IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 14-15/1996, Seite 72 f.


REPORT


Axor

Expansion in Schiltach

Nach Offenburg (1990) war nun wieder Schiltach an der Reihe: hansgrohe investierte erneut Millionen und nahm Mitte Juni das neue Axor-Werk in Schiltach-West in Betrieb.

Das starke Wachstum und der große Expansionsschub des Unternehmens auf den internationalen Märkten veranlaßten hansgrohe, 1990 in Offenburg-Elgersweier ein europäisches Logistik-Zentrum sowie eine Brausenfabrik zu errichten (Investitionsvolumen: 85 Mio. DM).

Bereits 1992 wurde mit der Planung weiterer Produktionsflächen begonnen. Ausschlaggebend für die Standortentscheidung Schiltach-West waren neben der Sicherung der Arbeitsplätze (derzeit ca. 500, bis Ende 97 sind ca. 750 geplant) der Ankauf von früherem Gelände der Deutschen Bahn AG. Die Werksstraße wurde als erstes von der Hangseite zur Bahnseite verlegt. Entsprechend dem geplanten Materialfluß wurden die Technologien vom Wareneingang durch das Werk zum Warenausgang nach "just in time"-Kriterien positioniert.

Über mehrere Aufsteckplätze, die an verschiedenen Stellen der Produktion zugeordnet sind, gelangen die grundgefertigten Teile in die Galvanik.

Nach Teilabrissen des alten Lagergebäudes entstand im ersten Bauabschnitt in der Mitte des Werkes - in Anbindung an die Montage - ein dreistöckiges Gebäude mit einer Nutzfläche von 9600 m. Im Erdgeschoß plazierte man die Grundfertigung mit automatischen Roboterschleif- und Polierzellen, Bearbeitungszentren für die Gußbearbeitung und die Abwasseranlage der Galvanik.

In einem zweiten Bauabschnitt entstand auf drei Geschossen eine zusätzliche Nutzfläche von 6500 m sowie ein Teilelager mit 600 m.

Um die Nachteile einer Stockwerksproduktion zu minimieren, entschied man sich für einen vollautomatischen Teiletransport. 14 Aufsteckplätze für die polierten Gußteile zur Oberflächengalvanik wurden direkt in die Fertigung gelegt. Rechnergesteuert fahren die Gestelle aus dem Erdgeschoß über einen Transportlift direkt in die im 1. Obergeschoß liegende Galvanik.

Das automatische Kleinteilelager ist das Herzstück der neuen Axor-Fabriklogistik. Es umfaßt 16000 Plätze für etwa 3000 Artikel. Sie werden in Euroboxen bereitgehalten und ermöglichen die individuelle Montage von über 250 Axor-Produkten an einem Montageplatz pro Schicht.

Die Anlage zur Oberflächenveredlung, eine der modernsten Europas, ist geschlossen ausgeführt. Die Galvanikbäder sind mit Hohldeckel versehen; die Fahrwagen sind eingehaust und werden abgesaugt; Luftströme werden gewaschen.

Fortschrittliche Produktionslogistik

Herz der Produktionslogistik ist ein automatisches Kleinteilelager mit 16000 Lagerplätzen. Vom Wareneingang wird das Material eingelagert und vollautomatisch, über insgesamt 1,3 km Fahrstraße, an die Montagelinien geführt. Das dezentrale Konzept versetzt die elf Montageeinheiten in die Lage, selbst die Teile anzufordern, zu verwalten und zu montieren.

Der Warenausgang ist über Speditionen mit dem Logistikzentrum Offenburg verbunden. Eine generelle Markierung der Behälter (Barcode) ermöglicht eine kompatible Warensteuerung in alle Werke. Rund 6. Mio. DM (ohne Gebäude) steckte hansgrohe in diese Logistik. Ca. 1,1 Mio. DM entfielen allein auf die EDV.

Fertigungslogistik im neuen Axor-Werk: Komponentenanforderung aus dem Kleinteilelager, Montage, Prüfung des fertigen Produktes, Verpackung und Rückgabe in den internen Daten- und Warenfluß.

Was man sich davon verspricht? Eine absatzgesteuerte Produktion die ihre Kapazitäten kurzfristig dem Bedarf anpaßt, Kosten verringert, unnütze Lagerbestände vermeidet und sich am Kundenwunsch orientiert.

Das komplexe System zwischen den Produktionseinrichtungen und ihrem differenzierten Materialfluß, organisatorisch gesteuert über ein vernetztes Lagerverwaltungssystem, ermöglicht jetzt die Produktion von bis zu 250 (früher ca. 50) verschiedenen Axor-Artikeln (von ca. 3000) täglich. Mußte der Kunde zuweilen bis zu acht Wochen warten, so rechnet man nun mit einer maximalen Bearbeitungszeit von einer Woche.


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