IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 14-15/1996, Seite 14 ff.


VERBÄNDE AKTUELL 


Zentralverband


Kurz und bündig


VOB-Änderungen:

ZVSHK protestiert

Die im Bundesbauministerium erarbeiteten Änderungsvorschläge für die Vergabe von öffentlichen Aufträgen, die in der VOB Teil A festgeschrieben werden sollen, stoßen beim ZVSHK auf entschiedenen Widerspruch. Vorgesehen sind beispielsweise die Ausschreibung von Bauvorhaben mit nur geringer oder sogar ganz ohne Vorplanung durch den Bauherrn. Diese Leistungen entfielen danach vollständig auf den Bieter, mit entsprechenden Kosten für die Angebotserstellung. Außerdem erweist sich die Neufassung als mittelstandsfeindlich, da sie die Vergabe an Generalunternehmer bevorzugt.

Der Hauptausschuß Allgemeines (HAA) des Deutschen Verdingungsausschusses, in dem der ZVSHK Mitglied ist, hat sich aus diesen und weiteren Gründen ausdrücklich gegen die vorgelegte Fassung ausgesprochen. Ein Argument ist, daß damit die Verlagerung von Aufgaben und Kosten, die grundsätzlich nicht in das Leistungsbild des Auftragnehmers gehören, verbunden sei. Der ZVSHK wird seine Begründung der Ablehnung dem Bundesbauministerium schriftlich mitteilen.

Aufmerksam verfolgten die Teilnehmer des ersten Informationsseminars "Qualitätsmanagement im SHK-Handwerk" die Ausführungen der Referenten.

Qualitätsmanagement für Handwerksbetriebe:

Erfolgreiches Info-Seminar

Ausgezeichnete Resonanz fand das erste Informationsseminar Qualitätsmanagement im SHK-Handwerk, das am 10. und 11. Juni im Haus des ZVSHK in St. Augustin stattfand. Vermittelt wurden neben allgemeinen Informationen auch der Aufbau der 9000er Normenreihe und deren Umsetzung sowie ein Überblick über den notwendigen Aufwand, die Kosten, die Zeit und auch den zu erwartenden Nutzen.

Ein weiteres Info-Seminar ist für Anfang November geplant. Der genaue Termin und die Tagesordnung ist beim ZVSHK erhältlich.

2. Mitgliederversammlung des ZVSHK am 18. und 19. September

Die zweite Mitgliederversammlung 1996 des ZVSHK findet am 18. und 19. September 1996 in Königswinter statt. Zu den Top-Themen gehört die Fortschreibung der im vergangenen Jahr beschlossenen Strukturreform.

ZVSHK-Geschäftsstelle Potsdam:

Neue Telefon- und Telefaxnummern

Ab sofort ist die ZVSHK-Geschäftsstelle Potsdam über zwei neue Rufnummern erreichbar. Die Telefon-Nummer lautet 0331/972107, die Telefax-Nummer 0331/972603.

SHK-Kundendiensttechniker:

Pilotprojekte vor dem Abschluß

Mit der Übergabe der bundeseinheitlichen Zertifikate an die 39 Absolventen der ersten beiden Fortbildungslehrgänge zum SHK-Kundendiensttechniker in Berlin und Potsdam enden demnächst zwei der ersten vom ZVSHK gestarteten Pilotprojekte zur beruflichen Weiterbildung im SHK-Handwerk. Gegen Ende des Jahres werden auch Karlsruhe und Leipzig die ersten SHK-Kundendiensttechniker ausgebildet haben.

Die Ausbildung der SHK-Kundendiensttechniker erfolgt an den modernsten Geräten.

Diese Fortbildungsmaßnahme, die einen Umfang von rund 200 Stunden hat, soll dem Mangel an qualifiziertem Personal bei den Wartungsfirmen im Bereich Haustechnik abhelfen. Sie wird von ausgewählten Bildungsinstitutionen in Trägerschaft der SHK-Landesverbände und -Innungen durchgeführt.

Eingangsvoraussetzung für die Qualifizierung zum SHK-Kundendiensttechniker ist der erfolgreiche Abschluß der Ausbildung in einem Sanitär- oder Heizungsberuf sowie eine mindestens zweijährige Berufspraxis. Zu den Inhalten der Weiterbildung zählen Elektro-, Verbrennungs- und Sanitärtechnik sowie die Analyse und die Behebung von Fehlern und Störungen an Feuerungen, Regelungs- und Steuerungsgeräten. Außerdem werden Kenntnisse des Aufbaus und der Funktionsweise von Gas-, Wasser- und Abwasseranlagen, Lufttechnischen- und Heizungsanlagen, dazu auch Normen und Gesetze vermittelt. Zum Lehrstoff gehören auch Grundlagen der Betriebswirtschaft. Nach den Sommerferien beginnen weitere Lehrgänge, unter anderem in Braunschweig, Cottbus und Freiburg.


SHK-ZERT bietet an:

Partnerschaft mit Brief und Siegel

Mit der Europäisierung und der Verlängerung der Produkthaftungsfristen werden nicht nur die Hersteller von Konsumgütern sondern auch die Anbieter von Dienstleistungen mit erweiterten Risiken belastet. Ein Weg, dieses Risiko zu begrenzen, ist die Einführung eines zertifizierten Qualitätsmanagements.

Als Verkäufer von Gebrauchsgütern und gleichzeitig Anbieter von Dienstleistungen sind die Unternehmen der SHK-Branche doppelt betroffen. Auch aus diesem Grund initiierte der ZVSHK bereits vor einigen Jahren den Abschluß von Gewährleistungsvereinbarungen mit einer Reihe namhafter Hersteller. Damit konnte zumindest der Teil des Schadens-Haftungsrisikos von den Schultern der Handwerksbetriebe genommen werden, der auf Materialmängel zurückzuführen ist.

Doch die oben genannte Entwicklung erfordert neuen Handlungsbedarf. Aus diesem Grund bietet der ZVSHK den Marktpartnern eine weitere Dienstleistung an: Die Zertifizierung von Herstellerbetrieben durch die SHK-ZERT. Sie soll beiden Partnern - den Lieferanten der Betriebe auf der einen und den Handwerksunternehmen auf der anderen Seite - zusätzliche Sicherheiten und Marktvorteile garantieren. Im Rahmen einer Fachtagung in Königswinter wurde das Modell der SHK-Herstellerzertifizierung den Gewährleistungspartnern des ZVSHK vorgestellt. Gleichzeitig konnten auch drei Firmen vorgestellt werden, die bereits über ein solches Zertifikat verfügen.

Eine lebhafte Diskussion wurde über Sinn oder Unsinn von Qualitätsmanagementsystemen geführt. Die Kernfrage lautete: Rechtfertigt der Erfolg den hohen Aufwand?

"Wir alle, Hersteller, Verkäufer und Verarbeiter von Industrieprodukten," so ZVSHK-Hauptgeschäftsführer Michael von Bock und Polach bei der Begrüßung der rund 60 Teilnehmer der Veranstaltung, "stehen vor einer neuen Herausforderung mit noch nicht absehbaren Folgen. Unser Angebot, diese Zukunftsaufgabe gemeinsam zu bewältigen, gilt in erster Linie Ihnen, unseren Gewährleistungspartnern. Die SHK-ZERT soll es dem Hersteller ermöglichen, sein qualitatives Innovations- und Leistungsspektrum für den Handel, das Handwerk und schließlich dem Endverbraucher sichtbar zu machen."

Einen Überblick über den Kerngedanken der Zertifizierung durch die SHK-ZERT sowie die Zertifizierungssysteme in Europa gab zunächst Andreas Müller vom ZVSHK. Danach sind die Faktoren Produktionskosten, Produktqualität und Produktpreis untrennbar mit der Kundenzufriedenheit verbunden. Die Zertifizierung eines Unternehmens nach der DIN-ISO 9000 ff erfüllt diese Anforderungen jedoch nur ungenügend. "Vor diesem Hintergrund", so Müller, "hat der ZVSHK ein Zertifizierungsverfahren entwickelt, das insbesondere Anforderungen an den Dienstleistungsbereich von Produktherstellern stellt, beziehungsweise interessierten Herstellern die Möglichkeit gibt, ihr individuelles Leistungspaket gegenüber dem Handwerk innerhalb eines Zertifizierungsverfahrens begutachten zu lassen. Qualität heißt eben nicht nur, daß ein Produkt Normen und Richtlinien entspricht, sondern uneingeschränkt für den jeweiligen Verwendungszweck geeignet ist."

Als überzeugte Fürsprecher des SHK-Zertifikates stellten sich Ulrich Brunner und Dr. Reinhard Schlegel, zusammen mit ZVSHK-Hauptgeschäftsführer Michael von Bock und Polach und Andreas Müller vom Zentralverband, den Fragen der Teilnehmer.

Daran mangelt es jedoch zunehmend. Denn mit der Öffnung der Märkte Europas nimmt nicht nur das Angebot an billigen Heizungs-, Klima- und Sanitärerzeugnissen zu, auch was die Einrichtung von Qualitätsmanagement-Systemen und deren Zertifizierung betrifft, sind viele Länder Europas wesentlich weiter als Deutschland. Zudem verändert der Europäische Markt auch die Zertifizierungslandschaft. Das CE-Zeichen gilt längst als "Reisedokument" für Europa.

Die darin liegende Problematik zeigte Oliver Lütke vom ZVSHK auf: "Solche Produkte entsprechen oft nur den grundlegenden technischen Standards und Normen. Als echtes Glied einer Qualitätskette im gesamten Leistungsverbund können sie jedoch nicht bezeichnet werden. Um diese Lücke im bestehenden System der Zertifizierungen zu schließen, bietet die SHK-ZERT der Branche eine maßgeschneiderte Lösung an: Die Zertifizierung des gesamten Leistungsspektrums. Sie reicht von der Entwicklung eines Produktes über die Produktqualität und die Eignung bei der Verarbeitung bis hin zur Nachkaufgarantie und Entsorgung. Selbst die Information und Schulung der Kunden über die Produktpalette wird dabei bewertet."

Das Verfahren der SHK-ZERT und dessen Nutzen für Industrie und Handwerk erläuterte Oliver Lütke vom ZVSHK.

Streit um die Flut von Zertifizierungsangeboten entsteht meist über die hohem Kosten und den nicht immer nachvollziehbaren Nutzen eines solchen Systems. Entsprechend lebhaft entwickelte sich die Diskussion um das Für und Wider einer ganz spezifischen SHK-Zertifizierung.

Zumindest die bereits zertifizierten Unternehmen sind allerdings von den Vorteilen überzeugt. So berichtete Dr. Reinhard Schlegel von der Firma ako, Köln, daß die Checkliste der SHK-ZERT dem Unternehmen Hinweise auf eine ganze Reihe von internen Verbesserungsmöglichkeiten - auch was den Umweltschutz betrifft - gegeben habe. Zudem konnten technische Schwachstellen aufgezeigt und ausgemerzt werden. Die Experten der SHK-ZERT spielten demnach die Rolle der kritischen Gutachter, die, weil nicht "betriebsblind", den Entwicklungs- und Produktionsablauf mit neuen Ideen befruchten konnten.

Die Informationsveranstaltung in Königswinter bildete den Rahmen für die Überreichung der Zertifizierungsurkunde an den schwäbischen Unternehmer Sieghart Klauß durch ZVSHK-Hauptgeschäftsführer von Bock und Polach.

Einen ganz anderen Aspekt der Vorteile eines SHK-Zertifikates zeigte der bayerische Kachelofeneinsatz-Hersteller Ulrich Brunner auf. Die von ihm produzierten Einsätze wurden mit ihren Verbrennungswerten vom bayerischen Gemeindetag zur technischen Norm für Kamin- und Kachelofeneinsätze festgeschrieben. Ein Vorteil, den Brunner wohl zu schätzen weiß: "Das Zertifikat macht schließlich nur dann einen Sinn, wenn es auch `verkauft┤ werden kann, ansonsten verursacht die Prozedur nur Kosten!"

Den Kreis der Argumente schloß schließlich Sieghart Klauß, Gründer und Inhaber der Firma sikla, in Villingen-Schwenningen. Obwohl sein Unternehmen bereits seit 1993 mit einem zertifizierten Qualitätsmanagementsystem nach der DIN-ISO 9001 ausgestattet ist, strebte Klauß auch das SHK-Zertifikat an. Der Grund: "Beim Zertifikat nach ISO 9001 wird nicht die Qualität der Leistungen bestätigt, sondern die Qualitätsfähigkeit eines Unternehmens. Danach definiert jedes Unternehmen für sich selbst, was Qualität ist."

Doch dabei mochte es der schwäbische Unternehmer nicht bewenden lassen. Sein Ziel war es, den Kunden Befestigungssysteme für Rohrleitungen zu liefern, die jedem Qualitätsanspruch genügen. "Der Unterschied zwischen ISO 9001 und SHK-ZERT besteht darin, daß der ZVSHK in Zusammenarbeit mit den Lieferanten, unabhängigen Sachverständigen und Kunden, die Standards der gesamten Leistungspalette bis hin zu Werbeaussagen definiert und jährlich durch Audits überprüft. Dies ist bei Fragen der Gewährleistung gegenüber den Bauherren bei der Vielfalt und Unübersichtlichkeit des Angebots ein nicht hoch genug zu schätzender Vorteil."


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