IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 18/1996, Seite 84 f.


KLIMATECHNIK


Vom Luftschiff zur Lüftung

Erdverlegte Lüftungsleitungen aus Faserzement

Dipl.-Ing. Martin Braunstorfinger

Nur der Straßennahme "Am Luftschiffhafen" und ein paar Shed-Hallen erinnern noch an die ruhmreiche Historie, an die Luftschiffwerft in Potsdam. Bis 1928 wurden hier am Templiner See Zeppeline gebaut mit Start- und Landeplatz in der Pirschheide. Jetzt entsteht auf dem traditionsreichen Gelände ein Verwaltungs- und Schulungskomplex.

Verkehrsgünstig an der Bundesstraße B 1 und am Bahnhof Potsdam-Pirschheide gelegen, erwarb die LBS Ostdeutsche Landesbausparkasse AG dieses Gelände, um gemeinsam mit der ostdeutschen Sparkasse die Sparkassenakademie und LBS-Zentrale zu bauen.

Temperaturverlauf entlang der Erdwand im Winter.

Große Lüftungsanlagen erforderlich

Die genannte Funktion der Gebäude läßt schon darauf schließen, daß große Vortrags- und Unterrichtsräume, Foyers und Kantinen klimatisiert, d.h. zentral mit Zuluft versehen werden müssen.

Das beauftragte Ingenieurbüro für Haustechnik ermittelte einen maximalen Zuluftbedarf von rund 250000 m3/h, der von acht Ansaugtürmen über Erdleitungen in die Gebäude geführt wird.

Die Rohre dieser Erdleitungen aus Faserzement wurden

Temperaturverlauf entlang der Erdwand im Sommer.

Kosteneinsparung und Vorklimatisierung

Mit der Entscheidung, die Zuluft über Erdleitungen heranzuführen, hat das Planungsbüro zwei besondere Vorteile erreicht:

  1. Die großvolumigen Leitungsquerschnitte werden auf kurzem Weg von außen an die Klimazentralen herangeführt ohne Keller- oder Installationsraum zu erfordern; das spart Baukosten.
  2. Die Zuluftführung im Erdkanal, besonders hier im Grundwasser liegend, schafft in diesem sogenannten Thermokanal eine Vorklimatisierung und spart damit Klimatisierungsenergie.

Sparkassenakademie und LBS-Zentrale in Potsdam.

Hohe Anforderungen an Material und Konstruktion der Erdleitungen

An das Rohrmaterial und an die Leitungskonstruktion werden besondere Anforderungen gestellt, um diese Möglichkeiten auszuschöpfen:

- Das Rohrmaterial muß beständig gegenüber dem umgebenden Boden, dem Grundwasser und dem Strömungsmedium sowie tragfähig gegenüber Erd- und Verkehrslasten sein. Das Rohr sollte ein geringes Gewicht haben um in beengten Baustellenbereichen Transport und Montage von Rohren und Formstücken zu erleichtern.

Die verwendeten Lüftungsrohre aus Faserzement (FZ) entstammen der Kanalrohrpalette und FZ-Kanalrohre, die wesentlich stärker als FZ-Lüftungsrohre beansprucht werden, haben sich seit Jahrzehnten bewährt. Die spezifische hohe Biegezugfestigkeit der Rohre erlaubt geringe Wanddicken und niedrige Gewichte.

- Alle Leitungselemente, Rohre und Formstücke müssen schnell und einfach transportierbar und montierbar, die Dichtheit der Verbindungen muß prüfbar gewährleistet sein.

Segmentbogen DN 1500 für erdverlegte Lüftungsleitung.

Lüftungsrohre aus Faserzement werden im Normalfall mit Kupplungen aus dem Kanalbereich wasserdicht verbunden.

Das umfangreiche Formstückprogramm kann den Objektbedürfnissen angepaßt werden.

Bögen und Verzweigungen, besonders der großen Kaliber, werden maßgenau objektbezogen gefertigt.

Das Material läßt sich mit handelsüblichen Geräten einfach und sauber bearbeiten.

Bei diesem Potsdamer Projekt dominieren die Bogen DN 1200 und DN 1500 für horizontale und vertikale Gradientenwinkel unterschiedlicher Gradzahlen.

Die Segmentbogen wurden nach Angaben der Bauleitung speziell von einem lizensierten Schachtbauunternehmen in Oettigen, Bayern, hergestellt und geliefert.

Erdleitung DN 1200-Etagenbogen.

Erdleitung aus Faserzement, einfach und effizient für Planung und Ausführung

Die Arbeitsgemeinschaft der ausführenden Firmen hatten bisher keine Erfahrungen in der Montage großer Luftleitungen aus Faserzement. Nach kurzer Einweisung druch einen Fach-Monteur und Herstellung von Montageschellen für die Bogen ging die Arbeit trotz beengter Arbeitsräume schnell und komplikationslos vonstatten.


Q u e l l e : "Technologie des ökologischen Bauens", Klaus Daniels, 1995, Birkhäuser Verlag, Basel.
Ing.-Büro HL-Technik AG


F o t o : ETERNIT AG