächste Thema des Wasser-Tausendsassa behandelt das berauschende Frust-, pardon, Lustelement H2 Ooooh und nimmt zusätzlich die Entwässerungs-DIN 1986 gnadenlos ins Visier der Praxis.


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