IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 7/1996, Seite 142 ff.


KLEMPNEREI


Metalldach und -Außenwand in Klempnertechnik

Leistentechnik

Hartmut L. Plawer, Architekt Teil 2

Im ersten Teil dieses Beitrages wurden Doppelstehfalztechnik und Winkelstehfalztechnik dargestellt. Der zweite Teil behandelt die verschiedenen Formen der Leistentechnik. Die heutige Architektur mit ihren markanten Formen und ausgeprägten, gestaltbildenden Dächern nutzt alternativ die Leistentechnik. Flächen und Volumina werden mit ihr wirkungsvoll gegliedert. Fachmännisch ausgeführt ist sie, ebenso wie die Doppelstehfalztechnik, eine in der Praxis bewährte Methode, metallische Deckungen und Bekleidungen wettersicher und attraktiv aufzubringen.

Bewährte Technik - neu interpretiert

Im Bereich der handwerklichen Metallbedachung zählen Leistendeckungen zu den ältesten Verlegearten. Sie gehen zurück auf Verbindungstechniken früher Bleibedachungen, wie zum Beispiel die Holzwulstdeckung, die noch heute ausgeführt wird, und die dem Prinzip nach auch zu den Leistentechniken zählt. Aber auch in der modernen Architektur ist die handwerklich ausgeführte Leistendeckung als Alternative zur Falztechnik sehr gefragt, wie wir anhand unserer Bildbeispiele sehen.

Leistentechnik bedeutet, daß zwischen jeder Längsnaht der Schar- oder Deckbleche eine Holzleiste angeordnet wird, die diese voneinander trennt. Als Überdeckung der Leiste und der angrenzenden, aufgekanteten Scharseiten werden Leistenkappen oder -deckel übergestülpt oder aufgeschoben.

Leistendach mit integrierten Dachflächenfenstern und rundem Übergang in senkrechte Fläche. Hier waren Könner am Werk!
(Foto: Rheinzink).

Die wichtigsten Merkmale der Leistentechnik

- Sehr gute Dehnungsmöglichkeiten der einzelnen Scharen.

- Auswechselbarkeit einzelner Dachpartien und Teilflächen.

- Kräftige Gliederung und Strukturierung der Dachflächen.

- Interessante Gestaltungsmöglichkeiten.

Verschiedene Ausführungsarten und Variationen

Aus einer Vielzahl unterschiedlicher Ausführungen von Leistendeckungen, die zu Beginn dieser Deckungstechnik regional praktiziert wurden, haben sich im Laufe der Zeit drei Grundformen erhalten und länderspezifisch durchgesetzt. Dazu kommt eine Modifikation.

Die Bezeichnungen lauten wie folgt:

- Belgische oder rheinische Leistendeckung

- Deutsche Leistendeckung

- Französische Leistendeckung

- RZ-Klick-Leistensystem

Während in Deutschland die beiden erstgenannten Techniken sowie das RZ-Klick-Leistensystem üblich sind, werden in Frankreich, Belgien, England und einigen südeuropäischen Ländern hauptsächlich französische Leistendächer ausgeführt.

Kraftvoll akzentuierte, asymmetrische Leistendächer auf einem modernen Zweckbau. Schutzfunktion und Gestaltungselement wurden überzeugend verbunden
(Foto: Marchand).

Belgische (oder rheinische) Leistendeckung

Diese Deckart ist gekennzeichnet durch Holzleisten mit quadratischem oder nach unten konisch unterschnittenem Querschnitt (4 x 4 cm) sowie durch einfache, seitliche Aufkantungen ohne zusätzliche Rückkantungen.

Zur Befestigung der Deckscharen dienen sogenannte Streifenhafte, die unter den Holzleisten durchlaufen, seitlich hochgeführt werden und deren überstehende Enden über die Aufkantungen seitlich zurückgebogen werden. Auf diese Weise werden die Deckscharen niedergehalten. Ihr Abrutschen wird durch schräge Einschnitte im Bereich der umgebogenen Streifenhaftenden verhindert.

Abschließend werden die Leistenkappen aufgeschoben, deren seitliche Abkantungen mit einem nach innen liegenden Umschlag in die nach unten gebogenen Streifenhaftenden greifen.

Die belgische Leistendeckung wird - bedingt durch fehlende Wasserfalze - nur bei Dachneigungen M 25 eingesetzt. Da systembedingt eine Sicherheit gegen kräftigen Schlagregen und auftreibendes Wasser nicht gegeben ist, sollten ebenfalls senkrechte Außenflächen nicht in dieser Technik bekleidet werden.

Traufdetail mit Ortgangleiste und Dachentwässerung, "maßgeschneidert" im RZ-Klick-Leistensystem. Die abgeschrägten Leistenenden ergeben ein harmonisches Erscheinungsbild
(Foto: Rheinzink).

Deutsche Leistendeckung

Die deutsche Leistendeckung unterscheidet sich von der belgischen durch zusätzliche Rückkantungen an den Enden der Aufkantungen. Diese Besonderheit bedingt eine sehr breite Leistenkappe. Gleichzeitig bewirkt sie aber auch erhöhte Sicherheit gegen Schlagregen, so daß diese Deckart praktisch für alle Dachneigungen und Bekleidungen von 3 bis 90 geeignet ist.

Wenn die systembedingte, sehr breite "Optik" der deutschen Leistendeckung aus gestalterischen Gründen unerwünscht ist, andererseits aber die erhöhte Schlagregensicherheit gefordert wird, läßt sich ein etwas schlankeres Erscheinungsbild erreichen, in dem man die Holzleiste schmaler dimensioniert. Eine weitere Möglichkeit, die Breite der Leistenkappe zu reduzieren, ist das abschließende Umlegen der seitlich überstehenden Wasserfalze, zusammen mit der fertig aufgeschobenen Leistenkappe. Von amerikanischen Handwerkern wird diese Technik als "Batten Seam Method" (sinngemäß = Leistenfalz-System) bezeichnet.

Zur Befestigung der Scharen bei der deutschen Leistendeckung dienen einfache Plattenhafte, die oben auf den Holzleisten aufgenagelt werden. Regional sind aber auch - wie bei der belgischen Deckart - unter den Holzleisten verlaufende Streifenhafte üblich.

Das Absichern gegen Verrutschen der Scharen erfolgt, ebenfalls wie bei der belgischen Deckart, durch passende Einschnitte in die Wasserfalze.

Metalldächer in Klempnertechnik eröffnen einen weiten Gestaltungsspielraum. Auch der Leistentechnik sind formal kaum Grenzen gesetzt (Foto: Marchand).

Französische Leistendeckung

Wie in diesem Falle die Bezeichnung schon sagt, ist dies die Technik, die in Frankreich bei Leistendeckungen seit Generationen praktiziert wird. Es ist gleichzeitig die in Großbritannien übliche Verlegeart. In Frankreich wird sie als "Couverture à tasseaux" und jenseits des Kanals als "Roll cap roofing" bezeichnet .

Der Hauptunterschied zu den beiden vorbeschriebenen Techniken liegt in der Querschnittsform der Holzleiste und in der Form der Leistenkappe. Verwendet werden konische, nach oben verjüngte Leisten, deren Höhe je nach Dachneigung und Klimazone zwischen 4 und 7,5 cm beträgt. Die Befestigung der Scharen wird, wie bei der belgischen Deckart, mittels unter den Holzleisten verlaufenden Streifenhaften sichergestellt.

Für die Überdeckung der Holzleisten und die seitlich aufgestellten Scharen werden annähernd trapezförmige Leistenkappen aufgebracht, die oben durch einfache, direkte Nagelung und unten durch einen umgebogenen Federhaft gehalten werden.

Eine Fülle durchdachter Anschlußdetails ermöglichen, wie bei den vorbeschriebenen Ausführungsarten, systemkonforme Ausführung von Traufen-, First- und Wandanschlüssen.

Außenwandbekleidungen bieten dem Bauklempner ein umfangreiches Betätigungsfeld. In Leistentechnik wirken sie durch ihre vertikale Gliederung besonders attraktiv
(Foto: Rheinzink).

RZ-Klick-Leistensystem

Diese Ausführungsart ist eine Modifikation des deutschen und des belgischen Systems für Dach und Wand. Ihre Vorteile sind schnelle Verlegung und unsichtbare Befestigung der Leistenkappen. Scharen und Leistenkappen werden per Rollformer vorgefertigt, die Ausführung ist - dank Wasserfalzen - ab 3 Dachneigung zulässig.

Die Bezeichnung kommt dadurch zustande, daß die Kappen zur Abdeckung der Leisten in spezielle, vorher aufgebrachte 30-50 cm lange Haftstreifen "aufgeklickt" werden.

Die systemtypischen Einzelheiten der verschiedenen Leistendach-Ausführungen und ihre Unterscheidungsmerkmale sind aus den Schnittdarstellungen und Zeichnungen ersichtlich.

Außer den vorbeschriebenen Systemen kommen regional oder objektbedingt Varianten dieser Techniken zur Ausführung. Ein System ohne Holzleisten, aber mit ähnlichem Aussehen, wird nachfolgend beschrieben.

Schematische Darstellung der verschiedenen Falz- und Leistenverbindungen für Metallbedachung und -Außenbekleidung:
1 Doppelstehfalz;
2 Winkelstehfalz;
3 Doppelwinkelstehfalz;
4 T-Falz (Schiebefalz);
5 Belgische Leiste;
6 Französische Leiste;
7 Deutsche Leiste;
8 RZ-Klick-
Leistensystem.

Variante ohne Holzleiste mit leistenähnlichem Aussehen

Ist die Verwendung von Holzleisten - aus welchen Gründen auch immer - nicht erwünscht, aber trotzdem ein "leistenähnliches" Aussehen der Bedachung oder Außenwandbekleidung erforderlich, kann durch eine Doppelwinkelstehfalz- oder T-Falz-Verbindung (regional auch als Schiebefalz bezeichnet) eine ähnliche Oberflächenwirkung erreicht werden.

Während aus einer bestimmten Distanz eine solche Arbeit für einen Nichtfachmann einer Deckung in Leistentechnik sehr ähnlich sieht, bemerkt der Kenner beim genaueren Hinsehen Unterschiede in Struktur, Schattenraster und Oberfläche.

Technisch gesehen ist eine solche Ausführung als Zwischenlösung zu betrachten, die Elemente der Winkelstehfalztechnik mit Merkmalen der Leistentechnik verbindet. Man findet sie beispielsweise auch bei Gratfalzen und im Firstbereich.

Zwei metallgedeckte Walmdächer geben diesem nahezu vollflächig verglasten Häuserpaar ein unverwechselbares Aussehen. Sie sind im Doppelwinkelstehfalz-
System, auch als "T-Falz" bezeichnet, gedeckt. Diese Verlegetechnik ähnelt optisch der Leistentechnik, wird allerdings ohne trennende Holzleisten ausgeführt
(Foto: Verfasser).

Unterkonstruktion, Dachaufbau

Die technischen Details der Unterkonstruktion und des Dachaufbaues sind im allgemeinen mit denen der im ersten Teil behandelten Doppelstehfalztechnik identisch. Ebenfalls die konstruktiven Forderungen und Maßnahmen bezüglich Belüftung, Wärmedämmung und Dampf- bzw. Windsperre.

Auch bei der Leistentechnik gilt es, den Eintrag von Bau- und Nutzfeuchte und damit mögliche Tauwasserbildung sowie das Eindringen von Niederschlagswasser und Schmelzwasser zu verhindern. Die im ersten Teil gemachten Aussagen hinsichtlich der Anordnung von Trennlagen gelten auch hier.

In der Baupraxis bewährt hat sich vor allem die voll durchlüftete, zimmermannsmäßig aufgebaute, hölzerne Dachkonstruktion, deren äußere Tragschale aus mindestens 24 mm dicker Holzschalung als formgebende Unterkonstruktion für die Leistendeckung dient.

Werden aus Brandschutzgründen unbrennbare Unterkonstruktionen erforderlich, können, wie bei der Doppelstehfalztechnik beschrieben, zementgebundene Faserplatten, zum Beispiel "Duripanel," eingesetzt werden.

Schematische Darstellung RZ-Klick-Leistensystem.

Maße / Scharenbreiten / Metalldicken

Ähnlich wie bei der Doppel- und Winkelstehfalztechnik fordern die Fachregeln die Einhaltung bestimmter, höchstzulässiger Scharenbreiten in Abhängigkeit von der Gebäudehöhe. Sinngemäß gelten demnach auch für Leistendächer die hinsichtlich Windangriff und Auszugswerten gemachten Angaben in der Tabelle von Teil 1.

Konstruktiv werden darüber hinaus Maßnahmen erforderlich, um thermisch bedingte Längenänderungen der Deckscharen zu ermöglichen und auszugleichen. Dies ist insbesondere bei Trauf- und Firstanschlüssen, aber auch seitlich, an den aufgestellten Scharrändern zu beachten. So werden zum Beispiel die Scharenbreiten gegenüber dem lichten Abstand zwischen den aufgenagelten Holzleisten um einige Millimeter reduziert, um Platz für die erforderliche Querdehnung zu erhalten.

Eine andere Möglichkeit, die Querdehnung aufzunehmen, besteht darin, schräg unterschnittene Holzleisten zu verwenden. Dies war bei der früheren Version der belgischen Deckart üblich, um Platz für die rechtwinklig aufgestellten Scharränder zu gewinnen. Um die Ausführung zu vereinfachen, verwendet man heute fast ausschließlich rechtwinklige Holzleisten und schafft den erforderlichen Dehnungsabstand durch leicht nach außen geneigte Aufkantungen der Schare. Im unteren Aufkantungsbereich verbleiben so an jeder Seite etwa 2 bis 3 mm "Luft" als Dehnungsraum.

Tabelle 1: Beispiele für Bandbreiten und Achsmaße, Deutsches Leistensystem (40/40)

Bandbreite in mm

Achsmaß in mm

Materialbed. Zuschlag in %

Flächengewicht ca. kg/m2 (0,7 mm)

Flächengewicht ca. kg/m2 (0,8 mm)

470

400

50

7,5

8,6

570

500

40

7,1

8,0

600

530

38

6,9

7,9

670

600

33

6,7

7,9

Die Tabelle 1 zeigt am Beispiel der deutschen Leistendeckung vier gängige Maßkombinationen sowie den materialbedingten Zuschlag und Flächengewichte bei unterschiedlichen Metalldicken.

Tabelle 2: Beispiele für Bandbreiten und Achsmaße, RZ-Klick-Leistensystem

Bandbreite in mm

Achsmaß in mm

Materialbed. Zuschlag in %

Flächengewicht ca. kg/m2 (0,7 mm)

Flächengewicht ca. kg/m2 (0,8 mm)

505

430

56

7,9

9,0

555

480

50

7,6

8,7

600

525

46

7,4

8,4

605

530

45

7,3

8,3

655

580

41

7,1

8,1

In Tabelle 2 sind die technischen Angaben für das RZ-Klick-Leistensystem zusammengestellt.

Gemeinsamkeiten der Leistensysteme, weitere Einzelheiten

Allen Leistensystemen gemeinsam ist die Unterbrechung der Längsnähte durch Holzleisten, an die die seitlichen Borde der Scharen grenzen. Ebenfalls gemeinsam ist das Überkappen der Holzleisten, wobei die Leistenkappen die aufgestellten Scharränder überdecken.

Beim deutschen System werden sie um den Wasserfalz gefalzt. Die Einzelheiten der Befestigung und die unterschiedlichen Profile der Leistenkappen sind, ebenso wie die verschiedenen Ausführungen der Hafte, aus den Zeichnungen ersichtlich.

Ebenfalls dargestellt sind - am Beispiel des modernen RZ-Klick-Leistensystems - die Details des Trauf- und Firstanschlusses. (Fortsetzung folgt)


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