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Wirtschaftsreport testiert „katastrophale Lage“ in den Bauämtern

Bau- und Immobilienfachmann Klaus-Peter Stöppler. Bild: Klaus-Peter Stöppler

 

Berlin. Die Bauämter sind der größte Engpass für Bauen in Deutschland, heißt es im „United Interim Wirtschaftsreport 2026“. Der Bericht basiert auf einer Umfrage unter 550 Führungskräften auf Zeit (Interim Managern), den die Management-Community United Interim durchgeführt hat. Der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler, der zum Autorenkreis des Reports gehört, weiß aus eigenen Projekterfahrungen: „Beim Umgang mit Bauämtern gewinnt man regelmäßig den Eindruck, dass dort im Grunde keiner will, dass in Deutschland gebaut wird.“ Laut Report halten drei Viertel der befragten Führungskräfte die Bauämter für „einen der größten Bremsklötze für den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands.“ Die Begründung: Bauen steht für rund 2,6 Mio. Arbeitsplätze und der Anteil der Bauinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt beträgt rund 13 %. „Probleme beim Bau wirken sich unmittelbar auf die Wirtschaftskraft des Landes insgesamt aus“, sagt Stöppler, „vergleichbar der Automobilindustrie.“
Laut Umfrage sind 79 % der Manager der Überzeugung, dass die Bauämter trotz einiger Fortschritte noch viel zu wenig digitalisiert sind. 78 % ist die „mangelnde Dienstleistungsorientierung“ ein Dorn im Auge. 64 % stufen die Amtsstuben als „von Bürokratie und Kompetenzgerangel lahmgelegt“ ein. Der „United Interim Wirtschaftsreport 2026“ spricht von einer „katastrophalen Lage“.

Wohnungsnot verschärft sich immer mehr

Stöppler erklärt im Hinblick auf die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach sich die Wohnungsnot 2025 weiter verschärft hat: „Gerade in einer Phase akuten Wohnraummangels und hoher Investitionskosten ist die Nicht-bauen-wollen-Haltung vieler Bauämter ein Skandal." Laut Statistischem Bundesamt leben knapp 12 % der Menschen in zu kleinen Wohnungen. Die Quote hat sich gegenüber 2024 weiter erhöht, als der Wert noch bei rund 10 % lag. Insgesamt fehlen in Deutschland rund 1,4 Mio. Wohnungen, verweist der Bau- und Immobilienexperte auf Schätzungen des Pestel-Instituts. „Natürlich trifft die Bauämter nicht die alleinige Schuld an der Baumisere“, räumt Stöppler ein. Als weitere maßgebliche Ursachen nennt er die massiv gestiegenen Baukosten, hohe Zinsen, verschärfte energetische Vorgaben, überbordende Regulierung, langwierige Planungsverfahren sowie den zunehmenden Fachkräftemangel im Baugewerbe. Hinzu komme, dass sich viele Bauprojekte „unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schlicht nicht mehr rentabel kalkulieren lassen.“

Bau-Verhinderer statt Förderer

„Aber gerade in dieser Situation würde man erwarten, dass die Bauämter alles tun, damit gebaut wird“, so Stöppler. Doch laut Umfrage stufen satte 83 % die Ämter „eher als Bau-Verhinderer denn als Bau-Förderer“ ein. „Das deckt sich leider auch mit meinen persönlichen Erfahrungen“, sagt Stöppler. Mehr als die Hälfte der Befragten (52 %) kritisieren die fehlende Standardisierung der Bauämter. „In Deutschland entscheidet häufig nicht nur das Gesetz, sondern auch das jeweilige Amt darüber, wie schnell und unter welchen Bedingungen gebaut werden kann“, erklärt Stöppler. „Während in einer Kommune digitale Bauanträge längst Standard sind, werden anderswo noch Papierunterlagen in mehrfacher Ausfertigung verlangt. Selbst bei identischen Bauvorhaben unterscheiden sich Anforderungen, Bearbeitungszeiten und Auslegung der Vorschriften teilweise erheblich.“ Zwar gesteht ein knappes Drittel (32 %) der Führungskräfte den Bauämtern zu, dass ein Teil der Probleme auch mit Personalmangel zu erklären ist. „Viele Ämter wirken wie verwaist“, stellt Stöppler immer wieder fest. Das liege allerdings nicht nur an knappen Personalkapazitäten, sondern auch am Home Office. „Für die Baubranche hat sich das amtliche Home Office als Bremsklotz erwiesen, weil man nicht nur im Amt vor Ort kaum noch jemanden antrifft, sondern auch telefonisch nicht mehr durchkommt, weil zu Hause natürlich niemand beruflich telefonieren will.“

Hintergrund 

United Interim ist eine Online-Community für Interim Manager in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Reichweite erstreckt sich auf weit über 12000 Führungskräfte auf Zeit in der DACH-Region. Aus dieser Gruppe heraus haben einige der Manager gemeinsam mit United Interim eine Studie über den Stand und die Zukunft der deutschen Wirtschaft durchgeführt. Die Studienleitung obliegt Dr. Harald Schönfeld und Jürgen Becker als Gründer und Geschäftsführer von United Interim. An der Befragung für die Studie haben über 550 ausgewählte Interim Manager teilgenommen. 
Interim Management gilt als die „Königsklasse“ im Management, weil die Führungskräfte auf Zeit mehr berufliche Herausforderungen in mehr Unternehmen bewältigen als Führungskräfte im Angestelltenverhältnis und daher über einen größeren Überblick verfügen. Im Unterschied zu Beratern entwickeln sie nicht nur Konzepte, sondern sorgen für eine bestimmte Zeit im Unternehmen auch für die Umsetzung.
Klaus-Peter Stöppler verfügt über 35 Jahre Erfahrung in den Branchen Bauwirtschaft, Immobilien, Energie und Industrie. Er begleitet mittelständische Unternehmen als permanenter Beirat oder als Interim Manager für eine begrenzte Zeit. Seine Expertise umfasst Bauprojektmanagement, Unternehmensrettung und strategische Beratung. Stöppler ist Mitglied der Denkfabrik Diplomatic Council mit Beraterstatus bei den Vereinten Nationen. 

www.unitedinterim.com

https://bau-interim.com

 


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