IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 17/1996, Seite 20 f.


VERBÄNDE AKTUELL 


Nordrhein-Westfalen


Statt Megahandwerk ein Superflop?

Zur aktuellen Diskussion um die Zusammenlegung der Berufe Gas-Wasserinstallateur und Zentralheizungs- und Lüftungsbauer. Fachverband NW gegen eine Zusammenlegung.

Die derzeitige Diskussion um die Organisationsreform im Handwerk treibt nun bereits seit Monaten immer neue Stilblüten. Dort, wo der große Wurf offensichtlich nicht gelingt, versucht man nun, sogenannte Erfolge in Einzelbereichen zu produzieren. Das Zauberwort hierbei heißt "Zusammenlegung", mit dessen Hilfe einzelne in den Revieren gestandener Handwerke zu wildern suchen. Dabei wird selbst vor solchen Handwerken nicht haltgemacht, deren historische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung seit Jahrzehnten von stabiler Selbständigkeit geprägt sind. Ein Beispiel hierfür bieten die Gas- und Wasserinstallateure einerseits sowie die Zentralheizungs- und Lüftungsbauer andererseits.

Unter dem Dach des Fachbereichs "Sanitär-Heizung-Klima" konnten sie ihre wirtschaftliche Bedeutung und Leistungsfähigkeit in den vergangenen 30 Jahren kontinuierlich steigern. So ist der Betriebsbestand der Gas- und Wasserinstallationshandwerke seit 1965 um rund 3000 Betriebe auf ca. 20.000 Unternehmen angewachsen. Noch imposanter stellt sich die Entwicklung des Zentralheizungs- und Lüftungsbauerhandwerks dar, das seine Betriebszahlen im gleichen Zeitraum um das Vierfache auf rund 12.500 Betriebe steigern konnte. Allein diese Zahlen belegen eindrucksvoll die wirtschaftliche Eigenständigkeit beider Gewerke, die sich unabhängig voneinander ihre eigenen Marktanteile erobert und gesichert haben.

Diese Entwicklung spiegelt sich vor allem gerade in den unterschiedlichen spezifischen Kenntnissen und Fertigkeiten wider, die im Laufe der Entwicklung der Sensibilisierung der Öffentlichkeit gegenüber Energie- und ökologischen Fragen in komplexer Weise für beide Handwerksberufe rasant an Bedeutung gewonnen haben. Schon das breit angelegte Qualifikationsniveau - immerhin werden Meisteraspiranten für jedes Handwerk 1100 Unterrichtsstunden abverlangt - verbietet die Zusammenlegung der Handwerke, da sie den Einzelnen, sei er in der Vorbereitung auf die Gesellen- oder Meisterprüfung, schlichtweg überfordern würde. Im Ergebnis bekäme man statt eines Vollberufsgesellen nur noch de facto Handwerkshelfer mit viel Ausbildungsmasse, aber wenig Klasse. Damit würde man jedoch nicht nur die handwerkliche Aus- und Weiterbildung in beiden Gewerken entwerten, sondern vielmehr das Wesensmerkmal der Handwerksbetriebe dieser Branchen untergraben. Je kleiner ein Handwerksbetrieb ist, um so stärker muß er sich auf sein Vollhandwerk stützen. Nur dort, woher er die entsprechende umfassende, marktgerechte Kompetenz bezieht, kann er letztlich im Sinne der mittel- bis langfristigen Handwerkswirtschaftspolitik erfolgreich tätig sein. Was ist da noch Handwerk, wenn der kleinere Betrieb rein personell gar nicht in der Lage ist, ein sogenanntes Breitenhandwerk auszuüben?

Er müßte sich die fehlende Fachkompetenz von Herstellern, Lieferanten oder Ingenieurbüros besorgen. Das läßt ihn abhängig und gegenüber den Auftraggebern unsicher werden. Es droht die Gefahr des Zurückfallens in eine Subunternehmersituation.

Über die unwägbaren bildungspolitischen Klippen einer Zusammenlegung beider Handwerke hinaus, gibt es weitaus mehr trennende als verbindende Faktoren, die eine Auseinanderentwicklung dieser Handwerke eher beschleunigt haben. Da müssen neben den spezifischen Gefahren, die mit großen Tätigkeitsbereichen sowohl der Gas- und Wasserinstallateure, als auch der Zentralheizungs- und Lüftungsbauer verbunden sind, umwelttechnologische und umweltrechtliche Erfordernisse beachtet werden. Ferner haben die spezifizierten Verbraucherwünsche und eine rasante technologische Entwicklung die zunehmende wirtschaftliche und technologische Eigenständigkeit beider Gewerke unter Beweis gestellt. Da fallen partielle Gemeinsamkeiten im Bereich der Anwendung von elektronischen Bauelementen und dem Umgang mit Feuerstätten kaum noch ins Gewicht.

So verwundert es nicht, wenn Gutachter in jüngster Zeit zu dem Schluß gelangen, daß die Schaffung eines neuen "Megahandwerks" auch krasse Niveauveränderungen im Qualifizierungsgrad der Handwerksmeister, aber auch der Beschäftigten in der Branche nach sich ziehen würde. Entweder Schmalspurindianer innerhalb eines Breitbandhandwerks, was der eigentlichen Intention der Zusammenlegung widersprechen würde - oder voluminöse fachliche Ansprüche, die gerade die dringend erforderliche Nachwuchsrekrutierung in bedrohlicher Weise in Frage stellen könnte. Beide Ergebnisse wären nicht nur bildungs-, sondern auch handwerkspolitisch äußerst bedenklich, so daß aus dem angedachten Megahandwerk schnell ein Superflop werden könnte. Dr. G.

 


AJU: Neue Verbindungstechniken in der Hausinstallation

Mitglieder der "Arbeitsgemeinschaft Junge Unternehmer" im Sanitär-, Heizungs-, Klima-Handwerk Nordrhein-Westfalen trafen sich Ende Juni in Duisburg, um sich über neuzeitliche Verbindungstechniken, über die Landesbauordnung und über die Feuerungs-Verordnung zu informieren. Ing. Norbert Kröschel, Geschäftsführer der Abteilung Technik im Fachverband SHK NRW, war Referent.

Die Veranstaltung und die rege Diskussion im Auditorium haben gezeigt, daß sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Junger Unternehmer intensiv mit Sachfragen auseinandersetzt, deren Antworten die Existenz des eigenen Betriebes sichern helfen. Wer zum Kreis der AJUler gehören möchte, kann sich mit Geschäftsführer Wolfram Weber im FV SHK NRW in Verbindung setzen. Er gibt weitere Auskünfte und beantwortet gern Ihre Fragen.


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