Trinkwasser-Wärmepumpen in Portugal: Praxislösungen zwischen Integration und Außenaufstellung
Trinkwasser-Wärmepumpen (TWWP) können in vielen europäischen Ländern ein sinnvoller Ersatz für die alten direkt beheizten Boiler sein und die Effizienz der Warmwasserbereitung signifikant steigern. Ein beispielhafter Blick nach Portugal zeigt, wie flexibel diese Systeme in Wohngebäuden schon jetzt eingesetzt werden. IKZ-Chefredakteur Markus Sironi konnte in unterschiedlichen Städten interessante Installationskonzepte im Geschosswohnungsbau beobachten.
In modernisierten Bestands- und Neubauten kommen kompakte Geräte mit Speichervolumina zwischen 80 und 120 l zum Einsatz. Diese werden wohnungsweise installiert und sind oft platzsparend in Einbaumöbeln, etwa in Küchen oder Fluren, integriert. Die Geräte nutzen typischerweise die Raumluft als Wärmequelle: Die angesaugte Luft aus dem Wohnbereich wird energetisch genutzt, bevor die abgekühlte, trockene Fortluft in angrenzende Bereiche – beispielsweise Flure – abgegeben wird.
Mitunter sind die Wärmepumpen in Kombination mit Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen angeordnet, was zusätzliche Synergien hinsichtlich der Nutzung interner Wärmequellen ermöglichen kann.
Diese Aufstellung innerhalb der Wohnung reduziert die Verteilverluste signifikant und vereinfacht die Abrechnung, stellt jedoch erhöhte Anforderungen an den Schallschutz in den eigenen vier Wänden und die Integration in die Wohnarchitektur.
Alternativ dazu zeigt ein aktuelles Neubauprojekt in Porto auch andere Lösungsansätze: In einer im Bau befindlichen Mehrfamilienhausanlage wurden die Trinkwasser-Wärmepumpen außerhalb der thermischen Gebäudehülle auf Balkonen positioniert. Diese Aufstellvariante minimiert potenzielle Schallemissionen innerhalb der Wohnungen und vermeidet Eingriffe in die Innenraumluftbilanz. Gleichzeitig erfordert sie jedoch eine sorgfältige Planung hinsichtlich Witterungsschutz, Leitungsführung und Zugänglichkeit für Wartungszwecke.
Bemerkenswert ist zudem die Kombination unterschiedlicher Wärmepumpensysteme innerhalb eines Gebäudes. In dem Projekt wurde ein hybrides Konzept realisiert, bei dem Luft-Luft-Wärmepumpen für die Raumheizung und -kühlung mit separaten Trinkwasser-Wärmepumpen für die Warmwasserbereitung kombiniert werden. Diese funktionale Trennung ermöglicht eine bedarfsgerechte Auslegung der jeweiligen Systeme und kann insbesondere in klimatisch begünstigten Regionen wie Portugal Effizienzvorteile bieten.
Die Beispiele verdeutlichen, dass dezentrale Trinkwasser-Wärmepumpen ein hohes Maß an Flexibilität bieten und sich an unterschiedliche bauliche und klimatische Rahmenbedingungen anpassen lassen. Für Planer und Installateure in Deutschland dürften die in Portugal realisierten Konzepte aber sicher keine Blaupause darstellen. Eine Trinkwasser-Wärmepumpe in der Küchenzeile oder auf dem Balkon, möglicherweise noch in Kombination mit einem Luft-Luft-Außengerät, würde von den meisten Mietern aktuell wohl kaum akzeptiert werden.