IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 16/1996, Seite 106 ff.


AUSSTELLUNG


Handwerksmesse Köln

Über 50000 Besucher

Die Handwerksmesse NRW ging in diesem Jahr zum fünften Mal an den Start und das mit einem Rekordergebnis. 684 ausstellende Unternehmen aus 24 Ländern waren 1996 zur Handwerksmesse NRW vertreten. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Steigerung von 20% bei den Ausstellerzahlen. Der Anteil ausländischer Anbieter stieg um rund 100%. Belegt sind die Hallen 13 und 14 mit einer Bruttoausstellungsfläche von 40000 m2.

Die erfreuliche Entwicklung der Ausstellerzahlen ist der vorläufige, sicherlich nicht endgültige Höhepunkt einer kontinuierlichen und effektiven Zusammenarbeit zwischen den Veranstaltern der Handwerksmesse NRW. Die Köln-Messe und die Messegesellschaft Handwerk NRW GmbH als ideeller Träger werden sich auch in Zukunft für eine starke und vielseitige Veranstaltung einsetzen, die dem Handwerk NRW ein Kommunikationsforum im besten Sinne verschafft. Auch dem Privatverbraucher soll die Handwerksmesse NRW weiterhin eine breite Informationsbasis über alle Bereiche des Handwerks bieten.

Ein Blick in das Rahmenprogramm zeigt, welchen Stellenwert Marketing mittlerweile auch für kleine und mittlere Unternehmen hat. Deshalb bot die Handwerksmesse NRW Handwerksunternehmern ausgezeichnete Möglichkeiten, sich zu diesen Aspekten umfassend zu informieren. Besonders junge Handwerksmeister- und meisterinnen waren 1996 angesprochen.

Die Landesregierung NRW nutzte die Handwerksmesse NRW gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern, um die "Gründungsoffensive NRW" weiter voranzutreiben. Ziel dieser Initiative ist es, die Gründung von jungen Unternehmen dauerhaft zu fördern, durch zusätzliche finanzielle Mittel und durch individuelle Beratung und Betreuung in der Gründungsphase und den ersten Jahren. Ökologie im Handwerk spielt da eine sehr wichtige Rolle. Viele Anbieter zeigten umweltschonende Verfahren und Arbeitsmethoden. Aber auch moderne Heiz- und Sanitärtechnik stand im Zeichen von Energieeinsparung und umweltgerechter Installation.

Tschechischer Ministerpräsident Klaus geehrt, Johannes Rau lobt kleine und mittlere Betriebe

Nachdem der tschechische Ministerpräsident Vaclav Klaus bei den Parlamentswahlen Anfang Juni die Mehrheit verlor, ist er auf der Suche nach einem Koalitionspartner. Dennoch ließ er es sich nicht nehmen, den Europäischen Handwerkspreis in Empfang zu nehmen. Das zeige, so Rau, daß unsere Beziehungen viel besser und freundschaftlicher sind als manche offiziellen Verlautbarungen erkennen lassen.

Zur offiziellen Eröffnung der nordrhein-westfälischen Handwerksmesse lobte Rau ausdrücklich die mittleren und kleinen Betriebe, denn die stellen 80% der Ausbildungsplätze. Dagegen würden die großen Industrieunternehmen zuerst bei den Lehrlingen sparen. "Ich halte das nicht für sozial und auch nicht für sozial verträglich, wenn die Industrie glaubt, sie könne sich die gut und vorbildlich ausgebildeten Kräfte aus dem Handwerk holen", kritisierte er unter dem Beifall der Handwerker.

40000 junge Menschen suchen nach Raus Angaben 1996 noch einen Ausbildungsplatz. "Das bedrückt mich", gestand der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und appellierte an die Handwerker und Handwerksorganisationen: "Lassen Sie sie nicht im Stich". Dem tschechischen Ministerpräsidenten Klaus sei es gelungen, eine Wirtschaftsform in Gang zu bringen, die in "höchsten internationalen Kreisen Bewunderung hervorgerufen hat", lobte Hansheinz Hauser, Präsident des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstages. Die ehemalige britische Premierministerin Margret Thatcher habe einmal festgestellt, daß "der Wechsel von einer Plan- in eine Marktwirtschaft wie die Rückverwandlung eines Omeletts in ganze Eier" anmute. Dieses Kunststück habe Klaus fertiggebracht.

Clement: Nebenkosten drastisch kürzen

Wer zusätzliche Arbeitsplätze will, der muß auch bei den Arbeitskosten und zu hohen Belastungen durch die Lohnnebenkosten ansetzen, erklärten Vertreter des Handwerks. Maßvolle Korrekturen und durchdachte Einschnitte im dichten Netz der sozialen Sicherheit sind möglich, ohne dadurch den Sozialstaat aufs Spiel zu setzen.

Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Clement erklärte: "Der Faktor ,Arbeit ist in Deutschland zu teuer. Deshalb machen die ausländischen Investoren einen Bogen um die Bundesrepublik. Wir müssen mit den Lohnnebenkosten drastisch herunter. Es müßte mit dem lieben Herrgott zugehen, wenn bei Ausgaben von 1,1 Billionen DM für die soziale Sicherung nichts einzusparen wäre."

Kritisiert wurde vom Handwerk der Vorschlag der SPD-Landtagsfraktion zur Einführung eines Berufsbildungsfonds, der auf eine Ausbildungsplatzabgabe hinauslaufe und keinesfalls als Anreiz zur Schaffung neuer Lehrstellen gesehen werden könne. Clement, der die hohe Ausbildungsbereitschaft des Handwerks ausdrücklich lobte, verteidigte dagegen eine solche Abgabe. Es könne nicht richtig sein, daß immer weniger Betriebe immer mehr ausbildeten, sich die mittleren Betriebe ganz aus der Ausbildung herausstehlen und sich anschließend beim Handwerk bedienen würden. Er appellierte an die Kammern, dagegen selbst ein Ausgleichsystem zu schaffen.

Der Primärofen, den die Kachelofen- und Luftheizungsbauer-Innung Nordrhein präsentierte, paßt in jede Wohnung und kann an jeden Kamin angeschlossen werden. Der Ofen wird mit "Pellets" - gepreßten Holzstäbchen ohne Rinde - geheizt.

Unterstützung sicherte der Minister dem Handwerk bei der Lösung des Problems des Berufsschulunterrichts zu. In der unterrichtsbedingten zu seltenen Anwesenheit der Lehrlinge im Betrieb sieht das Handwerk ein wesentliches Ausbildungshemmnis. Der Minister sprach sich in diesem Zusammenhang für flexible Regelungen aus, die vor Ort zwischen Handwerk und Schulen vereinbart werden sollten.

Nachwuchssicherung und Imageverbesserung im Handwerk - Startlinie Handwerk

"Die erste heiße Phase" der gleichnamigen Initiative zur Nachwuchssicherung und Imageverbesserung im Handwerk NRW wurde offiziell gestartet. Durchgeführt wird die Initiative von den nordrhein-westfälischen Kammern unter Federführung des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) sowie den Fachverbänden NRW mit Unterstützung des Ministeriums für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Ausgangslage:

- Knapp zwei Drittel des Handwerksnachwuchses in NRW kommt von der Hauptschule.

- Über 75% der Schulabsolventen in NRW besitzen jedoch einen höheren Schulabschluß.

- Die Volks-/Hauptschüler(innen) der Vergangenheit finden sich heute fast ausschließlich auf Real- oder Gesamtschulen und vor allem auf den Gymnasien.

- Aus einer kleinen, in manchen Regionen sogar verschwindenden Gruppe, rekrutiert das Handwerk sein tragendes Nachwuchspotential.

Ziel müßte es sein, leistungsorientierte Schülerinnen und Schüler mit weiterführenden qualifizierten Schulabschlüssen für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen.

Der handwerkliche Nachwuchs ist den steigenden Ausbildungsanforderungen immer weniger gewachsen. Hierdurch besteht langfristig die Gefahr, daß auch die Qualität handwerklicher Produkte und Dienstleistungen abnehmen könnte, was unabwendbar zu wirtschaftlichen Einbußen und einer sinkenden Arbeitskräftenachfrage führen würde.

Zur Stärkung und Sicherung des Wirtschaftsfaktors Handwerk müssen folglich wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen werden, die vor allem das Interesse der leistungsstarken Jugendlichen an einer Karriere im Handwerk erhöht. Hierfür sind jedoch nicht nur gezielte Maßnahmen in Richtung der Jugendlichen zu ergreifen, sondern es ist auch die direkte Ansprache der Personen notwendig, die die Ausbildungsentscheidung beeinflussen.

Auf der Grundlage einer Repräsentativumfrage, die der WHKT gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie in Allensbach durchführte, wurde ein Maßnahmenbündel entwickelt, um über die vielfältigen Ausbildungs- und Karriereperspektiven im Handwerk zu informieren. Diese sind, so zeigen die ausgewerteten Befragungsergebnisse, eindeutig, insbesondere bei den Schülerinnen von Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien weitgehend unbekannt.

Ein vorurteilbehaftetes und verzerrtes Bild vom Handwerk prägt das Image dieses vielfältigen Wirtschaftsbereichs und führt dazu, daß eine Nachfragelücke und in der Folge ein Mangel an Fach- und Führungskräften im Handwerk besteht. Hinzu kommt, daß zu viele Jugendliche ihre Ausbildungsentscheidung nicht sorgfältig genug vorbereiten. Häufig machen sie sich erst nach ihrem Schulabschluß Gedanken über ihren weiteren Ausbildungsweg. Die meist überfüllten Hochschulen, hohe Abbrecherquoten und die eher dürftigen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt für Hochschulabsolventen(-innen) sind eine Konsequenz dieser unkritischen Ausbildungsentscheidung.

Das nunmehr in die Umsetzungsphase tretende Maßnahmenbündel besteht aus der Einrichtung des Informationstelefons "Startline Handwerk". Informationsveranstaltungen für Schüler und Schülerinnen, Lehrer und Lehrerinnen und Berufsberater/-innen, neuen Informationsbroschüren und vor allem mit dem jugendadäquaten Informationsmedium CD-ROM. Mit der CD-ROM wird den Jugendlichen ein attraktiver Informationsträger angeboten, der unterschiedliche Medien kombiniert (z.B.: Animationen, Text-, Bild-, Sprech- und Videoinformationen) und auf diese Weise ein realistisches Bild vom Handwerk vermittelt. Anspruchsgerecht und gemäß der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten sollen die Schülerinnen und Schüler hier mit dem beruflichen Ein- und Aufstieg planen und entsprechend frühzeitiger vorbereiten können. Hierfür bietet die CD-ROM ideale Voraussetzungen, weil sie wichtige Inhalte für die Ausbildungsentscheidung bietet und diese in jugendgerechter Weise vorstellt.

Über die CD-ROM lernen Jugendliche die Ausbildungsberufe des Handwerks und die hier angebotenen und vielfältigen Fort- und Weiterbildungsalternativen kennen. Sie können sich über die Handwerksorganisation und Daten und Fakten im Handwerk informieren. Weitere Themenbereiche geben Hilfestellung bei der Auswahl des richtigen Berufes und sind in der Bewerbungsphase behilflich. Über einen Online-Decoder bietet die CD-ROM zusätzlich den Zugang zum Daten-Highway.

Die Startline Handwerk, das neue Informationstelefon des Handwerks für Jugendliche in Nordrhein-Westfalen, ist seit dem 24. Juni freigeschaltet. Anfragen zum Thema Berufswahlentscheidung werden individuell und berufsnah beantwortet. Schnell und ohne großen Aufwand für die Anrufe erhalten die Jugendlichen die gewünschten Informationen. Die Servicenummer lautet: 01803/ 212127. Sie ist für den Anrufenden gebührenreduziert, d.h. zum Ortstarif erreichbar.


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