Wöhler Innovations-Forum 2026
Praxisnahe Antworten auf Regulatorik, Digitalisierung und Betriebsführung im Handwerk
Vom 7. bis 9. Mai 2026 brachte das Wöhler Innovations-Forum Schornsteinfeger- und SHK-Profis in Münster zusammen, um über neue gesetzliche Anforderungen, digitale Betriebsführung und zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen praxisnahe Workshops zu Themen wie dem Übergang vom Gebäudeenergiegesetz zum Gebäudemodernisierungsgesetz, der 44. BImSchV, der F-Gas- und Chemikalien-Klimaschutzverordnung sowie der Einsatz von KI im Handwerk. Erstmals präsentierte Wöhler im Rahmen des Forums den neuen Branchencheck und zeichnete mit dem InnoWerker-Award herausragende betriebliche Innovationen aus.
„Unser Anspruch ist, Schornsteinfeger- und SHK-Betriebe nicht nur über Regulierungen und Trends zu informieren, sondern ihnen konkrete Werkzeuge und Ideen an die Hand zu geben, die sich am nächsten Arbeitstag im Betrieb umsetzen lassen“, betont Christian Beyerstedt, Geschäftsführer der Wöhler Technik GmbH. Rund 170 Teilnehmende nutzten das Forum für fachlichen Austausch und Vernetzung – viele waren bereits am Vorabend zum Get-together zur „Tatort Münster“-Krimitour und zum gemeinsamen Abendessen angereist.
Branchencheck zeigt: Zusammenarbeit wird zum Erfolgsfaktor
Am 8. Mai begrüßten Christian Beyerstedt und Christina Thomas, Bereichsleiterin der Wöhler Akademie und Partnerprogramme, die Fachhandwerker offiziell. Beyerstedt hob die wachsende Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Schornsteinfeger- und SHK-Betrieben hervor – eine Entwicklung, die der neue Wöhler-Branchencheck klar bestätigt. Der Branchencheck ist eine von Wöhler in Kooperation mit der Universität Paderborn durchgeführte Umfrage unter SHK-Handwerkern und Schornsteinfegern. Demnach arbeiten bereits 62 % der Schornsteinfeger regelmäßig mit SHK-Betrieben zusammen, während 77 % der SHK-Betriebe regelmäßig mit Schornsteinfegern kooperieren. Auch die Kompetenzfelder wurden beleuchtet: Schornsteinfegerbetriebe sind heute schon stark in Energieberatung und Brandschutz aktiv und sehen zusätzliche Chancen insbesondere bei Wärmepumpen und Lüftungstechnik. SHK-Betriebe sind bereits in den Bereichen Wärmepumpen, energieeffiziente Sanierung und Lüftungstechnik etabliert, sehen aber weiteres Potenzial vor allem in der Energieberatung sowie erneut im Bereich Wärmepumpen. „Der Branchencheck zeigt deutlich, dass beide Gewerke nur gewinnen können, wenn sie ihre Kompetenzen bündeln – von der Energieberatung bis zur Umsetzung moderner Heiz- und Lüftungssysteme“, so Christian Beyerstedt.
Keynote: Wie echte Geistesblitze entstehen
Das Fachprogramm eröffnete Neurowissenschaftler Dr. Henning Beck mit seiner Keynote „Biologie des Geistesblitzes – Besser denken in der digitalen Welt“. Er zeigte, wie das menschliche Gehirn arbeitet, warum es Fehler macht und weshalb gerade diese Schwächen die Grundlage echter Kreativität sind. Laut Beck braucht es vier Schritte, um wirklich kreativ zu denken: Denkmuster brechen, Dinge vereinfachen, die Perspektive wechseln und eine Idee schließlich wagen.
Genau an diesen Punkten knüpft das Wöhler Innovations-Forum an: Neue gesetzliche Vorgaben, Digitalisierung und der Einsatz von KI verlangen von Schornsteinfegern und SHK-Betrieben, gewohnte Pfade zu verlassen und ihr Geschäftsmodell immer wieder neu zu denken. Ob bei der Entwicklung zusätzlicher Services, der Zusammenarbeit zwischen den Gewerken oder beim Einsatz digitaler Werkzeuge – nur wer bereit ist, Denk- und Arbeitsweisen zu hinterfragen, wird am Markt bestehen.
In all diesen Fragen, so Beck, sei das menschliche Gehirn der Künstlichen Intelligenz deutlich überlegen: KI kann unterstützen, sortieren und vorstrukturieren – die wirklich neue Idee entsteht jedoch im Kopf des Menschen. Sein Fazit passte damit ideal zum Anspruch des Forums, Impulse für ein zukunftsfähiges Handwerk zu geben: „Die nächste große Idee kommt von einem Gehirn.“
Workshops: Betriebsführung, GEG-Nachfolger und Haftung
Im Anschluss konnten sich die Teilnehmer des Forums in zwei von drei parallelen Workshops ihr Wissen vertiefen. Im Workshop „Vom Selbst & ständig zum strukturiert geführten Betrieb“ vermittelten die Dozenten Sven Gogol und Andreas Gärtner auf Basis ihrer unternehmerischen Erfahrung, internationaler Einblicke und zahlreicher Praxisbeispiele, wie sich Führung, Marketing und Strategie konkret in den Alltag integrieren lassen. Ein zentrales Thema war der Rollenwechsel vom mitarbeitenden Selbstständigen zur Unternehmerpersönlichkeit. Denk- und Verhaltensmuster wie die Überzeugung „Ich bin das Unternehmen“ wurden als wesentliche Wachstumsbremse identifiziert.
Klaus Lambrecht, Diplom-Physiker sowie Gründer und Partner der ECONSULT, informierte im Workshop „Vom Gebäudeenergiegesetz zum Gebäudemodernisierungsgesetz“ über den aktuellen Stand des geplanten neuen Rechtsrahmens, der voraussichtlich ab Mitte 2026 das Gebäudeenergiegesetz ablösen soll. Er zeigte die Entwicklung der Treibhausgasemissionen und machte deutlich, dass der Gebäudesektor in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt wurde. So lag die Sanierungsquote im Bereich Fassade 2025 lediglich bei 0,46 %. Lambrecht erläuterte zudem die geplanten Änderungen beim Energieausweis, die Sanierungspflicht für Gebäude der Klasse G sowie das digitale Gebäudelogbuch. Vor allem bei Mischgebäuden werde die Erstellung von Energieausweisen deutlich komplexer, warnte er.
Im Workshop „Zwischen Feuerstätte, Kunde und Handwerker“ stellte der auf Baurecht spezialisierte Rechtsanwalt Han Christian Jung anhand zahlreicher Beispiele klar, wo Verantwortung und Absicherung von Schornsteinfegern und Installateuren bei Mängeln, Warnhinweisen und Schnittstellenfehlern liegen. Grundsätzlich müsse ein Monteur eine Anlage bereitstellen, die vom Schornsteinfeger abgenommen werden kann. Der Schornsteinfeger sei die letzte Kontrollinstanz mit entsprechenden Auswirkungen auf die Haftungsfrage. Viele Haftungsfälle begännen jedoch weniger mit einem technischen Defekt als mit ungeklärten Erwartungen, etwa zwischen Schornsteinfeger und Installateur oder zwischen Kunde und Fachbetrieb. „Ein Installateur schuldet nicht den Schornsteinfeger, aber eine Anlage, die dem Kunden hilft, schornsteinfegerrechtlich zu bestehen“, brachte Jung es auf den Punkt. Der Schornsteinfeger hingegen plane und baue nicht, sondern kontrolliere, stelle fest, bescheinige und greife bei Gefahr ein.
Abendprogramm mit InnoWerker-Award
Nach den Workshops folgte das Abendprogramm mit einem Krimi-Quiz-Dinner, welches explizit auf Schornsteinfeger und SHK-Handwerker zugeschnitten war. Im Rahmen des Abendprogramms wurde erstmals der InnoWerker-Award verliehen. Er würdigt herausragende Beispiele für Zukunftsfähigkeit im Schornsteinfeger- und SHK-Handwerk. In der Kategorie „Digitalisierung im Arbeitsalltag“ wurden der SHK-Meisterbetrieb von Markus Mack aus Michelbach an der Bilz und die haushoch4 GmbH aus dem Schornsteinfegerhandwerk ausgezeichnet, die mit durchgängig digitalen Prozessen, transparenter Kommunikation und KI-gestützten Tools ihre Abläufe deutlich effizienter gestalten. In der Kategorie „Kompetenz- & Geschäftsfelderweiterung“ überzeugten Lucas Pimperl (W. Pimperl Bad & Design) mit der strategischen Erweiterung um elektrotechnische Kompetenzen für ganzheitliche Energiesysteme sowie Christian Fiedler, der seinen Betrieb zur spezialisierten Energieberatungs-GmbH entwickelt hat. In der Kategorie „Talente & Nachwuchs“ setzten Fabian Roth (PRO HEAT by Roth) mit einem flexiblen, digital organisierten Arbeitszeitmodell und Beate Gerbershagen mit ihrem außergewöhnlichen Engagement für Ausbildung und Nachwuchsgewinnung im Schornsteinfegerhandwerk starke Akzente. „Die Qualität und Vielfalt der eingereichten Projekte hat uns als Jury beeindruckt“, sagte Christian Beyerstedt. „Es ist deutlich zu sehen, mit wie viel unternehmerischem Mut und persönlichem Engagement viele Betriebe ihr Handwerk weiterentwickeln und konsequent auf Zukunft stellen.“
Zweiter Tag: Regulatorik-Update und KI im Betriebsalltag
Der zweite Tag des Wöhler Innovations-Forums stand im Zeichen von Künstlicher Intelligenz, F-Gas- und Chemikalien-Klimaschutzverordnung sowie der 44. BImSchV. Im Workshop „Update F-Gas & Chemikalien-Klimaschutzverordnung“ gab Marcus Scheiber, Geschäftsführer der Akademie Zunft, einen kompakten Überblick über die wichtigsten Neuerungen. Eine zentrale Änderung: Künftig fallen auch ungesättigte Fluorkohlenwasserstoffe wie R1234yf oder R1234ze unter die Anforderungen der F-Gase-Verordnung und unterliegen damit der Pflicht zur regelmäßigen Dichtheitskontrolle. Gleichzeitig rücken natürliche Kältemittel stärker in den Fokus. Propan mit sehr niedrigem GWP-Wert gilt damit als besonders zukunftsfähiges Kältemittel, ist aber brennbar – ein Aspekt, der in vielen bisherigen Schulungen kaum berücksichtigt wurde. Für Anlagenbetreiber bedeutet das: Bestandsanlagen müssen regelmäßig durch zertifiziertes Personal auf Dichtheit geprüft werden, und bei Neuanlagen wird verstärkt auf natürliche Kältemittel wie Propan R290, CO₂ oder Ammoniak zu achten sein. Damit steigen sowohl die Sicherheitsanforderungen als auch der Qualifizierungsbedarf im Handwerk deutlich. Der Umgang mit natürlichen Kältemitteln erfordert einen A1- oder A2-Sachkundenachweis. KAT1- und KAT2-Sachkundenachweise, die noch bis zum 12. Mai 2029 gültig sind, berechtigen nicht zum Umgang mit A3-Kältemitteln. Scheiber empfahl daher Aufbautrainings von KAT 1/2 zu A 1/2. Zugleich sei mit deutlich steigenden Preisen für synthetische Kältemittel zu rechnen, da die Importquoten stark reduziert werden.
Im Workshop „44. BImSchV – neue Aufgaben, neue Chancen“ zeigte Markus Knothe, welche Anlagen konkret unter die Verordnung fallen, welche Emissionswerte zu messen sind und welche Dokumentations- und Informationspflichten gegenüber Betreibern gelten. Er machte deutlich, wie Betriebe diese Aufgaben nutzen können, um ihr Leistungsspektrum gezielt zu erweitern und ihren Kunden einen echten Mehrwert zu bieten. Die 44. BImSchV eröffnet dem Schornsteinfegerhandwerk ein attraktives neues Tätigkeitsfeld: wiederkehrende Messungen an mittelgroßen Feuerungsanlagen für Öl und Gas bis 10 MW, inklusive NOX-Bestimmung.
Wie KI den Büroalltag von Handwerksbetrieben konkret entlasten kann, erläuterte Digitalberater und Trainer Thorsten Ising. Im Mittelpunkt standen typische Büro- und Kommunikationsaufgaben wie Angebotserstellung, E-Mail-Korrespondenz, Textüberarbeitung oder die Strukturierung von Dokumentationen. „KI macht nicht das Handwerk. KI hilft beim Büro drumherum“, gab Ising den Teilnehmenden zu Beginn mit. Statt abstrakt zu fragen, was KI könne, gehe es darum, wo sie im Alltag spürbaren Nutzen bringe, etwa wenn unterwegs per Sprachbefehl E-Mails vorbereitet, Ideen strukturiert oder To-dos gesammelt werden. Chatbots wie ChatGPT übernehmen dabei Aufgaben wie Recherche, Vorsortierung und Ideenentwicklung, während die fachliche Bewertung und finale Umsetzung beim Menschen bleiben. Ising wies zudem darauf hin, dass auch die beste KI nicht unfehlbar ist: Sie liefert die wahrscheinlichste, nicht zwingend die richtige Antwort. Entscheidend seien deshalb klare Anweisungen – je präziser der Prompt, desto besser das Ergebnis. Parallel nehme die Büroarbeit im Handwerk weiter zu, etwa durch Dokumentationspflichten und erhöhte Kundenkommunikation. Spätestens seit Einführung des EU AI Act gehöre der kompetente Umgang mit KI-Werkzeugen zur betrieblichen Grundfähigkeit.
Über das Wöhler Innovations-Forum
Das Wöhler Innovations-Forum wurde 2014 ins Leben gerufen und findet seitdem jährlich an wechselnden Orten in ganz Deutschland statt. Im Fokus stehen aktuelle Themen aus dem SHK-Handwerk und dem Schornsteinfegerhandwerk, beispielsweise neue Mess- und Prüftechniken sowie Entwicklungen in Normung, Energieeffizienz und Gebäudetechnik. Fachvorträge, praxisnahe Workshops und Diskussionsrunden bieten SHK-Handwerkern und Schornsteinfegern eine Plattform für Wissenstransfer, Erfahrungsaustausch und fachliche Vernetzung.
Weitere Informationen: woehler.de/innovations-forum