IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 2/1997, Seite 67, 68, 70


KLEMPNERTECHNIK


Klempnerarbeiten im Blickpunkt:

Mauerabdeckungen in Metall

Hartmut L. Plawer, Architekt

Der dem Wetter am meisten ausgesetzte Bereich einer freistehendenMauer ist die Mauerkrone, also der obere, meist horizontal verlaufendeMauerabschluß. Um schädigende Witterungseinflüssezu vermeiden, werden Mauerkronen in den meisten Fällen mitmetallischen Abdeckungen geschützt - oder, wie der Fachmannsagt - verwahrt. In diesem Beitrag beschäftigt sich der Autormit der handwerklichen Ausführung von gekanteten Mauerabdeckungenund technischen Details dieser typischen Klempnerarbeit. Wie beivielen Gewerken, finden sich auch auf diesem Gebiet unterschiedlicheAusführungen.

Eindringende Nässe schadet dem Mauerwerk - die Mauerabdeckungaus Metall schützt es

Gelegentlich werden Mauerabdeckungen schlicht "vergessen",eingespart, oder da vermeintlich überflüssig, einfachweggelassen. Zu sehen bei Grundstückstrennmauern von Gärten,bei einfriedenden niedrigen Mauern im Vorgartenbereich oder beiStütz- und Begrenzungsmauern von Außenanlagen, diemitunter einen traurigen Anblick bieten.

Häufig ungeschützt den jahreszeitlich schwankenden Wettereinflüssenausgesetzt, rissig geworden, mit abplatzendem Putz, Moos- oderAlgenbefall "verziert", dämmern sie über Jahredem Verfall entgegen, verschandeln das gesamte Anwesen. Das mußnicht sein, sagt sich der Fachmann mit einem raschen Blick aufbröselnde Mörtelschichten, Nässeflecken oder Ausblühungen,das Werk von Regen und Frost.

Abhilfe schaffen fachgerecht hergestellte, metallische Mauerabdeckungen,richtig befestigt, mit genügend Überstand und funktionssicherenTropfkanten - kurz gesagt - vom Bauklempner nach den Fachregelnausgeführt. Sie stellen den wirkungsvollsten, langlebigenWetterschutz für das Mauerwerk dar, helfen mit, den Wertder Bausubstanz zu erhalten und tragen darüber hinaus zudem erwünschten, optisch ansprechenden Erscheinungsbild bei.

Bild 1: Fachgerecht ausgeführte metallische Mauerabdeckungen schützen vor schädigenden Witterungseinflüssen wie Durchnässungen und deren Folgen. Unser Bild zeigt eine 36,5 cm dicke ("anderthalbsteinige") Begrenzungsmauer, die von einer exakt gekanteten und mit Haftstreifen befestigten Mauerabdeckung geschützt wird. (Foto: Rheinzink)

Mauerabdeckungen in Klempnertechnik passen sich jeder Bausituationan

Handwerklich in Klempnertechnik ausgeführte Mauerabdeckungenwerden nach Maß der Bausituation angepaßt. Das bedeutet,daß auch ungewöhnliche Abmessungen und Formen von abzudeckendenMauern einen speziell für sie passenden Schutz gegen eindringendeNiederschlagsnässe erhalten können. Im Normalfall kommenfür größere Mauerlängen meist geradlinige,entsprechend gekantete 3-m-Stücke zum Einbau. Bei breiterenFlächen und schwierigen geometrischen Formen bieten sichAbdeckungen in Doppelstehfalztechnik an, für deren Ausführunggelten dann im Prinzip die technischen Regeln der Stehfalzdeckung.Möglich sind auch im Grundriß gekrümmte Mauern,ebenso, wie gewölbte oder geneigte Mauerkronen.


Bild 2: Mit Enkolit aufgeklebte Titanzink-Mauerabdeckung bei 24 cm dickem Kalksandsteinmauerwerk. Direkt mit der Unterkonstruktion verklebte metallische Abdeckungen bewähren sich auch in der Klempnertechnik und haben Eingang in die Regelwerke des Handwerks gefunden. (Foto: Rheinzink)

Bei häufigen Versprüngen, Ecksituationen und Kopfstückenkommt man, ebenso wie bei großen Einzellängen, durchpräzise Vorfertigung in der Werkstatt zu guten Ergebnissen.Erwähnt seien auch auf Vorfertigung spezialisierte Unternehmen,die nach Zeichnung und Aufmaß alle Teile auf Bestellunganfertigen und liefern.

Zuschnitte und Metalldicke

Die Zuschnitte beinhalten neben der Breite der Mauerkrone beidseitigmindestens 20 mm* (besser 30 mm**) Überstand und die erforderlichenvertikalen Schenkel von jeweils mindestens 50 mm*** sowie Materialfür die üblichen Abtropfkanten (Tropfnasen), zum BeispielUmschlag, Rückkantung oder ähnliches.

Bild 3: Innengefälle und regelkonforme Überstände sorgen in Verbindung mit indirekter Befestigung für die Funktionssicherheit dieser Mauerabdeckung. Das Aussehen des hellen Rauhputzes bescheinigt dem ausführenden Handwerker eine gute Arbeit. (Foto: Verfasser )

Die Metalldicke richtet sich nach Material, Zuschnittbreite undgewünschter Planheit. Zu dünnes Material neigt zu Verwerfungenund Wellenbildung. In den Fachregeln des Klempnerhandwerks [1]und in der VOB, Teil C, DIN 18339 [2] werden übereinstimmendMindestdicken von 0,7 bzw. 0,8 mm (bei Al) genannt. Erfahrungenaus der Baupraxis zeigen, daß man zum Erreichen einer möglichsthohen Planheit bei gekanteten Abdeckungen und insbesondere beigrößeren abzudeckenden Bauteilen vorteilhaft mit Metalldickenvon 0,8 bis 1,0 mm arbeitet. Kommt die Doppelstehfalztechnik zurAnwendung, gelten 0,7/0,8 mm als Standard.

Ausführung, Einbau, Befestigung

In der modernen Klempnertechnik werden vorzugsweise Mauerabdeckungenin "mehrteiliger" Ausführung hergestellt. Mehrteiligheißt, die auszuführende Mauerabdeckung besteht ausBefestigungs-, Verbindungs- und Abdeck-Elementen. Diese Bauform(oder Konstruktionsart) weist eine Reihe von Vorteilen gegenüber"einteiligen" Abdeckungen auf, die heute nur noch beiganz kurzen Baulängen (und mit direkter Befestigung) akzeptiertwerden.








Bild 4: Auch im Bereich der Altbauerneuerung kommt Mauerabdeckungen in Klempnertechnik große Bedeutung zu. Dieser schöne Ziergiebel erhielt eine individuell angepaßte Abdeckung; aufgrund sehr kurzer Einzellängen der verschiedenen Komponenten war hier eine "direkte" Befestigung zulässig. (Foto: publitec )

Zu den Vorteilen von Abdeckungen in mehrteiliger Ausführungund mit indirekter Befestigung zählen problemloses Dehnungsverhalten(bei thermisch bedingten Längenänderungen), die Vermeidungvom Werkstoffspannungen und exakte Kanten- und Flächenstabilität.Letztere wird insbesondere durch Aufkantungen, Einhänge undVorstoßstreifen (oder -winkel) erzielt [3].












Bild 5: Schematische Darstellung der Befestigung mit Haftstreifen (Vorstoß-Winkeln) (oben) und vollflächig aufgeklebt mit Enkolit-Kaltkleber (nach Enke-Werksvorschrift) [4]. Kriterien wie Quergefälle und Randaufkantungen (siehe Text) sind nicht dargestellt.

Zur indirekten Befestigung dieser Mauerabdeckungen dienen Haftstreifen,Vorsprung- oder Vorstoßstreifen bzw. -winkel. Sie bestehenaus einem zum Werkstoff der Abdeckung passenden Material; beiTitanzink zum Beispiel aus bandverzinktem Stahlblech, 1 mm (Normalfall).Bei größeren Schenkelhöhen und für besondersexakte Kanten- und Flächenplanheit werden 1,5 mm dicke Haftstreifeneingesetzt.

Zur Aufnahme der durchgehenden Haftstreifen können Holzbohlen,die auf der Mauerkrone aufgedübelt werden, dienen. Die vorbereitetenAbdeckungen werden dann entsprechend aufgebracht und greifen imBereich der Tropfkanten um das vertikale Ende der Haftstreifen(oder Vorsprungstreifen/ -winkel).

Eine andere Art der indirekten Befestigung von Mauerabdeckungenist das Aufkleben fertig gekanteter Bleche mit Enkolit-Kaltkleber.Dieses in der Praxis bewährte Verfahren bietet sehr guteHaftfestigkeit der Abdeckbleche auf dem Untergrund. Geeignet sindMauerwerk, Beton, Feinschicht, Holz und andere (feste) Unterkonstruktionen,die eben, trocken und staubfrei sein müssen.

Der Auftrag der Enkolit-Masse auf die abzudeckende Mauerkroneerfolgt mittels Rillenspachtel, gleichbleibend in eine Richtung.Anschließend werden die Abdeckbleche aufgebracht, ausgerichtetund gründlich angedrückt. Die Temperatur beim Arbeitenmit dieser Klebemasse darf, ebenso wie die Temperatur des Materials,nicht unter + 5 ° C liegen. Weitere Einzelheiten zum Arbeitenmit diesem Material finden sich in der Enke-Produktinformation[4].

Richtige Gefälle- und Randausbildung verhindert Ablaufspuren

In der Baupraxis hat es sich als vorteilhaft erwiesen, Mauerabdeckungenmit einem leichten Quergefälle von etwa 3° auszuführen.Reste von Niederschlagsnässe können so besser ablaufen.Dadurch wird einer Pfützenbildung entgegengewirkt und gleichzeitigwerden Staubablagerungen zur Innenseite hin weggespült.

Zur Vermeidung von Schmutzfahnenbildung und Abtropfspuren wirdan der Abdeckungsvorderkante, also am Hochpunkt, am besten einDreikant vorgesehen, der verhindert, daß mit Schmutzablagerungenvermischtes Regen- oder Schmelzwasser dort vom Wind herübergetriebenwird und Bauteilaußenflächen verschmutzt. Anstelleeines Dreikants kann der Hochpunkt auch durch eine separate, vorneeingefalzte Randblende so gestaltet werden, daß der Ablaufvon verschmutztem Wasser zur Vorderseite verhindert wird.

Stoßausführungen, Quernähte

Für die Ausführung von Stößen und Quernähtenbieten sich - je nach Art und Abmessung der Mauerabdeckung - unterschiedlicheMöglichkeiten. Auch das jeweils verwendete Metall bedingtwerkstoffkonforme Füge- und Verbindungstechniken. Im Normalfallkommen die üblichen, in der heutigen Klempnertechik gängigenVerfahren zur Anwendung :

Als Beispiel sei das Weichlöten herausgegriffen, das beiTitanzink-Bauteilen und auch verschiedenen anderen Werkstoffendie meistausgeführte Verbindungstechnik darstellt, auch unterBaustellenbedingungen. Bei mit Enkolit aufgeklebten Mauerabdeckungenwerden die Querstöße nicht überlappt, sondernmittels eines untergelegten Verbindungsbleches zusammengefügt,so daß nur ein schmaler Zwischenraum verbleibt. Die Regendichtigkeiterreicht man durch zusätzlichen Auftrag von Klebemasse zwischendem Unterprofil und den Abdeckblechen.

Dehnungsausgleicher / Schiebenähte

Wie auch andere Bauteile, sind Mauerabdeckungen in Metall entsprechendden Forderungen der Fachregeln und der VOB so auszuführen,

"... daß sich die Teile bei Temperaturänderungenschadlos ausdehnen, zusammziehen oder verschieben können.Hierbei ist von einer Temperaturdifferenz von 100 K - im Bereichvon -20 ° C bis + 80° C - auszugehen " [2].

Das bedeutet im Klartext, daß der ausführende Handwerkergeeignete Maßnahmen treffen muß, um diese Forderungenzu erfüllen. Dies sind vor allem Dehnungsausgleicher undSchiebenähte, die - fachmännisch eingebaut - sicherstellen,daß die Abdeckbleche bei wechselnden Temperaturen "arbeiten"können. Bei Mauerabdeckungen in Metall sind folgende Möglichkeitendes Dehnungsausgleiches praxisüblich:

Zu beachten ist, daß alle diese Dehnungsmöglichkeitennur funktionieren, wenn gleichzeitig eine indirekte Befestigungder Abdeckbleche gewählt wird. Die Fachregeln [1] legen Mindestabständefür die Anordnung von Dehnungsausgleichern fest, die in derPraxis jedoch - je nach Einbausituation - öfter unterschrittenwerden müssen.

Zusammenfassung

In Klempnertechnik ausgeführte Mauerabdeckungen in Metallsind praxisbewährte, langlebige Schutzmaßnahmen gegenWitterungs- und Nässeschäden an außenliegendenBauteilen. Sie werden in unterschiedlichen Bauformen, Materialienund Ausführungen vom Bauklempner hergestellt und tragen inhohem Maße zum Werterhalt der Bausubstanz bei.


* VOB-Wert (DIN 18339)

** In der Praxis zu empfehlender Wert

*** Bei größeren Gebäudehöhenerhöhen sich die Werte [1], Ausführung, Einbau, Befestigung

** Bewährt bei Klebebefestigung mit Enkolit


Literatur:

[1] Fachregeln des Klempnerhandwerks, ZVSHK, September 1994
[2] VOB Teil C, DIN 18339, Beuth-Verlag, Berlin, Dezember 1992
[3] Rheinzink -Anwendung in der Architektur, Rheinzink GmbH, Aug.1993
[4] Enkolit-Verlegeanleitung, Enke-Werk, Düsseldorf, September1991