„Unsere Systeme funktionieren auch ohne Cloud-Zwang“
Das Unternehmen Technische Alternative hat mit der „UVR16x2“ und dem „CMI“ jeweils die Seriennummer 100 000 erreicht. Ein Interview über Erfolgsfaktoren, Zukunftspläne und die Rolle von KI in der Regelungstechnik.
100 000 verkaufte und installierte Geräte – gleich zweimal durfte Technische Alternative unlängst einen besonderen Meilenstein feiern. Sowohl der Universalregler UVR16x2 als auch das Control and Monitoring Interface (CMI) haben die magische Stückzahl erreicht. Im Gespräch mit Chefredakteur Markus Sironi erläutern Tina Miedler, verantwortlich für die technische Beratung, und TA-Geschäftsführer Jürgen Prazak, warum die Produkte seit Jahren erfolgreich am Markt bestehen, welche Rolle Software-Updates und Schulungen spielen und weshalb das Unternehmen bei Themen wie KI und Cloud bewusst einen eigenen Weg geht.
IKZ: Frau Miedler, Herr Prazak, gleich zwei Produkte aus Ihrem Haus haben unlängst die Seriennummer 100 000 erreicht. Das war für ein Unternehmen wie Technische Alternative sicherlich ein besonderer Moment. Um welche Geräte handelt es sich?
Tina Miedler: Wir haben einmal die Seriennummer 100 000 bei unserer „UVR16x2“ erreicht. Dieser Universalregler – daher die Abkürzung UVR – ist unser „größter“ Regler mit 16 Eingängen und 16 Ausgängen. Dadurch, dass die Regelung schon länger am Markt ist, haben wir jetzt eben diese Stückzahl erreicht. Wobei man sagen muss: Die größten Stückzahlen macht inzwischen die „UVR610“ – also die kleinere Regelung, die hauptsächlich in der Gehäuseform für den Schaltschrank gekauft wird
IKZ: Was macht die „UVR16x2“ so besonders?
Tina Miedler: Die Regelung eignet sich für alles, was man programmieren möchte – Heizen, Kühlen, Lüften, Jalousien oder andere Anwendungen. Das Besondere ist die freie Programmierbarkeit. Vor allem die Kombination verschiedener Anwendungen ist ein großes Thema. Man ist eben nicht nur auf Heizung beschränkt, sondern kann Heizung und Lüftung oder Heizung und Solarthermie in einer Anlage kombinieren und zentral regeln.
Jürgen Prazak: Genau das ist eigentlich die Stärke. Viele Standardregler stoßen irgendwann an ihre Grenzen. Unsere Systeme sind erweiterbar, bewusst offengehalten und dadurch sehr flexibel einsetzbar.
IKZ: Die „UVR16x2“ gibt es bereits seit vielen Jahren. Wie wichtig sind Weiterentwicklungen bei einem solchen Produkt?
Tina Miedler: Ja richtig. Die erste Regelung ist bereits im November 2014 ausgeliefert worden. Natürlich gab es in dieser Zeit auch Hardware-Updates. Das größte sichtbare Update war 2020 die Umstellung auf ein kapazitives Touchdisplay – ähnlich wie man es von Smartphones kennt. Davor hatten wir ein resistives Display.
Jürgen Prazak: Im Wesentlichen geht es aber um Software-Updates. Da kommen regelmäßig neue Funktionen dazu, neue Funktionsblöcke in der Programmiersoftware oder Unterstützung für zusätzliche Geräte. Gleichzeitig werden Fehler behoben – das ist heute bei netzwerkfähigen Geräten selbstverständlich. Gerade mit Blick auf Themen wie den Cyber Resilience Act wird das in Zukunft noch wichtiger.
IKZ: Das zweite Produkt mit der Seriennummer 100 000 ist das „CMI“. Was ist das für Gerät?
Jürgen Prazak: Das „CMI“ – also das Control and Monitoring Interface – ist vereinfacht gesagt unsere Internetschnittstelle. Damit bekommt man die Universalregelung ins Internet und kann Fernzugriff, Fernwartung oder Datenlogging realisieren. Außerdem lassen sich benutzerdefinierte Oberflächen gestalten, die für den Endkunden leicht verständlich sind.
Tina Miedler: Das „CMI“ funktioniert aber nicht nur mit der „UVR16x2“. Über unseren vierpoligen CAN-Bus können bis zu 62 Geräte miteinander vernetzt werden. Und eines dieser Geräte kann eben das CMI sein.
IKZ: Planen Sie technische Weiterentwicklungen?
Tina Miedler: Bei der „UVR16x2“ bringen wir weiterhin regelmäßig Updates mit Verbesserungen und Fehlerbehebungen heraus. Grundsätzlich ist die Entwicklung aber abgeschlossen. Langfristig wird es natürlich einen Nachfolger geben.
Jürgen Prazak: Beim „CMI“ ist das etwas anders. Dort kommt Ende des Jahres bereits ein direkter Nachfolger auf den Markt. Gerade weil das Gerät im Netzwerk beziehungsweise Internet arbeitet, steigen die Anforderungen permanent. Wir entwickeln deshalb sowohl die Oberfläche als auch die Schnittstellen und das Datenlogging deutlich weiter.
IKZ: KI ist heute in aller Munde. Wird Künstliche Intelligenz künftig eine Rolle in Ihren Regelungen spielen?
Jürgen Prazak: Das ist ein spannendes Thema. Natürlich bekommen wir mit, dass derzeit überall KI implementiert wird. Unsere Philosophie ist aber, dass unsere Systeme cloudfree funktionieren muss. Es gibt keinen Internetzwang – und genau das ist für viele Kunden ein wichtiges Argument.
Tina Miedler: Oft wird es schwierig, sobald man konkret fragt: Was soll die KI eigentlich machen? Viele Themen wirken auf den ersten Blick attraktiv, bringen aber im Alltag aber noch wenig Mehrwert bei deutlich höheren Kosten.
Jürgen Prazak: Das erinnert ein bisschen an die Wettervorhersage. Viele wollten und wollen das unbedingt haben. Wenn man dann genauer nachgefragt hat, stellte sich oft heraus, dass die Ergebnisse gar nicht überzeugend waren. Gerade in Regionen mit speziellen Wetterlagen kann die Regelung über eigene Sensoren oft besser reagieren als das regionale Vorhersagemodell. Was natürlich nicht heißt, dass es gar keine Rechtfertigung hätte.
IKZ: Gleichzeitig spielt auch Sicherheit eine immer größere Rolle.
Jürgen Prazak: Absolut. Gerade in sensiblen Bereichen möchten viele Betreiber Systeme ohne Cloud-Zwang. Wir hatten erst kürzlich Kontakt mit einem Anbieter, der uns KI direkt auf dem Regler implementieren wollte. Dafür wäre allerdings eine vergleichsweise enorme Rechnerleistung nötig gewesen. Das würde die Hardware unnötig verteuern – für Anwendungen, die viele Kunden gar nicht brauchen.
IKZ: Ob mit oder ohne KI, der Funktionsumfang der Universalregler ist enorm.
Tina Miedler: Genau – und deshalb bieten wir umfangreiche Einsteigerschulungen an. Dort lernen die Teilnehmer zunächst die Grundlagen der Regelung kennen: Welche Ausgänge stehen zur Verfügung? Was ist ein digitaler oder analoger Eingang? Danach folgen erste Programmierbeispiele.
Jürgen Prazak: Wobei wir intern eigentlich eher von „Parametrieren“ sprechen. Die Funktionsblöcke sind ja bereits vorhanden. Man muss im Grunde nur wissen, was man erreichen möchte.
IKZ: Wie geht es dann weiter?
Tina Miedler: Am zweiten Tag wird das Programmierbeispiel komplexer. Am dritten Tag erklären wir dann den TA-Designer. Damit lassen sich individuelle Funktionsübersichten und Visualisierungen für die Benutzer erstellen.
IKZ: Das heißt: Installateure müssen keine Angst vor der Komplexität der Geräte haben?
Tina Miedler: Genau. Wir nehmen die Fachhandwerker Schritt für Schritt an die Hand. Die Vielfalt der Funktionen wirkt zunächst komplex, ist aber in der Praxis gut beherrschbar.
IKZ: Wie feiern Sie den Meilenstein der Seriennummer 100 000?
Jürgen Prazak: Es wird eine kleine Sonderserie geben. Die Geräte werden zufällig ausgeliefert und die Kunden dürfen sich auf das eine oder andere Goodie freuen.
Tina Miedler: Natürlich feiern wir auch intern mit unseren Mitarbeitern in Produktion und Fertigung. Denn letztlich sichern sie die Qualität und damit auch den guten Namen unserer Produkte.
IKZ: Blicken wir noch auf weitere Entwicklungen im Produktportfolio. Was steht aktuell an?
Tina Miedler: Ein großes Thema ist der Nachfolger des „CMI“. Parallel arbeiten wir an einem Schichtlademodul. Damit lässt sich überschüssiger Photovoltaikstrom effizient in Wärme umwandeln. Das Modul wird am oder neben dem Pufferspeicher angebracht und kann den PV-Überschuss stufenlos verwerten – entweder bis 3 kW oder bis 9 kW. Beide Varianten sind bereits ab 50 Watt regelbar in 1-Watt-Stufen.
IKZ: Ein spannendes Thema – gerade mit Blick auf Eigenverbrauch.
Jürgen Prazak: Genau. Im Modul sind bereits Sicherheitsventile, Pumpe, Entlüfter und die komplette Regelung integriert. Das sorgt für eine sehr kompakte Lösung. Außerdem arbeiten wir an einer eigenen Wallbox mit 11 kW für PV-Überschussladen. Das sehen wir aber bewusst als Ergänzung unseres Systems und nicht als eigenständiges Massenprodukt.