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TGA-Branche weiterhin für Gebäudeenergiegesetz

Berlin. Die TGA-Branche kann nur dann ihrer „tragenden Rolle“ in der Gebäudewende gerecht werden, wenn sich Politik und Wirtschaft regelmäßig abstimmen. Diese Meinung vertritt Günther Mertz. Der Geschäftsführer des Bundesindustrieverbandes Technische Gebäudeausrüstung (BTGA), des Fachverbandes Gebäude-Klima (FGK) und des Herstellerverbandes Raumlufttechnische Geräte (RLT) moderierte den „Energy-Talk“ in Berlin, einem Austausch von Politikern und TGA-Fachleuten über Probleme und Lösungen der Energieeffizienz im Gebäudesektor. Einig waren sich die Abgeordneten in der Diskussionsrunde vor allem darin: der Gesetzgeber müsse „schnellstmöglich“ das Energieeinsparrecht zusammenführen und den Niedrigenergiehaus-Standard definieren.

Gedankenaustausch der TGA-Verbände mit Politikern in Berlin. Auf dem Podium (v. l.) Moderator Günther Mertz, MdB Marie-Luise Dött, MdB Timon Gremmels, MdB Dr. Julia Verlinden, BTGA-Präsident Hermann Sperber, FGK-Vorsitzender Prof.-Ing. Christoph Kaup und Andreas von Thun vom RLT-Herstellerverband. Bild: Kristian Barthen

 

Denn rechtlich eindeutig definiert ist der Begriff Niedrigenergiehaus (NEH) nicht. Der international gängige Richtwert für den Heizwärmebedarf im NEH von maximal 70 kWh pro m2 im Jahr muss seit der gültigen Energieeinsparverordnung (EnEV) ohnehin erfüllt werden. Demnach ist jeder Neubau ein Niedrigenergiehaus. Konkretere Vorgaben gibt es bislang gemäß privater Vereinbarungen wie beispielsweise dem RAL-Gütesiegel für energieeffiziente Gebäude. Auch wer NEH-Landesförderprogramme nutzen möchte, muss strenge Vorgaben einhalten. Generell gilt: Niedrigenergiehäuser sollten die gesetzlich zulässigen Maximalwerte unterschreiten.

Thema in Berlin war auch das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das zum 1. Januar 2018 in Kraft treten und den Niedrigenergiegebäude-Standard für Neubauten definieren sollte. Das Gesetzgebungsvorhaben, in dem die drei parallelen Regelwerke – Energieeinsparungsgesetz (EnEG), Energieeinsparverordnung (EnEV) und Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) – zusammengeführt werden sollten, scheiterte jedoch. „Wenn wir mit einem Gebäudeenergiegesetz Vereinfachung und Verschlankung erreichen wollen, dann müssen wir auch die Ausnahmeregelungen abschaffen“, sagte Dr. Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Sie forderte die Vertreter der Regierungskoalition auf, in einem zukünftigen Gesetz Anforderungen festzulegen, mit denen die Klimaschutzziele (u.a. CO2-Einsparung) erreicht werden können. Die TGA-Branche habe den GEG-Entwurf im Januar 2017 grundsätzlich unterstützt, stellte BTGA-Präsident Hermann Sperber klar. „Wir wollen weiterhin ein Gebäudeenergiegesetz, das die rechtlichen Regelungen zusammenführt und vereinfacht.“

Was kann die Politik tun, um die Wirtschaft bei ihren Anstrengungen für mehr Gebäudeenergieeffizienz zu unterstützen? Das wollte Timon Gremmels, Berichterstatter für die Themen Energieeffizienz/Wärme der SPD-Bundestagsfraktion, wissen. Um effizient bauen und qualitativ hochwertige Produkte auf den Markt bringen zu können, sei ein „ordnungspolitischer Rahmen“ notwendig, in dem auch die Wirtschaftlichkeit eine wichtige Rolle spiele, sagte Prof. Dr.-Ing. Christoph Kaup, Vorsitzender des FGK. Kaup forderte die Politik und Fachleute aus den Bundesministerien zudem auf, sich fachlich stärker in den Normungsausschüssen einzubringen.

Marie-Luise Dött, umwelt- und baupolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sprach sich in Berlin für einen CO2-Preis in Deutschland aus – wenn er „ordentlich gemacht“ sei. Er müsse mit den marktwirtschaftlichen Instrumenten des europäischen Emissionshandels abgestimmt werden. Und: Industrieunternehmen dürften nicht doppelt belastet werden. Dött wollte während des Gedankenaustausches zudem wissen, ob die Wirtschaft bereit für das „Building Information Modeling“ (BIM) sei, eine Methode der optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden mit Hilfe von Software. Daran ließ Andreas von Thun vom RLT-Herstellerverband keinen Zweifel: „Unternehmen und Verbände gehen bei BIM voran.“ Wunsch der Industrie sei es trotzdem, dass die öffentliche Hand bei der Digitalisierung von Bauprozessen eine Vorreiterrolle einnehme.

 


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