IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 4/1997, Seite 3


EDITORIAL


Hochkonjunktur

Günther Klauke,
IKZ-HAUSTECHNIK-Redakteur
 

In den vergangenen Wochen wurden die SHK-Handwerksbetriebe von einer nicht vorhersehbaren Hochkonjunktur überrollt. Die kalte Witterung zum Jahreswechsel verursachte einen bundesweiten Dauereinsatz - nicht unbedingt nur zur Freude der Firmeninhaber und Mitarbeiter. Die von vielen eingeplante Ruhephase jedenfalls fiel buchstäblich "ins Wasser". Rohrbrüche und funktionsunfähige Heizungsanlagen sorgten für Dauerstreß.

In einigen Fällen nahm sich die Presse dieser Situation an und stellte das SHK-Handwerk an den Pranger - so geschehen in Hannover. Ob in Einzelfällen zu Recht oder zu Unrecht soll hier nicht weiter erörtert werden. Viel bemerkenswerter: Das SHK-Fachhandwerk leistete während dieser "Eiszeit" großartige Arbeit. Daß dennoch einige "Härtefälle" zu bedauern waren, ist wohl nur selten auf die fehlende Einsatzbereitschaft der SHK-Handwerker zurückzuführen.

Eine bundesweite Blitzumfrage der IKZ-HAUSTECHNIK-Redaktion ergab folgendes Ergebnis:

Natürlich betrieb die Redaktion auch Ursachenforschung. Meist war fehlerhaftes oder leichtsinniges Nutzerverhalten für Schäden oder Störungen verantwortlich:

Besondere Probleme zeigten sich bei Heizungsanlagen mit Raumtemperaturregelungen (Raumthermostat). Hier entstanden Rohrbrüche durch eingefrorene Rohrleitungen, weil im abgesenkten Betrieb die Pumpe ausgeschaltet wird. Besonders in gefährdeten Bereichen (z.B. unter Außentüren) gefror das Heizungswasser teilweise recht schnell und legte so ganze Wohnungen lahm. Pumpen im Dauerlauf hätten so manchen Schaden verhindern können.

Nicht selten mußten die SHK-Fachhandwerker ausrücken, um Niedertemperaturheizkessel "in Schwung zu bringen". Verantwortlich dafür: Abgesenkter Heizbetrieb und/oder die Vorrangschaltung der Warmwasserbereitung. Das galt vor allem für ältere Wohngebäude. Beispiel: 300 bis 400 m Wohnfläche, Heizkessel mit ca. 20 kW, 200 bis 300 l Warmwasserspeicher. Derartige Bedingungen machten zahllose Einsätze notwendig um Temperaturen in einzelnen Räumen abzusenken, Heizkurven anzuheben, Nachtabsenkungen auszuschalten oder die Wärmeerzeuger leicht zu überlasten. Wichtig: Hier ist nicht die Rede von fehlerhaft berechneten Anlagen. Offensichtlich hat man mit den Bestimmungen zur Berechnung des Wärmebedarfs das Ende der Fahnenstange erreicht.

Anlagen mit Heizölbetrieb hatten ihre besonderen Probleme: Oftmals fehlte es an Heizöl (!) oder der edle Saft verdickte derart, daß ein störungsfreier Betrieb nicht mehr möglich war.

Die SHK-Fachunternehmer müssen sich Vorwürfe nur in den wenigen Fällen gefallen lassen. Ihr Einsatz war im großen und ganzen vorbildlich. Die oftmals geforderten und z.T. auch eingerichteten "Notdienste auf Innungsebene" haben dagegen so ihre Tücken. Wie soll ein kleinerer Betrieb den Notdienst für einen ganzen Stadtteil organisieren/durchführen oder eine große Brenneranlage (z.B. Industrie, Krankenhaus) wieder in Gang setzen? Und wie bekommt man die Ersatzteilversorgung bei der Vielzahl von Einzelprodukten in den Griff, wo sich doch fast jeder Betrieb auf einige wenige Produkte konzentriert und dafür auch die Ersatzteile vorhält? Und das alles in einer Extremsituation, in der die Ersatzteilbeschaffung über den Handel oder die Hersteller nur "über persönliche Kontakte und die Einsatzbereitschaft der dortigen Mitarbeiter" (so ein befreundeter selbständiger SHK-Unternehmer aus Arnsberg) möglich war.

Fazit: Die SHK-Betriebe haben "Dienst am Kunden" in einer Extremsituation vorbildlich praktiziert. Dafür gebührt ihnen ein dickes Lob, auch wenn hier und da mal nicht sofort geholfen werden konnte. Ähnlich dem Winterdienst, der auch nicht alle Straßen gleichzeitig räumen kann und beim ersten Schnee mit leichtsinnigen Autofahrern zu kämpfen hat, die auf Sommerreifen durch die Gegend rutschen. Vorsorge ist eben besser als durch Schaden klug zu werden.


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