IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 6/1996, Seite 82 ff.


SCHWIMMBAD


Erlebnisbad statt Badeanstalt

Attraktive Einbauten in Hotelschwimmbädern fordern Gäste zum Verweilen auf

Otto Knischourek*

Das Baden im wohltemperierten Wasser ist ein uraltes, menschliches Bedürfnis, auch im Sinne von Entspannung, Wärme und Wohlbehagen. Der Mensch war und ist auf der Suche nach Lust- und Lebensgenuß. Spaß will er haben und möglichst gleichzeitig auch noch etwas für seine Gesundheit und Fitneß tun.

So könnte ein gut ausgestattetes Erlebnisbad im Hotel aussehen. Schwimmkanal, Wasserfall, Nackenschwall, Bodensprudler, Massagedüsen und Whirlpool bieten optimalen Badespaß. 

 

Um Wohlbehagen und Entspannung bei körperlicher Aktivität zu erreichen, sind hygienisch absolut einwandfreies und wohltemperiertes Badewasser und ein angenehmes Raumklima unverzichtbare Grundvoraussetzungen. Von erfahrenen Fachleuten sorgfältig geplante und ausgeführte technische Anlagen, im Einklang mit den gestalterischen Absichten, sind wichtige Grundvoraussetzungen.

Im Hotel für gehobene Ansprüche ist das Angebot eines Schwimm- oder Badebeckens unverzichtbar. Das zeigen die Antworten einer Befragung von 250 Hoteliers sehr deutlich. So haben 125 Hoteliers mit hauseigenem Schwimmbad feststellen können, daß 78,1% der Gäste nur deshalb bei ihnen wohnen, weil ein hauseigenes Schwimmbad zur Verfügung steht, obwohl es nur 26,8% dann tatsächlich nutzen. Die Frage, ob das Hotel ohne Schwimmbad weniger Gäste hätte, wurde von 75,4% der Befragten ebenfalls mit "ja" beantwortet. Wen verwundert dann die Feststellung, daß sich für 83,8% die Investition gelohnt hat und 89,6% sich wieder für ein Schwimmbad im Hause entscheiden würden. Diese Befragung zeigt deutlich, welch hoher Stellenwert dem hoteleigenen Schwimmbad zukommt.

Während für Raumprogramm und Technik weitgehend Vorschriften und Richtlinien zur Verfügung stehen, besteht für Bauherrn und Architekt in Fragen der Gestaltung und Schaffung einer der Erholung und Entspannung dienenden Badelandschaft, ein weitgespannter Freiraum. Erlebnisbäder, die eine Illusion und Traumwelt vermitteln und faszinieren, laden die Schwimmbadbesucher zum Verweilen ein. - Felsen, Klippen, Palmen, Dschungelatmosphäre oder Strandidylle -. Dem Gestalter sind hier keine Grenzen gesetzt.

Dabei ist selbstverständlich der zur Verfügung stehende Platz, die finanziellen Möglichkeiten, aber auch die Erwartungen der Gäste zu berücksichtigen.

Ein hoher, finanzieller Aufwand ist nicht gleichbedeutend mit hohem, gestalterischem Niveau. Wichtig ist deshalb die sorgfältige Auswahl des Architekten, des Ingenieurbüros und Raumgestalters, aber auch der ausführenden Firmen.

Unsere Erfahrungen zeigen deutlich, daß langweilig und lieblos gestaltete Schwimmeinrichtungen von den Gästen, wenn überhaupt, nur ungenügend angenommen werden. Bei fast gleich hohen Unterhaltungskosten im Verhältnis zum Erlebnisbad lohnen sich dann die Investitionen nicht in gleicher Weise.

Erlebnisbad im Hotel Landhaus Wachtelhof in Rothenburg/Wümme. Ein Musterbeispiel für die Gestaltung einer erlebnisreichen Badelandschaft, die vom Gast gerne angenommen wird.

Einige Hinweise zur Planung

Von ihrer Größe und Zweckbestimmung sind Hotelbäder mehr Freizeit- als Sporteinrichtungen. Darauf müssen alle Überlegungen ausgerichtet sein. Auch der sportliche Gast verläßt gleich nach erbrachter Leistung das Bad, wenn keine zusätzlichen Attraktionen angeboten werden, und das Raumklima nicht zum Verweilen einlädt. Anders beim Erlebnisbad. Hier wird sowohl der sportliche Gast, als auch derjenige, für den Sportlichkeit nicht den gleichen Stellenwert einnimmt, gern länger verweilen.

Attraktionen im Hotelbad

Massagedüsen

Ein enormes Badevergnügen bieten in verschiedenen Höhen und Lagen angeordnete Massagedüsen mit angenehm kräftigem Luft-Wasser-Strahl, wobei die Stärke des Strahles nicht übertrieben werden sollte. Zu hoher Druck verursacht nicht nur unnötig hohe Betriebskosten, sondern unter Umständen auch eine Schädigung des Bindegewebes. Deshalb ist bei der Planung vom Fachmann auf die richtige Dosierung zu achten. Die Anschaffung und Betriebskosten einer Massageeinrichtung sind verhältnismäßig gering.

Luftsprudelplatte
Ein ebenfalls sehr begehrter Badespaß ist die Luftsprudelplatte. Über eine oder mehrere im Beckenboden eingelassene, mit vielen Düsenöffnungen versehene Platte wird Luft vom Boden her in das Becken eingeblasen. Die rasch nach oben strebenden Luftblasen vergrößern sich mit abnehmendem Wasserdruck. Das verdrängte Wasser schlägt wie beim Warmsprudelbecken, nach Verlassen der Luftblase, an der Wasseroberfläche wieder zusammen, wodurch ein pulsierender Massageeffekt entsteht. Aus hygienischen Gründen darf bei der Projektierung nicht vergessen werden, Luft-Massageeinrichtungen in den Betriebspausen ausreichend mit Reinwasser zu durchströmen.

Der Wasserfall, eine besonders interessante und dekorative Attraktion, welche auch zu Massagezwecken dienen kann.

Sprudelliege oder Massagebank
Dabei liegt oder sitzt man auf oder neben den Luftdüsen, die einen perlenden und schonenden Massageeffekt erzeugen. In jedem Falle müssen auch diese Einrichtungen in den Betriebspausen mit Reinwasser durchströmt werden. Massagebänke mit Luft-Wasser-Düsen im Rückenbereich erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit.

Die Betriebskosten liegen in gutem Verhältnis zum Nutzen.

Bodensprudelanlagen
Ein hervorragender, auch in Bezug auf die Anschaffung und Betriebskosten sehr interessanter Badespaß ist die Wildquell-Bodensprudelanlage. Hierbei wird über eine im Beckenboden eingebaute Armatur ein kräftiger Wasserstrahl mit Luftbeimischung von unten in Richtung Wasseroberfläche geleitet, auf dem man bei richtiger Körperposition, den Auftrieb nutzend, reiten oder schweben kann. Für die Bodensprudelanlage ist ebenfalls zu beachten, daß um Verletzungen auszuschließen, der Strahl richtig dosiert werden muß.

Nackendusche
Beliebt ist auch die Nackendusche. Hier wird über eine oder mehrere, meist aus Edelstahl gefertigte Einrichtungen, ein weicher Wasserstrahl direkt in die Nacken- und Schulterpartie des Badegastes gelenkt. So wird eine angenehm schonende Massage erreicht. Bei der Planung ist jedoch zu beachten, daß im Bereich der Nackenduschen auch Wasser verspritzt wird. Dies verursacht eine Benetzung des Umganges in diesem Bereich, weshalb sich Nackenduschen besonders für die Installation auf einer Insel oder einem Beckenvorsprung eignen.

Wasserfall
Besonders reizvoll und interessant ist der Wasserfall. Diese Attraktion bietet dem Innenarchitekten enorme Gestaltungsmöglichkeiten. Man verwendet meist der Natur täuschend nachgebildete Felsen aus speziellem Kunststoffmaterial. Sie sind hohl und können leicht zu einer interessanten Felsengruppe zusammengefügt werden. Bei richtiger Anordnung kann der Wasserfall als angenehme Einrichtung zur Massage des Nacken- und Schulterbereiches genutzt werden.

Zu beachten ist, daß die Betriebskosten für den Wasserfall nicht nur aus der Antriebsenergie für die Umwälzpumpe besteht, sondern die Entfeuchtungsanlage zusätzliche Leistung erbringen muß, weil die Wasseroberfläche durch den Wasserfall vergrößert ist und somit die Luft zusätzlich befeuchtet wird.

Unterwasserbeleuchtung
Eine Unterwasserbeleuchtung ist nicht nur sehr dekorativ, sie erhöht auch die Sicherheit, daher sollten Unterwasserscheinwerfer im Hotelbad nicht fehlen. Richtig angeordnete Unterwasserscheinwerfer vermitteln vor allem in den Abendstunden eine überaus behagliche und interessante Atmosphäre.

Schwimmkanal
Eine besondere Badeattraktion ist der Schwimm- oder Strömungskanal. Er ist meist um eine Insel- oder Felsgruppe angeordnet.

Vier oder fünf parallel zur Fließrichtung des Schwimmkanals speziell angeordnete Düsen sorgen für die notwendige Wasserströmung in diesem Bereich. Für den Hotelbereich rechnet man pro Düse wenigsten mit einer Leistung von 60 m3/h. Werden also fünf Düsen installiert, so braucht man dazu eine Pumpe mit einer Leistung von ca. 300 m3/h, die etwa eine Antriebsleistung von 18 kW/h hat.

Der Schwimmkanal ist, besonders in Hotels für junge Leute, eine sehr anziehende Attraktion, die jedoch im Hinblick auf die Anschaffung, die Installation und den Stromverbrauch, schon etwas aufwendiger ist. Da ein Hotelbad, das nur hauseigenen Gästen zur Verfügung steht, nicht kontinuierlich beaufsichtigt ist, sollte man aus Sicherheitsgründen die Strömungsgeschwindigkeit im Kanal nicht zu hoch wählen. Höhere Strömungsgeschwindigkeiten verursachen auch höhere Anschaffungs- und Betriebskosten.

Die Gegenstromschwimmanlage erlaubt sportliches Schwimmen auf engstem Raum.

Betriebsweise für Badeattraktionen

Während in öffentlichen Erlebnis- oder Freizeitbädern die Attraktionen von einer elektronischen Steuerung vollautomatisch mit Eingriffsmöglichkeit durch den Schwimmeister überwiegend nacheinander angesteuert werden, hat sich diese Betriebsart im Hotel nicht bewährt. Es ist richtig, wenn jeder Badegast über einen aus Sicherheitsgründen mit Luft betriebenen Schalter, der sich im Becken befindet, die gewünschte Funktion selbst einschalten kann. Die Laufzeit sollte allerdings über ein Zeitrelais begrenzt werden, da sonst das Ausschalten vergessen werden könnte und damit unnötiger Energieverbrauch entstehen würde.

Im Rahmen der Neufassung von DIN 19643 "Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser" ist beabsichtigt, für jede gleichzeitig benutzbare Attraktion den Volumenstrom der Filteranlage um 6 m/h zu erhöhen. Dies würde letztlich den erforderlichen Volumenstrom und damit die Anschaffungs- und Betriebskosten für das Hotelbad drastisch erhöhen. Bleibt zu hoffen, daß die Anforderungen der Norm DIN 19643 auch unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen des Schwimm- und Badebetriebes im Hotel festgeschrieben werden.

Bei besonders gut ausgestatteten Anlagen besteht die Möglichkeit, von einem Tableau aus die einzelnen Attraktionen für den Badegast freizugeben, zu sperren oder manuell einzugreifen.

Zuordnung der Wasserfläche zur Bettenzahl

Die Frage, ob ein Frei- oder Hallenbad gebaut werden soll, klärt sich in Anbetracht unserer klimatischen Verhältnisse von selbst.

Danach stellt sich die Frage nach der Beckengröße, die im wesentlichen von der Größe des Hotels beeinflußt wird und davon abhängig ist, ob es sich um ein Stadt-, Ferien- oder Kurhotel handelt. Dafür gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen eine Richtlinie mit entsprechenden Werten. Die Unterscheidung der Hotelkategorien bei Bemessung der Beckengröße basiert auf der Erkenntnis, daß im Stadthotel das Schwimmbad allenfalls in den Morgen- und Abendstunden, im Ferien- oder Kurhotel während der gesamten Öffnungszeit, wetter- und jahreszeitlich bedingt, in unterschiedlicher Intensität genutzt wird.

Zu berücksichtigen ist, daß bei Hotels mit älteren Gästen, vor allem aber im Kurhotel, durch eine Treppe eine bequeme Zu- und Abgangsmöglichkeit zum Becken geschaffen wird. Eine Badeleiter allein reicht hier nicht aus.

Die Wassertiefe

Die Baurichtlinie gibt auch über die Wassertiefe Hinweise. Eine Wassertiefe von 1,35 m sollte im Hotelbad nicht überschritten werden. Hier wird die Grenze zwischen Schwimmer- und Nichtschwimmer-Bereich gezogen. Größere Wassertiefen bereiten Probleme in bezug auf die Verkehrssicherungspflicht und machen unter Umständen die dauernde Anwesenheit einer des Rettens kundigen Aufsichtsperson notwendig.

Aufsicht und Betrieb von Hotelbädern

Das Thema "Aufsicht und Betrieb von Hotelbädern" kann in diesem Rahmen nicht vollständig abgehandelt werden. Hier empfiehlt es sich, den Sonderdruck C 14 der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen zu beschaffen, der sich im Detail mit Aufsicht und Betrieb von Hotelschwimmbädern in Form eines Sondergutachtens befaßt. Die Sicherheit des Badebetriebs ist eine bindende Vorgabe der Sicherungspflicht. Dazu gehört die Absicherung des unbeaufsichtigten Hotelbades, beispielsweise über Videokamera. Zumindest sollte in jedem Bad ein leicht erreichbares Haustelefon oder eine Alarmglocke installiert werden, da bei Eintreten eines Unfalls mit unerfahrenen Helfern gerechnet werden muß. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Vermeidung des Zutritts durch Unbefugte und unbeaufsichtigte Kinder, am besten durch einen geeigneten Türverschluß.

Bautechnische Mängel sind, unabhängig davon wann sie entstanden sind, sofort zu beheben.

Achten Sie darauf, daß der Fußboden rutschsicher ausgeführt wird. Ein ungeeigneter Bodenbelag kann - wenn er naß ist - sehr rutschig werden und damit schwere Unfälle verursachen!

Die Beckenwasseraufbereitung

Ganz ohne Zweifel sind Hotelbäder öffentliche Bäder. Man kann nicht deutlich genug darauf hinweisen, daß hier der Hotelier seinem Gast gegenüber eine nicht unbeträchtliche Verantwortung übernimmt.

Das Bundesseuchengesetz sagt in seinem Paragraphen 11, daß Schwimm- und Badebeckenwasser in öffentlichen Bädern oder Gewerbebetrieben so beschaffen sein muß, daß durch seinen Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit durch Krankheitserreger nicht möglich ist. Ferner sagt das Gesetz, daß Schwimm- oder Badebecken einschließlich ihrer Wasseraufbereitungsanlagen der Überwachung durch das Gesundheitsamt unterliegen. In diesem Gesetz werden bei Zuwiderhandlung auch drastische Strafen angedroht. Eine Rechtsverordnung soll bestimmen, welchen Anforderungen das Wasser entsprechen muß, um den Vorschriften zu genügen. An dieser Rechtsverordnung wird seit Jahren gearbeitet. Das Gesundheitsamt orientiert sich bis dahin an den in DIN 19643 festgelegten Mindestanforderungen.

Nach bestehenden Vorschriften und Bestimmungen muß der Betreiber eines öffentlichen Bades ein Betriebsbuch führen, in dem wenigstens einmal täglich die manuell ermittelten Werte einzutragen sind. Vollständig und richtig geführte Betriebsbücher sind eine wichtige Voraussetzung für den verantwortungsbewußten Betrieb. Gute Hotels präsentieren den positiven Untersuchungsbescheid des Gesundheitsamtes, eingerahmt, für den Gast gut sichtbar, am Eingang des Bades. Er weiß dann, daß man es in diesem Hause mit der Hygiene ernst nimmt. Ungepflegte Anlagen sind ein herber Prestige-Verlust für das gesamte Haus, bei gleichzeitiger Gefährdung des Gastes!

Die Aufbereitungsanlagen

Wichtig ist, daß die Technik für die Aufbereitung vom erfahrenen Fachmann, dazu gehört das Ingenieurbüro genauso wie der Hersteller und Lieferant der Anlage, geplant und ausgeführt wird. Die Technik ist so zu planen und auszuführen, daß ein möglichst einfacher, problemloser Betrieb gewährleistet ist.

Die Grundlagen für eine optimale Beckenhydraulik sind zu schaffen. Dazu werden Armaturen gebraucht, die eine Verteilung des gereinigten, aufbereiteten Wassers in allen Bereichen des Beckens sicherstellen. Die richtige Anordnung und Anzahl der Einströmöffnungen und eine geeignete, umlaufende Überflutungsrinne sind erstrangige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Badewasseraufbereitung. Ein tiefliegender Wasserspiegel mit sogenannten Skimmern oder Oberflächenreinigern kommt für den Hotelbereich nicht in Frage!

Die Aufbereitung besteht aus mehreren Komponenten, die aufeinander abgestimmt sein müssen. Erst das optimale Zusammenwirken aller Komponenten ermöglicht ein gutes Ergebnis. Besondere Bedeutung kommt hierbei einer leistungsfähigen Filteranlage zu. Es ist gar nicht so einfach, einen Filter zu bauen, der ohne Aufkolkungen der spezifisch leichten Aktivkohle oder Hydroanthrasit an der Filteroberfläche die gesamte Filterfläche gleichmäßig beaufschlagt, und der die Spülung mit der zur Fluidisierung notwendigen hohen Geschwindigkeit von ca. 55 m/h ermöglicht, ohne daß Filtermaterial ausgetragen wird. Dies ist von enormer Bedeutung für das Filtrationsergebnis!

Das Hotel Jagdhof in Ritzlern / Kleinwalsertal bietet seinen Gästen eine gelungene, erlebnisreiche Badelandschaft von hohem gestalterischem Niveau.

 

Desinfektion mit Chlor

Besonders im letzten Sommer hat die Sensationspresse sehr negativ über die Badewasserdesinfektion mit Chlor berichtet. Reißerisch und meist ohne jeden wissenschaftlichen Hintergrund oder aus dem notwendigen Zusammenhang gerissen.

Belästigungen durch die Desinfektion mit Chlor kann man verhindern, und zwar mit einer besonders guten und richtig betriebenen Filteranlage. Chlor, welches nur für die sichere und rasche Desinfektion gebraucht wird, also nicht als Aufbereitungs-, sondern nur als Desinfektionsmittel, verursacht weder Chlorgeruch noch sonstige Belästigungen und wird vom Gast kaum wahrgenommen. Gesundheitliche Nachteile können dann weitgehendst ausgeschlossen werden. Negative Begleiterscheinungen bei der Badewasserchlorung entstehen, wenn Chlor in unsauberes Wasser dosiert wird und damit chlorierte Verunreinigungen entstehen, die nicht nur Chlorgeruch, sondern auch Haut- und Augenreizungen verursachen.

Es ist wie bei den meisten Dingen: Die Menge machts. Für eine ausreichende Desinfektion von Badewasser ist eine Chlormenge ausreichend, die einem Anteil von 1:2 Millionen entspricht. Das wäre eine Person im Verhältnis zur ganzen Berliner Einwohnerschaft. Man kann nicht etwas generell verteufeln, ohne die Problematik nicht im Detail zu betrachten. Der Vergleich mit Kochsalz ist in diesem Zusammenhang interessant. Die zur täglichen Nahrungszubereitung notwendige, kleine Menge ist wichtig und keinesfalls gesundheitsschädlich. Die Einnahme von ca. zwei Eßlöffeln auf einmal könnte jedoch zum Tode führen. Lassen Sie sich deshalb von der Sensationspresse nicht verunsichern! Nach wie vor ist die Chlorung für die Desinfektion von Badewasser im öffentlichen Bäderbereich als einzige zuverlässige Methode zur Badewasserdesinfektion im öffentlichen Bäderbereich zugelassen. Sie ist für den Badenden bei richtiger Anwendung unschädlich und dann auch ohne Nachteile für den Badegast!

Eine automatische Steuerung und Regelung der Hygiene-Hilfsparameter freies Chlor, pH-Wert und Redox-Potential sollte für den Hotelbereich selbstverständlich sein, was aber nicht heißt, daß auf die wenigstens einmal täglich notwendige Handmessung verzichtet werden kann. Nur so ist festzustellen, ob die Automatik richtig arbeitet. Eine unproblematische und wenig Zeit verursachende Arbeit.

Auch der pH-Wert des Wassers muß überwacht und reguliert werden, wobei ebenfalls vollautomatisch arbeitende Anlagen zur Verfügung stehen.

Das Nachfüllen von Betriebsmitteln, und wie schon erwähnt, die täglich einmal manuelle Nachmessung ist unverzichtbar.

Platz für die Technik

Ein Stiefkind bei der Planung und Ausführung ist leider immer wieder der erforderliche Platz zur Unterbringung der Technik. Dabei zeigt die Erfahrung deutlich, daß eine auf engstem Raum unübersichtlich zusammengepferchte Technik die vorwiegende Ursache für Betriebsstörungen ist. Außerdem wird dem Wartungsdienst die Arbeit erschwert und damit zusätzliche Kosten verursacht. Bei schlechter Zugänglichkeit läßt in der Regel die Bereitschaft des Betreibers für eine ausreichende Kontrolle und Wartung zu wünschen übrig. Deshalb plädiere ich dringend dafür, genügend Raum für die Technik zur Verfügung zu stellen!

Die Beckenbodenreinigung

Es ist nicht zu verhindern, daß sich auf dem Boden des Beckens Sedimente ablagern. Es handelt sich dabei um Substanzen, die sich mit Wasser vollsaugen und zum Boden absinken, bevor sie zur Aufbereitungsanlage gelangen können. Auch bei bester Bekkendurchströmung wird die Fließgeschwindigkeit im bodennahen Bereich nie so groß sein, daß sich alle Sinkstoffe 100prozentig austragen lassen.

Deshalb muß - entsprechend den Richtlinien - täglich der Beckenboden abgesaugt werden.

Unterbleibt die Absaugung, zeigt sich unweigerlich dem Gast aufgewirbelter Schmutz, eventuell auf dem Boden liegende Pflaster oder Haare. Außerdem entstehen durch Sedimente hygienisch bedenkliche Zustände, da sie die erfolgreiche Desinfektion im Bodenbereich behindern!

Die Beckenwassertemperatur

Die Beckenwassertemperatur richtet sich in erster Linie nach der Art und Nutzung des Beckens. Eine Wassertemperatur von 27C ist für ein Hallenschwimmbad zur hauptsächlich sportlichen Nutzung durchaus akzeptabel. Schwimm- oder Badebecken, die in erster Linie für ältere Badegäste gedacht sind oder therapeutischen Zwecken dienen, aber auch Erlebnisbäder müssen schon höhere Wassertemperaturen von beispielsweise 29 - 30C haben. Dabei muß man sich aber im klaren sein, daß höhere Wassertemperaturen auch höhere Betriebskosten verursachen. Man sollte diesbezüglich nichts übertreiben. Nicht unbeachtet bleiben darf, daß bei höheren Wassertemperaturen auch die Raumtemperaturen erhöht werden müssen und damit das Raumklima zunehmend unbehaglich wird!

Das Warmsprudelbecken im Hotel

Zum Abschluß noch ein Hinweis auf Warmsprudelbecken, auch Whirlpools genannt, die sich im Hotelbereich zunehmender Beliebtheit erfreuen.

Man sitzt entspannt im wenigstens körperwarmen Wasser, wobei die über ein besonderes Luftkanalsystem eingeblasene Luft das Wasser in eine sprudelnde, pulsierende Bewegung bringt und somit eine starke Wärme- und Massagewirkung auf den Badenden ausübt. Whirlbaden dient dem Streßabbau, der Entspannung und ist je nach Benutzungsdauer für den Badenden anregend oder schlaffördernd.

Man muß jedoch die Besonderheiten des Warmsprudelbeckens beachten. An die Wasseraufbereitung des Warmsprudelbeckens sind vergleichsweise höhere Anforderungen zu stellen, als bei einem Schwimmbecken, weil hier eine deutlich kleinere Wassermenge mit höherer Temperatur stärker belastet wird.

Die Meß- und Regeltechnik muß beim Whirlpool innerhalb von Sekunden reagieren, denn die Werte ändern sich aufgrund der kleinen Wassermenge wesentlich schneller als beim verhältnismäßig großen Schwimmbad. Das gilt besonders für den pH-Wert, der durch das Einblasen von Luft und die damit verbundene Austreibung von Kohlensäure stark ansteigt. Auch die Dosierung mit dem absolut unverzichtbaren Desinfektionsmittel Chlor kann nur mit einer leistungsfähigen Meß- und Regeltechnik erfolgen, da meist zwei oder drei Badegäste das ganze Chlordepot im Becken verbrauchen und damit schnell unhygienische Zustände eintreten würden. Ein Warmsprudelbecken im Hotel darf deshalb nur von wirklich verantwortungsbewußten Anwendern betrieben werden! Die Industrie erleichtert mit entsprechender Technik den Betrieb und die Überwachung, aber ohne die Mithilfe des Betreibers geht es nicht!

Schlußbetrachtung

  1. Mit der Planung und Ausführung von Hotelbädern sollten nur erfahrene Fachleute beauftragt werden.
  2. Wirtschaftlichkeit ist wichtig, aber nur mit einer guten, leistungsfähigen Aufbereitungsanlage kann das erforderliche Aufbereitungsziel erreicht werden.
  3. Nur freundliche, einladende, gepflegte und interessante Schwimmanlagen werden von den Gästen angenommen.
  4. Der Betreiber einer öffentlichen Schwimmanlage hat dem Badegast gegenüber die Verantwortung übernommen, daß eine gesundheitliche Schädigung durch Nutzung des Bades nicht eintreten kann. Es ist deshalb unverzichtbar, die täglich notwendigen Kontrollen vorzunehmen und gewissenhaft in das Betriebsbuch einzutragen. Die Möglichkeit einer Computerüberwachung mit automatischer Betriebsbuchführung ist eine Erleichterung für den Betreiber. Aber auch dieser Komfort ersetzt nicht die Notwendigkeit der täglichen manuellen Messung der Hygiene-Hilfsparameter.
  5. Eine korrekt geplante Schwimm- und Badeanlage mit guter und richtig ausgeführter Wärmedämmung, möglichst freigestelltem Becken, dauerhaft zugänglicher Installation und ausreichend gutem Technikraum, ist die Voraussetzung für einen störungsfreien und damit auch wirtschaftlichen Betrieb.
  6. Wurde die Aufbereitungsanlage von einer leistungsfähigen und erfahrenen Fachfirma geliefert, die über einen gut organisierten, dicht gegliederten Kundendienst verfügt, so ist nach dem Verkauf Beratung und Unterstützung gewährleistet, wenn einmal ein Problem auftreten sollte. Diese Sicherheit ist wertvoll!  


*) Otto Knischourek, Jahrgang 1935, 1962 Meisterprüfung als Gas- und Wasserinstallateur. Obmann im Bundesverband Schwimmbad, Sauna, Wassertechnik. Seit 1966 Mitarbeiter der Ospa Schwimmbadtechnik, zuletzt Technischer Verkaufsleiter.


B i l d e r : Ospa Schwimmbadtechnik


[Zurück]   [Übersicht]   [www.ikz.de]