Werbung

Studie: Wärmepumpen und Wärmenetze prägen die Wärmewende

Endenergiebedarf Wärme nach Energieträgern der ausgewerteten kommunalen Wärmeplanungen für Wärme bis 2045. Bild: Öko-Institut / Fraunhofer ISE

 

Freiburg. Eine Auswertung von rund 380 kommunalen Wärmeplänen durch Fraunhofer ISE und Öko-Institut bestätigt die zentrale Rolle von Wärmepumpen und Wärmenetzen. Bis 2045 sollen beide zusammen gut drei Viertel der Wärmeversorgung abdecken. Gleichzeitig sehen die Forschenden Nachbesserungsbedarf bei den Annahmen zur Gebäudesanierung, beim Einsatz von Biomasse und bei der Berücksichtigung industrieller Prozesswärme.
Für die zweite Ausgabe der Studie „Kommunale Wärmeplanung in Deutschland“ wurden rund 380 Wärmepläne ausgewertet, die etwa 940 Kommunen umfassen. Demnach planen die Kommunen bis 2045 einen weitgehenden Ausstieg aus Erdgas und Heizöl. Wärmepumpen sollen dann rund 42 % der Wärmeversorgung übernehmen, Wärmenetze weitere 37 %. In kleineren und mittleren Kommunen spielen dezentrale Wärmepumpen eine besonders große Rolle, während größere und dichter bebaute Städte stärker auf Wärmenetze setzen.
Bereits heute verfügen 71 % der untersuchten Kommunen über mindestens ein Wärmenetz. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 91 %, bis 2035 auf 95 % steigen. Der Anteil der über Wärmenetze bereitgestellten Wärme soll von derzeit rund 15 auf 38 % im Jahr 2045 wachsen. Offen bleibt jedoch häufig, wie die Wärme für diese Netze künftig erzeugt werden soll. In mehr als der Hälfte der Wärmepläne fehlen dazu Angaben. Wo konkrete Konzepte vorliegen, werden häufig Wärmepumpen mit biogenen Energieträgern kombiniert. Hinzu kommen lokale Lösungen mit industrieller Abwärme oder Geothermie.

Sanierung und Biomasse als Unsicherheitsfaktoren

Über alle ausgewerteten Wärmepläne hinweg sinkt der angenommene Endenergiebedarf für Wärme bis 2045 um rund 32 %. Zwei Drittel der Kommunen gehen dabei von jährlichen Sanierungsraten oberhalb des historischen Vergleichswerts von etwa 1 % aus. Ob diese Raten tatsächlich erreicht werden können, bleibt vielfach offen. Die Forschenden empfehlen deshalb, bei der Infrastrukturplanung auch weniger ambitionierte Sanierungsszenarien zu berücksichtigen.
Die Auswertung zeigt zudem einen Zielkonflikt beim geplanten Biomasseeinsatz. In 63 % der untersuchten Kommunen übersteigt der für 2045 angesetzte Verbrauch biogener Energieträger das jeweils ausgewiesene lokale Potenzial. Aufsummiert über die ausgewerteten Pläne liegt der geplante Verbrauch fast 40 % über den ermittelten Potenzialen.
Auch industrielle Prozesswärme wird bislang häufig nicht ausreichend differenziert betrachtet. Dies erschwert unter anderem die Abschätzung des künftigen Wasserstoffbedarfs. Wasserstoff spielt in den kommunalen Zielbildern insgesamt nur eine ergänzende Rolle: Rund zwei Drittel der untersuchten Kommunen sehen für 2045 keinen Einsatz vor.

Interaktive Karte: Kommunen mit kommunalen Wärmeplänen:

Energy-Charts: Entwicklung Wärmeversorgung bis 2045:

 


Artikel teilen:
Weitere Tags zu diesem Thema: