Wie neue Netzentgeltpläne den Ausbau der Solarenergie gefährden
Berlin. Die im Mai veröffentlichten Pläne der Bundesnetzagentur könnten den Ausbau der Photovoltaik (PV) deutlich bremsen, erklärt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar). Er fordert Nachbesserungen und warnt davor, Betreiber von Solarstromanlagen künftig übermäßig an den Kosten für Erhalt und Ausbau der Stromnetze zu beteiligen.
Kritisch bewertet der Verband insbesondere die geplante Erhöhung des Grundpreises für typische Selbstnutzer von Solarstrom im Heimsegment – sogenannte „Prosumer“. Nach Berechnungen des BSW-Solar könnten diese Kosten bis zu 150 Euro im Jahr betragen. Dies belaste Solaranlagenbetreiber erheblich und schaffe zudem keine Anreize für einen netzdienlichen Einsatz von Batteriespeichern. Mit deren Hilfe entsteht durch Solardächer kein zusätzlicher Netzausbaubedarf.
Hoher Eigenverbrauch reduziert Netzausbaubedarf
„Kommen elektrische Verbraucher wie E-Autos oder Wärmepumpe zum Einsatz könne durch die Nutzung von Solaranlagen und Batteriespeicher die bestehende Netzinfrastruktur sogar effizienter genutzt werden und der Netzausbaubedarf durch Prosuming reduziert werden“, schreibt der Verband und verweist auf eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Gefördert wurde sie vom Bundeswirtschaftsministerium.
Als besonders problematisch bewertet der BSW-Solar die Pläne vor dem Hintergrund, dass die Kosten für Betreiber von Solaranlagen bereits durch andere regulatorische Vorgaben gestiegen seien – etwa durch die verpflichtende Beteiligung an den Kosten intelligenter Messsysteme und die bereits gestrichene Vergütung zu Zeiten negativer Strompreise. Zugleich machten die aktuellen Vorschläge der Bundesnetzagentur deutlich, dass keine zusätzlichen Belastungsspielräume mehr für weitere Einschnitte bei der Wirtschaftlichkeit neuer Solaranlagen bestünden.
Einspeisevergütung: BSW-Solar kritisiert erneut die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums
Vor diesem Hintergrund kritisiert der BSW-Solar erneut die Überlegungen des Bundeswirtschaftsministeriums, die Einspeisevergütung für neue Solarstromanlagen auf Gebäuden ab 2027 weiter zu reduzieren oder ganz abzuschaffen und Betreiber kleiner Solardächer in die absehbar unwirtschaftliche und unpraktikable Direktvermarktung zu drängen.
„In der Summe besitzen diese Maßnahmen das Potenzial, den dringend benötigten Ausbau der Solarenergie in Deutschland massiv auszubremsen. Dies widerspricht klar dem Bürgerwillen und den vereinbarten Regierungszielen“, erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. „Die Interessenvertretung der Solar- und Batteriespeicherbranche appelliert an die Bundesnetzagentur und Bundesregierung, Anpassungen an der Netzentgelt- und Förderstruktur mit Augenmaß vorzunehmen, besser aufeinander abzustimmen und systemdienliches Verhalten konsequent zu belohnen.“