IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 7/1996, Seite 147 ff.


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Erfolgreich am Markt

Bosch: Geschäftsbereich Elektrowerkzeuge

Am 6. Februar dieses Jahres informierte die Robert Bosch GmbH die Fachpresse in Solothurn, Schweiz, über Marktsituation und Neuheiten ihres Geschäftsbereichs Elektrowerkzeuge.

Marktsituation

In den letzten Jahren hatte sich das Geschäft mit Elektrowerkzeugen auch bei Bosch etwas abgeschwächt - allerdings nur auf hohem Niveau. Doch wie Wolfgang Chur, Geschäftsleiter Vertrieb im Geschäftsbereich Elektrowerkzeuge, anläßlich der Fachpressekonferenz in Solothurn berichtete, konnte das Unternehmen die Weltmarktposition in diesem Geschäftsbereich 1995 weiter ausbauen. Der Außenumsatz nahm um 7% auf 2,7 Mrd. DM zu. Einschließlich der anteiligen Umsätze der US-Gemeinschaftsunternehmen S-B Power Tool Company und Vermont American Corporation belief sich der Umsatz auf 3,5 Mrd. DM. Überproportional gewachsen ist das Geschäft in Asien, insbesondere in Fernost. Aber auch in einigen europäischen Märkten konnte die Position gegenüber den Wettbewerbern deutlich verbessert werden. Mit einem Volumen von ca. 4,1 Mrd. DM ist Europa größter kontinentaler Einzelmarkt. Das Wachstum lag bei ca. 2%, mengenmäßig bei 5%.

Über Marktsituationen, technische Kompetenz und Innovationsfähig-
keiten im Bereich der Bosch-Elektrowerkzeuge sowie über die künftigen Markt-Chancen des Bosch-Zubehörs berichteten (von rechts) Dr. Alfred Odendahl, Wolfgang Chur und Jean Dufour.
(Bild: IKZ- HAUSTECHNIK).

Nach Angaben von Chur wurden ca. 70% des Umsatzes im Ausland erzielt; aufgrund der unbefriedigenden Umsatzsituation in Deutschland hat sich der Auslandsanteil um ca. 2% erhöht. In Nordamerika liegt z.B. das Unternehmen mit den Marken Bosch und Skil bereits an zweiter Stelle, mengenmäßig wuchs diese Region um 3%. Und in Fernost ist Bosch bereits stärkster nichtasiatischer Anbieter - ca. 10% Mengenwachstum 1995.

Auch in Deutschland stieg der Anteil der Elektrowerkzeuge um ca. 10% auf rund 11 Mio. Stück, allerdings machte das wertmäßig nur eine Steigerung um ca. 1% auf 1,6 Mrd. DM aus. Das Auseinanderklaffen der mengen- und wertmäßigen Entwicklung spiegelt nach den Worten Churs "weitgehend das zunehmende Vordringen von Niedrigpreisanbietern aus China und Osteuropa wider." Allein im ersten Halbjahr 1995 verdoppelte sich der Elektrowerkzeug-Import aus China gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres auf mehr als 2,7 Mio. Stück. Chur beklagte in diesem Zusammenhang, daß es sich bei diesen Produkten zum großen Teil um Plagiate westlicher Hersteller handele. Die Produkte werden illegal nachgebaut und Handelsbezeichnungen, Firmenlogos, Betriebsanleitungen sowie Ersatzteillisten unverändert übernommen. Selbst Prüfsiegel werden aufgedruckt, ohne daß diese Produkte jemals einer Prüfstelle vorgelegen hätten. (Anm. der Redaktion: Bei solchen Produkten ist Vorsicht geboten, denn ein billiges Elektrowerkzeug, bei der oft geringen Lebensdauer und der schlechten Ersatzteilversorgung, rechnet sich meistens nicht. Hinzu kommt noch, daß es bei Unfällen mit nicht geprüften und zugelassenen Elektrowerkzeugen, im Versicherungsschutzbereich zu Schwierigkeiten führen kann).

Handlich und leistungsstark: Die neue Winkelschleifer-Generation.

Dienst am Kunden

Neben der kontinuierlichen Programmerneuerung und -ergänzung sind die Markenpflege und die Stärkung von Markenbewußtsein von besonderer Bedeutung. Kontinuierlich wird der Service verbessert. Eine Neuerung in Willershausen ist der "Bosch-Fax-Service". Damit können wichtige Service-Unterlagen per Fax und Telefon rund um die Uhr abgerufen werden. Und seit Anfang dieses Jahres bietet Bosch dem Fachhandel den "Bosch-Profi-Test" an: Interessierte Fachhändler können 30 gewerbliche Elektrowerkzeuge zu besonders günstigen Einkaufspreisen ordern. Diese Geräte können die Händler ihren Kunden zum Test zur Verfügung stellen - z.B. dann, wenn der Kunde ein defektes Gerät zur Reparatur zurückgibt. Die Geräte haben 1 Jahr Garantie und werden in dieser Zeit, falls erforderlich, kostenlos repariert.

Ein Rechts-/Linkslaufschalter am Bohrhammer GBH 2-20 SRE ermöglicht den Einsatz des Gerätes auch zum Ein- und Ausdrehen von Schrauben.

Neue Elektrowerkzeuge

Seine technische Kompetenz und Innovationsfähigkeit im Bereich der Elektrowerkzeuge stellt Bosch auch in diesem Jahr wieder unter Beweis. Dr. Alfred Odendahl, Geschäftsleiter Entwicklung im Bosch-Geschäftsbereich Elektrowerkzeuge, stellte eine Reihe interessanter Neuheiten vor.

Mit dem Akku-Bohrhammer GBH 24 VRE bietet Bosch ein besonders kompaktes Gerät mit 24-Volt-Power-Pack an. Serienmäßig ist das "nur" 3,5 kg schwere Gerät sowohl mit einem leistungsfähigen 1,7-Ah-Akku-Pack als auch mit einem besonders starken 2,5-Ah-Akku-Pack erhältlich. Durch die eingebaute Elektronik mit Rechts-/Linkslauf und einem Schlagstop läßt sich der Akku-Bohrhammer auch zum Schrauben und Bohren in anderen Materialien als Beton einsetzen. Die serienmäßige SDS-plus-Werkzeugaufnahme kann mittels eines Adapters mit Schnellspannbohrfutter umgerüstet werden.

Bei dieser Schlagbohrmaschine ermöglicht eine Regelelektronik sowohl feinfühliges Anbohren als auch die materialgerechte Vorwahl der Drehzahl.

In der Zwei-Kilo-Klasse der Bohrhämmer bietet der Typ GBH 2-20 SRE bei Montagearbeiten, wenn Bohrungen von 4 bis 20 mm Durchmesser hergestellt werden müssen, beste Voraussetzungen. Durch den serienmäßigen Schlagstop, Abschaltung des Schlagwerks, ist der Bohrhammer vielseitig einsetzbar - etwa zum präzisen Bohren. Eine Steuerelektronik ermöglicht punktgenaues Anbohren.

Die neuen Einhandwinkelschleifer GWS 6-115, mit seitlich abgeflachten 670-Watt-Motoren, sind ergonomisch noch besser zu handhaben. Sie sind auch als Elektronikversion GWS 6-115 E mit einer zusätzlichen Drehzahlvorwahl erhältlich. Der Getriebekopf läßt sich in 90-Schritten verstellen. Eine Spindelarretierung für einfachen Scheibenwechsel ist serienmäßig. Darüber hinaus können SDS-clic-Spannmuttern für werkzeuglosen Schleiftellerwechsel verwendet werden. Die Schutzhaube mit axialer Sicherung verhindert unbeabsichtigtes Lösen und bietet somit mehr Sicherheit.

Der neue Elektroschaber PSE 150/PSE 180 E entfernt Materialreste aller Art.

Mehr Leistung in der Bohrmaschinen-Mittelklasse bietet Bosch mit den neuen Schlagbohrmaschinen PSB 680 RE und PSB 680 RPE an. Die neuen Modelle, mit 680-Watt-Motoren und vollsynchronisiertem Zwei-Ganggetriebe (Drehzahlleistungen 1000/3000 Umdrehungen pro Minute) können zum Bohren - in Beton bis 20 mm Durchmesser - Schlagbohren und Schrauben eingesetzt werden. Das Modell PSB 680-2 RE verfügt über eine Regelelektronik, die sowohl feinfühliges Anbohren ermöglicht als auch die materialgerechte Vorwahl der Drehzahl. Die PSB 680-2 RPE erlaubt darüber hinaus die Drehkraft vorzuwählen, so daß Schrauben gleichmäßig eingedreht werden können. Die Maschinen sind mit einem schlagbohrfesten Schnellspannbohrfutter (13 mm-Spannweite) ausgestattet. Eine Sicherungsschraube verhindert das unbeabsichtigte Lösen des Bohrfutters im Linkslauf.

Eine weitere Innovation von Bosch: Der neue Elektroschaber PSE 150/PSE 180 E. Mit verschiedenen Messern, Spachteln und Stechbeiteln ausgestattet, hat der Elektroschaber ein großes Einsatzspektrum. Das handliche Gerät (Gewicht: 900 Gramm, Netzkabellänge: 2,50 m) bewegt die Einsatzwerkzeuge schnell vor und zurück und entfernt Rückstände verschiedenster Materialien. Mit Messern aus Stahl oder Hartmetall eignet sich der Elektroschaber für Arbeiten auf hartem Untergrund. Die Neuheit wird in zwei Ausführungen angeboten: als PSE 150 mit 150 W-Motor und 8500 Hüben pro Minute sowie als PSE 180 E mit 180 W und dreistufiger Steuerelektronik, die eine Anpassung der Hubzahl (8500/7500/6500 pro Minute) an das jeweilige Material ermöglicht. Mit der SDS-clic-Aufnahme lassen sich die Einsatzwerkzeuge einfach und schnell austauschen.

Wachsender Zubehör-Markt

Bosch rechnet sich auch künftig gute Chancen im wachsenden Markt von Zubehör für Elektrowerkzeuge aus. Wie Jean Dufour, Leiter des Produktbereichs Zubehör im Bosch-Geschäftsbereich Elektrowerkzeuge, berichtete, strebt das Unternehmen auch in Zukunft eine Vorreiterrolle im Bereich Zubehör an, sowohl bei der Entwicklung und Fertigung neuer Erzeugnisse als auch bei der zunehmenden Internationalisierung des Zubehör-Marktes. Mit ca. 6000 Artikeln bietet das Unternehmen heute die breiteste Palette an System- und Universal-Zubehören an und erzielte damit 1995 einen Umsatz von ca. 800 Mio. DM. Im Mittelpunkt der Zubehör-Aktivitäten, die 1995 im Produktbereich Zubehör zusammengefaßt wurden, steht die Scintilla AG, Solothurn, die in ihrem Walliser Werk St. Niklaus Sägeblätter in großer Menge fertigt. Der Bereich umfaßt ferner den seit 1995 zu Bosch gehörenden Hammerbohrer-Hersteller Hawera Probst GmbH, Ravensburg und das Zubehörangebot der Vermont American Corporation, Louisville (USA), einem Gemeinschaftsunternehmen von Bosch und Emerson Electric Company, St. Louis (USA).

Wertmäßig übertrifft nach Worten Dufours der Zubehör-Markt mit 12 Mrd. DM sogar den der Elektrowerkzeuge (10,5 Mrd. DM). Stärkstes Marktsegment ist Bohren mit einem Anteil von 30%, gefolgt von Schleifen (28%), Sägen (11%), Fräsen (5%), Schrauben (3%) und Meißeln (2%). Die restlichen 21% entfallen auf Segmente wie Hobeln, Tackern, Bürsten und Akku-Technik.


B i l d e r, wenn nicht extra angegeben: Robert Bosch GmbH


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