IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 9/1996, Seite 111 ff.



Der Computer am Bau

Aufmaßerfassung schnell und fehlerfrei

Aufmaßerfassung per Hand ist bis jetzt noch die Regel in den Handwerksbetrieben. Die althergebrachte Methode hat sicher ihre Tradition und Routine. Schneller und weniger kostenintensiv wird dieser Prozeß mit der mobilen Aufmaßerfassung über ein Notebook. Zumal dann, wenn der Umfang der Erfassungen wächst. Wer bereits Erfahrung mit einem transportablen Rechner gesammelt hat und auch einen solchen schon im täglichen Büroalltag einsetzt, wird sich schnell mit diesem Thema anfreunden können. Der Weg zur Aufmaßerfassung per EDV auf der Baustelle ist für diese Anwendergruppe nur noch ein kleiner Schritt.

Bei kleinen Aufmaßen wird sich ein Umdenken dieser Methode sicherlich noch nicht einmal im Ansatz lohnen. Papier hat man schnell bei der Hand, z.B. das mitgebrachte Notizbuch. Umfangreiche Aufmaße fordern aber schon eine gewisse Vorbereitung. Weil bekanntlich Arbeitsrationalisierung und damit Kosteneinsparung immer erst einmal mit Ausgaben in Verbindung stehen, sind Systeme der mobilen Aufmaßerfassung erklärungsbedürftig.

Routineerfassungen wie beim Aufmaß erfordern eine hohe Konzentration, um zu einem exakten Resultat zu kommen. Dabei ist es nicht nur hinderlich, sondern auch zeitaufwendig, ständig den Metermaßstab mit dem Schreibblock und dem Schreibstift zu wechseln, es sei denn, eine zweite Person übernimmt den Part des Schreibens, und das erhöht wieder die Kosten.

Die Aufmaßerfassung per Spracherkennung hält dem Handwerker die Hände frei. Er kann sich auf die Meßvorgänge konzentrieren und benötigt keine Schreibutensilien mehr. Im Büro kann er die Daten von dem Notebook direkt in die Kalkulation übergeben.

In der EDV-Anwendung gibt es zwei Systeme, die eine Aufmaßerfassung erheblich erleichtern, das Aufmaß über die Spracheingabe und das Aufmaß per Lasertechnik. Die Erfassung muß nicht zweimal bearbeitet werden, denn die Daten, die in dem Notebook erfaßt werden, können mühelos in einigen Minuten an den PC im Büro übergeben werden. Übertragungsfehler von der schriftlichen Aufzeichnung zur Eingabe in den Computer gehören damit der Vergangenheit an. Maßketten, die zur Ermittlung der Räume und Flächen dienen, werden gleich am Ort folgerichtig von dem Computer ausgerechnet. Rechenfehler treten auch hier nicht mehr auf. Das eine System stützt sich auf die Sprachenerkennung und das andere auf die Vermessung per Laserstrahlen.

Aufmaßerfassung per Spracheingabe

Der Gedanke der Sprachenerfassung über den Computer ist im Grunde genommen nicht neu. Die allgemein bekannte Methode erfolgt über die Einzelworterkennung, bei der deutliche Pausen zwischen den Eingaben liegen müssen, damit das System die Worte erkennen und identifizieren kann.

Bei einem neu entwickelten System handelt es sich jedoch um eine kontinuierliche Spracherkennung, kombiniert mit der Einzelworterkennung zur Eingabe von numerischen und alphanumerischen Daten. Die kontinuierliche Spracherkennung erlaubt dem Benutzer eine natürliche Sprechweise bei der Eingabe seiner Daten.

Die Einzelworterkennung wird zur Eingabe von Daten verwendet, die individuell von dem Anwender eingegeben werden (z.B. Raumbezeichnungen) und unterscheidet sich von der kontinuierlichen Spracherkennung durch die Art des "gesprochen werdens". Das System kann sich also nicht nur Daten und Begriffe merken, sondern auch die individuelle Sprechweise und Stimmlage seines Anwenders.

Im Projekt-Kopf werden alle Daten der Bearbeitungsgrundlage erfaßt und für jeden Mitarbeiter nachvollziehbar dargestellt.

Um mit der Spracherkennung arbeiten zu können, muß das Programm jedoch erst trainiert werden. Das gilt für jeden Benutzer dieser Software. In seiner Sprechtoleranz, verspricht der Entwickler, ist nur ein kurzes Training des Systems durch den Benutzer erforderlich. Während der ständigen Anwendung arbeitet die Spracherkennung adaptiv, das heißt, die erzeugten Sprechmodelle passen sich laufend an den Sprecher an. Die Eingaben erfolgen über ein Funkmikrofon an das Notebook.

Voraussetzung für dieses System sind von der Hardwareseite ein Notebook mit einem 486/DX4-100 Prozessor. Als Arbeitsspeicher sollen 16 MB RAM zur Verfügung stehen. Für die Umsetzung der Sprache sorgen ein Funkmikrofon, ein Empfänger und eine Soundblaster kompatible Sprachkarte. Die Spracherkennungs-Software setzt die Kalkulationssoftware des Softwareentwicklers voraus.

3 Millimeter Toleranz Aufmaß mit dem Laserstrahl

Mit einer Meßgenauigkeit von +/- 3 mm auf einer Entfernung von 100 m, erreicht der Anwender eines Lasermeßsystems eine ungewöhnliche Genauigkeit seiner Aufmaßdaten in kürzester Zeit.

Das Aufmaßsystem fordert allerdings einige Software-Voraussetzungen. Unter anderem ist ein Meßgerät und eine Software erforderlich, die die Schnittstelle und Berechnungssoftware zwischen Lasergerät und Rechner herstellt. Aber damit ist es in der Investition zur problemlosen Aufmaßerfassung noch nicht getan. Gefordert ist für die Installation des Systems eine funktionsfähige WindowsVersion 3.x. Bevor der Anwender das Programm installiert, muß die WIN32s Extention von Microsoft installiert werden, da diese für die Lauffähigkeit der Aufmaßsoftware Voraussetzung ist. Eine weitere zwingend erforderliche Komponente in dem System ist AutoCAD LT für Windows. Erst jetzt darf der Anwender davon ausgehen, daß die Aufmaßerfassung auch läuft.

780 Gramm Hightech

Der maximale Meßfehler ist entsprechend der ISO-Empfehlung nach ISO/R 1938-1971 mit einer statistischen Sicherheit von 95% angegeben. Die Rede ist von der Meßdatenerfassung mit einem nur 780 Gramm leichten und 235 x 104 x 59 mm kleinen Lasergerät. Die typische Meßgenauigkeit von +/- 3 mm auf bis zu 140 m Entfernung ist ein Erfolg der modernen Lasertechnik. Ein maximaler Meßfehler von +/- 5 mm, das heißt +/- 2 x Standardabweichungen, kann bei ungünstigen Meßbedingungen auftreten. Versorgt wird das Gerät mit der Energie aus einem 12 Volt-Akku, der bis zu 400 Messungen pro Ladung zuläßt. Die Ladezeit der Akkus benötigt eine Stunde.

Handhabung der Software wie gewohnt

Wer mit Windows arbeiten kann, wird mit der Software zur Aufmaßerfassung keine Probleme haben. Grundkenntnisse in der Bedienung von Windows erleichtern den Einstieg in diese Software erheblich.

Im Programmteil "Messen" werden die Räume grafisch vorstrukturiert und die Teilbereiche der zu vermessenden Strecken alphabetisch angelegt. Solange der Anwender die geschlossene Wandfolge innerhalb des Standardmeßablaufes erfaßt, werden die Wand-, Boden- und Deckenflächen automatisch raumweise ermittelt.

Begonnen wird mit der Erfassung in der Projektdatenverwaltung. Vor der Messung legt der Benutzer des Systems die Raumdaten fest, in welchem Geschoß, in welcher Wohnung und in welchem Raum er mit den Messungen beginnen, bzw. fortfahren will.

Das Aufnahmeverfahren zur Datenermittlung startet durch das anklicken eines Icons. Damit wird gleichzeitig das installierte CAD-Programm und ein menügesteuerter Meßablauf gestartet. In einem Schritt wird nun gemessen, gezeichnet, berechnet und das Erfaßte grafisch dargestellt. Zug um Zug können nun die Raumdaten eines beliebig großen Baukomplexes erfaßt werden.

Handwerker, die mit einer Windows-Applikation in der Kalkulation arbeiten, können die gewonnenen Daten über den Umweg Access weiterverarbeiten. Schnittstellen zu Handwerkerprogrammen sind geplant.