IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 9/1996, Seite 115 ff.



Handwerksbetriebe in Druck

Welcher Drucker ist der Richtige?

Glaubt man dem Hörensagen, ist der Nadeldrucker längst out, der Tintenstrahldrucker ist der ablösende Billigdrucker und wer etwas auf sich hält, arbeitet nur noch mit Laserstrahlen. Daß aber jeder Druckertyp für sich seine Berechtigung hat, darüber redet niemand und schon gar nicht die Werbung.
Helmut Meyer, Leiter der Marketingabteilung eines der größten Hersteller, die für den richtigen Druck sorgen wollen, hat aus der Sicht des Anwenders Maßstäbe aufgezeigt, unter welchen Prämissen ein Drucker auszuwählen ist.

Längst nicht out "der Nadeldrucker"

Die älteste Technik des Arbeitsplatzdruckers stellt der Matrixdrucker dar. Hier ist bereits alles erfunden, was es zu erfinden gibt. Charakteristisches Merkmal eines Matrixdruckers ist der Druckkopf, der mit einer unterschiedlichen Anzahl von Nadeln ausgerüstet ist und durch seine mechanische Arbeitsweise, verglichen mit den anderen Techniken sehr laut, ja sogar manchmal empfindlich laut, seine Dienste verrichtet. Was die Anzahl der Nadeln anbelangt, spricht man heute von 9 oder 24 Nadeldrucker.

Der Matrixdrucker ist ausgereift. Es ist bereits alles erfunden, was es in dieser Technologie zu erfinden gibt. Er ist immer noch der flexibelste, was die Papierverarbeitung anbelangt, unter allen Druckertypen. Unüberhörbarer Nachteil, er ist sehr laut
(Foto: Lexmark).

Der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Typen wiederum ist die Geschwindigkeit und das Schriftbild. Weist der 9-Nadeldrucker das schlechteste Schriftbild überhaupt auf, so macht er dieses Manko durch seine Geschwindigkeit und mit einer hohen Druckkraft wett. Seine außerordentliche Durchschlagskraft führt ihn dann auch wieder zu positiven Ergebnissen und macht ihn für seine Zwecke unentbehrlich. Dazu ist aufklärend zu bemerken: Nadeldrucker sind die einzigen Druckertypen, die es erlauben, mit Mehrblattpapier zu arbeiten. Mit "Elefantenkraft" bewältigt der 9-Nadeldrucker bis zu fünf Lagen, also vier Durchschläge. Der große Bruder mit 24 Nadeln weist ein bedeutend besseres Schriftbild auf, was erheblich zu Lasten der Geschwindigkeit geht und bei drei Durchschlagsformularen, bei denen er noch vertretbare Ergebnisse aufzeigt, ist seine Kraft erschöpft.

Immer noch die flexibelsten

Matrixdrucker sind immer noch am vielseitigsten, was die Verwendung von unterschiedlichen Papierarten angeht. Mit diesen Druckern können Endlospapier und Einzelblätter unterschiedlichster Größe und Papierqualität problemlos eingesetzt werden. Die Flexibilität der Matrixdrucker nimmt sogar noch zu, setzt man Endlospapier und Einzelblätter gemeinsam ein. In der Zuführung von Einzelpapier wird das Endlospapier automatisch von dem Drucker auf die sogenannte Warteposition gesetzt, schaltet man den Drucker auf Endlospapier, wird es wieder auf Druckposition gebracht.

Neben der hervorzuhebenden Flexibilität ist noch positiv anzumerken, daß das Druckergebnis der Matrixdrucker, vor allen anderen Verfahren, das preisgünstigste ist.

Zug- oder Schubtraktor?

Matrixdrucker können mit verschiedenen Traktoren angeboten werden. Der Zugtraktor bietet sich immer dann an, wenn man nur Endlospapier verwendet, welches schwer und vielschichtig ist. Dagegen ist der Schubtraktor dann angebracht, wenn man zwischen Endlos- und Einzelblatt wechseln will. Es ist beim Kauf unbedingt darauf zu achten, daß der Einzug über einen geraden Papierpfad verfügt, um auch schwerste Mehrfachformulare problemlos verarbeiten zu können.

Barcodeschriften

Betriebe, die mit einer großen Lagerhaltung arbeiten, bedienen sich oft des Barcodes. Neben den umfangreichen Schriften bieten darüber hinaus auch einige Drucker eingebaute Barcodeschriften an, so daß man aus der Anwendung heraus direkt Strich- und Barcodes drucken kann. Drucker, welche alle diese Anforderungen erfüllen, liegen deutlich über 500,- DM.

Eine Eigenschaft ist bei allen Matrixdruckern auf Grund ihrer mechanischen Bearbeitung des Papiers gleich: "Sie sind laut."

Tintenstrahldrucker

Die Tintenstrahldrucker haben den Massenmarkt erobert. Sie sind preiswert in der Anschaffung, schnell und leise. Das Verfahren entspricht dem des Matrixdruckers, nur mit dem Unterschied, daß statt Nadeln Tintendüsen eingesetzt werden. Der Tintenstrahldrucker ist die Technologie, die Farbe zu den geringsten Kosten an den Arbeitsplatz bringt.

Laserdrucker bieten die komfortabelsten Möglichkeiten, wenn es um Massendrucksachen im Betrieb geht
(Foto Lexmark).

Die meisten Tintenstrahldrucker werden heute schon standardmäßig mit Farbpatronen oder mit Farbdruckköpfen ausgestattet. In einigen ist sogar der Mono - also der Schwarzweißbetrieb nur durch Zukauf zu realisieren. Die Farbe wird durch die Mischung der drei Grundfarben erzeugt. Tintenstrahldrucker, die nur über einen Farbkopf verfügen, können auch annähernd schwarz drucken, wenn alle drei Grundfarben in gleicher Sättigung zusammenkommen. Allerdings ist davor zu warnen, da dieses Verfahren bei großen Druckmengen und auf Dauer sehr teuer ist.

Papier entscheidet über Druckqualität

Die besten Druckergebnisse werden bei Tintenstrahldruckern immer auf speziellem Papier erzielt. Das geht sogar so weit, daß man auf die Empfehlungen des Herstellers achten sollte, der in Tests die besten Ergebnisse für seine Tinten/Papier-Kombination ermittelt hat. Besonders ist diese Anforderung bei Farbdrucken zu beachten. Ungeeignetes und billiges Kopierpapier neigt dazu, Schriften und Grafiken ausgefranst aussehen zu lassen. Hochwertig beschichtetes Papier unterstützt dagegen die Kontraste und die Farbbrillanz erheblich.

Die Kosten einer Druckseite im s/w-Betrieb liegen über 20 Pfennig, das ist allerdings davon abhängig, wieviel Farbe man auf der Seite aufträgt und wie schnell demzufolge der Tintenvorrat verbraucht ist. Bei dem Drucken von Farbe liegt der Preis in der Regel über 50 Pfennig pro Seite. Der Ausdruck ist dann am teuersten, wenn man einen s/w-Druck über die Vollmischung von Farbe erreichen will.

Wo liegt der Vorteil?

Tintenstrahldrucker sind üblicherweise Einzelblattdrucker. Sie erlauben die automatische Zufuhr von Einzelblättern, verfügen aber unter Umständen auch über eine manuelle Beschickung. Mit den meisten Druckern dieser Technologie können Folien und Briefhüllen bedruckt werden. Die wichtigsten Einsatzgebiete des Tintenstrahldruckers sind in der täglichen Büroarbeit zu sehen. Allerdings nur dann, wenn keine Mehrfachformulare zu bearbeiten sind.

Bei Anwendungen im professionellen Bereich sind Drucker einzusetzen, die zusätzlich PostScript anbieten. PostScript ist der Name einer Seitenbeschreibungssprache. Dabei werden nicht einzelne Punkte, sondern ganze Objekte definiert. Tintenstrahldrucker eignen sich normalerweise nicht für ein dokumentenechtes Drucken und nicht in feuchter Umgebung, da die meisten Tinten maximal mischfest sind.

Laserdrucker oder auch Seitendrucker

Laserdrucker arbeiten im Gegensatz zu Tinten- und Matrixdrucker nicht Zeile für Zeile, sondern Seitenweise. Dieses Druckverfahren nennt man auch "Elektro-Fotografisch." Man benutzt Laserstrahlen, manche Drucker auch LEDs (light ermitting diode => Leuchtdiode), um das Druckobjekt auf die Entwicklungsstation aufzubringen, damit der Toner angezogen, bzw. abgestoßen werden kann. Der Toner wird dann durch die statische Spannung auf das Papier übertragen und in der Einbrennstation aufgeschmolzen.

Selbst Produkte der Low End Farbtintenstrahldrucker, heute bereits ab 500,- DM zu erhalten, erzielen schon sehr befriedigende Ergebnisse
(Foto: Lexmark).

Laserdrucker sind am vielseitigsten einsetzbar und ihr Leistungsbereich reicht von 4 bis 200 Seiten pro Minute mit einer Auflösung von 300 bis 1200 DPI (Punkte pro Inch). Für den Arbeitsbereich und den Netzbetrieb spricht man allerdings von maximal 30 Seiten pro Minute.

Die Druckformate gehen in der Regel über DIN A5 bis DIN A4, in den Ausnahmen gibt es auch Drucker mit den Formaten DIN A6 und DIN A3.

Geschwindigkeit im Überholvorgang

Die für die Laserdrucker angegebene Geschwindigkeit bezieht sich immer auf den sogenannten Kopiermodus. Im Klartext heißt das, eine Seite ist bereits aufbereitet und wird mehrfach gedruckt. Die Geschwindigkeit ist abhängig von der Anbindung. Textdruck geht am schnellsten und zwar dann, wenn sich die Schriftart bereits als Festschrift oder BITMAP- Schrift im Drucker befindet. Werden andere Schriften eingesetzt, müssen diese erst in ihrer tatsächlichen Größe errechnet werden, um gedruckt werden zu können. Daher empfiehlt es sich, die Schriftart, die man aus der Anwendung wählt, mit der des Druckers abzustimmen, um die höchstmögliche Geschwindigkeit zu erzielen.

Grafiken dauern schon länger, weil sie in der Gesamtheit der Seite erst berechnet werden müssen. Am längsten jedoch nimmt der Ausdruck von Bildern in Anspruch, da die hier benötigten Datenmengen an den Drucker übertragen und von ihm aufbereitet werden müssen.

Vielseitig in der Papierhandhabung

Laserdrucker sind sehr vielseitig in der Papierhandhabung. Viele Drucker dieser Technologie bieten mehrere Einzeleinzüge an, die unterschiedlich bestückt und auch einzeln angesteuert werden können. So hat man zum Beispiel die Möglichkeit, aus dem ersten Fach einen Geschäftsbrief, aus dem zweiten einen Formularvordruck und aus dem dritten eine Briefhülle zu bedrucken.

Das Papiergewicht reicht in der Regel von 60 bis 150 Gramm, es gibt aber auch Produkte im Markt, die bis zu 300 Gramm bearbeiten können.

Ein weiterer Vorteil eines Laserdruckers besteht darin, ein Blatt automatisch beidseitig zu bedrucken. Das erweitert auf der einen Seite die Gestaltungsmöglichkeit der Geschäftspräsentation und hilft auf der anderen Seite Papier sparen, wenn es beispielsweise darum geht, firmeninterne Masseninformationen auszudrucken. Über einen geeigneten Druckertreiber lassen sich sogar bis zu vier Seiten auf einem Blatt Papier abbilden.

Weitere Möglichkeiten sind das komplette Sortieren im Drucker, wenn mehrfach gedruckt werden muß.

Was sie leisten

Laserdrucker sind für eine monatliche Druckleistung von einigen tausend sogar bis zu über 70.000 Seiten ausgelegt. Die meisten Geräte verfügen über das Zertifikat der Bundesanstalt für Materialprüfung im Dokumentendruck.

Der Einsatz von Laserdruckern ist bei allen Büroarbeiten und in Netzen möglich. Hochleistungsgeräte können im Netz von mehreren Benutzern gleichzeitig angesprochen werden. Entsprechende Netzwerkadapter sind bei den meisten Herstellern erhältlich und bieten einen flexiblen Anschluß an allen üblichen Netzwerk-Betriebssystemen, Netzwerkprotokollen und Typologien. Die Druckkosten liegen zwischen 1 bis 5 Pfennig pro Seite je nach Art des Druckers und dessen Einsatz.

Bei dem Kauf eines Matrixdruckers sollte man auf folgende Dinge achten:
Robustheit des Gerätes bei der benötigten Durchschlagskraft für Mehrfachformulare.
Also entweder 9 Nadeln oder 24 Nadeln.
Die zu bedruckenden Formate DIN A4 oder DIN A3.
Die Möglichkeit der automatischen und manuellen Einzelblattzufuhr neben der Verwendung von Endlospapier.

 

Die Preisspirale der Tintenstrahldrucker beginnt bereits bei 500,- DM und schraubt sich hoch bis in mehrere tausend Mark, abhängig von der Ausstattung und Fähigkeit der Maschine, aber bereits in den unteren Preisklassen werden meist gute Druckergebnisse für den normalen Bedarf erzielt. Wenn hohe Volumen von Farbausdrucken mit einer großen Deckung nötig sind, sollte man aus Interesse der Gesamtkosten möglicherweise einen Farblaserdrucker in die engere Wahl einbeziehen.

 

Kaufkriterien für Laserdrucker
Robustes und zuverlässiges Design. Guter Zugang zu den Papierwegen, um bei Papierstaus unproblematisch das Papier entfernen zu können. Bei reinen Textanwendungen kommt man mit einem Arbeitsspeicher im Drucker von 1 MB aus, den man jedoch bei Grafiken oder Bildern entsprechend erhöhen muß.


[Zurück]   [Übersicht]   [www.ikz.de]