Verband sieht Wärmewende langsamer voranschreiten als geplant
„Die Wärmewende im Gebäudesektor kommt langsamer voran als geplant. Klare politische Signale und verlässliche Förderbedingungen bleiben entscheidend“, so Alexis Gula, Präsident des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks. Bild: Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks / Joern Dudek www.joerndudek.de
Sankt Augustin. Deutschland wollte beim Heizungstausch Tempo machen – doch neue Zahlen zeigen ein anderes Bild: Millionen veralteter Öl- und Gasheizungen bleiben weiter in Betrieb, obwohl die Technik vieler Anlagen längst überholt ist. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks nach Auswertung der aktuellen Erhebungen für das Jahr 2025. Der Verband sieht die Wärmewende deutlich langsamer voranschreiten als geplant. Doch warum zögern Eigentümer mit dem Umstieg?
„Rund 19,5 Millionen und damit mehr als die Hälfte aller Heizungsanlagen (inklusive Warmwasserheizer) nutzten im Jahr 2025 fossile Energieträger“, schreibt der Zentralinnungsverband. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies insgesamt einem Rückgang von 2 %. Zwar setze sich die Dekarbonisierung im Heizungskeller damit fort, die Dynamik bleibe jedoch gering. Die Zahl der installierten Ölheizkessel sank etwa um rund 3 % auf 4,7 Mio. Anlagen. Im gleichen Zeitraum verringerte sich die Anzahl der Gasfeuerungsanlagen um 1,7 Prozent auf 14,8 Mio.
Wenig Veränderung verzeichnete der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks im Bereich der Biomasseheizungen. So erreiche die Zahl der installierten Heizungsanlagen mit rund 1,2 Mio. das Vorjahresniveau und auch der Bestand an Kamin-, Kachelöfen oder Heizkaminen bleibe weitgehend konstant mit 11,7 Mio. Einzelraumfeuerstätten. „Die nahezu unveränderten Bestandszahlen deuten darauf hin, dass feste Biomasse im Gebäudebestand weiterhin eine relevante Rolle spielt, ohne derzeit jedoch deutlich an Bedeutung zu gewinnen“, resümiert der Verband.
Bundesverband sieht „viel Potenzial im Heizungskeller“
Ein zentrales Problem erkennt der Bundesverband beim hohen Durchschnittsalter konventioneller Heizsysteme, die ohne Brennwerttechnik heizen. Über 86 %der Ölheizungen und etwa 66 % der Gasheizungen waren im Jahr 2025 älter als 20 Jahre. Sie erfüllen die Sicherheitsstandards, gelten aber als technisch veraltet, so der Verband. Rund 21 % der Ölkessel und etwa 26 % der Gasheizungen seien älter als 15 Jahre und verfügen über Brennwerttechnik.
„Es bleibt abzuwarten, wie sich der GEG-Nachfolger, das Gebäudemodernisierungsgesetz, auf das laufende Jahr 2026 auswirkt. Der Einbau effizienter Öl- und Gasheizungen wird laut Referentenentwurf weiterhin möglich sein“, erläutert Alexis Gula, Präsident im Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. „Wir empfehlen jedoch unter anderem im Hinblick auf eine mögliche Biotreppe Alternativen wie zum Beispiel Wärmepumpen oder Biomasseanlagen – und eine vorherige Energieberatung. Die Entscheidung für oder gegen ein System wird vor allem von der Entwicklung der Energiepreise und der Versorgungssicherheit bestimmt.“
Unsicherheit bremst die Wärmewende
Die aktuelle Zurückhaltung vieler Gebäudeeigentümer sei eng mit der energiepolitischen Diskussion verbunden. Unsicherheiten rund um gesetzliche Anforderungen, Förderbedingungen und zukünftige Energiepreise führten dazu, dass Investitionen verschoben werden. Dies unterstreiche, wie wichtig verlässliche politische Rahmenbedingungen für die Transformation des Wärmemarktes seien. Gleichzeitig gewinnen Themen wie kommunale Wärmeplanung, Netzinfrastruktur und sektorübergreifende Energiekonzepte weiter an Bedeutung. „Sie werden entscheidend dafür sein, wie schnell und effizient die Wärmewende umgesetzt werden kann“, so der Bundesverband, der ankündigt, die Datenerhebung zu erweitern: „Ziel ist eine vollständige Erfassung aller Wärmeerzeuger, einschließlich strombasierter Systeme und Fernwärmeanschlüsse.“