IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 9/1996, Seite 3


EDITORIAL


Vertriebswege

Bewährungsprobe für den Branchenkonsens

ZVSHK-Hauptgeschäftsführer
RA Michael von Bock und Polach

Nachdem in den vergangenen Wochen und Monaten sowohl in der Fachöffentlichkeit als auch hinter verschlossenen Türen lebhaft über die Absatzwege diskutiert worden ist, wird es jetzt ernst.

Mit seinem Einzelhandelskonzept "Bäderwelt" hat die Thyssen-Handelsunion in Kooperation mit der Bauhausgruppe ein Modell vorgestellt, das neben dem Verkauf von Markenprodukten an den Endverbraucher auch das Angebot von Installationsleistungen umfaßt. Die Reaktionen darauf waren teilweise heftig und kontrovers.

Die Vertreter des ZVSHK und seiner Landesorganisationen haben dabei insbesondere den Kooperationspartner Bauhaus und das Angebot von Installationsleistungen in das Zentrum ihrer Kritik gerückt. Insoweit ist es sachlich schlicht falsch - wie die SI-Information glauben machen möchte - daß der ZVSHK nicht angemessen auf das Projekt reagiert habe.

Die Kontroverse wird allerdings nicht damit zu lösen sein, die Stimmung anzuheizen und Personen anzuschwärzen. Insbesondere sollten Ursachen und Wirkung nicht durcheinander gebracht werden. Gefordert ist eine saubere Recherche und sachliche Information der Betroffenen vor Ort, die selbst in der Lage sind, ihre unternehmerische Entscheidung zu treffen. Bevormundung ist deshalb ebensowenig angezeigt wie Vernebelungstaktiken.

Prüfstein für Investitionen im Einzelhandel sollte grundsätzlich die Frage sein, ob das jeweilige Modell den wirtschaftlichen Interessen der Marktpartner im Absatzweg von Industrie, Großhandel und Handwerk gleichermaßen nützt.

Die Übernahme von Funktionen des Marktpartners gegen seinen Willen führt zu einer Wettbewerbslage, die im Ergebnis den Branchenkonsens bedroht. Gerade in Zeiten verschärften Wettbewerbs kann das gemeinsame Ziel aber nicht die Auflösung des Qualitäts- und Leistungsbündnisses der deutschen Sanitärwirtschaft sein, sondern seine Stärkung gegenüber Angriffen Dritter. Der scheidende VDS-Präsident, Fritz-Wilhelm Pahl, hat verdienstvollerweise und mit nachhaltiger Unterstützung des ZVSHK immer wieder auf diesen Umstand hingewiesen.

Und noch eins: Es gibt keine allgemeingültigen Patentrezepte zur Verstärkung der Einzelhandelsfunktion. Was allerdings nicht im Interesse eines freien Handwerksunternehmens stehen kann, ist die Rolle des Hilfswilligen durch Übernahme von abhängiger Lohnarbeit, die nicht den eigenen Interessen, sondern den Absatzinteressen anderer dient.

Die Wahrung der unternehmerischen Freiheiten, d.h., freie Kundenwahl, Preisbildung und Produktauswahl kann nicht nur für Industrie und Großhandel gelten, sondern muß erst recht für den gelten, der letztlich den Markt macht: Der Handwerksbetrieb vor Ort.


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