IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 6/1996, Seite 4 f.


EDITORIAL


Der nächste Sommer kommt bestimmt . . .

. . . und auch die Freibadsaison

In diesen Februartagen, in denen die Medien von Temperaturen unter minus 50C in den USA und auch von weniger als minus 20C bei uns in Deutschland berichten, fällt es schwer, aber vielleicht auch besonders leicht, vom Schwimmbad im eigenen Garten zu schwärmen. Eines kann ohne das übliche Gewährleistungsrisiko mit Fug und Recht behauptet werden, nämlich daß der nächste Sommer bestimmt kommt, jedenfalls meteorologisch gesehen. Soweit traue ich mich.

Ob's 1996 für die Schwimmbadbranche wie 1994 und mit ein paar Abstrichen auch wie 1995 einen Jahrhundertsommer geben wird, an eine solche Prognose traue ich mich aber noch nicht ran. Als berufsmäßiger Branchenoptimist hoffe ich das zwar, aber Petrus läßt mich ja leider nicht in seine Karten gucken. Aber egal, ob es ein Supersommer, nur ein ganz normaler oder vielleicht sogar ein etwas weniger heißer wird, kommen tut er auf jeden Fall und das, was man gemeinhin als Freibadsaison bezeichnet, nimmt seinen Lauf.

Die Besitzer von augenblicklich ca. 275000 Swimmingpools im eigenen Garten möbeln nicht nur das Wasser und die Becken, sondern das ganze Ambiente drumherum mächtig auf. Der Schwimmbadbauer oder Installateur wird bestellt, um die ein oder andere Wartungsmaßnahme oder Reparatur vorzunehmen.

Diejenigen, die sich im bevorstehenden Frühjahr und Sommer endlich ihren Traum vom eigenen Schwimmbad im Garten erfüllen wollen, beobachten den Fortgang der Aktivitäten, die die Schwimmbadinstallationsfirmen im Garten entwickeln, legen im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit Hand an und freuen sich voller Erwartung auf den Tag, an dem es heißt "Wasser marsch" und der erste Köpper in den eigenen Pool gewagt werden kann.

Bereits jetzt, da sich im Garten an der Baustelle überhaupt noch nichts tut, tut sich allerhand bei den Installationsunternehmen: Die Planung wird zwischen dem Schwimmbadbauer und dem Auftraggeber besprochen, die nötigen Komponenten und Einzelteile sind längst bestellt und liegen auf Lager und Auftraggeber und Auftragnehmer warten gemeinsam auf die ersten Sonnenstrahlen.

Und dann beginnt ein Problem, das so alt ist wie der Schwimmbadbau selbst, denn jeder Kunde will verständlicherweise der erste sein, bei dem mit der Installation begonnen wird, damit er eine möglichst lange Freibadsaison vor sich hat. Diejenigen, die dies schon in den vergangenen Jahren hinter sich gebracht haben, können sich natürlich an und in ihrem Schwimmbad freuen, sobald die ersten Sonnenstrahlen kommen.

Wer das alles so liest, könnte meinen, in der Schwimmbadbranche ginge es nur noch darum, Terminprobleme zu bewältigen. Für die Freibadsaison ist dieses Terminproblem, daß alle auf einmal alles wollen, nicht ganz von der Hand zu weisen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es um die Inbetriebnahme eines neuen oder auch nur die Renovierung eines bereits vorhandenen Schwimmbades geht. Bei einer Freibadsaison von höchstens vier bis fünf Monaten, mehr Zeit gibt es in unseren Breiten für das Schwimmen im Freien nicht, ist dies in gewisser Weise verständlich. Voraussetzung ist allerdings, wie bereits gesagt, daß es ein Supersommer oder zumindest ein von den Temperaturen her normaler Sommer wird.

Der wohl am schwierigsten abzuwägende Faktor des gesamten Marktes für Privatschwimmbäder ist das Wetter im Sommer. Die von einem schönen Sommer mit hochsommerlichen Temperaturen ausgehenden Motivationsschübe sind zwar für den Freibadbereich noch irgendwie erklärlich, für den Hallenbäderbau eher überraschend, aber gleichwohl in besonderer Weise existent.

Da die Schwimmhalle am oder im Haus im Vergleich zum Freibad eine wesentlich längere Planungs- und Umsetzungszeit erfordert, ist auch in diesen Fällen das Wetter ein für die Auslösung des konkreten Schwimmbadwunsches ganz entscheidendes Kriterium. Der Impuls, nun endlich seine seit längerem gehegten Schwimmbadwünsche zu verwirklichen, wird, egal ob man an ein Frei- oder Hallenbad denkt, zu einem hohen Prozentsatz durch Außentemperaturen ausgelöst, die zum Schwimmen geradezu herausfordern.

Dies ist wohl auch der Grund, daß der Wunsch, sich zu Hause im eigenen Garten oder im eigenen Haus eine familienfreundliche und gesundheitsfördernde Einrichtung zu schaffen, nach wie vor ungebrochen ist. Erleichtert und unterstützt werden diese Schwimmbadwünsche dadurch, daß heutzutage für die Umsetzung eine breite Palette technischer und auch finanzieller Möglichkeiten besteht. Dies gilt gleichermaßen für den Neubau, aber auch dann, wenn das "alte" Schwimmbad, denn private Schwimmbäder gibt es schon seit Anfang der sechziger Jahre, einmal zur Verjüngungskur geschickt werden soll.

Schwimmbäder sind nun einmal kein Massengeschäft und vielleicht liegen da ein wenig die Gründe, daß dieser Markt in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen noch halbwegs gut über die Runden gekommen ist. Die Branche ist fit zum Liefern der Fitneß und Industrie und Installationsfirmen haben seit Jahren gelernt, sich auf die im stetigen Wandel befindlichen Kundenwünsche einzustellen. Nach wie vor ist Schwimmen der Deutschen Freizeitbetätigung und warum sollte diese nicht im eigenen Pool geschehen.

Zu den insgesamt existierenden ca. 550000 privaten Frei- und Hallenbädern wird auch 1996 eine ansehnliche Zahl hinzukommen. Ob die Stückzahlen sich dabei in einem etwas höheren, im normalen oder in einem zum Vergleich der Vorjahre etwas geschrumpften Bereich bewegen werden, hängt nicht nur vom verkäuferischen Geschick der Schwimmbadbauer oder Installationsfirmen ab, sondern ganz entscheidend vor allem auch vom lieben Petrus.

Friedhelm Welbrink
Geschäftsführer des
Bundesverbandes Schwimmbad-,
Sauna und Wassertechnik e.V. (BSSW) 


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