IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 1/1996, Seite 11 ff.


VERBÄNDE AKTUELL 


Zentralverband


Kurz und bündig


Bundessieger im Leistungswettbewerb '95

In jedem Jahr ehrt der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) die jeweils Besten eines Ausbildungsjahrgangs in den einzelnen Handwerkszweigen. Mit dabei natürlich auch die Sieger aus dem SHK-Bereich. Wir stellen sie Ihnen im einzelnen vor.

Der bundesweite Leistungswettbewerb endete in diesem Jahr am 1. Dezember mit einer Schlußfeier in Cottbus. Prämiert wurden diejenigen, die in ihrem Handwerk die gesamte Konkurrenz sowohl auf Innungs- als auch auf Landesebene hinter sich gelassen hatten. Die Prüfungsstücke aller Landessieger wurden daraufhin erneut von einer Jury unter die Lupe genommen und - soweit eine Mindest-Punktzahl erreicht wurde - die jeweils ersten drei eines Handwerkszweiges festgelegt (siehe nebenstehenden Kasten).

In Anerkennung der herausragenden Leistungen gab es vom ZVSHK für vier erste Plätze je einen Scheck über 800,- DM.

Nur vier von fünf SHK-Handwerken waren es deshalb, weil im Kupferschmiede-Handwerk leider niemand mit herausragenden Leistungen in die Vorauswahl kam und so auch keine Prämierung stattfinden konnte.

Bei Andreas Jahrke (21), dem besten Gas- und Wasserinstallateur seines Ausbildungsjahrgangs, war es der elterliche SHK-Betrieb, der den Werdegang des Sohnes beeinflußt hat. Das hinderte ihn aber nicht daran, die von der Schule angebotenen Schnupperkurse dafür zu verwenden, den Job eines Kochs und die Tätigkeiten in einem Elektro-Betrieb näher kennenzulernen, um zu sehen, was es sonst noch gibt.

Interesse an einer handwerklichen Tätigkeit hatte er schon früh, doch nach der Hauptschule mochte er nicht gleich in den Beruf, sondern hängte noch zwei Jahre Berufsfachschule an. "Diese höhere Qualifikation hat mir Vorteile gebracht. Man lernt in der Fachschule, im Gegensatz zu den zehn Jahren Hauptschule, berufsspezifisch zu denken. Wenn man dann als Quereinsteiger gleich ins zweite Lehrjahr kommt, weiß man um so mehr, wo's drauf ankommt", urteilte er in einem Gespräch, das die Redaktion mit ihm führte.

Die Lehre bei der Firma Adolf Staudt in Neustadt/Holstein war für ihn eine produktive Zeit. Seine Rückschau: "Ich bin während meiner Lehre immer mit einem Alt-Gesellen zusammengewesen, der unglaublich viel drauf hatte. Dadurch ist mir erst bewußt geworden, wie vielseitig der Beruf ist: Wir haben sowohl für Grundleitungen in der Erde gewühlt als auch ein Luxus-Bad mit allem Schnickschnack eingerichtet."

Offensichtlich war das nicht die schlechteste Mischung, um bei den Prüfungsanforderungen so gut abzuschneiden.

Derzeit ist Pause, was das Berufliche angeht, denn die Bundeswehr hat ihn einberufen.

Danach will er einen Job in einer größeren Stadt annehmen, um möglichst viel dazuzulernen, bevor er sich auf die Meisterprüfung vorbereitet. Irgendwann steht dann die Übernahme des elterlichen Betriebes an.

Für Erik Feibert (20), den Sieger im Fachbereich Klempner, kam von vorneherein nichts anderes als ein handwerklicher Beruf in Frage. Einen ersten Kontakt zu den SHK-Handwerken bekam er über einen Heizungsbauer im Bekanntenkreis. Darüber hinaus machte er ein Berufspraktikum in einer Elektrowerkstatt, stellte aber fest, daß dies "nicht sein Ding" war, wie er rückblickend bemerkte. "Da hat mir die Gestaltung mit Blech viel mehr zugesagt, denn ich hatte ja bereits im SHK-Betrieb erste Erfahrungen sammeln können."

Eine Lehrstelle als Lüftungsklempner wurde ihm in der Firma Gundermann in Hauenstein angeboten, bei der er jetzt auch als frischgebackender Geselle weiter tätig ist.

Für welche exotische Ausbildung er sich in dieser Region entschieden hatte, wurde ihm spätestens in der Berufsschule klar, denn er war in der Klasse der einzige Klempner unter lauter Gas- und Wasserinstallateuren.

"Das war aber kein Problem: Bei mir wurden eben Lehrinhalte, wie z.B. diverse Blechabwicklungen, die bei den anderen nur eine untergeordnete Rolle spielten, verstärkt vermittelt."

Auch bei der praktischen Ausbildung hat Erik Feibert keine Defizite verspürt. Die Aufträge konzentrierten sich vorwiegend auf das Herstellen von Lüftungskanälen und Ventilatorengehäusen, um die regionale Schuhindustrie mit geeigneten Lüftungsaggregaten zu versorgen. Beim Umgang mit vorwiegend verzinktem Stahlblech hat er offensichtlich alle die Tricks und Kniffe mitbekommen, die zum Siegen befähigen.

Da seine Ausbildung nicht auf die Bau-, sondern auf die Lüftungsklempnerei ausgerichtet war, kennt er die Fertigung eines Stehfalzdaches nur vom Modell in der Schule her. "Eine Sache, die mich aber auch nicht besonders interessiert hat", steckte er sein Interessengebiet ab. Auf seine Entfaltungsmöglichkeiten als Handwerker angesprochen, gab er an, daß er sich vermutlich auch im Karosseriebau wohlfühlen würde, weil es dort sicher mindestens in gleichem Maße auf Fingerfertigkeiten ankomme. Zukunftspläne - auch in Richtung Meisterbrief - hat er noch nicht geschmiedet.

Im Kachelofen- und Luftheizungsgsbauer-Handwerk hat in diesem Jahr Benedikt Preisinger die Prüfungskommissionen überzeugen können.

Direkt nach der Hauptschule begann der 19jährige mit der Ausbildung. Zuvor hatte er durch zwei mehrwöchige Praktika über die Arbeit des Kunstschmieds und des Ofenbauers Eindrücke sammeln können. Letzteres hat ihm dann so weit zugesagt, daß er das Lehrstellenangebot der Firma Surner in Rotthalmünster angenommen hat.

"Ich wollte nicht nur 'was Handwerkliches, sondern auch 'was Ausgefallenes lernen", begründete er seinen Entschluß. Daß er an keine schlechte Adresse geraten sein kann, beweist allein die Bundessieger-Urkunde seines Meisters: Er hatte es Anfang der Achtziger ebenfalls bis zum Besten seines Ausbildungsjahrgangs gebracht.

Auf die praktischen und theoretischen Ausbildungsinhalte angesprochen, sah er keinerlei Defizite. Im Gegenteil: Durch den in diesem Handwerk üblichen mehrwöchigen Block-Unterricht sah er gegenüber dem wöchenlichen Gang zur Berufsschule Vorteile: "Man kommt so in den Stoff viel besser rein, und in den jeweils drei Wochen Schule lassen sich ganze Sachgebiet umfassend behandeln."

Mit dem Standort der Münchner Schule ging er jedoch mit scherzhaftem Unterton ins Gericht: "Das Leben in der Stadt war jedesmal teuer..."

Für die Zukunft hat er noch keine Pläne geschmiedet: "Zunächst 'mal bleibe ich in der Firma, denn es gefällt mir hier. Über eine Meisterausbildung habe ich noch nicht nachgedacht." Aktueller ist da das Thema Wehrdienst, denn die Streitkräfte haben bereits mit einem Erfassungsbescheid angeklopft.

Last but not least ist das Zentralheizungs- und Lüftungsbauer-Handwerk an der Reihe. In diesem Beruf konnte Martin Duncker die Juroren - einmal mehr - überzeugen, denn der heute 21jährige hat als Preisgewinner bereits eine 'Karriere' gemacht, die ihresgleichen sucht: Bereits 1993 nahm er am Leistungswettbewerb als Gas- und Wasserinstallateur teil und erreichte damals mit dem zweiten Platz eine Spitzenposition.

Damit nicht genug: Im Herbst '95 trat er in Lyon auf der 33. Berufsolympiade in der gleichen 'Disziplin' gegen die weltweite Konkurrenz an und belegte knapp hinter der Bronzemedaille den vierten Platz. Eine erstaunliche Leistung, die ihm den Händedruck des Bundeskanzlers einbrachte.

Den Erfolg erklärte er sich damit, daß er in Prüfungssituationen keine Nerven zeigt. "Streß war natürlich immer dabei", merkte er an, "doch ich bin halt ein ruhiger Vertreter, sonst wär' das auch nicht zu schaffen gewesen."

Als der Hauptschüler nach der ersten Lehre den Gesellenbrief in der Tasche hatte, wollte er gleich noch die Ausbildung zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauer anhängen, mußte dazu aber die Firma wechseln. Diesmal klappte die Aufnahme bei der Firma Riecke in Hennstedt, denn wegen ihres guten Rufes hatte er dort durch einen Tip seines Vaters bereits sein Schulpraktikum gemacht und - damals leider vergeblich - um eine Ausbildung nachgefragt.

Bei beiden Lehrstellen sorgte die tägliche Praxis für ein Kuriosum, das für die Branche aber sicher nicht ungewöhnlich ist: Bei Thomsen in Heide lernte er als angehender G+W-Installateur den anfallenden Tätigkeiten entsprechend sehr viel aus der Heizungstechnik, "... weil ich den besten Alt-Gesellen hatte, den man sich vorstellen kann. Was ich während dieser Zeit an Sanitärtechnik versäumte, habe ich dann bei 'Heizungsbau Riecke' nachgeholt, denn dort war die Auftragslage genau umgekehrt." Geschadet hat das 'Durcheinander' bei ihm offensichtlich nicht.

An Meisterbriefe zu denken, sieht der Schleswig-Holsteiner noch als verfrüht an, denn jetzt steht erst einmal die Bundeswehrzeit an.

Um sich selbständig zu machen, sieht er auf dem platten Land keine Möglichkeit, sondern nur in Verbindung mit einem Ortswechsel "Richtung Hamburg", denn "bei den paar Häusern hier würde sich das für einen weiteren Betrieb nicht lohnen." (TD)


Die SHK-Sieger auf einen Blick:

Gas- und Wasserinstallateure

1. Platz: Andreas Jahrke, Ausbildungsbetrieb: Fa. Adolf Staudt, 23730 Neustadt (Fachverband Schleswig-Holstein)

2. Platz: Daniel Beyer in Fa. Max Küffner GmbH, 95448 Bayreuth (FV Bayern)

 

Zentralheizungs- und Lüftungsbauer

1. Platz: Martin Duncker in Fa. Riecke Heizungsbau GmbH, 25779 Hennstedt (FV Schleswig-Holstein)

2. Platz: Martin Block in Fa. Adolf Arndt GmbH, 30938 Burgwedel (FV Niedersachsen)

3. Platz: Bernhard Roßmadl in Fa. Werner Mürz GmbH, 94094 Rotthalmünster (FV Bayern)

 

Klempner

1. Platz: Erik Feibert in Fa. Gundermann GmbH, 76846 Hauenstein (FV Pfalz)

2. Platz: Erik Kittel in Fa. Helmut Jung GmbH, 66649 Oberthal (FV Saarland)

 

Kachelofen- und Luftheizungsbauer

1. Platz: Benedikt Preisinger in Fa. Hans Surner, 94094 Rotthalmünster (FV Bayern)

2. Platz: Horst Schmitt in Fa. Schmitt & Partner GmbH, 36157 Ebersburg-Ebersberg (FV Hessen)

 

Kupferschmiede

kein Bundessieger


Architekturpreis 1996 wird in Kassel verliehen

Im Rahmen des Deutschen Klempnertages vom 12. bis 13. September 1996 wird zum fünften Male der Architekturpreis vergeben, der unter der Schirmherrschaft von Baumeister Prof. Dr. Klaus Töpfer steht. Der Zentralverband will in Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Architekten mit dieser Auslobung beispielhafte Lösungen bei der Gestaltung von Metalldächern und -fassaden herausstellen und die Fachöffentlichkeit und private Auftraggeber auf die traditionellen Werkkünste des Klempnerhandwerks aufmerksam machen.

Die Bewerber können Unterlagen von Objekten einreichen, die in den Jahren 1990 bis Einsendeschluß (30. Juni 1996) fertiggestellt worden sind. Die Objekte müssen der Zielsetzung der Ausschreibung entsprechen. Zur Teilnahme berechtigt sind Architekten, die die eingereichten Arbeiten selbst entworfen haben. Beurteilt werden nur solche Arbeiten, bei denen die Metallarbeiten ausschließlich von einem Klempnerfachbetrieb durchgeführt wurden.

Für die Prämierung mit dem Architekturpreis 1996 stehen 30000,-DM zur Verfügung. Außerdem können Belobigungen ausgesprochen werden.

Die Bewerbungsunterlagen und weitere Informationen können ab sofort angefordert werden beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima, Referat Organisation, Rathausallee 6, 53757 St. Augustin, Tel. (02241) 29056, Fax (02241) 21351.

Die Verleihung des Architekturpreises findet am 12. September 1996 im Tagungsraum der Stadthalle Kassel statt.