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„Wissen für die Fachkräfte von heute und morgen“

Das neue Schulungszentrum von Geberit wirkt wie ein Erlebnisraum für Praktiker

Auf 4900 m2 Nutzfläche beherbergt das Gebäude den neuen Geberit-Campus. Es sei eine „Hommage an das Quadrat“. (Roland Halbe)

25 unterschiedliche Situationen der Abwasserhydraulik lassen sich im neuen Abwasserturm darstellen. (Geberit)

Im Akustik-Kubus werden die Sanitär-Profis für das Thema Bauakustik sensibilisiert. (Roland Halbe)

Ein virtueller Raum in 3D. So präsentiert sich der Kompetenz-Kubus. (Geberit)

Mit zahlreichen Ehrengästen hat Geberit den neuen Campus in Pfullendorf eröffnet. (Roland Halbe)

 

Geberit eröffnet an seinem Standort in Pfullendorf ein neues Schulungszentrum auf einer Fläche von 4900 m2. Praxisnahe und kontinuierliche Weiterbildungsangebote für bis zu 8000 Personen pro Jahr sind das Ziel. Nach einer Anlaufzeit beginnen ab Mai die Kurse und Seminare. Die IKZ war vor Ort – und begeistert vom Konzept!

Wer Pfullendorf aus Richtung Überlingen am Bodensee erreicht, dem fällt ein Pavillon mit Geberit-Schriftzug am Ortseingang auf. Das filigrane und moderne Gebäude beherbergt auf 4900 m2 Nutzfläche den neuen Geberit-Campus: „Der Campus ist als Pavillon konzipiert, reduziert auf Boden, Kuben und ein weit auskragendes Dach“, beschreibt es Architekt Michel Casertano, Partner und Gesellschafter bei Atelier Brückner mit Sitz in Stuttgart. Das Architekturbüro war Generalplaner und Projektleiter. „Drei große, zentrale Kuben stoßen durch die Dachfläche und markieren die zentralen Kompetenzfelder des Unternehmens.“

Das Gebäude sei eine Hommage an das Quadrat, zentraler Bestandteil des Geberit-Logos, ergänzt Meinholf Bürgermann, Leiter Kundenschulung bei der Geberit Vertriebs GmbH. Rund 70 Jahre sei es nun her, dass der Hersteller für Sanitärprodukte vor und hinter der Wand seine erste Kundenschulung gab. Das war damals 1957 auch am Standort in Pfullendorf. 1973 hat Geberit den ersten Abwasserturm errichtet und 1991 das Informationszentrum in Pfullendorf eröffnet, das nun der neue Campus ablöst. Es sei aufgrund der hohen Nachfrage an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen.

Abwasserturm neu aufgelegt

Die drei Kuben des Gebäudes beherbergen auch die zentralen Lerninhalte. „Im Abwasser-Kubus erwarten die Besucher Einblicke in das Abwassersystem, um ein tiefes Verständnis für hydraulische Vorgänge und Planungsauswirkungen zu entwickeln“, so Bürgermann. Den bekannten Geberit-Abwasserturm haben sie dafür neu konzipiert und erweitert. Künftig können 25 typische Situationen der Abwasserhydraulik dargestellt werden. „Wir wollen die Fehler in der Installation und vor allem deren Folgen anschaulich aufzeigen und gleichzeitig demonstrieren, wie es richtig geht“, erklären die Verantwortlichen, während sie die Gruppe der Fachjournalisten durch das neue Gebäude führen und die Funktionen des Abwasserturms demonstrieren.

Es ist schon beeindruckend zu sehen, wie das gleichzeitige Auslösen mehrerer Toilettenspülungen an einem Abwasserstrang in einem Mehrfamilienhaus zur Folge haben kann, dass die Siphons in den Wohnungen darunter leer gesaugt werden. „Das ist ein Beispiel aus der Praxis“, erklärt der Referent. Auch die Situation sei nahezu alltäglich, beispielsweise während der Halbzeitpause eines Fußball-Länderspiels, wenn die Bewohner gleichzeitig die Sanitäreinrichtungen nutzen.

Aufschlussreich ist auch das zweite Beispiel: Ein in 45°-Winkel montiertes Abflussrohr an einer Fallleitung entwässert in den Abwasseranschluss der Nachbarwohnung. „Wenn das Rohr in einem Winkel von 87,5° angeschlossen wird, anstelle von 45°, passiert das nicht“, erläutert der Referent und lenkt die Aufmerksamkeit der Fachjournalisten auf das danebenliegende Schauobjekt, welches entsprechend montiert ist. Abläufe können so veranschaulicht und eingeübt werden, dass sie im Alltag sicher sitzen, erklärt Bürgermann. „So wächst Sicherheit in Entscheidungen, in der Ausführung und im Umgang mit komplexen Anforderungen.“

Akustik-Kubus

Im Akustik-Kubus werden die Sanitär-Profis für das Thema Bauakustik sensibilisiert. Als Labor eingerichtet, losgelöst vom übrigen Gebäude, können die Referenten hier unterschiedliche Lärmbelastungen simulieren und mit Messungen dokumentieren. So sorge allein der Unterschied zwischen einer Sanitärinstallation in einer Trockenbauwand (21 dB) und einer in Nassbauweise (25 dB) dafür, dass das Spülgeräusch aus dem Nassraum nebenan nicht mehr wahrnehmbar ist. Simuliert wird das Geräusch in einem typischen Schlafzimmer. Bei gerade einmal 4 dB Differenz. Für Handwerker, die das vor Ort und damit live hören können, dürfte das eine spannende Erfahrung werden. Die anwesenden Fachjournalisten zeigten sich beeindruckt, zumal auch die 25 dB kaum wahrnehmbar waren.

„Woran wir hier arbeiten, das ist in keiner Norm in dieser Detailtiefe geregelt“, so die Verantwortlichen beim Rundgang. Doch die hier gewonnenen Erkenntnisse fließen in die tägliche Arbeit ein und können so dazu beitragen, die Lebensqualität vieler Menschen zu verbessern. Denn, wer möchte schon von Sanitärgeräuschen nachts aus dem Nachbarzimmer im Hotel geweckt werden. Oder beim Mittagstisch das Abflussgeräusch des WCs aus einer der darüberliegenden Wohnungen hören. „Wir können hier zeigen, wie leise sich Sanitärgeräusche im Hintergrund halten lassen, wenn die Sanitärinstallationen richtig geplant und ausgeführt sind.“

Wissen vertiefen

Ein virtueller Raum in 3D. So präsentiert sich der Kompetenz-Kubus den Fachjournalisten. Er umfasst die Bereiche Trinkwasserhygiene und Abwasserhydraulik, Brand- und Schallschutz sowie Sanitärraumplanung, digitales Planen und Bauen. Damit stehen die zentralen Sanitärkompetenzfelder im Mittelpunkt, aufbereitet in virtuellen Präsentationen, um den „Kontext der wirtschaftlichen, rechtlichen und praktischen Hintergründe im Blick zu behalten“, so Geberit. „Hier werden bleibende Eindrücke geschaffen, die Orientierung geben, Wissen vertiefen und wichtige Themen in einen größeren Zusammenhang stellen. Hier gewinnen Besucherinnen und Besucher neue Perspektiven und Einsichten für ihre Planungs- und Ausführungspraxis.“

Praxisorientiertes Lernen

„In den Kuben haben Teilnehmer zukünftig die Möglichkeit, ihr Wissen an realen Abwasser- und Sanitärinstallationen zu vertiefen – immer im Kontext ihrer täglichen Aufgaben, die es zu lösen gilt“, erklärt Meinolf Bürgermann. Dazu kommen noch sieben Praxisräume, die praxisorientiertes Lernen ermöglichen und den Wissenstransfer zwischen Theorie und Anwendung fördern sollen. Ausprobieren, greifen und begreifen, ist hier das Motto. Weil jede Bausituation anders ist, haben die Verantwortlichen anwendungsorientierte Stationen in den Bereichen Installationssysteme, Rohrleitungssysteme oder Badezimmersysteme konzipiert.

Abgerundet wird das Angebot durch einen Praxisraum für den Kundendienst. Dort sind unterschiedliche Unterputzspülkästen mit verschiedenen Betätigungsplatten der letzten Jahrzehnte verbaut. Bis hin zum „Monolith“ und der Designplatte zum Nachrüsten für das Dusch-WC. „Hier können die Seminarteilnehmer an den unterschiedlichen Modellen ihre Kenntnisse erweitern oder auffrischen.“ Das Gleiche gilt auch für den Raum mit den Services. „Hier vermitteln wir den Umgang mit digitalen Tools und Apps.“ Ergänzt werden sie von vier Theorie- bzw. Schulungsräumen, in denen parallel bis zu 158 Personen geschult werden können.

„Mastering Water“

Die Anforderungen an Fachkräfte in der Sanitärbranche verändern sich ständig. Für Geberit sei die Qualifikation seiner Partner ein zentraler Erfolgsfaktor. Die kontinuierliche Weiterbildung der Fachbetriebe daher ein strategischer Bestandteil der Unternehmensausrichtung, erklärt Cyril Stutz, Geschäftsführer der Geberit Vertriebs GmbH: „Wir unterstützen unsere Kunden mit praxisnahen und kontinuierlichen Weiterbildungsangeboten. Der Geberit Campus übernimmt dabei eine wichtige Rolle als Ort des Wissensaustauschs und der partnerschaftlichen Zusammenarbeit.“

Der Claim „Mastering Water“ verbinde die einzelnen Elemente des Schulungsgebäudes. „Er umschreibt alles, was mit Wasserversorgung im Gebäude zu tun hat“, erklärt er. „Wir nutzen Wasser verantwortungsvoll und innovativ, um nachhaltige Lösungen für mehr Komfort und Hygiene zu schaffen.“ Der Wert des neuen Campus liege nun darin, dieses Wissen an die SHK-Fachbetriebe weiterzugeben.

37 Mio. Euro hat Geberit dafür an seinem „wichtigsten Standort und seiner logistischen Drehscheibe für Europa“ in Pfullendorf investiert, sagt Albert Baehny, Präsident des Verwaltungsrats. „Wir freuen uns auf rund 8000 Besucher pro Jahr.“

Weitere Informationen zum Campus: https://campus.geberit.de/Veranstaltungen und Schulungstermine: www.geberit.de/schulungen-veranstaltungen/kundenschulungen/

 


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