IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 4/1996, Seite 59 ff.


HEIZUNG


Brennwerttechnik

Gut gerüstet durch Schulungen

Lutz Fälker*

Einer Befragung der Handwerkskammer Düsseldorf aus dem Jahre 1993 zufolge sehen 81,2% der Unternehmen im Bereich "Elektro/Metall" (einschließlich SHK-Handwerke) die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter als wichtigen Zukunftsfaktor. Auf der anderen Seite belegt die gleiche Studie, daß rund 20% der Unternehmer und Mitarbeiter in den zwei zurückliegenden Jahren an keiner Schulung teilgenommen haben. Meistens wird die aus betrieblichen Gründen fehlende Zeit als Argument für die Nicht-Teilnahme genannt. Hier kann sicherlich die Industrie dem Fachhandwerk entgegenkommen. Ein dezentrales, flächendeckendes Schulungsangebot erspart den Schulungsteilnehmern lange Anfahrtwege, so daß sich die Ausfallzeit je nach Umfang der Schulung auf einen halben oder ganzen Arbeitstag reduziert. Diese zeitliche Investition lohnt sich für den Handwerker, der den Anschluß an die technologische Zukunft nicht verpassen und seine Wettbewerbsfähigkeit nicht aufs Spiel setzen möchte, allemal.

In der Niederlassung der Elco Klöckner Heiztechnik GmbH in Kamen/Unna (70 Mitarbeiter, 900 m2 Nutzfläche), verfügt das Unternehmen über ein großzügiges Schulungscenter, in dem Mitarbeiter von Heizungsbau-Fachbetrieben aus der Region Westfalen an "in Betrieb" befindlichen Öl- und Gasheizsystemen, Brennwertgeräten und Brennern bis 550 kW geschult werden.

Wer im Heizungsbau die Nase vorne behalten möchte, kommt ohne Frage an der energieeinsparenden und schadstoffarmen Brennwerttechnik nicht vorbei. Martin Kaiser (33), Inhaber eines 20 Mitarbeiter zählenden SHK-Fachhandwerksbetriebes Kaiser Haustechnik, Bad Sassendorf, engagiert sich bereits seit sechs Jahren für diese Zukunftstechnologie. Die regelmäßige Teilnahme an Brennwert-Schulungen hält er ebenso wie seine Mitarbeiter für unabdingbar. "Die Brennwerttechnik hat ihre eigenen Gesetze, die ein komplettes Umdenken des Heizungsbauers erfordern. Es reicht nicht aus, die gerätespezifischen Besonderheiten zu kennen. Das eigentliche Neuland, vor dem manche Kollegen zurückschrecken, sind die umfassenden Regelwerke, die beachtet werden müssen. Mit DIN-Normen für Trinkwasseranlagen in Grundstücken, technischen Bestimmungen für Bau und Betrieb, Landesbauordnungen, Abgasabführung und ATV-Bestimmungen zur Kondensatableitung und -entsorgung wurde der Heizungsbauer bei konventionellen Niedertemperaturheizungen bislang kaum konfrontiert", betont Kaiser. Doch gerade in dieser Hinsicht können Schulungen wertvolles Rüstzeug vermitteln", fügt er hinzu.

Gut geschulte Kundendienstmonteure: Beste Visitenkarte eines Heizungsbau-Fachbetriebes

Vor diesem Hintergrund hält er die Schulungen von ELCO Klöckner für vorbildlich. Das Unternehmen bietet bundesweit in allen elf Niederlassungen sowie am Firmensitz in Hechingen praxisgerechte Schulungen an Geräten "in Betrieb" an, die durch umfassende Informationen über technische Rahmenbedingungen, gesetzliche Vorschriften und Förderprogramme für umweltgerechtes Heizen abgerundet werden. Zur nächsten Niederlassung des Unternehmens in Kamen/Unna, wo ELCO Klöckner rund 600 Fachhandwerker sowie etwa 200 Architekten und Heizungsplaner pro Jahr schult, ist es für Kaiser nur ein "Katzensprung". Obwohl ihm in der Brennwerttechnik nach eigenen Angaben mittlerweile kaum jemand "etwas vormachen kann", besucht er die Schulungen von Instrukteur Bernhard Kortum mindestens zweimal pro Jahr. Gleiches gilt für seine Mitarbeiter, denn "kompetente, gut geschulte Kundendienstmonteure, die nicht nur Aufträge ausführen, sondern auch beraten können und die neuesten Technologien beherrschen, sind die beste Visitenkarte eines SHK-Fachbetriebes", so Kaiser.

Im Bild von links nach rechts: Martin Kaiser, Inhaber des gleichnamigen Heizungs- und Sanitär-Fachbetriebes aus Bad Sassendorf, Daniel De Jong (technischer Fachberater Elco Klöckner) und Instrukteur Bernhard Kortum.

Am 15. Dezember 1995 weilte Martin Kaiser zusammen mit acht Kollegen aus dem Heizungsbau-Fachhandwerk sowie einem Repräsentanten der Stadtwerke Herten in der Niederlassung, um sich unter anderem über das neue Gas-Brennwertgerät Ultron 44, mit dem ELCO Klöckner die modulierende Technik jetzt auch auf den Bereich der Zwei- und Dreifamilienhäuser erweiterte, zu informieren.

Fallstricke durch zahlreiche Vorschriften und Verordnungen

Die Schulung umfaßte einen theoretischen und einen praktischen Teil, in dem an Geräten "in Betrieb" geschult wurde. Nach einer kurzen Zusammenfassung der zentralen Vorteile der Brennwerttechnik in punkto Energieeinsparung und Vermeidung von Schadstoffemissionen ging Kortum auf diejenigen Bereiche über, die eine hohe Relevanz für den sicheren Umgang mit Brennwerttechnik besitzen.

Instrukteur Bernhard Kortum demonstriert die Unverwechselbarkeit der Steckverbindungen bei den Ultron-Gas-Brennwertgeräten.

Ausführliche Hinweise zu den Normen, die beachtet werden müssen, bildeten den Anfang (DIN 1988 Trinkwasserleitungsanlagen in Grundstücken, technische Bestimmungen für Bau und Betrieb, DIN 4702 Heizkessel, Brennwertkessel, DIN 18160 Schornsteine, TRGI G 600 Technische Regeln Gasinstallation, DIN 4756 Gasfeuerungen in Heizungsanlagen, ATV M 251 Einleitung von Kondensat aus Feuerstätten in öffentlichen Abwasseranlagen, Landesbauverordnung). Im Anschluß daran erläuterte er die spezifischen Anforderungen des Aufstellungsortes für Brennwertgeräte. So wies er zum Beispiel darauf hin, daß ein Brennwertgerät nicht in Räumen mit aggressiven Dämpfen oder hoher Luftfeuchtigkeit (z.B. Waschküchen) aufgestellt werden dürfe. Beim Kondensat sei in einigen Gemeinden seitens der unteren Wasserbehörden noch immer mit Widerständen zu rechnen, was auch Martin Kaiser durch seine Erfahrungen im Kurort Bad Sassendorf bestätigen konnte. Die Entsorgung über eine Neutralisationsbox, die zum Produktangebot der meisten Gerätehersteller gehört, sei jedoch problemlos. Bei Geräten bis 25 kW könne das Kondensat in den meisten Gemeinden ohnehin in das Abwasser geleitet werden. Im Einzelfall sollten jedoch unbedingt die jeweiligen Landesvorschriften zur Kondensatableitung beachtet werden. In diesem Zusammenhang verwies Kortum darüber hinaus auf die Ergebnisse eines aktuellen Gutachtens, das der DVGW, Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V., beim Materialprüfungsamt NRW, Dortmund sowie beim Institut für gewerbliche Wasserwirtschaft und Luftreinhaltung, Köln, in Auftrag gegeben hat. Demnach sei die Unbedenklichkeit einer Kondensatableitung in das Abwasser erneut bewiesen worden. Daher sei man zuversichtlich, daß dieses Thema bald "völlig vom Tisch" sei.

Im Rahmen des
"praktischen" Teils der Schulung demonstrierte Bernhard Kortum unter anderem die Kontrolle der Glühzünd-Elektrode bei den Ultron-Gas- Brennwertgeräten.

Viel Diskussionsstoff bot die Frage, ob bei Fußbodenheizungen eine Systemtrennung durch den Einbau eines Wärmetauschers erforderlich sei. Bei älteren Fußbodenheizungen sei sie, so Kortum, zu empfehlen, bei neuen könne in der Regel darauf verzichtet werden. Darüber hinaus müsse bei Fußbodenheizungen im Einzelfall geprüft werden, ob der Einbau einer größeren Pumpe sinnvoll sei. Systemanbieter wie ELCO Klöckner seien darauf vorbereitet und könnten etwa 80% der derzeitigen Hydrauliksysteme mit standardisierten Pumpen abdecken.

Schornsteinfeger unbedingt in die Anlagenplanung miteinbeziehen

Ein weiterer zentraler Teil seines Vortrages umfaßte die Erläuterung der unterschiedlichen Merkmale von raumluftabhängigen und raumluftunabhängigen Abgasabführungen. Aus Effizienzgründen bevorzuge ELCO Klöckner das raumluftunabhängige LAS-System, bei dem obendrein eine CO-Messung nicht erforderlich sei. In diesem Zusammenhang betonte Kortum, daß im Vorfeld der Anlagenplanung ein ausführliches Gespräch mit dem Schornsteinfeger sowie eine gemeinsame Objektbegehung mit Schornsteinbesichtigung unbedingt notwendig ist. "Planungsfehler lassen sich hierdurch von vornherein vermeiden", so Kortum. Außerdem werde ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis aufgebaut. Zur Vermeidung von Ärger mit den Baubehörden empfahl Kortum den Schulungsteilnehmern eine strenge Einhaltung der aus Brandschutzgründen vorgeschriebenen Mindest-Schornsteinquerschnitte (Kunststoffrohr DIN 70 = 150 cm2 bei Ultron 22, Kunststoffrohr DIN 100 = 190 cm2 bei Ultron 44). Darüber hinaus sollte man, wie er betonte, dafür Sorge tragen, daß der vom Institut für Bautechnik beglaubigte Zulassungsbescheid für die im bzw. am Gebäude eingesetzte Abgasanlage rechtzeitig eingereicht wird. Eine Vielzahl weiterer Hinweise rundete den Vortrag des Instrukteurs ab.

Die keramische Fläche des Ultron-Gas- Brennwertgerätes.

Geräte-Schulung unter realen Bedingungen erfordert aktiven Einsatz der Teilnehmer

Im zweiten Teil des Schulungstages folgte die Geräteschulung, in der die Einregulierung, Inbetriebnahme, Wartung, Emissionsmessung und Störfallbeseitigung sowie die modulierende Brennerfahrweise der beiden Gas-Brennwertgeräte Ultron 22 und Ultron 44 demonstriert wurden. Hier war der aktive Einsatz der Schulungsteilnehmer gefordert, die "selbst Hand anlegen" konnten.

Problemlose Einregulierung der Ultron-Brennwertgeräte durch selbstoptimierende Regelung

Eine hohe Akzeptanz fand dabei das ergonomische Design der beiden Gas-Brennwertgeräte. Da die Komfort-Regelung bereits integriert ist und Steckverbindungen unverwechselbar sind, fallen Elektroarbeiten bei der Montage nur in geringem Umfang an. Einstellarbeiten an der Gas- und Luftzufuhr werden durch den werkseitig voreingestellten Gas-Luft-Verhältnis-Druckregler minimiert. Auch die selbstoptimierende Regelung muß, wie Kortum demonstrierte, bei diesen Geräten nicht manuell eingestellt werden. Damit entkräftete er auch die vielfach verbreitete Skepsis gegenüber der modulierenden Technik, daß jede Leistungsstufe einzeln eingestellt werden müsse.

Servicearbeiten vereinfacht

Weiterhin demonstrierte Kortum die schnelle Zugänglichkeit des keramischen Flächenbrenners sowie der übrigen Komponenten. Der Brenner ist mit leicht lösbaren Clip-Verschlüssen befestigt. Ein abklappbares Schaltfeld sorgt dafür, daß der Fachhandwerker bei Servicearbeiten ohne zeitaufwendigen Reglerausbau Zugang zum Brenner hat.

Im Bild das Team des Heizungs- und Sanitär-Fachbetriebes Martin Kaiser, Bad Sassendorf. Der Betrieb gehört zu den Vorreitern in der Brennwerttechnik.

Durch die modulierende Brennerfahrweise paßt sich die Feuerungsleistung stufenlos dem jeweiligen Wärmebedarf an. Daraus resultieren extrem niedrige Emissionen, die bei Ultron 22 zu einer Aufnahme in das Hamburger Förderprogramm führten. Der niedrige Schadstoffausstoß könne jedoch nur sichergestellt werden, wenn die mikroprozessorgesteuerte Regelung nicht durch eine manuelle Regelung über Thermostatventile gestört werde. "Dann versagt jedes System, das mit niedrigen Kesseltemperaturen arbeitet", hob Kortum abschließend hervor.

Kooperation mit Schornsteinfeger-Fachhandwerk und Architekten ist nach wie vor verbesserungsfähig

Martin Kaiser, der den Anteil der Brennwerttechnik in seinem Betrieb auf rund 30% sämtlicher verkaufter Gas-Geräte beziffert, ist, wie er nach der Veranstaltung betonte, davon überzeugt, daß derartige Schulungen dazu beitragen, noch vorhandene Berührungsängste im Umgang mit Brennwerttechnik auf ein Minimum zu reduzieren. Eine noch bessere Kooperation wünscht er sich jedoch nach wie vor mit dem Schornsteinfeger-Fachhandwerk und den Architekten. Die Höhe des Energieverbrauchs ist mitentscheidend für die Qualität eines Gebäudes. Daher könne von den Architekten, die sich in der Regel als "Generalisten bei allen Problemen rund um das Bauen" bezeichnen, verlangt werden, daß sie sich intensiv mit dem Einsatz ökologischer Heiztechniken wie Brennwerttechnik und solarer Brauchwassererwärmung auseinandersetzen.


B i l d e r : Elco Klöckner Heiztechnik GmbH


*) Lutz Fälker (DVJ), Mitarbeiter Techno Press Presseinformationsdienst, Wuppertal