IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 19/1996, Seite 26 ff.


VERBÄNDE AKTUELL 


Sachsen


Innung Leipzig: Fahnenweihe

Zur Weihe der neugefertigten Innungsfahne hatte die Innung Sanitär-Heizung-Klima Leipzig am 6. September 1996 in den Festsaal des Neuen Rathauses eingeladen.

In seiner Begrüßung äußerte Obermeister Peter Kirbach seine Freude über die zahlreich erschienenen Gäste aus Handwerk, Handel, Industrie und Vertretern des Rates der Stadt Leipzig, an ihrer Spitze Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube, der in seinem Grußwort auf die guten Beziehungen zwischen Handwerk und Verwaltung hinwies und sagte: "Es bewegt sich was in unserer Stadt und das SHK-Handwerk ist vielfältig daran beteiligt".

Kupferschmiedemeister Immanuel Hochkeppler (r.), übergibt die neue Innungsfahne an Peter Kirchbach, Obermeister der SHK-Innung Leipzig.

Handwerkskammerpräsident Joachim Dirschka überbrachte die Glückwünsche der Handwerkskammer Leipzig und äußerte, daß die Wahl des Ortes zur Weihe der neuen Innungsfahne die aus dem Mittelalter herrührende Tradition der engen Verbindung der Entwicklung des Handwerks und des kommunalen Gemeinwesens symbolhaft charakterisiere.

Landesinnungsmeister Bruno Schliefke überbrachte Grüße und Glückwünsche des Fachverbandes Sanitär-Heizung-Klima Sachsen. Auch LIM Schliefke hob die jahrhunderte alte Tradition des heutigen SHK-Handwerks hervor. Seit Gründung der urkundlich 1652 eingetragenen Klipperinnung zu Leipzig habe sie viele Höhen und Tiefen durchgestanden. Aber immer war es eine starke Innungsgemeinschaft unter ihrem Fahnensymbol, die die Vorwärtsentwicklung vom Laternenmacher zum modernen SHK-Betrieb geprägt hat. "Der Tradition verpflichtet, die Zukunft gestalten - laßt uns dies auf unsere Fahne heften" lautete Schliefkes Glückwunsch an Obermeister Peter Kirbach und seine Innungskollegen.

Die Ehrengäste: Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube, Frau Kirchbach, Handwerkskammerpräsident Joachim Dirschka, LIM Bruno Schliefke, Frau Schliefke.

Obermeister Kirbach nannte in seinem geschichtlichen Rückblick an bedeutungsvollen Ereignissen auch das Jahr 1875, als sich in Leipzig alle selbständigen Klempner zum Ortsverein selbständiger Klempner zusammenschließen. Zu seinen Gründern gehört auch Obermeister E. Otto Wilhelmy, Urgroßvater des heutigen Verlegers, Installateur- und Klempnermeister Ekkehard Strobel, Strobel-Verlag. Eine neue Fahne wurde unter seinem Vorsitz am 12. Juli 1886 geweiht. In den folgenden Jahren hat nun die Fahne manchem Kollegen das letzte Geleit gegeben, aber auch bei festlichen Anlässen, wie zu Fahnenweihen der Schwester-Innungen Berlin, Dresden, Halle, Chemnitz u. a. war sie vertreten, ebenso bei Leipziger Innungen.

Am 27. September 1925 wurde wieder eine neue Innungsfahne geweiht, die alte Fahne vom Jahre 1886 ist verschlissen und brüchig geworden", heißt es in der Innungschronik.

Nach diesem kurzen Rückblick in die Innungsgeschichte führte Obermeister Kirbach die Festversammlung wieder in die Gegenwart zurück.

Gerade heute und jetzt, so OM Kirbach, ist es wichtig, daß Politiker, Verwaltung und Behörden erkennen, daß nur ein starkes, gesundes, hier ansässiges Handwerk, die für das Gemeinwohl der Region notwendigen Steuern und Abgaben aufbringen kann.

Wimpel zur Erinnerung an die Fahnenweihe 1996 stifteten die Meisterfrauen, die Lehrlinge, die Gesellen, die Meister, die Kupferschmiede, der Fachverband und die Handwerkskammer.

Die spannungsreiche Entwicklung auf dem derzeitigen Bausektor, mit gerade den aktuellsten Ereignissen im Tarifwesen, verlangt von den Innungen, ihre Belange gegenüber der Kommune und der Politik aber bestimmt auch gegenüber dem Markt, furchtloser und vielfach vielleicht sogar rücksichtsloser zu wahren.

Der Handwerker, so führte OM Kirbach weiter aus, braucht keine Fördermittel oder Subventionen, er braucht einen fairen Wettbewerb, bei dem alle Teilnehmer unter gleichen Bedingungen mitwirken und er seine eigene Kalkulation und sein eigenes unternehmerisches Risiko einbringen kann.

Möge die neue Innungsfahne als Symbol der Zusammengehörigkeit unserem Berufsstand zur Ehre gereichen und mit Stolz über den vollbrachten Meisterwerken wehen.

Frau Christel Kirchbach überbringt den Wimpel der Meisterfrauen. Im Vordergrund die Innungslade mit Urkunden aus dem Jahre 1652.

Mit diesen Worten übergab OM Kirbach während des Einzugs der Innungsfahnen der Gewerke Schornsteinfeger, Dachdecker, Zimmerer und Elektriker das Wort zur Fahnenweihe 1996 an Kupferschmiedemeister Immanuel Hochkeppeler, Vorstandsmitglied der SHK-Innung Leipzig.

Gerade unsere Generation, so Hochkeppeler, hat schon einige Fahnen erlebt: Eine versprach uns ein tausendjähriges Reich, es endete 1945 nach zwölf Jahren, es folgte eine Fahne, von der man sagte: "Die Idee ist allmächtig, weil sie wahr ist". Im Herbst 1989 war von der Wahrheit wenig übriggeblieben.

Heute stehen wir wieder vor einer Fahne, aber sie verheißt uns nichts - sie mahnt uns nur.

Im vorderen Fahnenteil sind die Initiale der Klempner zu sehen. Auf der anderen Seite sind in das Fahnentuch eingestickt die Worte: Gott schütze das ehrbare Handwerk.

Wer also den Schutz des Allmächtigen Gottes haben will, muß in seiner handwerklichen Tätigkeit "ehrbar" sein. Wir alle wissen, was damit gemeint ist und wie schnell ein Meister unehrbar genannt wird.

Erinnerungsfoto für die Innungschronik: Kupferschmiedemeister Immanuel Hochkeppeler, Obermeister Peter Kirchbach, Landesinnungsmeister Bruno Schliefke und Ekkehard Strobel, Urenkel von E. Otto Wilhelmy, Obermeister der Installateur- und Klempner-Innung Leipzig (1875-1897) und Gründer der
IKZ-HAUSTECHNIK (1872).

Wie schon OM Kirbach dankte auch Hochkeppeler den Meisterfrauen, die so oft dem Meister den Rücken frei halten von manchem Ärgernis mit Behörden, Händlern und Kunden und im kleineren Handwerksunternehmen auch im betriebswirtschaftlichen Bereich unentbehrlich sind.

Und mit nachfolgenden Worten übergab er OM Kirbach die Innungsfahne: Am guten Alten in Treue halten, am schönen Neuen, sich kräftig erfreuen, das wird niemand gereuen. "Glück zu" der Innungsfahne der SHK Innung zu Leipzig.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von der Streichergruppe des Gewandhausorchesters und Rundfunk Sinfonieorchesters Leipzig. Das Festprogramm endete mit einem Bankett in der Festhalle des Neuen Rathauses.

Das Entschwinden in hundertjährige Vergangenheit führte die Gäste bei Speis und Trank schnell wieder in die Gegenwart zurück: Dreistufiger Vertriebsweg und Zusammenlegung der Fachhandwerke Sanitär und Heizung waren die herausragenden Themen.


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